4. April 2007

Banken

Endlich komme ich zu einem Thema, über das ich schon lange mal schreiben wollte - Banken.

Meine erste direkte Berührung hatte ich kurz vor meinem Arbeitsbeginn. Schließlich musste ich ein Konto eröffnen, um meine (sehr bescheidende) Entlohnung gutschreiben zu lassen. Ich habe mich für die Shinsei-Bank (Shin=Neu, Sei=Leben) entschieden, vor allem, weil es die einzige mit einer vernünftigen englischsprachigen Webseite war.

Die Shinsei-Bank ist vor einiger Zeit von den Branding-Spezialisten von "RTKL/ID8" von Grund auf renoviert und umgestaltet worden. Was man ihr heute ansieht. Alles ist sehr stylish, alles macht Sinn, es gibt keine Umwege mehr (zur Info: http://www.rebrand.com/page.php/id/205).

Die Kontoeröffnung hat dann nicht einmal 10 Minuten gedauert. In der Filiale - oder was davon übrig geblieben ist - setzt man sich vor einen Computer, eine junge nette Angestellte hilft einem beim Eintragen der persönlichen Informationen in ein Internetformular. Dann kommt die wichtigste Entscheidung: Welche Farbe soll meine Karte haben? Tja, völlig gleichgültig habe ich mich für eine bambusfarbene Karte entschieden, was auch immer. Dann noch schnell eine Kopie meiner Aufenthaltsgenehmigung, und nach 5 weiteren Minuten halte ich meine Bankkarte in der Hand. Fertig. Super :-)



Diese Bank ist allerdings die große Ausnahme, die anderen befinden sich noch im tiefsten Mittelalter. Zum einen gibt es da Bankautomaten, deren Baujahr ungefähr mit dem Jahr der Erfindung des Feuers übereinstimmt. Und dann - kaum zu glauben - scheinen diese Bankautomaten auch noch in der Gewerkschaft zu sein. Entgegen aller Regeln auf dem hiesigen Arbeitsmarkt, scheinen die Bankautomaten geregelte Arbeitszeiten zu haben! Zumindest haben sie Öffnungszeiten! Wer zu früh oder zu spät kommt, steht vor einer verschlossenen Glastür und kann lediglich den schlafenden Automaten sehen.



Zur Erinnerung, das hier ist ein Geldautomat!

Auch seltsam, Geldabhebungen kosten zu unterschiedlichen Tageszeiten unterschiedlich viel - als würde da ein kleiner Mann in der Maschine sitzen und entsprechend bezahlt werden. Als Arbeitnehmer hat man bei den meisten Banken fast keine Chance, gebührenfrei Geld abzuheben. Glücklicherweise entwickelt sich dies genau wie die Öffnungszeiten der Bankautomaten in Richtung Normalität und dem dritten Jahrtausend. Ich bekomme glücklicherweise dank der tollen Shinsei-Ginko überall die Gebühren zurückerstattet ;-)



Also gut, festzuhalten gilt, dass in Japan die Bankautomaten bessere Arbeitszeiten haben als der normale Angestellte, und dass Banken hier nicht wirklich fortschrittlich sind. Ach, und habe ich schon meinem fantastischen Zinssatz von 0,35% erwähnt? ...

3. April 2007

Zucker

Japaner müssen aus eben diesem zusammengesetzt sein – zu dieser Erkenntnis kommt man auf jeden Fall, wenn man sich bei Regen oder "Wetter-das-nach-Regen-aussieht" durch Tokio bewegt. Sobald der Himmel etwas dunkler wird, hat auf einmal jeder einen Schirm in der Hand. Und beim ersten Nieselregen findet dieser intensive Verwendung.

Irgendwie mögen die Japaner wohl keinen Regen. Oder sie mögen es nicht, nass zu werden. Dies würde aber ihrer Bade-Tradition irgendwie widersprechen. Und es sind auch nicht nur die Frauen, die Angst um ihre Kriegsbemalung haben, wirklich jeder versucht, sich gegen die "Naturgewalt" Regen zu wehren.

Nicht selten sieht man dann auch noch in der Zeit nach einem kleinen Schauer Leute, die weiterhin unter ihrem Schirm unterwegs sind, obwohl es schon lange aufgehört hat, zu regnen.

Ich vermute mal, dass dies eine Art Tradition ist, die ursprünglich aus den 1960er und 1970er Jahren zu stammen scheint. Damals haben die hier im Zuge des ungebremsten wirtschaftlichen Wachstums derart viele Schadstoffe in die Luft gepumpt, dass damals ein Schirm wohl als lebenserhaltende Maßnahme gegen den Sauren Regen anzusehen war. Und wenn ich mir dann überlege, dass sie in den Schulen bestimmt noch Schulbücher aus eben dieser Zeit verwenden - es hat sich wohl nichts an der Einstellung geändert.Dass die Schulbücher zum Teil noch sehr alte Weltansichten vermitteln kommt alle paar Jahre mal wieder in die Medien, genau dann, wenn wieder irgendwelche Kriegsgeschehnisse sehr subjektiv wiedergegeben werden).

Man trägt weiterhin Schirm, und niemand weiß so genau, warum. Und nicht nur bei Regen, im Sommer versuchen sie sich mit Schirmen gegen die grelle Sonneneinstrahlung zu schützen, oder gegen die Wassertropfen der unzähligen Klimaanlagen, die in den engen Strassen auf die Passanten herunterfallen. Man weiß es halt nicht so genau….

p.s.: Dies ist natürlich nur meine persönliche Erklärung dieses Mysteriums.

2. April 2007

Sakura Wallpaper

Heute gibt es was auf den Desktop:

Von Sakura Wallpaper


Von Sakura Wallpaper


Von Sakura Wallpaper


Von Sakura Wallpaper


Und noch eins im 16:10 Format ;-)

Von Sakura Wallpaper


Einfach auf das Bild klicken, auf der folgenden Seite "Foto herunterladen" wählen und als Hintergrundbild speichern - schon ist ein Stückchen Japan bei euch eingezogen. Viel Spaß.

1. April 2007

Februar - April

Wie sich ein Park doch in nur 5 Wochen verändert. Die linken Bilder habe ich am 25. Februar gemacht, die rechten heute, am 1. April.

Von Hikarigaoka K...


Von Hikarigaoka K...


Von Hikarigaoka K...


Von Hikarigaoka K...

Hanami Shinjuku Park

Shinjuku Park ist ein knapp 60ha großer Park mitten in Tokyo und berühmt für seine Kirschblüte. Gestern war dementsprechend viel los. Bewaffnet mit blauen Matten und Unmengen von Essen geht es in den Park zum Hanami.

Soweit ich es jetzt verstanden habe, geht es dabei um Folgendes: man sitzt mit der ganzen Familie auf einer hässlichen blauen Plastikmatte, isst, isst, isst und macht zwischendurch immer mal wieder Bilder von den Kirschblüten. Mehr passiert eigentlich nicht. Und es ist erlaubt, Plätze zu reservieren, also mit den blauen Matten abzustecken.

Das mit den blauen Matten ist meiner Ansicht nach ein Unding. Da erstrahlt der Park in seiner kompletten Kirschblüte, und was machen die Leute, sie bringen die wohl hässlichsten Matten (entweder die blauen Abdeckmatten oder "Hello-Kitty oder "Mickey Mouse") mit und "verunreinigen" das visuelle Erlebnis völlig. Völlig geschmackfrei. Alle sind beeindruckt von der Schönheit der Kirschblüte, aber für eine etwas geschmackvollere Matte reicht es dann nicht mehr. Sehr widersprüchlich für mein Empfinden. Na ja, wäre wohl eine "blühende" Business-Idee, entsprechende Hanami-Matten zu vermarkten.

Übrigens sieht man diese blauen Matten im Park das ganze Jahr, wenn gerade keine Kirschblüte ist, bauen sich hiermit die Obdachlosen ihr zuhause auf.

Hier einige Bilder von gestern. Und es soll sich noch einmal jemand beschweren, ich würde keine Menschen fotografieren...

Hanami Shinjuku Park

29. März 2007

Kirschblüte (2)

Mittagspause unter Kirschbäumen - nicht ganz alleine.....

Hanami mit Kollegen

28. März 2007

Versuchung...

Kirschblüte (1)

Ok, darauf habt ihr doch Alle gewartet, oder? Dieses Ding mit der Kirschblüte in Japan. Seit einigen Tagen hat es angefangen, in den Nachrichten waren Reporter zu sehen, die im Halbdunkel die erste Blüte vor die Kamera gezerrt und interviewed haben. Und Alle reden nur noch von dem Einen....

Also, mir erschließt sich die ganze Geschichte nicht. Gut, die Bäumchen sehen sehr nett aus in ihrem blassen Pink. Und sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, weg von den trostlosen Häuserschluchten und gesichtslosen Fassaden. Nur dumm, dass alles nach gut 20 Tagen vorbei sein soll. Dann freut sich Gott und die Welt auf das nächste Jahr.

Um alles in Erinnerung zu halten wird fotografiert, was das Zeug hält. Jeder betrachtet dich Blüte entweder durch den Sucher seiner Digitalen-Mega-Zoom-Spiegel-Reflex-Kamera oder auf dem Display des Mobiltelefons.

Am Wochenende werde ich weitere Erkundungen durchführen. Heute musste ich schon feststellen, dass mein ach-so-geliebter Lunchplatz in der Nähe des Kaiserparks von Heerscharen Hanami'ern belagert wurde.

Da habe ich auch diese Bilder hier gemacht. Das japanische Organisationstalent schafft mich wirklich immer wieder aufs neue. Da berechnen die auf Super-Mega-Earth-Silulator-Computern minutengenau den Beginn der Blüte für jeden einzelnen Park im ganzen Land, um dann just zu dieser Zeit eine Baustelle an diesem populären Aussichtsplatz zu schaffen!





Fortsetzung folgt...

26. März 2007

Anleitungen und Schilder 2

Es ist mal wieder Zeit für eine Ausgabe "Anleitungen und Schilder". Es fällt mir jedes Mal schwer, eine Auswahl aus der schier unendlichen Angebotspalette zu treffen.

1. Diese adretten Damen weisen den Weg um die Baustelle des neusten Hochhauskomplexes in Tokio. Der Turm von "Tokyo Mid-Town" wird mit 247 Metern das höchste Gebäude in Tokio sein, die Eröffnung ist am 31. März.



2. Parken die Zweite. An diesem Parkplatz muss man aufpassen. Hier kostet es nämlich zwischen 8 - 22 Uhr pro Stunde 100 Yen, zwischen 22 und 8 Uhr aber 100 Yen - was ein Unterschied! Hauptsache ein Schild aufgestellt. (Fairerweise sollte ich erwähnen, dass es sonst üblich ist, dass sich die Parkgebühren tagsüber von denen für die Nachtstunden unterscheiden, darum findet man ein solches Schild eigentlich an jedem Parkplatz.)



3. Knopfdrücken in zwei Schritten. Hier wird erklärt, wie man den Knopf des Deosprays drückt. Scheint wohl auch nicht zum Allgemeinwissen zu gehören. Überhaupt! Deo und das männliche Geschlecht. Im Winter hatte ich wirkliche Probleme, überhaupt ein Deo in den riesigen Drogeriemärkten zu finden. Ich konnte zwischen genau EINEM Produkt wählen. Nach und nach werden sie aber wieder ins Sortiment genommen, was wohl an den steigenden Temperaturen liegt. Dass diese Art der Hygiene eher Frauensache ist, davon kann ich mich jeden Morgen in der vollgepackten U-Bahn überzeugen. Da kommen dann die in voller Festkleidung verpackten Japaner in die auf gefühlte mollige 25°C geheizte U-Bahn gerannt...Für ein Volk, das für seine Badekultur weltweit bekannt ist...



4. Der Höhepunkt für heute. Wie lege ich eine, zwei oder drei Scheiben Toast auf das Blech meines Miniofens (der hier Ofentoaster heißt). Ohne diese Beschreibung wäre man aber auch wirklich aufgeschmissen. Dann hätte man den Ofen und Brot gekauft und würde trotzdem verhungern. Aber dank dieser wissenschaftlichen Höchstleistung...



p.s. Wir schaffen es sogar, vier Scheiben Toast gleichzeitig zu toasten. Ich überlege schon, ob ich hier nicht mal eine Doktorarbeit an der Uni in Tokio anmelden sollte...

24. März 2007

Wahlen

In Tokio stehen in naher Zukunft Wahlen zum Bürgermeisteramt an. Darum wird man ständig mit Wahlwerbung konfrontiert. Vor allem auf offener Straße. Morgens an der U-Bahn Haltestelle wird man von einer erstaunlich wachen jungen Dame empfangen, die jedem durch ihr Megaphone einen "Guten Morgen" wünscht und dabei auf den von ihr präferierten Wahlkandidaten aufmerksam macht.

Am Wochenende touren die Kandidaten dann persönlich durch die einzelnen Stadtviertel. Vorzugsweise auf dem Dach eines Vans, und natürlich wieder ausgestattet mit so einem nervigen Megaphone.



Dieser Kollege wird zum Beispiel von seiner Frau begleitet (?) und von ihr vorgestellt. Lustig ist die Schärpe, in Deutschland muss man dafür entweder ein Rennen gewinnen (als Pferd) oder die schönste im Land sein (Frau).

In Tokio tritt dieses Jahr auch die Architektenlegende Kishô KUROKAWA an. Der hat geschickter Weise gerade einen neuen, spektakulären Museumsneubau (National Art Center Tokyo) fertiggestellt und wird hier mit einer großen Sonderausstellung präsentiert.

Die Japaner scheinen ihn aber nicht wirklich zu mögen, jedenfalls nicht für das Amt des Bürgermeisters. Anscheinend haben sie ihm seine revolutionären Gedanken und Ideen aus vergangenen Jahren (schließlich war er Mitbegründer der Metabolismus-Bewegung) nicht verziehen oder nehmen dies immer noch für bare Münze.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch sehr deutlich, dass es die Stadtplaner und Architekten waren, die die Städte und damit die Gesellschaft vom grauen Mittelalter in die Zukunft gerettet haben. Große Stadtumbauten und Planungen gingen von diesen visionären Vordenkern aus. Lange bevor sich die Spezies der Politiker und Juristen entwickelt und an die Macht geschlichen haben und heute laue Kompromisse als Visionen für die Zukunft verkaufen...

22. März 2007

4.2

Heute gegen 10:40 Uhr habe ich mein erstes Erdbeben mitgemacht.



War eigentlich nicht weiter spektakulär. Es gab halt einen kleinen Stoß, den man im Gebäude gespürt hat. Hätte aber auch sein können, dass irgendwo in Tokio zwei Sumo-Ringer zusammengeprallt sind. Und hätte sich nicht neben mir jemand fragend mit den Worten "Jishin?" (Erdbeben) gemeldet, ich hättet es wahrscheinlich nicht weiter wahrgenommen.

Aktuelle Erdbebeninformationen gibt es im Übrigen unter http://www.jma.go.jp/en/quake/

21. März 2007

Martin im Wald (Tour 28)

Auch wenn ich nicht wirklich als natur-liebender Zeitgenosse bekannt bin ("Natur hat in der Stadt nix zu suchen!"), haben wir uns heute (Feiertag, Frühlingsanfang) getraut, einen Ausflug in das Tokioer Umland zu machen. Mit der Seibu-Ikebukuro-Linie dauert es etwas mehr als eine Stunde, bis man im Oku-Musashi-Gebirge angekommen ist. Hier gibt es dann von jedem der vielen kleinen Bahnhöfe Hikingtouren durch das Gebirge.

Wir haben uns die Tour mit der Nummer 28 ausgesucht. Startend vom Bahnhof Higashi-Agano auf den Berg Takayama ("Hoher-Berg"), geht es zuerst einmal von knapp 250 Metern auf 600 Meter hoch. Dann hatten wir den Gipfel erklommen und eine wunderschöne Aussicht vor uns. Auf dem Plateau steht dann auch noch der 1300 Jahre alte Takayama-Fudo Tempel, der über eine weitere, sehr steile Steintreppe zu erklimmen ist. "1300 Jahre alt" bedeutet in Japan immer, dass der Tempel vor 1300 Jahren hier zum ersten Mal errichtet worden ist. Das heutige Gebäude ist natürlich nicht so alt.

Oben neben dem Tempel gibt es dann gleich moderne Toilettenanlagen und einen Getränkeautomaten - ebenfalls Standard in Japan. Da macht es auch nichts, dass wir uns hier mitten im Wald und auf 600 Metern Höhe befinden.

Anschließend haben wir die vorgeschriebene Route verlassen. Nicht ganz freiwillig, es gab einfach keine anständige Beschilderung, und die Karte, die wir am Bahnhof bekommen haben, war im Maßstab 1:Ich-kann-nix-erkennen-und-werde-mich-trotz-dieser-Karte-mit-Sicherheit-verlaufen. Trotzdem sind wir am Zielbahnhof angekommen, der Abstieg entlang eines Bachlaufes war zwar anstrengend, aber auch sehr nett.

Es tat wirklich mal wieder gut, zwei Stunden lang niemanden zu treffen und einfach alleine zu sein. Ein wenig überraschend ist es aber schon, solche einsamen Gegenden im Umland von Tokio zu finden. Eigentlich hat man den Eindruck, dass die Siedlungsgebiete nicht aufhören.

Nichtsdestotrotz, ich war natürlich froh, am Ende des Tages wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. Da aber noch mehr als 30 weitere Touren in dieser Region auf uns warten, freue ich mich schon jetzt auf die nächste Flucht aus der Metropole.

Hier noch ein paar Bilder von heute:

Takayama Hiking Track 28

20. März 2007

Schule

Jeden Morgen können wir von unserem Balkon das alltägliche Schulritual beobachten. Alle Schüler versammeln sich auf dem Schulhof, um den Guten-Morgen-Grüßen des Schuldirektors zu lauschen. Für diesen Zweck wird jeden Morgen extra ein kleines Holzpodest aufgestellt.



Zwecks Einheitslook müssen die Schüler alle eine schicke blaue Mütze tragen. Das ist hier allerdings noch harmlos, denn je privater und damit teurer die Schulen sind, so aberwitziger werden die Schuluniformen. Zumindest habe ich diesen Eindruck.



Zu der auf dem Bild zu sehenden Schule - die sehen hier wirklich alle gleich aus,immer ein Betonklotz mit einem Schulhof/Sportplatz davor. Wenn ich nicht genau wüsste, dass es in den 60er und 70er Jahren noch keine Computer und somit auch kein "Sim City" gegeben hat - ich könnte schwören, dass sie die Stadtplanung mit dieser Spiele-Software gemacht haben ,und dass die Schulen ein Relikt dieser Zeit sind.

Zum Lernen laden diese Bunker nicht wirklich ein. Die sind ja fast noch schlimmer als die Asbest-Baracken in Deutschland. Na ja, eventuell etwas gesünder und erdbebensicherer. Aber sonst...

p.s. bald gibt es übrigens das legendäre Sim City Spiel für den Nintendo DS - ich freue mich schon :-) http://simcity.jp/ds/pc/

19. März 2007

Muse...

...oder wie lange dauert es, 1.000 Leute in eine Konzerthalle zu bekommen.

Ich freue mich ja wirklich, dass sich doch so viele Bands aus Europa nach Japan begeben und hier Konzerte spielen. Ich hatte schon Angst, dass mir dieser Genuss hier völlig entgehen würde. Gut, Genesis kommen nicht, Blackfield auch nicht....



Aber, Muse kam, sah und siegte. Drei ausverkaufte Konzerte alleine in Tokio. Und bei einem war ich dabei. Das von MTV und J-Wave (Nr. 1 Radio-Sender) gesponserte Konzert fand in einer neuen Konzerthalle im Hafenbereich statt - "Studio Coast". Als ich eine Stunde vor Konzertbesuch an der Halle ankam, war ich so ziemlich der letzte, alle anderen waren irgendwie schon da, und standen klassisch englisch in einer langen, langen Reihe... wartend.



Zum Problem. Ein populärmusikalisches Konzert kann im allgemeinen keine nummerierten Sitzplätze vorhalten, was in Japan ein echtes Problem darstellt. Also wie bringe ich die Besucher möglichst "gerecht" in die Halle? Nun, indem ich jedes Ticket nummeriere, von 1 bis 1.000, und dann eine laaaaange Reihe vor dem einen kleinen Eingang bilde! Ohne Worte! Diverse "Security"-Leute waren mal wieder vollkommen damit beschäftigt, die Leute an die richtige Stelle in der Schlange zu lotsen.



Dass die Einlassprozedur dann mehr als 45 Minuten gedauert hat, liegt nicht an den gehobenen Security-Maßnahmen. Die gibt es hier nämlich überhaupt nicht, man kann getrost seine private Samuraischwertsammlung mitbringen. Sollte die dann doch irgendwie lästig werden, kann man die aber auch noch in einem Schließfach innerhalb der Halle ablegen.

Irgendwie seltsam das mit den Sicherheitsvorkehrungen. Die einzige wirkliche Maßnahme zur Anti-Terror-Bekämpfung besteht wohl wirklich darin, keine öffentlichen Mülleimer aufzustellen. Das machen sie dafür aber konsequent, und in einem Viel-Müll-und-Einpack-Schnick-Schnack-Land wie Japan führt dies immer dazu, dass man seinen persönlichen Müll mit sich herumtragen muss.

Ah, zurück zum Thema...also alle mussten durch einen kleinen Eingang, da ist unsere Wohnungstür breiter. Und dann, eine weitere Überraschung. Am Eingang musste jeder Besucher noch mal einen Getränkegutschein kaufen, für umgerechnet 3 Euro. Wer kommt eigentlich auf solche dummen Ideen? Kann man das nicht gleich, wenn es denn notwendig ist, im Ticketpreis verbraten? Dass man für diesen Gutschein lediglich Softdrinks bekommen konnte, und für ein gewöhnliches Bier nochmals draufzahlen musste....

Na ja, wieder mal japanisches Organisationstalent "at-its-best". Das Konzert an sich war klasse, wenn auch mit knapp 80 Minuten viel zu kurz. Das könnten die sich in Europa nicht leisten. Und die Japaner gehen bei einfach-mitzugröhlenden, lauten Songs voll ab, da war ich wirklich froh, mich auf der Empore geparkt zu haben. Meilensteine wie "Citizen Erased" lassen sie eher links liegen. Schade.

15. März 2007

Mülleimer

Da machen sich die Architekten alle Mühe, einen schönen Platz zu entwerfen, und dann wird dieser einfach durch die unschönen Mülleimer entweiht.



Na ja, es kann natürlich auch sein, dass die Architekten hier einfach vergessen haben, sich mit der Müllsituation in Japan zu beschäftigen...

14. März 2007

Sukura - Kirschbaumblüte 1

Bald geht es los, die Kirschbaumblüte - Sakura - steht vor der Tür.

Überall in Tokio sieht man schon Bilder, die dieses Event ankündigen. Sowohl die Werbeindustrie als auch Zeitungen widmen sich diesem Thema. Irgendwie wird jeder Ort, an dem zumindest ein Kirschbaum steht, als "Hot-Spot" angepriesen.

Da ich dies noch nie mitgemacht habe, bin ich mal gespannt, wie sich die Atmosphäre verändern wird. Ich gehe mal davon aus, dass die Blüten von den eher hässlichen Häuserschluchten ablenken und Tokio in einem anderen Licht präsentieren werden...

Heute also der erste fotografische Zustandsbericht, trotz Klimawandel müssen wir wohl noch einige Tage warten:



Howaitodē

Auch in Japan gibt es den Valentinstag. Dieser Tag wird von den Geschäften gleich nach dem Entfernen der Weihnachtsdekoration anvisiert. Auch wenn dieser Tag hier ebenfalls am 14.Februar gefeiert wird, ist hier doch alles etwas anders.

Grundsätzlich werden hier lediglich die Jungs von den Mädels beschenkt. Punkt. Soweit so gut. Allerdings sind Geschenke, Schokolade wenn es gut läuft, nicht mit dem eigentlichen romantischen Hintergrund verbunden.

Neben den wirklichen Valentinstaggeschenken gibt es nämlich auch die “Giri-Chokko” (Höflichkeits-Schokolade). Man bekommt also von allen Seiten Schokolade geschenkt, und zwar aus Gründen japanischer Höflichkeit heraus. Es gibt im Büro Schokolade von den Sekretärinnen, und sogar bei Starbucks gab es Schokolade zum Kaffee. Es wird niemand vergessen, und keiner muss sich an diesem Tag ausgeschlossen fühlen. Sehr japanisch.

Und als Ausländer sollte man diese Geschenke nicht falsch verstehen...

Das war es aber noch nicht. Genau einen Monat später, am 14. März, sind dann die Jungs aufgerufen, ihren Liebsten Schokolade zurückzuschenken. Das ganze heißt hier “Howaitodē” – White Day. Nicht dass dies irgendeinen britischen oder amerikanischen Ursprung hätte, es ist einfach ein englischer Begriff.

Ok, die Jungs schenken allerdings wirklich nur den von ihnen verehrten Mädels Schokolade, alle anderen erhaltenen Valentinstaggeschenke werden entweder gar nicht oder nur mit Süßigkeiten entgegnet. Es wird also wieder niemand enttäuscht. Und die Jungs haben einen ganzen Monat Zeit, sich zu überlegen, wem sie welches Geschenk machen wollen. Nur nicht hetzen. Natürlich hat auch der Einzelhandel etwas davon, weil gleich am 15. Februar die Valentinstagswerbung gegen die White-Day Dekoration ausgetauscht wird.

Hauptsache alles ist organisiert, und der Handel profitiert.

12. März 2007

Beton

Vor einigen Jahren gab es hier in Tokio wohl mal den Trend, Wohnhäuser stylish mit Betonfassade zu bauen. So wie man es ja in der ganzen Welt von Museen kennt. Wenn man diese Gebäude hier in Tokio so sieht, dann versprühen diese überhaupt keinen Charme, vor allem, weil sie nicht als Solitär Wirkung erzielen können. Sie sehen einfach nur 'unfertig' aus.



Da hilft dann auch der vergebliche Versuch mit einer "Unfarbe" Charakter zu schaffen nichts mehr...





Einzig die Verbindung mit grünem Bambus sieht sehr nett aus:

11. März 2007

Hoffnung

Heute hat mich im Aufzug ganz unverblümt ein ca. 5-jähriges Mädchen auf Englisch angesprochen! Welche Überraschung in einem Land, in dem die Englische Sprache vorwiegend als Lückenfüller in schrägen Popsongs Verwendung findet!

Dass ein 5-jähriges Kind bessere Englischkenntnisse hat als der durchschnittliche Universitätsabsolvent, gibt mir Anlass zur Hoffnung. Vielleicht werden zukünftige Generationen etwas aktiver dazu angeleitet, die Englische Sprache als universelles Kommunikationsmedium zu erlernen. Gleichzeitig zeigt dies aber auch in sehr krasser Weise das verkorkste japanische Bildungssystem auf. Ein auf sturem Lernen und "multiple choice" basierendes Lernsystem ist nun wirklich nicht mehr zeitgemäß, dies hatten wir vor 100 Jahren.

Zudem ist es hier eine zentrale Aufgabe der Eltern, eine gute Schulausbildung für ihre Kinder zu finden. Trotz einer Vielzahl von privaten Lehranstalten ,ist dies hier kein leichtes Unterfangen. Die Qualität wird anscheinend nur über den Preis definiert oder umgekehrt. Soviel zu den Vorteilen der Privatwirtschaft in Sachen Bildung.

Da sollten wir in Deutschland doch mal sehr glücklich über das konstante und im Vergleich gute Level der öffentlichen Schulen sein. Soll ruhig noch mal ein Politiker nach mehr privaten Schulen rufen. Den sollte man dann einfach mal nach Japan schicken, zwecks Anschauungsunterricht.

9. März 2007

Einwanderungsbehörde

Heute Vormittag habe ich einen kleinen Ausflug zur Regionalen Einwanderungsbehörde Tokios gemacht. Da ich mit meinem derzeitigen Visum leider nicht frei Aus- und Wieder-Einreisen kann, musste ich mich um eine Wieder-Einreisegenehmigung kümmern.

Damit wären auch schon die zwei wichtigen Worte erwähnt, “Behörde” und “Genehmigung”. Also, sobald man in Japan, und es macht wirklich keinen Unterschied wo, mit Behörden und Administration konfrontiert wird, schlägt man sich wohl spätestens nach 5 Minuten vor den Kopf und fragt sich, ob das wirklich wahr sein kann. “Burocracy at its best”. Man könnte fast glauben, die haben hier eine extra Universität, an der sie das Fach “Einfache Dinge kompliziert und umständlich machen” studieren können.

Heute bin ich zuerst einmal eine knappe Stunde Richtung Shinagawa, am Hafen Tokios, gefahren. Die Einwanderungsbehörde liegt da irgendwie auf einer kleinen künstlichen Insel inmitten eines grauen Industriegebietes. Vom Bahnhof muss man noch mal knapp 20 Minuten laufen, bis man zu der Behörde kommt. Mitten durch ein Industriegebiet, das wohl zu den unschönsten Gegenden Tokios gehört. Hat irgendwas von Quarantäne-Gebiet. Mir kam es so vor, als wollen die mir von der Einwanderungsbehörde nochmal vor Augen führen, dass Japan eigentlich ziemlich hässlich ist und man sich noch mal fragen soll, ob man wirklich bei der Behörde ein Visum beantragen will.



Unter "Kundennähe" verstehe ich etwas anderes, und hier ist es wirklich wörtlich zu nehmen.

Gut, angekommen geht es gleich lustig weiter. Da es ja eine Vielzahl unterschiedlicher Visumswünsche gibt, ist auch für jede Angelegenheit ein eigener Bereich eingeteilt. Natürlich begrenzen sich die Informationen in englischer Sprache auf das Notwendigste (wo um Himmels Willen wären Englische Erläuterungen sinnvoller als hier?!), immerhin gibt es schon draußen eine Hinweistafel, wie im Gebäude alles abläuft. Die braucht man auch, weil man hier von A nach B und eventuell nach C (nur nicht über Los rennen und keine 4000 Euro einziehen) muss.



Zuerst bekommt man an der Information die Formulare, dann geht es in den Kombini (Convenience-Store) Supermarkt. Dort wird an einer Kasse eine Briefmarke gekauft, damit wird der Antrag auf ein Visum bezahlt (kenne ich so nur aus Entwicklungsländern…). Man bekommt allerdings nicht nur die eigentliche Briefmarke sondern auch noch zwei weitere Rechnungen, eine vom Kombini und noch einen Beleg. Wie sinnlos es ist,dass hier jeder in diesen kleinen Laden rennen muss und sich mit den regulären Kunden im Weg steht, brauche ich ja nicht extra zu erwähnen.

Weiter geht es. Nach dem Ausfüllen und Aufkleben der Briefmarke ziehe ich eine Nummer und freue mich, dass noch genau 83 Leute vor mir dran sind. Also mache ich es mir in der Wartezone gemütlich, und höre mir exakt 83 Mal den Spruch “Vielen Dank dass Sie gewartet haben"an. Als nächstes bitten wir den Besucher mit der Nummer XY zum Schalter Z” , was aus einem dröhnenden Lautsprecher dringt.!!
Nach einer halben Stunde Wartezeit – zwischenzeitlich hat mich jemand gefragt,ob ich Amerikaner sei, was ich in meiner leicht angespannten Situation nur mit einem kurzen “careful, you wanna insult me?” beantwortet habe, wurde endlich meine Nummer aufgerufen.

Dann geht alles ganz schnell, innerhalb einer Minute habe ich einen neuen Aufkleber in meinem Reisepass.

Könnte alles irgendwie einfacher gehen.
Und auch etwas freundlicher gestaltet sein.
Schließlich werden auch die Japaner auf die Einwanderer angewiesen sein, ihre Bevölkerung nimmt auch stark ab.
Freue mich schon auf meinen nächsten Besuch...

8. März 2007

1-7-1

Erdbeben, die gibt es in Japan des öfteren. Somit ergibt sich auch die Notwendigkeit, sich entsprechend auf solche Katastrophen vorzubereiten. Die Kinder lernen hier schon im Kindergarten und in der Schule, wie man sich bei einem Erdbeben verhält. Und es macht wirklich Sinn, die Evakuierungspläne zu studieren, wenn man ein unbekanntes Gebäude betritt (in Deutschland haben diese Pläne ja eher die Aufgabe, den Weg zum nächsten stillen Örtchen zu weisen).

Eine weitere Einrichtung für den Fall eines großen Bebens ist die Telefonnummer 171. Diese kann jeder anrufen und hat dann die Möglichkeit, gekennzeichnet durch seine eigene Telefonnummer, eine Nachricht auf Band zu sprechen bzw. eine Nachricht abzuhören. Somit könnte man zum Beispiel für seine Angehörigen eine Nachricht aufzeichnen, die diese dann anhand der bekannten Telefonnummer abhören können. Solange die Telefonnetze in einem solchen Fall noch funktionieren und wohl auch erst, wenn die Mobilfunknetze nicht mehr funktionieren.

An für sich eine sehr praktische Sache.



Anfang dieser Woche habe ich in meiner Firma eine Broschüre über diesen Service bekommen. Natürlich wird hier ganz genau erläutert, wie das Ganze funktioniert. Was mich wundert ist, dass auf der Rückseite sämtliche privaten Telefonnummern aller Gruppen-, Abteilungsleiter und des Managements meiner Firma angegeben sind! Wollen die mir etwa sagen, dass ich mich im Falle eines schweren Erdbebens nach dem Wohlergehen meiner Vorgesetzten erkundigen soll? Wahrscheinlich könnte man nachfragen, ob man trotzdem zum Arbeiten kommen könnte. Aber mal ehrlich, wenn man gerade alles verloren hat und durch ein Erdbeben das absolute Chaos herrscht, dann ist mir doch die Firma zuerst einmal völlig egal. Und, ohne respektlos gegenüber meinen Vorgesetzten erscheinen zu wollen, was soll ich denn um Gottes Willen mit deren privaten Telefonnummern anfangen?!

7. März 2007

Reset Time Teil 2

Tja, außer Spesen nix gewesen. Pünktlich um 17 Uhr wurden wir im Büro mit Kaufhausmusik beschallt, was die versammelten Angestellten zu einem kurzen Plausch über den netten Hinweis zum Aufräumen angeregt hat. Das war es aber auch; kein Mensch hat weiter Notiz genommen von dieser Aktion oder sich wirklich von der Arbeit ablenken lassen. War ja eigentlich auch nicht anders zu erwarten. Trotzdem irgendwie eine lustige Idee...

Reset Time

An einem Mittwoch, kurz vor 17 Uhr

Einmal pro Monat steigt hier in meiner Firma eine ganz seltsame Aktion. Die nennt sich “Reset Time” und fordert alle Mitarbeiter auf, an besagtem Tag zwischen 17 Uhr und 18 Uhr alle Arbeit ruhen zu lassen. Natürlich nicht, um sich auszuruhen, sondern um seinen Schreibtisch in Ordnung zu bringen! Aufräumzeit! Die gab es meines Wissens früher kurz vor Schluss im Kindergarten auch. Da mussten dann wieder alle Bauklötze zurück in die dafür vorgesehenen Kisten.

Und damit dieses wichtige Ereignis niemand vergisst, wird es zum einen am gleichen Tag morgens noch einmal angekündigt, und abends dringt dann Musik durch die Lautsprecher.



Sind dies nun die chaotischen Architekten, für die man dieses Spektakel in dieser Art und Weise ausrichten muss (meine Erfahrungen aus dem Studium würden diese These mehr als unterstützen), oder muss man den japanischen Arbeitnehmern wirklich alles sagen und sich ständig um sie kümmern? Mich würde es mittlerweile auch nicht mehr groß überraschen, wenn wir zum korrekten Aufräumen eine Checkliste und Anleitung mit lustigen Bildern und Zeichnungen bekommen würden….

Hmm, und dass auch ja niemand auf den Gedanken kommt, nach getaner Aufräumsession nach Hause zu gehen, ist dieses Mal gleich anschließend noch ein Vortrag in der Firma, schon der Titel “Night Forum” lässt nichts gutes ahnen…

Ich bin mal gespannt, in 10 Minuten ist es soweit, dann kann die Show beginnen!

4. März 2007

nact

Heute war wohl der erste Frühlingstag. Sonnenschein und milde 18 Grad.
Hier sind ein paar Bilder von unserem Ausflug, der uns zum Meiji-Shrine sowie zum neuen National Art Center Tokyo (NACT) gebracht hat:

2. März 2007

Ein feminines Land

Japan an sich ist ja schon eher ein femininer Ort. Überall tragen die Jungs hier Handtaschen, zum Teil sogar die gleichen Exemplare von Gucci und Prada und Louis Vuitton. Sowas gibt es in Deutschland noch nicht einmal in Köln am Heumarkt zu sehen.



Auch vor eher femininen Farben schrecken die männlichen Japaner nicht zurück. Mobiltelefone in Pink und Türkis sind nicht untypisch. Und dann ist ja wirklich überall alles mit Comicfiguren erklärt. Ich frage mich, ob Mercedes auch so eine "angepasste" Betriebsanleitung für die Japaner hat.

Auch die Herrentoiletten bieten, angesichts des ganzen Hygiene-Technik-Schnick-Schnacks samt Po-dusche und Sitzheizung, keinen Ort des Rückzugs an.

Den männlichsten Ort findet man hier ganz woanders. Zwischen 12 Uhr und 13 Uhr im Schnellrestaurant Yoshinoya. Hier kommen durch die Bank alle männlichen Vertreter zum Mittagessen, angefangen von den Schülern über die einfachen Büroarbeiter bis hin zum Firmenchef. Nur Frauen sieht man hier ganz selten.

Das schöne ist hier, es wird vornehmlich gegessen. Nicht geredet. Oder verhandelt. Oder was auch immer. Man bestellt üblicherweise "GyuDon" und bekommt eine Schale Reis mit einer Beilage, die aus hauchdünn-geschnittenem Rindfleisch, Zwiebeln und Soyasoße gemacht ist.



Junge Familienväter und Ballettschüler bestellen noch einen kleinen Salat dazu, normalerweise bleibt es aber bei der einfachen Variante. Die schmeckt wirklich unheimlich gut, ist schnell serviert und kostet umgerechnet knapp 2,50 Euro. Herrlich, diese 10-15 Minuten vollkommener Männlichkeit.

Einzig dass man hierzu Grünen Tee serviert bekommt, passt nicht so ganz, aber man kann ja nicht alles haben....

Yoshinoya im Web: link

28. Februar 2007

Von Aufzügen und Rolltreppen

In Japan geht es bekanntlicher Weise sehr eng zu. Bedingt durch die Topographie der Japanischen Insel kann nur ein sehr schmaler Küstenstreifen besiedelt werden. Dazu kommt dann noch, dass sich alles auf die drei großen Zentren Tokyo, Nagoya und Osaka konzentriert.

Die umgesetzte städtebauliche Lösung ist somit, in die Höhe zu bauen, was ja mit der Erfindung des Aufzuges durch den Amerikaner Elisha Graves Oti im Jahr 1852 möglich wurde. Gleichzeitig bauen die Japaner auch extrem in die Tiefe. Wenn man sich so einige U-Bahn-Linien anschaut, dann geht es zuerst einmal ganz schön tief in den Abgrund, bis man endlich die Plattform erreicht.

Nun, um zum Punkt zu kommen, Japan ist übersät mit Aufzügen und Rolltreppen. Und die Japaner lieben diese modernen "PeopleMover"; Treppen werden von der Mehrheit dezent verschmäht, wenn nicht sogar verachtet.

Beispiel 1: Wenn die Massen aus der U-Bahn strömen, rennen sie alle zielgerichtet zur natürlich hoffnungslos überfüllten Rolltreppe, warten dort aber geduldig, bis sie endlich befördert werden können. Die nebenan liegende, menschenleere Treppe benutzt kaum jemand. Haben sie dann in der U-Bahn-Station selbst die Wahl zwischen der barrierefreien Rampe oder zwei, drei Stufen, 90% nehmen die Rampe!

Beispiel 2: Natürlich sind alle Hochhäuser mit ausreichend Treppenhäusern ausgestattet; man rufe sich nur die ständigen Erdbeben in Erinnerung. Und diese Aufzüge werden ebenso präferiert wie es bei den Rolltreppen der Fall ist. Auch für eine kurze Fahrt vom siebten in den sechsten Stock oder vom ersten in den zweiten Stock, keine Wartezeit scheint den Japanern lang genug zu sein, als dass sie die Treppen als wirkliche Alternative zur Fortbewegung in Betracht ziehen würden. Also warten sie geduldig auf den nächsten Aufzug und verplempern ihre Zeit, die Zeit, die ihnen abends fehlt, um rechtzeitig nach Hause zu gehen, oder sie morgens zum Rennen zwingt.

Beispiel 3: Diverse japanischen Kulturdenkmäler sind in erhöhter Umgebung zu finden; in Kyoto sind zum Beispiel viele Tempelanlagen am Hang errichtet worden. Dennoch scheinen keine Weltkulturrichtlinien zu verbieten, überall einen barrierefreien, oftmals `geschmacklos` ausgeführten Zugang mittels Rolltreppe oder Aufzug anzubringen. . Man wird demnach bequem zum touristischen Gut befördert.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass sich das Leben eines gewöhnlichen Japaners zwischen Aufzug, Rolltreppen und Rampe abspielt. Entsprechende Studien wären sicherlich höchst interessant und vor allem unterhaltsam.

Warum die Japaner Treppen nicht mögen, ich weiß es auch nicht. Eventuell kommt ihnen ihr etwas eigener Körperbau in die Quere, denn trotz der bekanntlich generell etwas kleineren Körperstatur, werden Treppen auch hier nach den internationalen Standardmaßen gebaut (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Treppe). Oder die allgegenwärtigen Hinweisschilder “Bei Erdbeben und Feuer den Aufzug bitte nicht benutzen” implizieren, dass Treppen wirklich exklusiv in diesem Fall zu verwenden sind.

Ich erfreue mich somit ungewohnter Freiheit, während ich die Treppen hoch und runter laufe. Letztendlich kann man hierdurch ja auch sein sportliches Defizit etwas ausgleichen, dies wurde ja auch durch Sharon Stone im Film Basic Instinct unterschwellig erwähnt. Ob es den Film in Japan auch zu sehen gab?

25. Februar 2007

Tokyo Ubiquitous Technology Project

Am gestrigen Samstag haben wir bei einem Experiment teilgenommen. Im noblen Stadtteil Ginza (hier sind Prada und Gucci zu Hause) wird derzeit von der Stadtverwaltung ein multimediales Informationssystem getestet - "Tokyo Ubiquitous Technology Project". Klar, dass ich da mitmachen wollte, schließlich habe ich doch fast zwei Jahre damit verbracht, in gleichen Bereichen Lösungen mit hochwert.net umzusetzen.



Also, nach der Einführung haben wir den relativ unhandlichen Handheld-Computer bekommen und sind dann zwei Stunden durch die Straßen von Ginza gezogen. Alle Informationsinhalte wurden sowohl auf Japanisch als auch in Englisch und Chinesisch angeboten. Was die mit "Tranceport-Information" sagen wollen, hab ich aber nicht verstanden, irgendwie spacig.



Die Informationen kommen dann auf drei verschiedene Arten auf Display. Zum einen kann man an jedem Laternenpfahl eine Routinginformation abfragen, als Ergebnis bekommt man eine Karte mit dem momentanen Standort. Dazu muss man lediglich das vorgehaltene ID-Tag (RFID) scannen. Alternativ kann man auch sein Handy verwenden, dann muss allerdings der QRcode gescannt werden.



Dann gibt es noch die Wireless-Stations, die an verschiedenen Stellen angebracht sind. Hier werden einem dann historische Informationen zugefunkt, entweder in Textform oder auch als Video. Und wenn man an einer Bank vorbei läuft, bekommt man halt die Öffnungszeiten aufs Display.



Auch im Untergrund hat man sich eine Lösung einfallen lassen, hier wird das Informationssignal von kamera-ähnlichen Geräten übertragen, die in der Decke verankert sind.



Zwei Stunden Testen war dann aber auch mehr als genug, irgendwann haben sich die integrierten Informationen wiederholt. Ganz nützlich ist die Standortbestimmung und auch die Möglichkeit, Fahrplaninformationen abzurufen. Letztlich werden sich wohl nur Touristen dazu bereit erklären, ein solches Gerät mit sich rumzuschleppen.



Die Möglichkeit, am Eingang eines Geschäftes das Label zu scannen, um zu erfahren, vor welchem Geschäft man gerade steht, ist doch etwas seltsam, wenn nicht sogar unnötig. Insgesamt war die Software nicht wirklich handlich, das hätte hochwert.net sicherlich besser gemacht. Aber da dieses Projekt immerhin von der öffentlichen Hand ausgerichtet wird, will ich mal nicht meckern (was ich aber dennoch in der anschließenden Befragung mittels Fragebogen gemacht habe...).

Mehr über das Projekt gibt es hier: link

23. Februar 2007

Mit geschlossenen Augen

Übrigens, kleiner Tipp: in der U-Bahn solltet ihr euch niemals neben jemanden setzen, der mit geschlossenen Augen vor sich hin döst. Das kann ganz unangenehm enden. Vor allem, wenn es halt nicht die gut aussehende junge Studentin in Sommerkleidung ist....DENN, mit geschlossenen Augen halten sich die Japaner als unfehlbar und vergessen alle guten Manieren. Sobald sie sich im Schlafe wiegen, oder so tun als ob, ist es für sie in Ordnung, sich einfach an der Schulter des Sitznachbarn anzuschmiegen, oder im Extremfall auf dessen Schoß nieder zu sinken. Ein kurzes unbedeutendes 'Entschuldigung' befreit den" Sündiger"anschließend von all seinen Schulden.

Vergleichbares gibt es auch bei den fahrradfahrenden Japanern zu beobachten. Zuerst einmal fahren diese auf dem Gehweg und drängen sich ständig zwischen den lästigen Fußgängern hindurch, mit eingebauter Mercedes-Vorfahrtsregel. Und damit sie sich nicht schuldig machen, für den Fall dass sie doch mal jemanden anrempeln, schauen sie einfach weg, wenn sich jemand in den Weg stellt. Damit wollen sie natürlich erreichen, dass der hilflose Fußgänger ausweicht. So funktioniert das hier halt.

Ach ja, eine Sache ist auch sehr verdächtig. Viele Japaner bewegen sich nicht so, wie es die Natur für sie vorgesehen hat. Normalerweise bewegt sich der Mensch ja in die gleiche Richtung, in die er gerade schaut, nicht umsonst haben wir die Augen nach vorne gerichtet. Nicht so die Japaner. Die laufen auf einmal rückwärts, oder in all erdenkliche Richtungen, nur nicht dahin, wo man es erwarten würde. Da man in Tokio nicht gerade oft alleine unterwegs ist, kommt es doch sehr häufig vor, dass man 'freundlich' angerempelt wird.

Also, "Was ich nicht sehe, kann mir auch nicht zur Last gelegt werden" - dieses Motto ist allgegenwärtig.

22. Februar 2007

Und täglich grüßt das Murmeltier

Nach nunmehr drei Wochen täglichem zur-Arbeit-pendeln fallen einem die Marotten und Sonderheiten der Japaner erst richtig auf. So kann man morgens, ich verlasse die Wohnung so gegen 8:30 Uhr, die Japaner immer dabei beobachten, wie Sie zuerst hastig zur U-Bahn rennen, dann noch hastiger die Treppen runter zum Bahnsteig, um dann in der Bahn selbst innerhalb weniger Sekunden wieder wegzunicken.

Warum rennen die denn jeden morgen? Haben die keinen Wecker? Oder schaffen sie es einfach nicht, diesen richtig einzustellen? Oder verlaufen sie sich jeden morgen auf dem Weg zur U-Bahn? Hmmm, sehr seltsam....

Dass Sie dann aber noch die Treppen zum Bahnsteig hasten, versteht kein Mensch. Es ist ja nicht so, dass hier alle halbe Stunde eine Bahn fahren würde, nein, morgens steht alle 3-4 Minuten eine Bahn zur Abfahrt bereit.

In der Bahn selbst schlafen die Leute dann gleich wieder, morgens vor allem, und auch spät abends. Tagsüber ist das sinnlose Starren aufs Mobiltelefondisplay (entweder spielen die Kartenspiele oder lesen ihre emails von vor drei Wochen zum x-ten Mal...), beliebt; Mädels, die sich in der U-Bahn schöner zu machen versuchen (schminken), gibt es auch zahlreich. Aber schlafen ist hier der Renner. Wie wäre es mal mit einer sinnvollen U-Bahn-Beschäftigung, zum Beispiel Englisch-Lernen? Ich widme mich ja auch jeden morgen meinen japanischen Hieroglyphen....

Mir scheint es ja so, als wären die lieben Japaner 'leicht' desorientiert und unorganisiert unterwegs. Das fängt morgens mit dem rechtzeitigen Aufstehen an, setzt sich (wahrscheinlich) tagsüber im Büro fort und resultiert abends darin, erst spät nach Hause zurückkehren zu können. Was wiederum ein Defizit an Schlaf nach sich zieht.

Bin mal gespannt, was mir die Tage noch so alles auffallen wird :-)

21. Februar 2007

Hülle ist alles, Inhalt ist nichts

Die Japaner sind in aller Welt für Ihre Höflichkeitsformeln und ihre angeblichen tiefsinnigen Umgangsformen bekannt, oder?

Hmm, wenn man sich diese genauer anschaut, dann sind diese wohl eher das Produkt einer strengen und eingängigen Erziehung (auf den Begriff 'Konditionieren' verzichte ich hier wohl besser, der ist ja eher negativ belegt....), man ist aus Prinzip freundlich und dankbar, zumindest lässt man es nach außen so aussehen. Beinhaltet Höflichkeit somit einen gewissen Anteil an 'Unwahrheit' bzw. unausgesprochener Wahrheit?

Ein weiterer Punkt, in Japan werden dermaßen viele Geschenke gemacht, aber nicht, weil man persönlich das Gefühl hat, jemandem eine Freude zu machen, vielmehr verbergen sich hinter diesem zwanghaften 'Schenken und Beschenkt werden' wiederum klar definierte Regeln. Es gibt eine Vielzahl von Anlässen, zu denen relativ wertlose Geschenke überreicht werden. Da man den Beschenkten nicht in die unglückliche Lage versetzen will, ihn/sie mit einem zu exklusiven Geschenk beim nächsten Mal dazu zu zwingen, ein mindestens ebenso wertvolles Geschenk zu machen. Darum beschränken sich die Geschenke auf allerlei Gebäck und Süßkram, Hauptsache die Verpackung stimmt! Die scheint tatsächlich am wichtigsten zu sein,
darum haben alle großen Kaufhäuser auch ganze Abteilungen mit Geschenkartikeln eingerichtet. Was man kauft ist uninteressant, das schicke Verpackungspapier des Kaufhauses und die dazugehörige Papiertragetasche sagen viel mehr aus als das eigentliche Geschenk.

Sowieso scheinen sich die Japaner über die Plastiktüte, die sie stets bei sich tragen, zu definieren. Neulich habe ich in Shinjuku (Tokio Zentrum) eine adrett und schick gekleidete junge Japanerin mit Plastiktüten der "edlen" Galeria Kaufhof gesehen - anscheinend hat sie diese von ihrer Deutschlandreise mitgebracht und läuft jetzt ganz stolz damit durch Tokio - zeig' mir welche Plastiktüte du trägst, und ich sage dir, wer du bist ;-)

17. Februar 2007

Kinder-geht-nach-Hause-Glocke

Täglich um 16:30 Uhr, im Sommer etwas später, erklingt überall in Japan ein seltsamer Jingle, der die Kinder daran erinnern soll, jetzt doch schleunigst nach Hause zurückzukehren. Sei es vom Spielen draußen, von den nach-schulischen Sportaktivitäten oder der hier fast obligatorischen Nachhilfe am Nachmittag.

Irgendwie hat diese Tradition hier überlebt, gleiches sollte meiner Meinung auch in allen japanischen Firmen eingeführt werden. Vielleicht nicht um 16:30 Uhr, aber um 19:00 Uhr könnte man das arbeitende Volk doch mal daran erinnern, dass sie irgendwo ein zu Hause haben ,und dass es ein Leben nach der Arbeit gibt. Viele scheinen dies komplett vergessen zu haben, oder es wurde ihnen 'wegkonditioniert'. Vielleicht sollte man dann in zweiter Stufe um 20:00 Uhr einfach den Strom ausschalten, dann würden im Winter keine Heizungen und im Sommer keine Klimaanlagen mehr funktionieren, und so die Menschen nach Hause treiben.

15. Februar 2007

Blackfield 2

Die Tage ist es soweit, das zweite Album von Blackfield ist käuflich zu erwerben (logischerweise "Blackfield 2" betitelt). Ohne in den Verdacht der Schleichwerbung geraten zu wollen, will ich dieses kleine Meisterwerk allen empfehlen. Es sind einfach wunderschöne Songs.

Also, bitte mal unter www.blackfield.org oder bei www.amazon.de probehören, bei myspace gibt es sie auch, es lohnt sich!

12. Februar 2007

Kamakura Reisebericht

Am Sonntag haben wir uns in das Umland von Tokio, genauer gesagt nach Kamakura begeben. Der sehr schöne Frühlingstag war mit Temperaturen von 15°C und Sonnenschein gesegnet - perfekt um all die kulturellen Highlights in der kleinen Hafenstadt zu besuchen. Von Tokio aus ist die Stadt innerhalb von einer Stunde zu erreichen, und mit dem Kamakura-FreePass kann man für knapp 13 Euro hin- und zurück sowie in der Region bahnfahren.

Bilder und Impressionen gibt es hier, und zwar mittels state-of-the-art Technik. Google macht ja viele viele gute Dinge, also viel Spaß:

Tour und Bilder in GoogleMaps anschauenanschauen

Tour in GoogleEarth anschauen

Bilder im Picasa WebAlbum anschauen

9. Februar 2007

Reiseinformationen

Also, jetzt mal Butter bei die Fische. Irgendwie habe ich euch ja schon alle eingeladen, mich in Tokio besuchen zu kommen. Dies tue ich mit diesem BLOG-Eintrag nochmals :-) Jetzt gibt es ein paar Informationen für euch, damit ihr eure Reisevorbereitungen treffen könnt...

Flug
Der Flug von Deutschland dauert um die 11 Stunden, entweder direkt von Frankfurt mit ANA oder JAL, oder mit BA über London. Preislich liegt der Flug je nach Saison bei ca. 650 Euro.

Wann
Die Beste Jahreszeit für Japan sind definitiv der Frühling und der Herbst. Mitte Juni bis Ende August ist es eine Qual, da wirklich sehr sehr heiß und feucht, das sollte sich niemand antun. Aufzupassen ist, dass ihr nicht über die japanischen Feiertage in Japan seid, da reisen nämlich alle im Land herum. Vor allem in der "Goldenen Woche" Anfang Mai geht gar nix. Silvester und Neujahr sind auch eher langweilig, da hier gar nicht gefeiert wird...

Wie lange
Tokyo ist gut für mindestens eine Woche oder 10 Tage, und dann habt ihr noch kein Museum betreten. Für Stadtplaner und Architekten gibt es eh genug zu sehen. Und wenn ihr schon mal da seid, ist auch ein kurzer Trip nach Kyoto unabdinglich, da reichen 2 bis 3 Tage um alles zu sehen. Von Tokyo kann man relativ günstig hinfliegen, der Shinkansan ist eher nicht bezahlbar. Um Tokyo herum gibt es auch noch einiges zu sehen, Yokohama, Kamakura etc.

Kosten
Entgegen aller Statistiken ist Tokyo für Touristen relativ günstig, wenn man keine Unterkunft bezahlen muss ;-) Der Yen ist im Verhältnis zum Euro sehr günstig geworden, vor einem Jahr hat man lediglich 135 Yen für einen Euro bekommen, zur Zeit sind es 158 Yen. Mittags kann man für 3-5 Euro, abends für 4-6 Euro ganz lecker essen. Und der ÖPNV ist auch sehr günstig, meistens zahlt man pro Fahrt zwischen 1-2 Euro. Alles deutlich günstiger als in den Europäischen Metropolen wie London, Paris, Barcelona etc..


Einkaufen
Kommt mit relativ leeren Koffern, wenn ihr euch neu einkleiden wollt. Kleidung ist relativ günstig, China ist ja gleich nebenan. Vor allem Business-Kleidung ist relativ günstig, also Hemden, Anzüge und so weiter. Die Qualität ist dennoch sehr gut. Die Schicki-Micki-Blender-Marken aus Italien kosten dementsprechend mehr. Elektronikartikel kann ich eher nicht empfehlen, die sind zwar etwas günstiger als in Deutschland, aber dann muss man eventuell Steuern bezahlen.


Anreise
Falls ihr zum ersten Mal nach Japan reisen solltet, versucht an einem Samstag oder Sonntag anzukommen, dann kann ich euch abholen. Ist doch schon alles etwas anders, niemand spricht Englisch und man geht leicht verloren. In unserer Wohnung können wir problemlos zwei weitere Leute unterbringen, alleine in Tokio rumzulaufen ist wohl eher anstrengend, zu zweit ist man doch sicherer...


Also, wir würden uns wirklich auf euren Besuch freuen. Falls ihr Interesse habt, schreibt mir mal per email, und wir arrangieren die Zeitplanung.

p.s.: Bitte beachtet bei all euren Planungen, in eurem Koffer muss mindestens Platz für ein 750g Nusspli-Glas sein.....

8. Februar 2007

Nachtrag Japan und Umweltschutz

Im meiner Mittagspause ist mir gerade mal wieder eine Unsitte der Japaner aufgefallen. Die scheuen sich wirklich nicht, ihr Auto in der Mittagspause einfach am Strassenrand zu parken, um dann bei laufendem Motor ein Nickerchen zu machen!
So geht es ja nicht.....

7. Februar 2007

Lektorin

Bisher habe ich mir ja alle erdenkliche Mühe gegeben, meine Blog-Einträge mit wohlüberlegten und -platzierten Tippfehlern, völlig neuen und innovativen grammatikalischen Abwandlungen, vorweggenommenen Beispielen zukünftiger Rechtschreibreformen sowie Auslassungen und abrupten Satzendungen auszuschmücken. Dies scheint nicht allen zu gefallen...und ich bin einfach zu faul zum Korrekturlesen (vielleicht sollte ich gleich auf Postcast und/oder YouTube umsteigen).

In Zukunft wird aber alles besser, da ich dann auf die Mithilfe einer Lektorin (!) zählen kann. Sollte es ihr tatsächlich gelingen, nur meine Fehler und nicht gleich die ganzen Blog-Einträge zu beseitigen (hihihi...), wird es wohl sehr viel einfacher für euch sein, meine zu LCD gebrachten wirren Gedankengänge nachvollziehen zu können.

4. Februar 2007

UN-Klimabericht

Seit Tagen ist der besorgniserregende UN Klimabericht zentrales Thema in den Medien. Zumindest in Deutschland scheint das so zu sein. Laut den Tagesthemen wurde die Studie z.B. in China gar nicht erst in den Nachrichten erwähnt, und die Amerikaner machen Aussagen wie 'Wir sind ja nicht der schlimmste Produzent von Kohlendioxid' oder 'Wenn nur wir etwas machen, reicht es ja eh nicht'.

Auch in Japan hat es der Klimabericht so gut wie nicht in die Medien geschafft. Mal abgesehen davon, dass die Japanischen Nachrichtenprogramme im Fernsehen eh nur von Belanglosigkeiten berichten, haben es auch die Zeitungen kaum wahrgenommen. Wenigstens auf der Titelseite der englischsprachigen JapanTimes gab es einen Bericht - zu meiner Beruhigung. Allerdings will man das japanische Volk wohl nicht beunruhigen, und verzichtet einfach auf die Berichterstattung.

Da das Problem des Klimawandels allerdings sehr von den persönlichen Lebensstilen verursacht wird, ist die Nichterwähnung als kritischer Fauxpas anzusehen. Bitte haltet allen Leuten vor, was sie momentan falsch machen!

Gerade ein Land wie Japan, das durch das Klimaprotokoll von Kyoto ja zu Ruhm gekommen ist, hält es mit dem Umweltschutz sehr unterschiedlich. Von der Energieverschwendung aufgrund mittelalterlicher Bautechniken habe ich ja bereits zuvor berichtet. Mülltrennung gibt es hier, aber nur in 'Burnable' (Papier und Bio) und 'Non-Burnable' (Plastik). Dazu werden allerlei Verpackungen gesondert gesammelt, Dosen, Tetra-Paks, Styropor etc. Ein fortschrittliches System wie den Grünen Punkt gibt es allerdings nicht.

Die einfachen Lehren der Kreislaufwirtschaft lauten schließlich 1. Vermeidung, 2. Recycling, 3. stoffliche Verwertung, 4. sonstige Verwertung mit Verbrennung und 5. Beseitigung. In Japan wird Punkt 1 völlig ignoriert. Versucht doch mal, einen Japaner ohne Plastiktüte zu finden, unmöglich. Oder die wirklich übertriebenen Verpackungen, alles doppelt und dreifach, Hauptsache es sieht gut aus.

Würde sich Japan um die Mitgliedschaft in der EU bewerben, es würde wohl noch weniger Chancen haben als derzeit die Türkei...

Also dann, bitte alle schon mal Sonnencreme mit Faktor 500 und das Schlauchboot klar machen, nur für den Fall!

3. Februar 2007

Volles Programm

An meinem zweiten Tag bei Nikken Sekkei habe ich gleich das volle Programm serviert bekommen. Soll heißen, Arbeiten bis spät am Abend - Freitag Abend 19 Uhr, das Büro ist proppenvoll - allerdings hat sich die "Arbeit" in Richtung "Kommunikation" verschoben.

Gestern sind wir mit der gesamten Mannschaft zum Abendessen gegangen, also meine Willkommens-Party. Nachdem wir sehr sehr viel (mir zum Teil unbekannte Dinge) gegessen und getrunken haben, ging es in der zweiten Runde (die Japaner bezeichnen dies mit dem Wort Nijikai) dann ganz typisch in eine KaraokeBox. In einer kleinen Kabine ohne Fenster wird dann während weiterem Alkoholgenuss gesungen ,was das Zeug hält. Vorzugsweise japanische Popsongs, die sich meinem Verständnis für Musik und Melodie noch nicht erschlossen haben. Da jeder in Japan zu rauchen scheint, ist der Aufenthalt in einer solchen Box nicht gerade als "gesundheitlich-hilfreich" anzusehen;trotzdem macht es irgendwie Spaß. Ob meinen neuen Kollegen allerdings meine Version von Wanderwall gefallen hat,lasse ich mal dahingestellt...

Der Weg zurück nach Hause geht dann in der Nacht nur noch mit dem Taxi, die letzen U-Bahnen fahren je nach Linie schon kurz nach Mitternacht. Während der halben Stunde im Taxi habe ich mich dann ganz nett mit dem Taxifahrer unterhalten - und zwar auf Japanisch! Bin ganz stolz, dass ich so gut wie alles verstehen und sogar auf seine Fragen antworten konnte.

Gegen 2 Uhr morgens war ich dann endlich zu Hause, jetzt ist zuerst einmal Wochenende und relaxen angesagt :-)

1. Februar 2007

Urlaub vorbei, ab jetzt ist Arbeit...

Heute hatte ich meinen ersten Tag bei Nikken Sekkei Ltd. (WEB).
Endlich, mehr als drei Jahre nach meinem Uniabschluss bekomme ich die Gelegenheit, Stadtplanung zu machen. Da mich in Deutschland ja niemand wollte halt jetzt für Nikken Sekkei in Tokyo, Japan (Hallo Deutsche Regierung, denkt mal nicht so sehr über irgendwelche Pseudo-Elite-Unis nach, sondern haltet eure besten Absolventen im eigenen Land, das wäre viel wichtiger...).

Heute morgen haben wir zuerst einmal eine kleine Vorstellungs-Tour gemacht. So viele fremde Namen und Gesichter, ich werde wohl Wochen brauchen, bis ich die alle richtig zuordnen kann. Scheinen alle ganz nett zu sein, einige sprechen sogar etwas Englisch. Aber ich habe auch meine rudimentären Japanischkenntnisse zum Besten gegeben.

Meinen Vertrag habe ich noch nicht unterschrieben (da ich klugerweise meinen Pass und mein Visum zu Hause vergessen habe), den werde ich mir wohl über das Wochenende erst einmal gründlich von meiner Lieblingsjapanerin checken lassen. Soviel weiß ich aber schon, werde vorerst mal als Teilzeitkraft eingestellt, so habe ich hoffentlich genügend Zeit, meine Japanischkenntnisse zu verbessern. In Punkto Bezahlung muss man sich in Japan leider an ganz andere Dimensionen gewöhnen als in Deutschland, ich schätze die Entlohnung eher als eine Art Aufwandsentschädigung ein. Da es aber irgendwie zum Überleben reichen sollte, muss ich eventuell nochmal Nachverhandeln, sonst bin ich trotz Arbeit (Teilzeit heißt hier max. 6 Stunden pro Tag, also 30 Stunden die Woche.) in einem halben Jahr bettelarm. Auch wegen der 20% Pauschal-Steuer, die mein Working-Holiday-Visum verursacht.

Ein wenig mehr als ich bei McDoof fürs Hamburgerverkaufen verdienen würde sollte schon drin sein, oder? Auch wenn ich die Sprache noch nicht wirklich kann.

Anders als in Deutschland gibt es in Japan keine 'Pendlerpauschale', die wird hier von den Firmen übernommen, den Mitarbeitern werden die Anreisekosten bis zu einem bestimmten Betrag (in meinem Fall bis zu 65 Euro im Monat) erstattet. Wenigstens das.

Zu den Projekten will ich mich noch nicht äußern, weiß auch gar nicht, ob ich das offiziell darf. Aber mit Dubai und Almaty stehen mir wohl zwei internationale Projekte ins Haus - zumindest war alles, was ich heute zu Lesen bekommen habe, in - wenn auch zum Teil gebrochenem - Englisch (irgendwie bekommen die Japaner das mit den Artikeln nicht auf die Reihe, sowohl im Deutschen als auch im Englischen nicht...).

Gut, morgen um 10 Uhr geht es weiter. Und morgen Abend steigt die erste Abteilungsparty, da bin ich mal gespannt :-)