20. März 2007

Schule

Jeden Morgen können wir von unserem Balkon das alltägliche Schulritual beobachten. Alle Schüler versammeln sich auf dem Schulhof, um den Guten-Morgen-Grüßen des Schuldirektors zu lauschen. Für diesen Zweck wird jeden Morgen extra ein kleines Holzpodest aufgestellt.



Zwecks Einheitslook müssen die Schüler alle eine schicke blaue Mütze tragen. Das ist hier allerdings noch harmlos, denn je privater und damit teurer die Schulen sind, so aberwitziger werden die Schuluniformen. Zumindest habe ich diesen Eindruck.



Zu der auf dem Bild zu sehenden Schule - die sehen hier wirklich alle gleich aus,immer ein Betonklotz mit einem Schulhof/Sportplatz davor. Wenn ich nicht genau wüsste, dass es in den 60er und 70er Jahren noch keine Computer und somit auch kein "Sim City" gegeben hat - ich könnte schwören, dass sie die Stadtplanung mit dieser Spiele-Software gemacht haben ,und dass die Schulen ein Relikt dieser Zeit sind.

Zum Lernen laden diese Bunker nicht wirklich ein. Die sind ja fast noch schlimmer als die Asbest-Baracken in Deutschland. Na ja, eventuell etwas gesünder und erdbebensicherer. Aber sonst...

p.s. bald gibt es übrigens das legendäre Sim City Spiel für den Nintendo DS - ich freue mich schon :-) http://simcity.jp/ds/pc/

19. März 2007

Muse...

...oder wie lange dauert es, 1.000 Leute in eine Konzerthalle zu bekommen.

Ich freue mich ja wirklich, dass sich doch so viele Bands aus Europa nach Japan begeben und hier Konzerte spielen. Ich hatte schon Angst, dass mir dieser Genuss hier völlig entgehen würde. Gut, Genesis kommen nicht, Blackfield auch nicht....



Aber, Muse kam, sah und siegte. Drei ausverkaufte Konzerte alleine in Tokio. Und bei einem war ich dabei. Das von MTV und J-Wave (Nr. 1 Radio-Sender) gesponserte Konzert fand in einer neuen Konzerthalle im Hafenbereich statt - "Studio Coast". Als ich eine Stunde vor Konzertbesuch an der Halle ankam, war ich so ziemlich der letzte, alle anderen waren irgendwie schon da, und standen klassisch englisch in einer langen, langen Reihe... wartend.



Zum Problem. Ein populärmusikalisches Konzert kann im allgemeinen keine nummerierten Sitzplätze vorhalten, was in Japan ein echtes Problem darstellt. Also wie bringe ich die Besucher möglichst "gerecht" in die Halle? Nun, indem ich jedes Ticket nummeriere, von 1 bis 1.000, und dann eine laaaaange Reihe vor dem einen kleinen Eingang bilde! Ohne Worte! Diverse "Security"-Leute waren mal wieder vollkommen damit beschäftigt, die Leute an die richtige Stelle in der Schlange zu lotsen.



Dass die Einlassprozedur dann mehr als 45 Minuten gedauert hat, liegt nicht an den gehobenen Security-Maßnahmen. Die gibt es hier nämlich überhaupt nicht, man kann getrost seine private Samuraischwertsammlung mitbringen. Sollte die dann doch irgendwie lästig werden, kann man die aber auch noch in einem Schließfach innerhalb der Halle ablegen.

Irgendwie seltsam das mit den Sicherheitsvorkehrungen. Die einzige wirkliche Maßnahme zur Anti-Terror-Bekämpfung besteht wohl wirklich darin, keine öffentlichen Mülleimer aufzustellen. Das machen sie dafür aber konsequent, und in einem Viel-Müll-und-Einpack-Schnick-Schnack-Land wie Japan führt dies immer dazu, dass man seinen persönlichen Müll mit sich herumtragen muss.

Ah, zurück zum Thema...also alle mussten durch einen kleinen Eingang, da ist unsere Wohnungstür breiter. Und dann, eine weitere Überraschung. Am Eingang musste jeder Besucher noch mal einen Getränkegutschein kaufen, für umgerechnet 3 Euro. Wer kommt eigentlich auf solche dummen Ideen? Kann man das nicht gleich, wenn es denn notwendig ist, im Ticketpreis verbraten? Dass man für diesen Gutschein lediglich Softdrinks bekommen konnte, und für ein gewöhnliches Bier nochmals draufzahlen musste....

Na ja, wieder mal japanisches Organisationstalent "at-its-best". Das Konzert an sich war klasse, wenn auch mit knapp 80 Minuten viel zu kurz. Das könnten die sich in Europa nicht leisten. Und die Japaner gehen bei einfach-mitzugröhlenden, lauten Songs voll ab, da war ich wirklich froh, mich auf der Empore geparkt zu haben. Meilensteine wie "Citizen Erased" lassen sie eher links liegen. Schade.

15. März 2007

Mülleimer

Da machen sich die Architekten alle Mühe, einen schönen Platz zu entwerfen, und dann wird dieser einfach durch die unschönen Mülleimer entweiht.



Na ja, es kann natürlich auch sein, dass die Architekten hier einfach vergessen haben, sich mit der Müllsituation in Japan zu beschäftigen...

14. März 2007

Sukura - Kirschbaumblüte 1

Bald geht es los, die Kirschbaumblüte - Sakura - steht vor der Tür.

Überall in Tokio sieht man schon Bilder, die dieses Event ankündigen. Sowohl die Werbeindustrie als auch Zeitungen widmen sich diesem Thema. Irgendwie wird jeder Ort, an dem zumindest ein Kirschbaum steht, als "Hot-Spot" angepriesen.

Da ich dies noch nie mitgemacht habe, bin ich mal gespannt, wie sich die Atmosphäre verändern wird. Ich gehe mal davon aus, dass die Blüten von den eher hässlichen Häuserschluchten ablenken und Tokio in einem anderen Licht präsentieren werden...

Heute also der erste fotografische Zustandsbericht, trotz Klimawandel müssen wir wohl noch einige Tage warten:



Howaitodē

Auch in Japan gibt es den Valentinstag. Dieser Tag wird von den Geschäften gleich nach dem Entfernen der Weihnachtsdekoration anvisiert. Auch wenn dieser Tag hier ebenfalls am 14.Februar gefeiert wird, ist hier doch alles etwas anders.

Grundsätzlich werden hier lediglich die Jungs von den Mädels beschenkt. Punkt. Soweit so gut. Allerdings sind Geschenke, Schokolade wenn es gut läuft, nicht mit dem eigentlichen romantischen Hintergrund verbunden.

Neben den wirklichen Valentinstaggeschenken gibt es nämlich auch die “Giri-Chokko” (Höflichkeits-Schokolade). Man bekommt also von allen Seiten Schokolade geschenkt, und zwar aus Gründen japanischer Höflichkeit heraus. Es gibt im Büro Schokolade von den Sekretärinnen, und sogar bei Starbucks gab es Schokolade zum Kaffee. Es wird niemand vergessen, und keiner muss sich an diesem Tag ausgeschlossen fühlen. Sehr japanisch.

Und als Ausländer sollte man diese Geschenke nicht falsch verstehen...

Das war es aber noch nicht. Genau einen Monat später, am 14. März, sind dann die Jungs aufgerufen, ihren Liebsten Schokolade zurückzuschenken. Das ganze heißt hier “Howaitodē” – White Day. Nicht dass dies irgendeinen britischen oder amerikanischen Ursprung hätte, es ist einfach ein englischer Begriff.

Ok, die Jungs schenken allerdings wirklich nur den von ihnen verehrten Mädels Schokolade, alle anderen erhaltenen Valentinstaggeschenke werden entweder gar nicht oder nur mit Süßigkeiten entgegnet. Es wird also wieder niemand enttäuscht. Und die Jungs haben einen ganzen Monat Zeit, sich zu überlegen, wem sie welches Geschenk machen wollen. Nur nicht hetzen. Natürlich hat auch der Einzelhandel etwas davon, weil gleich am 15. Februar die Valentinstagswerbung gegen die White-Day Dekoration ausgetauscht wird.

Hauptsache alles ist organisiert, und der Handel profitiert.

12. März 2007

Beton

Vor einigen Jahren gab es hier in Tokio wohl mal den Trend, Wohnhäuser stylish mit Betonfassade zu bauen. So wie man es ja in der ganzen Welt von Museen kennt. Wenn man diese Gebäude hier in Tokio so sieht, dann versprühen diese überhaupt keinen Charme, vor allem, weil sie nicht als Solitär Wirkung erzielen können. Sie sehen einfach nur 'unfertig' aus.



Da hilft dann auch der vergebliche Versuch mit einer "Unfarbe" Charakter zu schaffen nichts mehr...





Einzig die Verbindung mit grünem Bambus sieht sehr nett aus:

11. März 2007

Hoffnung

Heute hat mich im Aufzug ganz unverblümt ein ca. 5-jähriges Mädchen auf Englisch angesprochen! Welche Überraschung in einem Land, in dem die Englische Sprache vorwiegend als Lückenfüller in schrägen Popsongs Verwendung findet!

Dass ein 5-jähriges Kind bessere Englischkenntnisse hat als der durchschnittliche Universitätsabsolvent, gibt mir Anlass zur Hoffnung. Vielleicht werden zukünftige Generationen etwas aktiver dazu angeleitet, die Englische Sprache als universelles Kommunikationsmedium zu erlernen. Gleichzeitig zeigt dies aber auch in sehr krasser Weise das verkorkste japanische Bildungssystem auf. Ein auf sturem Lernen und "multiple choice" basierendes Lernsystem ist nun wirklich nicht mehr zeitgemäß, dies hatten wir vor 100 Jahren.

Zudem ist es hier eine zentrale Aufgabe der Eltern, eine gute Schulausbildung für ihre Kinder zu finden. Trotz einer Vielzahl von privaten Lehranstalten ,ist dies hier kein leichtes Unterfangen. Die Qualität wird anscheinend nur über den Preis definiert oder umgekehrt. Soviel zu den Vorteilen der Privatwirtschaft in Sachen Bildung.

Da sollten wir in Deutschland doch mal sehr glücklich über das konstante und im Vergleich gute Level der öffentlichen Schulen sein. Soll ruhig noch mal ein Politiker nach mehr privaten Schulen rufen. Den sollte man dann einfach mal nach Japan schicken, zwecks Anschauungsunterricht.

9. März 2007

Einwanderungsbehörde

Heute Vormittag habe ich einen kleinen Ausflug zur Regionalen Einwanderungsbehörde Tokios gemacht. Da ich mit meinem derzeitigen Visum leider nicht frei Aus- und Wieder-Einreisen kann, musste ich mich um eine Wieder-Einreisegenehmigung kümmern.

Damit wären auch schon die zwei wichtigen Worte erwähnt, “Behörde” und “Genehmigung”. Also, sobald man in Japan, und es macht wirklich keinen Unterschied wo, mit Behörden und Administration konfrontiert wird, schlägt man sich wohl spätestens nach 5 Minuten vor den Kopf und fragt sich, ob das wirklich wahr sein kann. “Burocracy at its best”. Man könnte fast glauben, die haben hier eine extra Universität, an der sie das Fach “Einfache Dinge kompliziert und umständlich machen” studieren können.

Heute bin ich zuerst einmal eine knappe Stunde Richtung Shinagawa, am Hafen Tokios, gefahren. Die Einwanderungsbehörde liegt da irgendwie auf einer kleinen künstlichen Insel inmitten eines grauen Industriegebietes. Vom Bahnhof muss man noch mal knapp 20 Minuten laufen, bis man zu der Behörde kommt. Mitten durch ein Industriegebiet, das wohl zu den unschönsten Gegenden Tokios gehört. Hat irgendwas von Quarantäne-Gebiet. Mir kam es so vor, als wollen die mir von der Einwanderungsbehörde nochmal vor Augen führen, dass Japan eigentlich ziemlich hässlich ist und man sich noch mal fragen soll, ob man wirklich bei der Behörde ein Visum beantragen will.



Unter "Kundennähe" verstehe ich etwas anderes, und hier ist es wirklich wörtlich zu nehmen.

Gut, angekommen geht es gleich lustig weiter. Da es ja eine Vielzahl unterschiedlicher Visumswünsche gibt, ist auch für jede Angelegenheit ein eigener Bereich eingeteilt. Natürlich begrenzen sich die Informationen in englischer Sprache auf das Notwendigste (wo um Himmels Willen wären Englische Erläuterungen sinnvoller als hier?!), immerhin gibt es schon draußen eine Hinweistafel, wie im Gebäude alles abläuft. Die braucht man auch, weil man hier von A nach B und eventuell nach C (nur nicht über Los rennen und keine 4000 Euro einziehen) muss.



Zuerst bekommt man an der Information die Formulare, dann geht es in den Kombini (Convenience-Store) Supermarkt. Dort wird an einer Kasse eine Briefmarke gekauft, damit wird der Antrag auf ein Visum bezahlt (kenne ich so nur aus Entwicklungsländern…). Man bekommt allerdings nicht nur die eigentliche Briefmarke sondern auch noch zwei weitere Rechnungen, eine vom Kombini und noch einen Beleg. Wie sinnlos es ist,dass hier jeder in diesen kleinen Laden rennen muss und sich mit den regulären Kunden im Weg steht, brauche ich ja nicht extra zu erwähnen.

Weiter geht es. Nach dem Ausfüllen und Aufkleben der Briefmarke ziehe ich eine Nummer und freue mich, dass noch genau 83 Leute vor mir dran sind. Also mache ich es mir in der Wartezone gemütlich, und höre mir exakt 83 Mal den Spruch “Vielen Dank dass Sie gewartet haben"an. Als nächstes bitten wir den Besucher mit der Nummer XY zum Schalter Z” , was aus einem dröhnenden Lautsprecher dringt.!!
Nach einer halben Stunde Wartezeit – zwischenzeitlich hat mich jemand gefragt,ob ich Amerikaner sei, was ich in meiner leicht angespannten Situation nur mit einem kurzen “careful, you wanna insult me?” beantwortet habe, wurde endlich meine Nummer aufgerufen.

Dann geht alles ganz schnell, innerhalb einer Minute habe ich einen neuen Aufkleber in meinem Reisepass.

Könnte alles irgendwie einfacher gehen.
Und auch etwas freundlicher gestaltet sein.
Schließlich werden auch die Japaner auf die Einwanderer angewiesen sein, ihre Bevölkerung nimmt auch stark ab.
Freue mich schon auf meinen nächsten Besuch...

8. März 2007

1-7-1

Erdbeben, die gibt es in Japan des öfteren. Somit ergibt sich auch die Notwendigkeit, sich entsprechend auf solche Katastrophen vorzubereiten. Die Kinder lernen hier schon im Kindergarten und in der Schule, wie man sich bei einem Erdbeben verhält. Und es macht wirklich Sinn, die Evakuierungspläne zu studieren, wenn man ein unbekanntes Gebäude betritt (in Deutschland haben diese Pläne ja eher die Aufgabe, den Weg zum nächsten stillen Örtchen zu weisen).

Eine weitere Einrichtung für den Fall eines großen Bebens ist die Telefonnummer 171. Diese kann jeder anrufen und hat dann die Möglichkeit, gekennzeichnet durch seine eigene Telefonnummer, eine Nachricht auf Band zu sprechen bzw. eine Nachricht abzuhören. Somit könnte man zum Beispiel für seine Angehörigen eine Nachricht aufzeichnen, die diese dann anhand der bekannten Telefonnummer abhören können. Solange die Telefonnetze in einem solchen Fall noch funktionieren und wohl auch erst, wenn die Mobilfunknetze nicht mehr funktionieren.

An für sich eine sehr praktische Sache.



Anfang dieser Woche habe ich in meiner Firma eine Broschüre über diesen Service bekommen. Natürlich wird hier ganz genau erläutert, wie das Ganze funktioniert. Was mich wundert ist, dass auf der Rückseite sämtliche privaten Telefonnummern aller Gruppen-, Abteilungsleiter und des Managements meiner Firma angegeben sind! Wollen die mir etwa sagen, dass ich mich im Falle eines schweren Erdbebens nach dem Wohlergehen meiner Vorgesetzten erkundigen soll? Wahrscheinlich könnte man nachfragen, ob man trotzdem zum Arbeiten kommen könnte. Aber mal ehrlich, wenn man gerade alles verloren hat und durch ein Erdbeben das absolute Chaos herrscht, dann ist mir doch die Firma zuerst einmal völlig egal. Und, ohne respektlos gegenüber meinen Vorgesetzten erscheinen zu wollen, was soll ich denn um Gottes Willen mit deren privaten Telefonnummern anfangen?!

7. März 2007

Reset Time Teil 2

Tja, außer Spesen nix gewesen. Pünktlich um 17 Uhr wurden wir im Büro mit Kaufhausmusik beschallt, was die versammelten Angestellten zu einem kurzen Plausch über den netten Hinweis zum Aufräumen angeregt hat. Das war es aber auch; kein Mensch hat weiter Notiz genommen von dieser Aktion oder sich wirklich von der Arbeit ablenken lassen. War ja eigentlich auch nicht anders zu erwarten. Trotzdem irgendwie eine lustige Idee...

Reset Time

An einem Mittwoch, kurz vor 17 Uhr

Einmal pro Monat steigt hier in meiner Firma eine ganz seltsame Aktion. Die nennt sich “Reset Time” und fordert alle Mitarbeiter auf, an besagtem Tag zwischen 17 Uhr und 18 Uhr alle Arbeit ruhen zu lassen. Natürlich nicht, um sich auszuruhen, sondern um seinen Schreibtisch in Ordnung zu bringen! Aufräumzeit! Die gab es meines Wissens früher kurz vor Schluss im Kindergarten auch. Da mussten dann wieder alle Bauklötze zurück in die dafür vorgesehenen Kisten.

Und damit dieses wichtige Ereignis niemand vergisst, wird es zum einen am gleichen Tag morgens noch einmal angekündigt, und abends dringt dann Musik durch die Lautsprecher.



Sind dies nun die chaotischen Architekten, für die man dieses Spektakel in dieser Art und Weise ausrichten muss (meine Erfahrungen aus dem Studium würden diese These mehr als unterstützen), oder muss man den japanischen Arbeitnehmern wirklich alles sagen und sich ständig um sie kümmern? Mich würde es mittlerweile auch nicht mehr groß überraschen, wenn wir zum korrekten Aufräumen eine Checkliste und Anleitung mit lustigen Bildern und Zeichnungen bekommen würden….

Hmm, und dass auch ja niemand auf den Gedanken kommt, nach getaner Aufräumsession nach Hause zu gehen, ist dieses Mal gleich anschließend noch ein Vortrag in der Firma, schon der Titel “Night Forum” lässt nichts gutes ahnen…

Ich bin mal gespannt, in 10 Minuten ist es soweit, dann kann die Show beginnen!

4. März 2007

nact

Heute war wohl der erste Frühlingstag. Sonnenschein und milde 18 Grad.
Hier sind ein paar Bilder von unserem Ausflug, der uns zum Meiji-Shrine sowie zum neuen National Art Center Tokyo (NACT) gebracht hat:

2. März 2007

Ein feminines Land

Japan an sich ist ja schon eher ein femininer Ort. Überall tragen die Jungs hier Handtaschen, zum Teil sogar die gleichen Exemplare von Gucci und Prada und Louis Vuitton. Sowas gibt es in Deutschland noch nicht einmal in Köln am Heumarkt zu sehen.



Auch vor eher femininen Farben schrecken die männlichen Japaner nicht zurück. Mobiltelefone in Pink und Türkis sind nicht untypisch. Und dann ist ja wirklich überall alles mit Comicfiguren erklärt. Ich frage mich, ob Mercedes auch so eine "angepasste" Betriebsanleitung für die Japaner hat.

Auch die Herrentoiletten bieten, angesichts des ganzen Hygiene-Technik-Schnick-Schnacks samt Po-dusche und Sitzheizung, keinen Ort des Rückzugs an.

Den männlichsten Ort findet man hier ganz woanders. Zwischen 12 Uhr und 13 Uhr im Schnellrestaurant Yoshinoya. Hier kommen durch die Bank alle männlichen Vertreter zum Mittagessen, angefangen von den Schülern über die einfachen Büroarbeiter bis hin zum Firmenchef. Nur Frauen sieht man hier ganz selten.

Das schöne ist hier, es wird vornehmlich gegessen. Nicht geredet. Oder verhandelt. Oder was auch immer. Man bestellt üblicherweise "GyuDon" und bekommt eine Schale Reis mit einer Beilage, die aus hauchdünn-geschnittenem Rindfleisch, Zwiebeln und Soyasoße gemacht ist.



Junge Familienväter und Ballettschüler bestellen noch einen kleinen Salat dazu, normalerweise bleibt es aber bei der einfachen Variante. Die schmeckt wirklich unheimlich gut, ist schnell serviert und kostet umgerechnet knapp 2,50 Euro. Herrlich, diese 10-15 Minuten vollkommener Männlichkeit.

Einzig dass man hierzu Grünen Tee serviert bekommt, passt nicht so ganz, aber man kann ja nicht alles haben....

Yoshinoya im Web: link

28. Februar 2007

Von Aufzügen und Rolltreppen

In Japan geht es bekanntlicher Weise sehr eng zu. Bedingt durch die Topographie der Japanischen Insel kann nur ein sehr schmaler Küstenstreifen besiedelt werden. Dazu kommt dann noch, dass sich alles auf die drei großen Zentren Tokyo, Nagoya und Osaka konzentriert.

Die umgesetzte städtebauliche Lösung ist somit, in die Höhe zu bauen, was ja mit der Erfindung des Aufzuges durch den Amerikaner Elisha Graves Oti im Jahr 1852 möglich wurde. Gleichzeitig bauen die Japaner auch extrem in die Tiefe. Wenn man sich so einige U-Bahn-Linien anschaut, dann geht es zuerst einmal ganz schön tief in den Abgrund, bis man endlich die Plattform erreicht.

Nun, um zum Punkt zu kommen, Japan ist übersät mit Aufzügen und Rolltreppen. Und die Japaner lieben diese modernen "PeopleMover"; Treppen werden von der Mehrheit dezent verschmäht, wenn nicht sogar verachtet.

Beispiel 1: Wenn die Massen aus der U-Bahn strömen, rennen sie alle zielgerichtet zur natürlich hoffnungslos überfüllten Rolltreppe, warten dort aber geduldig, bis sie endlich befördert werden können. Die nebenan liegende, menschenleere Treppe benutzt kaum jemand. Haben sie dann in der U-Bahn-Station selbst die Wahl zwischen der barrierefreien Rampe oder zwei, drei Stufen, 90% nehmen die Rampe!

Beispiel 2: Natürlich sind alle Hochhäuser mit ausreichend Treppenhäusern ausgestattet; man rufe sich nur die ständigen Erdbeben in Erinnerung. Und diese Aufzüge werden ebenso präferiert wie es bei den Rolltreppen der Fall ist. Auch für eine kurze Fahrt vom siebten in den sechsten Stock oder vom ersten in den zweiten Stock, keine Wartezeit scheint den Japanern lang genug zu sein, als dass sie die Treppen als wirkliche Alternative zur Fortbewegung in Betracht ziehen würden. Also warten sie geduldig auf den nächsten Aufzug und verplempern ihre Zeit, die Zeit, die ihnen abends fehlt, um rechtzeitig nach Hause zu gehen, oder sie morgens zum Rennen zwingt.

Beispiel 3: Diverse japanischen Kulturdenkmäler sind in erhöhter Umgebung zu finden; in Kyoto sind zum Beispiel viele Tempelanlagen am Hang errichtet worden. Dennoch scheinen keine Weltkulturrichtlinien zu verbieten, überall einen barrierefreien, oftmals `geschmacklos` ausgeführten Zugang mittels Rolltreppe oder Aufzug anzubringen. . Man wird demnach bequem zum touristischen Gut befördert.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass sich das Leben eines gewöhnlichen Japaners zwischen Aufzug, Rolltreppen und Rampe abspielt. Entsprechende Studien wären sicherlich höchst interessant und vor allem unterhaltsam.

Warum die Japaner Treppen nicht mögen, ich weiß es auch nicht. Eventuell kommt ihnen ihr etwas eigener Körperbau in die Quere, denn trotz der bekanntlich generell etwas kleineren Körperstatur, werden Treppen auch hier nach den internationalen Standardmaßen gebaut (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Treppe). Oder die allgegenwärtigen Hinweisschilder “Bei Erdbeben und Feuer den Aufzug bitte nicht benutzen” implizieren, dass Treppen wirklich exklusiv in diesem Fall zu verwenden sind.

Ich erfreue mich somit ungewohnter Freiheit, während ich die Treppen hoch und runter laufe. Letztendlich kann man hierdurch ja auch sein sportliches Defizit etwas ausgleichen, dies wurde ja auch durch Sharon Stone im Film Basic Instinct unterschwellig erwähnt. Ob es den Film in Japan auch zu sehen gab?

25. Februar 2007

Tokyo Ubiquitous Technology Project

Am gestrigen Samstag haben wir bei einem Experiment teilgenommen. Im noblen Stadtteil Ginza (hier sind Prada und Gucci zu Hause) wird derzeit von der Stadtverwaltung ein multimediales Informationssystem getestet - "Tokyo Ubiquitous Technology Project". Klar, dass ich da mitmachen wollte, schließlich habe ich doch fast zwei Jahre damit verbracht, in gleichen Bereichen Lösungen mit hochwert.net umzusetzen.



Also, nach der Einführung haben wir den relativ unhandlichen Handheld-Computer bekommen und sind dann zwei Stunden durch die Straßen von Ginza gezogen. Alle Informationsinhalte wurden sowohl auf Japanisch als auch in Englisch und Chinesisch angeboten. Was die mit "Tranceport-Information" sagen wollen, hab ich aber nicht verstanden, irgendwie spacig.



Die Informationen kommen dann auf drei verschiedene Arten auf Display. Zum einen kann man an jedem Laternenpfahl eine Routinginformation abfragen, als Ergebnis bekommt man eine Karte mit dem momentanen Standort. Dazu muss man lediglich das vorgehaltene ID-Tag (RFID) scannen. Alternativ kann man auch sein Handy verwenden, dann muss allerdings der QRcode gescannt werden.



Dann gibt es noch die Wireless-Stations, die an verschiedenen Stellen angebracht sind. Hier werden einem dann historische Informationen zugefunkt, entweder in Textform oder auch als Video. Und wenn man an einer Bank vorbei läuft, bekommt man halt die Öffnungszeiten aufs Display.



Auch im Untergrund hat man sich eine Lösung einfallen lassen, hier wird das Informationssignal von kamera-ähnlichen Geräten übertragen, die in der Decke verankert sind.



Zwei Stunden Testen war dann aber auch mehr als genug, irgendwann haben sich die integrierten Informationen wiederholt. Ganz nützlich ist die Standortbestimmung und auch die Möglichkeit, Fahrplaninformationen abzurufen. Letztlich werden sich wohl nur Touristen dazu bereit erklären, ein solches Gerät mit sich rumzuschleppen.



Die Möglichkeit, am Eingang eines Geschäftes das Label zu scannen, um zu erfahren, vor welchem Geschäft man gerade steht, ist doch etwas seltsam, wenn nicht sogar unnötig. Insgesamt war die Software nicht wirklich handlich, das hätte hochwert.net sicherlich besser gemacht. Aber da dieses Projekt immerhin von der öffentlichen Hand ausgerichtet wird, will ich mal nicht meckern (was ich aber dennoch in der anschließenden Befragung mittels Fragebogen gemacht habe...).

Mehr über das Projekt gibt es hier: link

23. Februar 2007

Mit geschlossenen Augen

Übrigens, kleiner Tipp: in der U-Bahn solltet ihr euch niemals neben jemanden setzen, der mit geschlossenen Augen vor sich hin döst. Das kann ganz unangenehm enden. Vor allem, wenn es halt nicht die gut aussehende junge Studentin in Sommerkleidung ist....DENN, mit geschlossenen Augen halten sich die Japaner als unfehlbar und vergessen alle guten Manieren. Sobald sie sich im Schlafe wiegen, oder so tun als ob, ist es für sie in Ordnung, sich einfach an der Schulter des Sitznachbarn anzuschmiegen, oder im Extremfall auf dessen Schoß nieder zu sinken. Ein kurzes unbedeutendes 'Entschuldigung' befreit den" Sündiger"anschließend von all seinen Schulden.

Vergleichbares gibt es auch bei den fahrradfahrenden Japanern zu beobachten. Zuerst einmal fahren diese auf dem Gehweg und drängen sich ständig zwischen den lästigen Fußgängern hindurch, mit eingebauter Mercedes-Vorfahrtsregel. Und damit sie sich nicht schuldig machen, für den Fall dass sie doch mal jemanden anrempeln, schauen sie einfach weg, wenn sich jemand in den Weg stellt. Damit wollen sie natürlich erreichen, dass der hilflose Fußgänger ausweicht. So funktioniert das hier halt.

Ach ja, eine Sache ist auch sehr verdächtig. Viele Japaner bewegen sich nicht so, wie es die Natur für sie vorgesehen hat. Normalerweise bewegt sich der Mensch ja in die gleiche Richtung, in die er gerade schaut, nicht umsonst haben wir die Augen nach vorne gerichtet. Nicht so die Japaner. Die laufen auf einmal rückwärts, oder in all erdenkliche Richtungen, nur nicht dahin, wo man es erwarten würde. Da man in Tokio nicht gerade oft alleine unterwegs ist, kommt es doch sehr häufig vor, dass man 'freundlich' angerempelt wird.

Also, "Was ich nicht sehe, kann mir auch nicht zur Last gelegt werden" - dieses Motto ist allgegenwärtig.

22. Februar 2007

Und täglich grüßt das Murmeltier

Nach nunmehr drei Wochen täglichem zur-Arbeit-pendeln fallen einem die Marotten und Sonderheiten der Japaner erst richtig auf. So kann man morgens, ich verlasse die Wohnung so gegen 8:30 Uhr, die Japaner immer dabei beobachten, wie Sie zuerst hastig zur U-Bahn rennen, dann noch hastiger die Treppen runter zum Bahnsteig, um dann in der Bahn selbst innerhalb weniger Sekunden wieder wegzunicken.

Warum rennen die denn jeden morgen? Haben die keinen Wecker? Oder schaffen sie es einfach nicht, diesen richtig einzustellen? Oder verlaufen sie sich jeden morgen auf dem Weg zur U-Bahn? Hmmm, sehr seltsam....

Dass Sie dann aber noch die Treppen zum Bahnsteig hasten, versteht kein Mensch. Es ist ja nicht so, dass hier alle halbe Stunde eine Bahn fahren würde, nein, morgens steht alle 3-4 Minuten eine Bahn zur Abfahrt bereit.

In der Bahn selbst schlafen die Leute dann gleich wieder, morgens vor allem, und auch spät abends. Tagsüber ist das sinnlose Starren aufs Mobiltelefondisplay (entweder spielen die Kartenspiele oder lesen ihre emails von vor drei Wochen zum x-ten Mal...), beliebt; Mädels, die sich in der U-Bahn schöner zu machen versuchen (schminken), gibt es auch zahlreich. Aber schlafen ist hier der Renner. Wie wäre es mal mit einer sinnvollen U-Bahn-Beschäftigung, zum Beispiel Englisch-Lernen? Ich widme mich ja auch jeden morgen meinen japanischen Hieroglyphen....

Mir scheint es ja so, als wären die lieben Japaner 'leicht' desorientiert und unorganisiert unterwegs. Das fängt morgens mit dem rechtzeitigen Aufstehen an, setzt sich (wahrscheinlich) tagsüber im Büro fort und resultiert abends darin, erst spät nach Hause zurückkehren zu können. Was wiederum ein Defizit an Schlaf nach sich zieht.

Bin mal gespannt, was mir die Tage noch so alles auffallen wird :-)

21. Februar 2007

Hülle ist alles, Inhalt ist nichts

Die Japaner sind in aller Welt für Ihre Höflichkeitsformeln und ihre angeblichen tiefsinnigen Umgangsformen bekannt, oder?

Hmm, wenn man sich diese genauer anschaut, dann sind diese wohl eher das Produkt einer strengen und eingängigen Erziehung (auf den Begriff 'Konditionieren' verzichte ich hier wohl besser, der ist ja eher negativ belegt....), man ist aus Prinzip freundlich und dankbar, zumindest lässt man es nach außen so aussehen. Beinhaltet Höflichkeit somit einen gewissen Anteil an 'Unwahrheit' bzw. unausgesprochener Wahrheit?

Ein weiterer Punkt, in Japan werden dermaßen viele Geschenke gemacht, aber nicht, weil man persönlich das Gefühl hat, jemandem eine Freude zu machen, vielmehr verbergen sich hinter diesem zwanghaften 'Schenken und Beschenkt werden' wiederum klar definierte Regeln. Es gibt eine Vielzahl von Anlässen, zu denen relativ wertlose Geschenke überreicht werden. Da man den Beschenkten nicht in die unglückliche Lage versetzen will, ihn/sie mit einem zu exklusiven Geschenk beim nächsten Mal dazu zu zwingen, ein mindestens ebenso wertvolles Geschenk zu machen. Darum beschränken sich die Geschenke auf allerlei Gebäck und Süßkram, Hauptsache die Verpackung stimmt! Die scheint tatsächlich am wichtigsten zu sein,
darum haben alle großen Kaufhäuser auch ganze Abteilungen mit Geschenkartikeln eingerichtet. Was man kauft ist uninteressant, das schicke Verpackungspapier des Kaufhauses und die dazugehörige Papiertragetasche sagen viel mehr aus als das eigentliche Geschenk.

Sowieso scheinen sich die Japaner über die Plastiktüte, die sie stets bei sich tragen, zu definieren. Neulich habe ich in Shinjuku (Tokio Zentrum) eine adrett und schick gekleidete junge Japanerin mit Plastiktüten der "edlen" Galeria Kaufhof gesehen - anscheinend hat sie diese von ihrer Deutschlandreise mitgebracht und läuft jetzt ganz stolz damit durch Tokio - zeig' mir welche Plastiktüte du trägst, und ich sage dir, wer du bist ;-)

17. Februar 2007

Kinder-geht-nach-Hause-Glocke

Täglich um 16:30 Uhr, im Sommer etwas später, erklingt überall in Japan ein seltsamer Jingle, der die Kinder daran erinnern soll, jetzt doch schleunigst nach Hause zurückzukehren. Sei es vom Spielen draußen, von den nach-schulischen Sportaktivitäten oder der hier fast obligatorischen Nachhilfe am Nachmittag.

Irgendwie hat diese Tradition hier überlebt, gleiches sollte meiner Meinung auch in allen japanischen Firmen eingeführt werden. Vielleicht nicht um 16:30 Uhr, aber um 19:00 Uhr könnte man das arbeitende Volk doch mal daran erinnern, dass sie irgendwo ein zu Hause haben ,und dass es ein Leben nach der Arbeit gibt. Viele scheinen dies komplett vergessen zu haben, oder es wurde ihnen 'wegkonditioniert'. Vielleicht sollte man dann in zweiter Stufe um 20:00 Uhr einfach den Strom ausschalten, dann würden im Winter keine Heizungen und im Sommer keine Klimaanlagen mehr funktionieren, und so die Menschen nach Hause treiben.

15. Februar 2007

Blackfield 2

Die Tage ist es soweit, das zweite Album von Blackfield ist käuflich zu erwerben (logischerweise "Blackfield 2" betitelt). Ohne in den Verdacht der Schleichwerbung geraten zu wollen, will ich dieses kleine Meisterwerk allen empfehlen. Es sind einfach wunderschöne Songs.

Also, bitte mal unter www.blackfield.org oder bei www.amazon.de probehören, bei myspace gibt es sie auch, es lohnt sich!

12. Februar 2007

Kamakura Reisebericht

Am Sonntag haben wir uns in das Umland von Tokio, genauer gesagt nach Kamakura begeben. Der sehr schöne Frühlingstag war mit Temperaturen von 15°C und Sonnenschein gesegnet - perfekt um all die kulturellen Highlights in der kleinen Hafenstadt zu besuchen. Von Tokio aus ist die Stadt innerhalb von einer Stunde zu erreichen, und mit dem Kamakura-FreePass kann man für knapp 13 Euro hin- und zurück sowie in der Region bahnfahren.

Bilder und Impressionen gibt es hier, und zwar mittels state-of-the-art Technik. Google macht ja viele viele gute Dinge, also viel Spaß:

Tour und Bilder in GoogleMaps anschauenanschauen

Tour in GoogleEarth anschauen

Bilder im Picasa WebAlbum anschauen

9. Februar 2007

Reiseinformationen

Also, jetzt mal Butter bei die Fische. Irgendwie habe ich euch ja schon alle eingeladen, mich in Tokio besuchen zu kommen. Dies tue ich mit diesem BLOG-Eintrag nochmals :-) Jetzt gibt es ein paar Informationen für euch, damit ihr eure Reisevorbereitungen treffen könnt...

Flug
Der Flug von Deutschland dauert um die 11 Stunden, entweder direkt von Frankfurt mit ANA oder JAL, oder mit BA über London. Preislich liegt der Flug je nach Saison bei ca. 650 Euro.

Wann
Die Beste Jahreszeit für Japan sind definitiv der Frühling und der Herbst. Mitte Juni bis Ende August ist es eine Qual, da wirklich sehr sehr heiß und feucht, das sollte sich niemand antun. Aufzupassen ist, dass ihr nicht über die japanischen Feiertage in Japan seid, da reisen nämlich alle im Land herum. Vor allem in der "Goldenen Woche" Anfang Mai geht gar nix. Silvester und Neujahr sind auch eher langweilig, da hier gar nicht gefeiert wird...

Wie lange
Tokyo ist gut für mindestens eine Woche oder 10 Tage, und dann habt ihr noch kein Museum betreten. Für Stadtplaner und Architekten gibt es eh genug zu sehen. Und wenn ihr schon mal da seid, ist auch ein kurzer Trip nach Kyoto unabdinglich, da reichen 2 bis 3 Tage um alles zu sehen. Von Tokyo kann man relativ günstig hinfliegen, der Shinkansan ist eher nicht bezahlbar. Um Tokyo herum gibt es auch noch einiges zu sehen, Yokohama, Kamakura etc.

Kosten
Entgegen aller Statistiken ist Tokyo für Touristen relativ günstig, wenn man keine Unterkunft bezahlen muss ;-) Der Yen ist im Verhältnis zum Euro sehr günstig geworden, vor einem Jahr hat man lediglich 135 Yen für einen Euro bekommen, zur Zeit sind es 158 Yen. Mittags kann man für 3-5 Euro, abends für 4-6 Euro ganz lecker essen. Und der ÖPNV ist auch sehr günstig, meistens zahlt man pro Fahrt zwischen 1-2 Euro. Alles deutlich günstiger als in den Europäischen Metropolen wie London, Paris, Barcelona etc..


Einkaufen
Kommt mit relativ leeren Koffern, wenn ihr euch neu einkleiden wollt. Kleidung ist relativ günstig, China ist ja gleich nebenan. Vor allem Business-Kleidung ist relativ günstig, also Hemden, Anzüge und so weiter. Die Qualität ist dennoch sehr gut. Die Schicki-Micki-Blender-Marken aus Italien kosten dementsprechend mehr. Elektronikartikel kann ich eher nicht empfehlen, die sind zwar etwas günstiger als in Deutschland, aber dann muss man eventuell Steuern bezahlen.


Anreise
Falls ihr zum ersten Mal nach Japan reisen solltet, versucht an einem Samstag oder Sonntag anzukommen, dann kann ich euch abholen. Ist doch schon alles etwas anders, niemand spricht Englisch und man geht leicht verloren. In unserer Wohnung können wir problemlos zwei weitere Leute unterbringen, alleine in Tokio rumzulaufen ist wohl eher anstrengend, zu zweit ist man doch sicherer...


Also, wir würden uns wirklich auf euren Besuch freuen. Falls ihr Interesse habt, schreibt mir mal per email, und wir arrangieren die Zeitplanung.

p.s.: Bitte beachtet bei all euren Planungen, in eurem Koffer muss mindestens Platz für ein 750g Nusspli-Glas sein.....

8. Februar 2007

Nachtrag Japan und Umweltschutz

Im meiner Mittagspause ist mir gerade mal wieder eine Unsitte der Japaner aufgefallen. Die scheuen sich wirklich nicht, ihr Auto in der Mittagspause einfach am Strassenrand zu parken, um dann bei laufendem Motor ein Nickerchen zu machen!
So geht es ja nicht.....

7. Februar 2007

Lektorin

Bisher habe ich mir ja alle erdenkliche Mühe gegeben, meine Blog-Einträge mit wohlüberlegten und -platzierten Tippfehlern, völlig neuen und innovativen grammatikalischen Abwandlungen, vorweggenommenen Beispielen zukünftiger Rechtschreibreformen sowie Auslassungen und abrupten Satzendungen auszuschmücken. Dies scheint nicht allen zu gefallen...und ich bin einfach zu faul zum Korrekturlesen (vielleicht sollte ich gleich auf Postcast und/oder YouTube umsteigen).

In Zukunft wird aber alles besser, da ich dann auf die Mithilfe einer Lektorin (!) zählen kann. Sollte es ihr tatsächlich gelingen, nur meine Fehler und nicht gleich die ganzen Blog-Einträge zu beseitigen (hihihi...), wird es wohl sehr viel einfacher für euch sein, meine zu LCD gebrachten wirren Gedankengänge nachvollziehen zu können.

4. Februar 2007

UN-Klimabericht

Seit Tagen ist der besorgniserregende UN Klimabericht zentrales Thema in den Medien. Zumindest in Deutschland scheint das so zu sein. Laut den Tagesthemen wurde die Studie z.B. in China gar nicht erst in den Nachrichten erwähnt, und die Amerikaner machen Aussagen wie 'Wir sind ja nicht der schlimmste Produzent von Kohlendioxid' oder 'Wenn nur wir etwas machen, reicht es ja eh nicht'.

Auch in Japan hat es der Klimabericht so gut wie nicht in die Medien geschafft. Mal abgesehen davon, dass die Japanischen Nachrichtenprogramme im Fernsehen eh nur von Belanglosigkeiten berichten, haben es auch die Zeitungen kaum wahrgenommen. Wenigstens auf der Titelseite der englischsprachigen JapanTimes gab es einen Bericht - zu meiner Beruhigung. Allerdings will man das japanische Volk wohl nicht beunruhigen, und verzichtet einfach auf die Berichterstattung.

Da das Problem des Klimawandels allerdings sehr von den persönlichen Lebensstilen verursacht wird, ist die Nichterwähnung als kritischer Fauxpas anzusehen. Bitte haltet allen Leuten vor, was sie momentan falsch machen!

Gerade ein Land wie Japan, das durch das Klimaprotokoll von Kyoto ja zu Ruhm gekommen ist, hält es mit dem Umweltschutz sehr unterschiedlich. Von der Energieverschwendung aufgrund mittelalterlicher Bautechniken habe ich ja bereits zuvor berichtet. Mülltrennung gibt es hier, aber nur in 'Burnable' (Papier und Bio) und 'Non-Burnable' (Plastik). Dazu werden allerlei Verpackungen gesondert gesammelt, Dosen, Tetra-Paks, Styropor etc. Ein fortschrittliches System wie den Grünen Punkt gibt es allerdings nicht.

Die einfachen Lehren der Kreislaufwirtschaft lauten schließlich 1. Vermeidung, 2. Recycling, 3. stoffliche Verwertung, 4. sonstige Verwertung mit Verbrennung und 5. Beseitigung. In Japan wird Punkt 1 völlig ignoriert. Versucht doch mal, einen Japaner ohne Plastiktüte zu finden, unmöglich. Oder die wirklich übertriebenen Verpackungen, alles doppelt und dreifach, Hauptsache es sieht gut aus.

Würde sich Japan um die Mitgliedschaft in der EU bewerben, es würde wohl noch weniger Chancen haben als derzeit die Türkei...

Also dann, bitte alle schon mal Sonnencreme mit Faktor 500 und das Schlauchboot klar machen, nur für den Fall!

3. Februar 2007

Volles Programm

An meinem zweiten Tag bei Nikken Sekkei habe ich gleich das volle Programm serviert bekommen. Soll heißen, Arbeiten bis spät am Abend - Freitag Abend 19 Uhr, das Büro ist proppenvoll - allerdings hat sich die "Arbeit" in Richtung "Kommunikation" verschoben.

Gestern sind wir mit der gesamten Mannschaft zum Abendessen gegangen, also meine Willkommens-Party. Nachdem wir sehr sehr viel (mir zum Teil unbekannte Dinge) gegessen und getrunken haben, ging es in der zweiten Runde (die Japaner bezeichnen dies mit dem Wort Nijikai) dann ganz typisch in eine KaraokeBox. In einer kleinen Kabine ohne Fenster wird dann während weiterem Alkoholgenuss gesungen ,was das Zeug hält. Vorzugsweise japanische Popsongs, die sich meinem Verständnis für Musik und Melodie noch nicht erschlossen haben. Da jeder in Japan zu rauchen scheint, ist der Aufenthalt in einer solchen Box nicht gerade als "gesundheitlich-hilfreich" anzusehen;trotzdem macht es irgendwie Spaß. Ob meinen neuen Kollegen allerdings meine Version von Wanderwall gefallen hat,lasse ich mal dahingestellt...

Der Weg zurück nach Hause geht dann in der Nacht nur noch mit dem Taxi, die letzen U-Bahnen fahren je nach Linie schon kurz nach Mitternacht. Während der halben Stunde im Taxi habe ich mich dann ganz nett mit dem Taxifahrer unterhalten - und zwar auf Japanisch! Bin ganz stolz, dass ich so gut wie alles verstehen und sogar auf seine Fragen antworten konnte.

Gegen 2 Uhr morgens war ich dann endlich zu Hause, jetzt ist zuerst einmal Wochenende und relaxen angesagt :-)

1. Februar 2007

Urlaub vorbei, ab jetzt ist Arbeit...

Heute hatte ich meinen ersten Tag bei Nikken Sekkei Ltd. (WEB).
Endlich, mehr als drei Jahre nach meinem Uniabschluss bekomme ich die Gelegenheit, Stadtplanung zu machen. Da mich in Deutschland ja niemand wollte halt jetzt für Nikken Sekkei in Tokyo, Japan (Hallo Deutsche Regierung, denkt mal nicht so sehr über irgendwelche Pseudo-Elite-Unis nach, sondern haltet eure besten Absolventen im eigenen Land, das wäre viel wichtiger...).

Heute morgen haben wir zuerst einmal eine kleine Vorstellungs-Tour gemacht. So viele fremde Namen und Gesichter, ich werde wohl Wochen brauchen, bis ich die alle richtig zuordnen kann. Scheinen alle ganz nett zu sein, einige sprechen sogar etwas Englisch. Aber ich habe auch meine rudimentären Japanischkenntnisse zum Besten gegeben.

Meinen Vertrag habe ich noch nicht unterschrieben (da ich klugerweise meinen Pass und mein Visum zu Hause vergessen habe), den werde ich mir wohl über das Wochenende erst einmal gründlich von meiner Lieblingsjapanerin checken lassen. Soviel weiß ich aber schon, werde vorerst mal als Teilzeitkraft eingestellt, so habe ich hoffentlich genügend Zeit, meine Japanischkenntnisse zu verbessern. In Punkto Bezahlung muss man sich in Japan leider an ganz andere Dimensionen gewöhnen als in Deutschland, ich schätze die Entlohnung eher als eine Art Aufwandsentschädigung ein. Da es aber irgendwie zum Überleben reichen sollte, muss ich eventuell nochmal Nachverhandeln, sonst bin ich trotz Arbeit (Teilzeit heißt hier max. 6 Stunden pro Tag, also 30 Stunden die Woche.) in einem halben Jahr bettelarm. Auch wegen der 20% Pauschal-Steuer, die mein Working-Holiday-Visum verursacht.

Ein wenig mehr als ich bei McDoof fürs Hamburgerverkaufen verdienen würde sollte schon drin sein, oder? Auch wenn ich die Sprache noch nicht wirklich kann.

Anders als in Deutschland gibt es in Japan keine 'Pendlerpauschale', die wird hier von den Firmen übernommen, den Mitarbeitern werden die Anreisekosten bis zu einem bestimmten Betrag (in meinem Fall bis zu 65 Euro im Monat) erstattet. Wenigstens das.

Zu den Projekten will ich mich noch nicht äußern, weiß auch gar nicht, ob ich das offiziell darf. Aber mit Dubai und Almaty stehen mir wohl zwei internationale Projekte ins Haus - zumindest war alles, was ich heute zu Lesen bekommen habe, in - wenn auch zum Teil gebrochenem - Englisch (irgendwie bekommen die Japaner das mit den Artikeln nicht auf die Reihe, sowohl im Deutschen als auch im Englischen nicht...).

Gut, morgen um 10 Uhr geht es weiter. Und morgen Abend steigt die erste Abteilungsparty, da bin ich mal gespannt :-)

30. Januar 2007

oh je, Japan...

Vor einigen Tagen habe ich mir ein neues Buch zum Japanisch-Lernen gekauft - "Practical Business Japanese".

Im Preface steht da:

Embarking into the global era, the foreign residents in Japan are increasing yearly. Foreigners in Japan are bursting in numbers, as we see them everywhere, such as in streets and transportations. We have come to a point where we can not imagine Japan without foreigners. ...

Geschrieben im September 2006 vom Direktor der TOP Language Co., Ltd., Herrn Teruko Furuichi.

Mal ganz ehrlich, in welchem Jahrtausend leben die Japaner eigentlich? Verkaufen ihre Gameboys in der ganzen Welt, stützen ihren Wohlstand - ebenso wie die Deutschen auch - auf den Export und Handel mit anderen Ländern. Aber tief im Inneren leben die doch noch sehr abgeschottet und für sich, da scheinen selbst im Jahr 2006 "Foreigner" noch etwas besonderes zu sein.

'Foreigners' - was erlaube Foreigners!? Sich einfach in japanische Straßen blicken zu lassen und japanische U-Bahnen zu benutzen. Ohne Worte...

Und dann auch noch die Verwendung des ja eher mit einer negativen Bedeutung assoziierten Begriffs 'bursting' - fühlt man sich wirklich durch solch eine Einleitung Willkommen im Land des Fuji? Motiviert eine solche Einleitung wirklich dazu, Japanisch zu lernen? Na ja, ich bin ein wenig irritiert, um nicht zu sagen geschockt über eine derart eingebildete Meinung. Immerhin will der Verlag doch Geld mit den 'Foreigners' verdienen, oder? Wie kann ein solcher Text überhaupt veröffentlicht werden...

Na ja, gefühlsmäßig sind die Japaner wohl noch nicht in der 'global era' angekommen, lediglich wirtschaftlich haben sie es schon verstanden. Ach, der Prozentsatz der 'Foreigners' liegt in Japan derzeit ungefähr 1%:

Ethnic groups laut CIA Factbook:
Japanese 99%,
others 1% (Korean 511,262, Chinese 244,241, Brazilian 182,232, Filipino 89,851, other 237,914)

In Deutschland liegt die 'Foreigners'-Quote derzeit bei ca. 9%, wobei im Zeitalter eines gemeinsamen Europas die Definition der 'Foreigners' nicht mehr ganz passend sein dürfte.

Japan, Willkommen in der Gegenwart! :-)

29. Januar 2007

ipod und Apple

Heute gibt es lediglich einen Link zur Süddeutschen Zeitung. Der Artikel von Christian Kortmann ist wirklich sehr sehr nett geschrieben...genau darum habe ich mich vor einigen Wochen gegen den ipod und für den ebenso schicken Zen Neeon 2 von Creative als mp3-Player entschieden.

Die Japaner sehen dies wohl etwas anders, denn hier zählt der weiße ipod zur Standardausstattung, ebenso wie mindestens ein Produkt aus der geschmacklosen Handtaschen- und Portemonnaieserie von Louis Vuitton (Link). Japan ist wirklich ein Land, in dem Markenhersteller glücklich werden können......

Süddeutsche Zeitung: Die Apple-Lüge

22. Januar 2007

Warme Häuser, kalte Häuser

Eine Tradition, die in Japan bis zum heutigen Tage überlebt, ist es anscheinend, im Winter in einer 'freezing damn cold' Wohnung zu verbringen. Der einzige warme Ort ist hier im Wohnzimmer ein kleiner, flacher Tisch (“Kotatsu”). Dieser ist von einer Decke ummantelt, unter der Tischplatte gibt es Heizstäbe, die das 'Innere' des Tisches erwärmen. Also verbringt man, sowie man zu Hause ist, die meiste Zeit um bzw. unter diesem Tisch.

Denn bis heute schaffen es die Japaner nicht, vernünftig isolierte Häuser und Wohnungen zu bauen. Auf jeden Fall im Wohnungsbau nicht. So kommt es, dass die Wohnungen und Häuser im Winter verdammt kalt sind, und im Sommer bei Temperaturen um die 40°C sehr, sehr warm. Um diesem entgegenzuwirken, wird aber nicht an der Isolierungstechnik gefeilt, sondern es werden im Sommer Klimaanlagen verwendet (das haben die wohl nach dem Krieg von den Amerikanern 'gelernt'), oder es wird die schon angesprochene Tradition mit dem beheizbaren Tisch in die Gegenwart gerettet.

Unsere Wohnung macht da keinen Unterschied, die Fenster sind alles andere als dicht. Von der simplen Einfachverglasung und fehlenden Gummierung an den Nahtstellen mal abgesehen, sehen die Fenster aus wie ein Relikt aus einer fernen Vergangenheit. Zum Beispiel, unser Schlafzimmerfenster haben wir mit drei (3!) Wolldecken abgedichtet - trotzdem zeigt das Thermometer nur den Wert von 12°C an. Wofür zahlen wir eigentlich Miete?!
Diese einfachen Fenster finden aber auch weiterhin in neuen Häusern Verwendung. Wollte man in Japan den in Deutschland gerade initiierten Energiepass für Häuser einführen, man müsste wohl mehr als die Hälfte aller Gebäude nachbessern.

Gerade hier sollte jedoch der Klimaschutz schleunigst Einzug halten; oder kann (darf) sich ein Land wie Japan ohne natürliche Rohstoffvorkommen diese maßlose Verschwendung an kostbarer Energie auch in Zukunft leisten? Hier ist also ein großer Unterschied im Vergleich zu Deutschland zu erkennen, wo im Bereich Bauen sehr viel mehr auf moderne Technik gesetzt wird. In Japan (und vielen anderen Ländern natürlich auch) scheint moderne Bau- und Isoliertechnik noch nicht selbstverständlich zu sein.

Dies steht im krassen Gegensatz zu den ganzen technischen Spielereien, die sonst so in einem japanischen Haushalt zu finden sind, wobei die Spitze des Eisberges natürlich die High-Tech Toiletten sind....Toiletten in Japan − Wikipedia

Wenigstens werden die Kinder bereits seit dem Schulalter auf diese missliche Situation vorbereitet. Die Schuluniformpflicht sieht es zu jeder Jahreszeit vor, dass die Mädchen in kurzen Röcken herumlaufen müssen. Auch ist es nicht selten, dass die Jungs in den Wintermonaten in kurzen Hosen herumlaufen.

Neuerdings gibt es auch eine staatliche Innovationen, die unter den Initiativen WarmBiz bzw. CoolBiz gestartet worden sind. Demnach werden japanische Büroarbeiter im Sommer dazu aufgefordert, im Büro nur leichte Kleidung zu tragen (also keine Krawatte!) und für den Winter gibt es in den Kaufhäusern speziell ausgeschildert, warme Kleidung. Dies ist wiedermal ein gutes Beispiel dafür, wie man bei der Lösung eines Problems nicht an dessen Ursache arbeitet, sondern vielmehr die Linderung der Auswirkungen in Angriff nimmt - Politik eben.

17. Januar 2007

Erdbeben der Stärke 5,7 in Japan

Montag 15. Januar 2007, 20:29 Uhr
Tokio (AP) Ein Erdbeben der Stärke 5,7 hat am Montag Japan erschüttert. In der Hauptstadt Tokio gerieten mehrere Gebäude ins Schwanken, Berichte über Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht. Das Zentrum des Erdstoßes lag nach Angaben des staatlichen Wetterdienstes rund 150 Kilometer westlich von Tokio.

Hört sich irgendwie gefährlich an - ich hab es natürlich mal wieder verschlafen und erst heute davon erfahren.....

13. Januar 2007

Anleitungen und Schilder

Da machen wir uns seit Jahren in Deutschland über die Warnhinweise auf amerikanischen Produkten lustig. Wenn da auf der Farbdose steht ' Don't drink' oder der Aufkleber auf der Kettensäge sagt 'This is not a toy, don't give it to infants and children' - sind diese eigentlich doch nur der Auswuchs eines bizarren Rechtssystems, welches jedem erlaubt, jeden wegen jeglicher Bagatellen auf Unsummen zu verklagen.

Nun, in Japan gibt es ähnlich viele Hinweise und Anleitungen und Schilder. Überhaupt, die Japaner lieben Schilder, am besten mit ganz viel (unnötigem) Text und lustiger Bebilderung. Anscheinend will/muss man allen Japanern immer und überall bis ins Details erläutern, wie was zu funktionieren hat. Ohne diese bebilderten Anleitungen kommen sie wohl im Alltag nicht zurecht.

Beispiele gibt es genug, hier eine kleine Auswahl:

1. Auch wenn der Parkplatz noch so klein ist, ein verwirrendes Schild hat doch noch nie jemandem geschadet, oder? "Parkst du schon, oder versuchst du immer noch das Schild zu deuten?!"


2. Als ich meine neuen Adidas-Sportschuhe ausgepackt habe, ist mir ebenfalls ein kleines Anleitungsheft in die Hände gefallen. Da wird den lieben Japanern verdeutlicht, dass man doch ordnungsgemäß in die Schuhe "einsteigt" - ansonsten halten die Japaner ja nix von Schnürschuhen, die müssen ja fast überall das traditionelle Prozedere "Schuhe aus - Schuhe an" praktizieren.


Und weil dies noch nicht genug ist, werden auch noch diejenigen versorgt, die in der Grundschule gefehlt und die Schleife nicht gelernt haben....


3. Auch bei unserem Bügelbrett war eine Anleitung dabei. Zwei DIN A4 Seiten, die erklären, wie das Bügelbrett aufzustellen ist. Völlig belangloser Quatsch also.


Ich könnte noch viele weitere Beispiele zeigen. Stellt sich die Frage, warum all das? Meiner Meinung nach sind dies die Folgen des aktuellen Bildungssystems in Japan. Hier scheint wirklich alles nach dem Muster "Vormachen-Nachmachen" zu funktionieren, der Schritt zum eigenen Denken und Kreativität fehlt komplett. (Immerhin hat es Toyota irgendwie geschafft, durch Abgucken und Nachmachen heute bessere Autos als Daimler zu bauen....)

Dies hat seit neuerdings auch die Regierung erkannt, und nun werden Maßnahmen ergriffen, wie den Schülern und Studenten mehr Kreativität und Eigenständigkeit vermittelt werden kann. Dies schein mehr als notwendig zu sein.

Bis es soweit ist, erfreue ich mich auch in Zukunft an den zahlreichen sinnlosen, aber durchaus amüsanten Schildern und Hinweisen :-)

P.S.:
Ok, es geht noch schlimmer, oder wie ist dieses Schild im Zhongshan Park in Shanghai zu deuten?! - "Es ist verboten, hier zu ertrinken." oder wie?

10. Januar 2007

Japanische Lebensmittel

Unterhält man sich mit Japanern über Lebensmittel, wird man als Ausländer sehr schnell mit den "Besonderheiten" japanischer Produkte konfrontiert. Eine handelsübliche Gurke zum Beispiel ist nicht nur eine Gurke, nein, da sie aus Japan zu kommen scheint, ist es eine "japanische Gurke". Auch eine Kartoffel oder ein Rettich ist hier eine "japanische Kartoffel" bzw. ein "japanischer Rettich". Nun gut, wenn es mal abgesehen von der Größe - die Gurken sehen hier sehr "verhungert" aus... - wirkliche Unterschiede geben würde, wäre mir der ganze Zirkus ja recht, aber letztendlich ist eine Gurke eine Gurke und bleibt Gurke.

Ich stelle mir nur vor, ein Abendessen in Deutschland mit internationalen Gästen, es wird ein "holländischer" Blattsalat mir "spanischen" Tomaten und "belgischen" Zwiebeln aufgetischt, dazu "italienisches" Olivenöl und "französische" Croutons aus "deutschem" Brot (das eventuell dann noch aus russischem Weizen, ukrainischem Zucker mit irischer Butter und Hefe in einem Ofen eines Schweitzer Herstellers durch einen Lehrling aus dem ehemaligen Jugoslawien gebacken wurde...) usw. - wäre ziemlich albern, oder? Ich denke, ich begrenze das Beispiel mal auf der Vorspeise....

Als lange isolierter Inselstaat mit kaum nennenswerter landwirtschaftlicher Produktion, lässt sich die extreme Hervorhebung des Nationalstolzes eventuell erklären. Aber vielleicht sollten die lieben Japaner lieber auf ihre innovativen, umweltfreundlichen Hybrid-Motoren oder aktuellen Spielkonsolen stolz sein als auf die Produktion von einfachem Gemüse...aber das wird hier als viel selbstverständlicher hingenommen.

Auf der anderen Seite werden ausländische Produkte ebenfalls als "italienische" Pasta oder "französischer Schokoladenkuchen" hervorgehoben. Dabei ist es vollkommen egal, ob das Produkt tatsächlich aus dem jeweiligen Land kommt, sobald der Name stimmt, kennen die hier keinen Skrupel. Kürzlich hat mich dann im Supermarkt ein Bier angelacht mit dem Namen "Brau Meister". Gut, die Japaner haben alles rund um das Bierbrauen von den Deutschen gelernt, also vermutete ich hinter dieser Offerte einen geschmacklichen Hochgenuss. Leider wurde ich enttäuscht, außer dem Namen waren keine deutschen Qualitäten zu erkennen. Schade eigentlich.

7. Januar 2007

Sapporo

In dieser Woche haben wir uns in den hohen Norden Japans gewagt - nach Hokkaido.
In der Hauptstadt Sapporo, mit ca. 1.8 Mio. Einwohnern nicht gerade klein geraten, war es dann auch ziemlich kalt, tagsüber höchstens um die 5°C.

Die Stadt ist im Gegensatz zu fast allen anderen japanischen Städten sehr übersichtlich, da im Raster angelegt. In Ost-West-Richtung verläuft dazu mitten durch die Stadt ein länglicher Park. Orientierung ist also immer gegeben.

Interessant an Sapporo sind natürlich vor allem die Wintersportanlagen, allen voran die Olympiaschanze, die über der Stadt thront. Von dort aus hat man einen fantastischen Blick auf Sapporo - wie können sich die Athleten da nur auf das Skispringen konzentrieren...?

Und dann gibt es hier natürlich noch die (zumindest in Japan) berühmte Sapporo-Brauerei. In den alten Backsteingebäuden befinden sich heute ein nettes Museum sowie diverse Restaurants. Ein weiteres ehemaliges Produktionsgebäude wurde sogar in eine neue ShoppingMall integriert.

Ein Großteil der Innenstadt ist komplett untertunnelt, ähnlich wie Toronto in Kanada. Hier spielt sich wohl in langen und kalten Wintern das gesamte städtische Leben ab. Ewig lange Gänge verbinden hier ein Kaufhaus mit dem anderen.

Mit den Temperaturen hatten wir eigentlich Glück, denn Dank der weiterhin unnachsichtigen Energiepolitik der Amerikaner, spielt auch hier das Wetter verrückt, und laut Wettervorhersage waren die Temperaturen vergleichbar mit denen von Anfang März. Dies hat dann auch viele einheimische junge Frauen dazu verleitet, Ihre Frühlingskleidung zu tragen. Die sind doch tatsächlich bei Schnee und 5°C in kurzen Röcken und Stiefeln rumspaziert. Wenigstens den Männern wird bei diesem Anblick wohl warm....;-)


1. Januar 2007

Silvester / Neujahr

Nachdem Weihnachten hier ganz unspektakulär vorüber gegangen ist, wird der Jahreswechsel hier auch nur begrenzt gefeiert. Feuerwerke gibt es hier eh nur im Sommer, wenn jeder Stadtteil dann sein eigenes Spektakel veranstaltet und alle anderen zu übertrumpfen versucht.

Am Silvesterabend trifft sich traditionell die Familie. Die Mutter war bis hierhin schon fleißig und hat für die folgenden drei Tage allerlei Speisen vorgekocht - und in verschiedene Lunchboxen gepackt. Dies ist wohl noch eine Tradition aus Zeiten, als die Geschäfte um Neujahr herum geschlossen und niemand sonst arbeiten wollte. Dies ist heute natürlich anders, unser Einkaufszentrum nebenan hat zum Beispiel an allen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr geöffnet, jeweils zwischen 10 und 21 Uhr.



Dann gibt es im TV eine Musikschau zu sehen, irgendwas zwischen dem Musikantenstadl und dem Eurovision Song Contest, der sich großer Beliebtheit erfreut.

Um Mitternacht pilgert man dann zum nächsten Tempel. Hier wird das neue Jahr traditionell mit 108 Glockenschlägen von den buddhistischen Mönchen begrüßt. Die Glockenschläge sollen die Menschen angeblich von den irdischen Begierden befreien, um so reinen Gewissens in das neue Jahr zu gehen. Warum es gerade 108 Glockenschläge sind weiß niemand so genau, viele Japaner wissen wohl auch gar nicht was es überhaupt damit auf sich hat.





Es geht also mehr um das event, denn als Besucher dieser Zeremonie kann man selbst einen Glockenschlag ausführen. Dazu bekommt man bei der Ankunft am Tempel eine Nummer zugewiesen, steigt dann den Glockenturm hinauf, dort warten die traditionell gekleideten Mönche und lassen einen dann mit einem Holzpfahl einen Glockenschlag machen.

Dieses Jahr waren wir leider zu spät, um 23:45 Uhr waren schon alle Tickets vergeben :-( Dennoch konnten wir einen Mönch bei einem Mitternachtsgebet beobachten, im Hintergrund ist auch ein Glockenschlag zu hören:



Nach dem Glockenschlag geht es dann nach Hause, und Silvester ist vorbei. Auf dem nach Hause-Weg haben wird dann noch die jüngere Generation beim Feiern getroffen. Diese versammeln sich vor den unzähligen 24-Stunden-ComBiNi'S (Convenience Stores), schreiben hastig emails mit Ihren Mobiltelefonen usw. Wenigstens ein Ansatz einer Feier ;-)

Am 1. Januar geht es dann zu einem Schrein, um die Wünsche und Hoffnungen für das neue Jahr zu machen. Hier kann es ganz schön voll werden, aber die Japaner lieben es ja, sich in Reihen aufzustellen und zu warten.

27. Dezember 2006

Internet und Santa

Endlich, endlich funktioniert der Internetanschluss - hat nun doch 24 Tage gedauert seit der Beantragung. Und das, obwohl bereits das gesamte Haus von KDDI (Internet-Provider) verkabelt ist und unser Vormieter wahrscheinlich auch einen Internetanschluss hatte. Na ja, die 'Entwöhnungsphase' war hart, aber ich habe sie überstanden. Ab jetzt bin ich wieder 'connected', und zwar mit 16MBit.

In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland zur Weihnachtszeit ja schon die moderne Version des berüchtigten Gartenzwerges breit gemacht - ich meine die Weihnachtsmänner aus Plastik/Stoff, die an deutschen Hauswänden und Schornsteinen hängen. Ein Unding für mich, nahe an der Geschmackslosigkeit. Aber in Deutschland ist ja alles erlaubt was der Baumarkt so hergibt.



Jetzt musste ich in Tokyo feststellen, dass es dieser weißbärtige Genosse irgendwie über das Wasser geschafft hat und auch in Japan die Häuser verunstaltet. Das kommt davon, wenn man zu Weihnachten in Deutschland mit schlechtem Beispiel voran geht, und die japanischen Touristen diese Erfahrung dann mit nach Hause importieren.



Dieses nun auch japanische Phänomen wurde dann auch gleich von der lokalen Zeitung wahrgenommen und veröffentlicht - und ich befürchte, dass im nächsten Jahr noch sehr viel mehr Weihnachtsmänner an Hausfronten zu sehen sein werden...

21. Dezember 2006

Weihnachten in Japan

Japan ist ja nicht gerade als christlich-orientiertes Land bekannt, was es aber nicht davon abhält, die westlichen Weihnachtstraditionen kommerziell auszuschlachten (wir machen das in Deutschland ja auch nicht anders, oder woher kommt auf einmal das ursprünglich aus Irland kommende amerikanische Halloween?).

Gut, vergangenen Freitag war ich dann zum ersten Mal im Goethe-Institut in Tokyo, da diese ein Weihnachtscafé ausgeschrieben hatten mit deutschen Weihnachtsliedern, deutschem Stollen und weiteren deutschen Köstlichkeiten. Klang sehr "kuschelig", also nix wie hin. Im Foyer des Goethe-Instituts und in der Veranstaltungshalle, die beide auf gefühlte 30 Grad aufgeheizt waren - tummelten sich dann schätzungsweise 300-400 Leute, wobei die Japaner klar in der Überzahl waren. Hier gab es dann deutsches Bier, Glühwein, deutsche Currywurst (!) und Stollen bis zum Abwinken. Dazu wurden über einen Beamer Bilder des Nürnberger Christkindlesmarkt an die Wand geworfen.

Im Veranstaltungsraum sangen dann japanische Deutsch-Schüler deutsche Weihnachtslieder, danach wurde noch Klavier und Geige gespielt. Und ein Mitarbeiter des Institutes hatte die undankbare Aufgabe, als Weihnachtsmann verkleidet Geschenke an die Besucher zu verteilen.

So wird also unsere "Kultur" im Ausland gezeigt; den Japanern hat es wohl schon gefallen. Ob sich die Japaner über die Darbietungen während des Japan-Tages in Düsseldorf auch so fremd vor ihrer eigenen Kultur fühlen wie ich mich an diesem Abend? Eigentlich ist Weihnachten hier ja so etwas wie der Tag der Verliebten, zumindest der 24., an dem man mit seinem Partner / seiner Partnerin ausgeht.

Abschließend noch ein sich mir nicht erschließender Kommentar einer amerikanischen Austauschstudentin, gelesen in der Hiragana-Times, einem japanisch-englischen Magazin (mehr hierzu an anderer Stelle in der Zukunft). Diese äußerte sich in einem Leserbrief zu tiefst enttäuscht über das japanische Weihnachten, es sei viel zu kommerziell, und sie freue sich schon darauf, Weihnachten zu Hause in den USA zu verbringen, wo ja alles ganz anders sei - aha, hätte ich nicht so vermutet ;-)

18. Dezember 2006

30 und ein Tag

Kann man wohl wirklich einen Unterschied fühlen, wenn man ein neues Lebensjahrzehnt beginnt? Gestern habe ich noch keinen großen Unterschied gefühlt, vielleicht hängt das aber auch mit dem Zeitunterschied zusammen. Schließlich müsste ich meinen Geburtstag nach der aktuellen Zeit in Deutschland bestimmen.

Heute morgen nach dem Frühstück hat mir die Post mein selbst gemachtes Geschenk gebracht - super Martin, selbst du schaffst es nicht, dir rechtzeitig zu gratulieren... Na ja, für eine kleine japanische Wohnung habe ich mir einen noch kleineren schicken mp3-Player samt kleinen 2.1 Boxen angeschafft. Nach dem Auspacken bin ich dann unter meinen Schreibtisch gekrabbelt, um die ganzen Kabel zu verstecken und die Boxen auszurichten. Dabei hab' ich mir dann ganz böse meinen Rücken verrenkt, so dass ich die nächsten zwei Stunden leidend und regungslos auf den Tatamimatten unseres Wohnzimmers verbringen musste. 'Konnte mich wirklich überhaupt nicht mehr bewegen - das schlimmste war jedoch, dass ich dermaßen über mich und diese Situation lachen musste, dass mir alles noch mehr weh tat.

Als ich nun da lag, auf dem Boden vor dem Fenster, schaute ich zu meinem alten Kumpel "Fuji San" 'rüber und fragte mich, wer von uns beiden wohl der ältere sei, der Berg oder ich... Glücklicherweise hat es mich gleich neben der in der hiesigen Bibliothek ausgeliehenen Ausgabe des Spiegels dahin gerafft, sodass ich mich während der bewegungslosen Phase über die Geschichte der Kremel-Protokolle informieren konnte.

Jetzt, am Abend, kann ich mich wenigstens wieder bewegen, auch wenn das wohl eher nach einem 90-jährigen Mann aussieht - Respekt vor dem Alter! Wenigstens mein mp3-Player funktioniert fantastisch, und ich genieße die Klänge von Mogwai's 'Zidane'-Album.

Nun, zurück zu der zu Beginn gestellten Frage - fühle ich mich irgendwie anders? Momentan habe ich schon die Vermutung, dass mir jemand genau dies weismachen will. Oder es ist einfach eine kuriose Verkettung unglücklicher Umstände. Freue mich schon auf meinen 40. Geburtstag, mal schaun', was da passiert ;-)

17. Dezember 2006

30

Der 30. Geburtstag gibt ja an sich nicht viel Anlass zu feiern, verabschiedet sich man doch aus den noch als jugendlich-anzusehenden 20ern, in eine mehr oder weniger ereignisreiche Zeit als "Thirty-Something". Ab jetzt werden die bis dato zweifelhaften Ü30-Parties traurige Realität, und bald wird mir in der U-Bahn von jüngeren Zeitgenossen ein Sitzplatz angeboten.....

Aber ich will ja nicht klagen, und darum habe ich meinen 30. Geburtstag auch in aller Ruhe verbracht. Nach einem sonnigen Mittagessen in den Yokohama-Docks (renovierten Backstein-Speicherhallen, die heute Heimat von Boutiquen und Restaurants sind, wirklich sehr schön!) und einem Spaziergang am Hafen haben wir uns das Abendessen in Yokohamas berühmter ChinaTown schmecken lassen.

Während des Mittagessens kam dann auch gleich die erste Prüfung auf mich zu. Um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, sollte ich auf einer Karte meinen Namen und Anschrift eintragen - auf japanisch natürlich, als ob das nicht schon schwierig genug sei. Aber dann wollten die auch noch mein Alter wissen - so eine Frechheit! Zuerst habe ich in einem Reflex "23" eingetragen, mein Lieblingsalter. 23 Jahre klingt doch nach der totalen Freiheit, oder geht das nur mir so?

Dann habe ich aus der "23" geschickt eine "29" gemacht, da ich mich aber bei der Adresse schon mit den japanischen Schriftzeichen verhaspelt hatte, habe ich das ganze nochmal auf einer neuen Karte gemacht, und da dann auch den Mut gefasst, beim Alter die von jetzt an aktuelle "30" einzutragen.

11. Dezember 2006

Nachbarn




Von unserer Wohnungsgesellschaft sind wir bei der Schlüsselübergabe unter anderem darauf hingewiesen worden, dass wir uns doch möglichst bald bei den Nachbarn links und rechts sowie unter uns vorstellen sollen. Dies ist in Japan eine Art Brauch, da man aber sehr eindringlich und mit einem extra Informationsblatt mit lustiger Illustration des Vorgangs dazu verpflichtet wird, ist es wohl mehr als nur ein Brauch.

Bei dieser Gelegenheit wird es dann auch nicht versäumt, ein kleines Geschenk bei den Nachbarn abzuliefern. Quasi als Entschädigung und Entschuldigung für den Einzug und die damit einhergehenden Komplikationen, schließlich müssen sich die lieben Leute an neue Nachbarn gewöhnen. Das Geschenk selbst ist irgendwas relativ Wertloses in Richtung Gebäck, Hauptsache es ist nett verpackt und wird in einer edlen Papiertüte übergeben.

Bei der Übergabe wird sich dann auch gleich für alles Zukünftige entschuldigt und um Nachsicht gebeten (ich glaube wir haben die Verantwortung für alles schlechte in dieser Welt übernommen, mit Ausnahme der Klimaveränderung, die haben wir uns aufgespart, oder ich habe nicht alles verstanden...). Dabei übt man sich im Extrem-Verbeugen; für den Betrachter sieht das bestimmt sehr lustig aus, und viele viele Ärzte in Japan leben wohl von den daraus folgenden Bandscheibenvorfällen - so funktioniert das System hier halt.

7. Dezember 2006

Umzug bzw. Einzug

Am Dienstag war es soweit, wir sind in unsere kleine 51,70m² Wohnung eingezogen. In Japan werden die Quadratmeter immer mit zwei Nachkommastellen angegeben, da zählt jeder Zentimeter. Gleiches ist auch bei Größenangaben von Menschen zu bestaunen - wenn jemand zwei oder drei Zentimeter größer ist, dann wird auf Teufel komm raus auch auf diesen Unterschied bestanden, man/frau ist dann also nicht in etwa gleich groß. 'Size does matter'. Lustiges Volk.

Da der Umzug für uns eher ein Einzug war, ging eigentlich alles ganz einfach. Um 9:30 Uhr den Schlüssel abgeholt und die erste Autoladung Kisten in den 14. Stock geschleppt. Um 11:00 Uhr schnell mal bei Muji nebenan 'reigeschaut und die am Tag vorher bestellten Sachen (Vorhänge usw.) abgeholt. Auf dem nach Hause-Weg noch schnell O-Bento (Lunch-Box) mitgenommen - um 12:00 klingelt Ikea und bringt unsere schwedischen Freunde vorbei. Zum Teil mit falschen Anleitungen (Schreibtisch 'Jonas' hatte die falsche Geburtsurkunde dabei), aber die Dinger funktionieren zum Glück ja immer gleich.

Um 13:00 Uhr kamen die Leute von Yodobashi (Saturn auf Japanisch) und bringen unsere Elektrogeräte vorbei - und schließen sie auch gleich für uns an und nehmen den ganzen Verpackungskrempel wieder mit. Gegen 14:00 Uhr wird dann auch unser Gas freigeschaltet bzw. installiert. Um 16 Uhr schleppen wir die zweite und letzte Ladung Kisten in die Wohnung, bis 18:00 Uhr waren wir dann noch mit Auspacken und Einräumen beschäftigt, dann war eigentlich alles fertig. Bis auf die diversen Kleinigkeiten, die erst auffallen, dass sie fehlen, wenn man sie tatsächlich braucht. Und natürlich die Schlafcouch (kommt Sonntag) und der Internetanschluß (hoffentlich nächste Woche).

Also alles ohne viel Stress - und vor allem musste man keine Freunde und Bekannte davon überzeugen, doch beim Umzug zu helfen. Hätte in Japan eh nicht funktioniert, schließlich müssen die acht Tage die Woche arbeiten oder so...

p.s. Von unserem Wohnzimmer aus können wir den Fuji-San (niemand nennt diesen Berg hier Fuji-Yama (Fuji-Berg) wie wir Deutschen, das wäre abgrundtief respektlos, immer 'Herr Fuji' ) sehen, teilweise jedenfalls :-)

4. Dezember 2006

Jokkmokk, Jonas & Kullen - Ikea Japan


Seit April 2006 gibt es in Japan zwei Ikea-Filialen. Natürlich ein Muss für einen richtigen Europäer, sich zwecks Wohnungseinrichtung genau dorthin zu begeben! Ikea ist etwas ausserhalb von Tokyo gelegen - natürlich, denn wo soll es denn in Tokyo auch Platz für eine riesige gelb-blaue-Kiste geben? Nach Funabashi fährt man dann von Shinjuku (Zentrum) ca. 1 Stunde mit der U-Bahn.

Angekommen, zeigt sich tatsächlich ein vertrautes Bild. Die Ikea-Kiste sieht genau so aus wie zu Hause. War ja auch nicht anders zu erwarten. Nach einem traditionellen 'Meatball'-Snack ging dann die Sucherei los. Da sich das Sortiment nicht wirklich an den japanischen Markt angepasst hat, wird die Möbelsuche nicht einfacher - schließlich sind die Wohnungen hier sehr viel kleiner und meistens bereits mit großzügigen Wandschränken ausgestattet. Will man zum Beispiel einen kleinen Schreibtisch kaufen, geht das hier schlicht und einfach nicht, da die kleinste 'westliche' Größe für japanische Verhältnisse schon relativ groß ausfällt.

Zur Nachmittagszeit wurde es dann richtig voll. Da der Großteil der "Besucher" mit der Bahn anreist, bilden sich immer wieder Menschentrauben, die sich durch die Ikea-Prommenaden schieben.

Der Transport der gewählten Ware ist sehr praktisch organisiert, man muss Billy also nicht mit in die U-Bahn nehmen. Ein 50x50x50cm Paket wird für 6 Euro nach Hause geliefert, größere Gegenstände sind etwas teurer, kommen dann aber zum Wunschdatum und zur Wunschzeit ins Haus.

Auf Grund des zur Zeit sehr günstigen Wechselkurses empfand ich die Preise überraschend angenehm. Jokkmokk - ein Küchentisch plus 4 Stühle für 14.900 Yen, umgerechnet ca. 100 Euro ist durchaus akzeptabel, für japanische Verhältnisse geradezu sensationell. :-)