26. Juni 2007

Australien, Tag fünf: Sydney aus der Luft und zu Fuß

Samstag morgen, 6 Uhr, mein Wecker klingelt.

Am Abend vorher habe ich beschlossen, mich am heutigen morgen etwas zu quälen. Schließlich kann es ja nicht sein, dass man neun Stunden nach Australien fliegt und dann nichts vom Land mitbekommt.

Zum Sonnenaufgang stehe ich unter der Harbour Bridge, die ersten Sonnenstrahlen treffen auf die Stahlkonstruktion und bilden wunderschöne Schattenspiele. Auch der warme Ton, in den die Gebäude an der Circular Quay sowie im Viertel The Rocks erleuchten, ist einfach umwerfend.



Ich mache also ein Foto nach dem Anderen, wohl wissen, dass ich mich meiner 2 Gigabyte Speichergrenze nähere. Anschließend ziehe ich durch die noch relative menschenleere Innenstadt Richtung Hydepark. Der CBD ist relativ dunkel, durch die ganzen Hochhäuser dringt fast kein List in die Straßen. Dies ist im Sommer wohl ganz angenehm, im Winter wohl eher sub-optimal.



Auf meinem Weg zurück zum Hotel passiere ich auch den länglichen Martins Square, der sich über einige Block hinzieht. Auch hier bin ich fast alleine unterwegs, die Australier haben wohl am Vorabend doch etwas zu sehr gefeiert, oder lassen den Samstag einfach langsam angehen - was sicherlich nicht verkehrt ist.

Um 9:45 Uhr erwartet mich dann mein nächster Termin. Ich werde eine gute halbe Stunden lang mit einem Hubschrauber über Sydney cruisen. Dies war eine Option, die uns von der Reiseleitung zur Verfügung gestellt wurde. Alternativ hätte ich auch den ganzen Tag golfen gehen könne, in die Blue Mountains fahren oder zur Wellness-Stunde gehen können.

Am Hotel werden wir vom Chef der HeliTours mit einem Kleinbus abgeholt. Ich bin nicht alleine, mit mir sechs Japaner, die sich ebenfalls für den Hubschrauberflug entschieden haben. Am Flughafen (der wirklich nur 15 Minuten vom Zentrum entfernt liegt) bekommen wir unsere Sicherheitseinweisung und dann kann es auch schon losgehen. Die Japaner werden in den größeren Heli gepackt, ich fliege zusammen mit einem Studi aus Sydney, der den Flug als Geschenk bekommen hat.







Der Flug ist unglaublich, vor der Harbourbridge und der Oper bringt uns unser Pilot in Stellung, um Bilder zu schießen. Währenddessen winken uns die Bridge-Climber zu. Weiter geht es über die Bucht von Sydney, zu den bekannten Stränden und zurück zum Flughafen. Ist natürlich für einen Stadtplaner genau der richtige Weg, eine Stadt kennen zu lernen.

Fortsetzung folgt.

24. Juni 2007

Brücken

Vergangenen Donnerstag hat mich meine Firma mit einer Videokamera nach Ginza geschickt, um einen knapp 3 km langen Straßenzug filmisch festzuhalten. In diesen Momenten mag ich meinen Beruf dann doch schon besonders...aber zum Thema. Ich bin heute auch an Nihonbashi vorbeigekommen - ganz einfach übersetzt "Japan-Brücke". Dies ist nicht nur einer der wohl berühmtesten Brücken in Japan, Nihonbashi ist auch der Name des ursprünglichen Stadtviertels, um das sich Tokio entwickelt hat.

Dies hält die Japaner aber nicht davon ab, grässliche und absurde Dinge mit diesem historischen Monument zu tun. Im Rahmen der Olympischen Spiele von 1964 wurde eine Schnellstraße mitten durch die Stadt gebaut, und auch über die Nihonbashi. So sieht dies heute aus:



Typisch Tokyo, die Schnellstraße über den Kanälen, und irgendwo zwischendrin verleibt die Nihonbashi. Man müsste sich nur mal vorstellen, in Deutschland hätte man nach der Wiedervereinigung eine neue Autobahn mitten durch oder über den Reichstag gebaut, undenkbar. Nicht so hier. Irgendwie fehlt den Japanern der Sinn oder auch der Respekt für die gebaute Vergangenheit, und somit auch für die eigene Identität. Statt mit der Vergangenheit zu leben, versuchen sie ständige, alles zu verändern und neu zu machen. Nur besser werden sie irgendwie nicht, auf jeden Fall nicht im Bereich Stadtplanung.

22. Juni 2007

Nr. 4

Na bitte, ich lebe also nur in der viertteuersten Stadt der Welt...

World's most expensive cities 2007

1. Moscow
2. London
3. Seoul
4. Tokyo
5. Hong Kong
6. Copenhagen
7. Geneva
8. Osaka
9. Zurich
10. Oslo
11. Milan
12. St. Petersburg
13. Paris
14. Singapore
15. New York City
16. Dublin
17. Tel Aviv
18. Rome
19. Vienna
20. Beijing

Sources:
Mercer @ http://www.mercerhr.com/costofliving#top50
CNN @ http://money.cnn.com/2007/06/15/pf/most_expensive_cities/index.htm

21. Juni 2007

Sinnlose Jobs

Die Wirtschaft in Japan brummt zur Zeit, und die Arbeislosenquote, do ist du lesen, sei irgendwo unter 4%. Hört sich soweit ganz gut an, wenn man sich das ganze dann aber näher betrachtet….in Japan gibt es eine grosse Anzahl von Jobs, die eigentlich völlig überflüssig sind, Beispiele gefällig? Gerne!

Wie wäre es mit dem Abgestellte-Fahrräder-Umsteller? Diese wichtigen Leute machen vor den Shoppingmalls nix anderes, als die eigentlich ordentlich abgestellten Fahrräder umzuräumen und noch dichter und ordentlicher zusammenzustellen. So ist es an der Tagesordnung, dass man sein Fahrrad nie dort findet, wo man es abgestellt hat. Überflüssig.

Oder der Beruf des Parkhaus-Einfahrt-Ausfahrt-Winkers? Diese Aufgabe beinhaltet, dass jeweilige Auto erst dann über den Bordstein in Richtung Fahrbahn bzw. Richtung Parkhaus fahren zu lassen, wenn auch wirklich keine Fußgänger oder Radfahrer mehr in Reichweite sind. Als würde dies ohne diese fachgerechte Einweisung nicht funktionieren. Sinnlos.

Ähnlich ist der Aufgabenbereich eines Baustellen-Einfahrt-Bewachers. Dieser steht den ganzen Tag vor der Baustellenausfahrt, um in den zwei oder drei Fällen am Tag, an denen der Betonmixer rausfahren will, wild mit seinem Weisungsknüppel zu winken. Ebenfalls unnötig.

Auch die mit dieser Spezies verwanden Baustellen-Absicherungs-Fachkräfte findet man überall. Wenn sich die Stadt einer lockeren Gehwegplatte annimmt, stehen mindestens zwei Aufpasser da und winken die passierenden Leute um die bereits vorhandene Absperrung herum – als ob die ohne diesen Hinweis mitten durch laufen würden.

Ein letztes Beispiel, der Beruf des Geldautomaten-Bewachers. In Japan scheint es ein Volkssport zu sein, die Geldautomaten aus den Bankfilialen zu klauen. Auf jeden Fall trifft man immer wieder auf einen Sicherheitsbeamten, der hier für Recht und Ordnung sorgt.

Die beste Situation hierzu kann man im Stadtteil Roppongi erleben. Hier gibt es eine Zweigstelle der Citibank. Zweigstelle ist wohl etws viel gesagt, eigentlich handelt es sich um zwei Bankterminals. Um zu diesen zu gelangen, muss man zuerst in ein Gebäude rein (Überwachungskamera Nr. 1), dann mit dem Aufzug in den ersten Stock (Überwachungskamera Nr. 2) um dann in den Bankterminalbereich zu gelangen Überwachungskamera Nr. 3+). Aber zu aller Sicherheit steht hier, in dem knapp 8m² großen Raum auch noch ein Sicherheitsbeamter rum...

Gleichzeitig entwickeln die Japaner dafür Roboter, die sich um die Altenpflege kümmern oder Roboter, die aussehen wie eine Kopie von R2D2, in ihrem Bauch einen Kühlschrank für Bierdosen eingebaut haben und diese von selbst öffnen und einschenken können – na dann Prost.

Bild-Quelle: Chip.de

19. Juni 2007

Australien, Tag vier: DFS

Und jetzt wird es wirklich japanisch.

Nach weiteren fünf Minuten per Bus machen wir vor dem DFS halt. Endlich, so kann ich den glänzenden Augen meiner Mitreisenden entnehmen. Nachdem uns unsere Reiseleiterin ja schon stundenlang darauf vorbereitet hat, ist es also soweit, DFS.

DFS ist wohl eines der schlimmsten Geschwüre, das im Rahmen der Globalisierung entstanden ist. So ist dies ein amerikanisches Unternehmen, der vorzüglich europäische Luxusmarken unter einem Dach im asiatischen Raum vertickert. DFS (Duty Free Shoppers) hat es bis dato auf gut 150 Zweigstellen im Asiatisch-Pazifischen Raum geschafft.

DFS Galleria is the world's leading destination for international travelers seeking the world's finest brands. Located in cosmopolitan and resort locations throughout Asia-Pacific, DFS Galleria offers a luxurious shopping experience and incomparable services. Shop with confidence and enjoy the value, convenience and quality that only DFS Galleria can provide.

Bevor das Rudel auf freien Fuß gesetzt wird, bekommen wir jeweils einen Duty-Free-Shopping-Ausweis, und erneute Erläuterungen, wie alles funktioniert.

Das Geschäft selbst ist mir unheimlich, mitten in Sydney bin ich umgeben von chinesischen und japanischen Verkäuferinnen, und um mich herum wühlen sich eine koreanischen Reisegruppen, bestehend aus älterer Damen, sowie ein Chinesischer Familienclan vorbei an den Duftwässerchen von Channel und den Handtaschen von Prada.

Ich komme mir vor, wie in einem ägyptischen Teppichgeschäft, nur auf einem etwas anderem Level. Den Japanern scheint es aber zu gefallen, alle laufen brav durch das klinisch sterile Gebäude und kaufen innerhalb einer knappen halben Stunde hässliche Dinge, die es in Japan ebenfalls und wahrscheinlich sogar zu einem vergleichbaren Preis zu kaufen gibt, und sind glücklich. Dies muss wohl der Höhepunkt der Reise sein, denke ich mir im Stillen. Und grüble über die Eigenarten dieser Post-Kultur nach, während ich am Eingang auf die Rückkehr der Gruppe warte.

Als unser Bus uns dann endlich wieder aufsammelt, fahren wir nochmals fünf Minuten um den Block, um dann endlich vor unserem Hotel anzukommen (am nächsten Tag finden wir heraus, dass DFS genau zwei Gehminuten vom Hotel entfernt liegt...).

Das Shangri-La Hotel in Sydney ist dann mal wieder ganz nett, im Bad wimmelt es von Marmor. Lediglich haben wir Pech, und unser Ausblick beschränkt sich auf die Zollstation der Harbour-Bridge. Andere haben wahrscheinlich mehr Glück, und können auf die Brücke und die Oper schauen.

Zwecks Abendessen haben wir schon einen Gutschein erhalten, wir haben uns für das rotierende Restaurant Sydney Summit entschieden.

Da wir aber noch etwas Zeit haben, spazieren wir durch die Downtown von Sydney. Gegen 18 Uhr wird es auf einmal ziemlich voll - alle stürzen sich in den Feierabend, und suchen sich eine Kneipe, um den Abend zu genießen. In Sydney gibt es darüber hinaus zahlreiche Open-Air-Kneipen, die ganze Downtown scheint zu freien. Eine sehr angenehme Atmosphäre, fast so wie in England, nur ohne die Briten.

Innerhalb von 1,5 Stunden speisen wir mit herrlicher Aussicht über ganz Sydney. Unser Menü war auch schon im Vorhinein vereinbart - anscheinend will man die Japaner nicht nötigen, selbst wählen und dann auch noch auf Englisch kommunizieren zu müssen.

Vorspeise, geschätzte 150g geräucherter Lachs am Stück, mit Salat. Danach bin ich satt. Aber da kommt ja noch ein 300g Steak samt Kartoffeln und Beilage! Wir kämpfen mit den australischen Portionen. Das Dessert schenke ich mir, auch wenn mir der Kellner dies nicht so wirklich abnehmen will. Überhaupt. Die Australier stehen den Amis in nichts nach, die sind auch alle etwas "supersized". Bei den Portionen ist dies auch nachzuvollziehen.

Gegen 22 Uhr fallen wir erschöpft in den wohlverdienten Schlaf...

Fortsetzung folgt.

17. Juni 2007

Beauty Clinic

Was nicht passt wir passend gemacht.

In Japan haben die Menschen anscheinend ein völlig ungezwungenes Verhältnis zum Thema Schönheitsoperationen.



Diese Werbung habe ich gestern in Ginza gesehen, sie hängt am Hauptgeschäft von Sony, mitten in Tokios Designer-Luxus-Viertel. Die spärlich bekleidete Werbeträgerin ist eine in Japan nicht unbekannt Schauspielerin und Ex-Model, Ryoko Yonekura.

15. Juni 2007

Wetterumschwung

Heute morgen haben wir mit großer Verwunderung auf das Wetter geschaut. Nachdem die Vorhersage eigentlich Regen, Regen, Regen prognostiziert hat, hat sich alles schlagartig zum besseren gewendet. Heute morgen konnten wir dann eine herrliche Atmosphäre genießen, und auch Abend war der Himmel über Tokio farbenfroh.

Hier einige Belege, die Bilder habe ich von unserem Balkon gemacht.







Die Panoramabilder sind wirklich schön geworden, oder?

14. Juni 2007

Australien, Tag vier: Transfer nach Sydney

Freitag morgen geht es weiter Richtung Sydney. Um 9 Uhr morgens treffen wir uns alle im Foyer. Leider stellen wir fest, dass das Hotel unsere Koffer nicht aus unseren Zimmern geholt hat, also müssen wir einige Minuten warten, bis sie dies nachgeholt haben.

Im Bus geht es dann Richtung Brisbane Flughafen, die ca. 60-minütige Fahrt soll recht ruhig verlaufen, die obligatorischen, sinnlosen Ansagen der Reiseleiterin beschränken sich auf die letzten 15 Minuten. Dann aber wieder nach dem alten Muster, wir bekommen erklärt, welche Rolltreppe zu nehmen ist, wo die Duty-free Shops zu finden sind und so weiter. Sinnlos und unnötig. Vor allem, weil wir am Flughafen eh der Reiseleiterin hinterherlaufen werden.

Der Flug dauert knapp 90 Minuten, dann sind wir in Sydney. Der Flughafen von Sydney liegt erfreulicherweise nur knapp 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, für eine 4-Millionen-Metropole nicht selbstverständlich. Und im Vergleich mit Tokios "Quarantäne"-Flughafen...



Um 13:30 Uhr setzt sich unser Reisebus in Bewegung, zur Einstimmung labert die Reiseleiterin mal wieder munter drauf los. Alles geht um die "HAABAA-BRIJI" und die "OOPARA", etwas anderes scheint Sydney nicht zu bieten. Oder man will die Japaner nicht verwirren mit zu vielen Sehenswürdigkeiten. Ach ja, weiterer zentraler Inhalt der Ansagen sind die Einkaufsmöglichkeiten in Sydney, vor allem das Procedere zum zollfreien Einkauf wird detailliert erläutert.

Unser erster Halt mit dem Bus soll in den Rocks sein (mehr hierzu später), zwecks Mittagessen. Völlig Überrascht muss ich feststellen, dass wir ohne Umwege ins Löwenbräu gelost werden. Deutsches, oder zumindest süd-deutsches Essen, deutsches Bier und Bedienungen im Oktoberfestoutfit. Die Menüs sind natürlich alle auf Japanisch vorbereitet, und die Reiseleiterinnen helfen bei der Bedienung unserer Gruppe mächtig mit, bringen zusätzliches Besteck an den Tisch und kümmern sich um die Getränkebestellung.



Es gibt Spätzle mit Rahmsoße, Schweinshaxe, Kartoffelpüree und die anderen üblichen Verdächtigen. Schmeckt aber ganz ordentlich, nur die Spätzle kann ich besser. Ein kleiner Skandal bricht aus, als es keine Kartoffelsuppe mehr gibt und zu Tomatensuppe gewechselt wird. Ich sehe in tief betroffene japanische Gesichter.

Die Mittagspause ist recht kurz, dann geht es wieder in den Bus, Weiterfahrt zum Guppenphoto. Dies machen wir an der Spitze der Royal Botanic Gardens. Hier warten schon eine Gruppe halbprofessioneller junger Japaner, die uns vor dem Hintergrund der Oper und der Harbour-Bridge arrangieren. Zwei Tage später sollen wir dann das Produkt erhalten, ein sehr künstlich wirkendes Gruppenbild, in dem der Hintergrund von einem anderen Bild hineinmontiert worden sein wird. Gleiches gilt für die Gesichter eines jeden Einzelnen, hier soll auch jeweils das beste verschiedener Varianten genommen werden. Am Ende lächeln alle, aber alles sieht nach Volkshochschule-Anfängerkurs-Photoshop aus. Was auch immer, das Bild verschwindet eh irgendwo in der Nirwana-Ablagen.





15 Minuten später sitzen wir schon wieder im Bus, die Sonne ist mittlerweile fast untergegangen, und wir Steuern die Oper an. Hier haben wir dann wieder knapp 20 Minuten Zeit, uns das Gebäude (von außen) anzuschauen.





Ich entferne mich unbemerkt von der Gruppe, denen wohl gerade etwas über die Entstehung und die Architektur erzählt wird, und schieße meine Bilder. Immer im Blick ist stehts der Area-Manager, denn ich denke, ohne den wird der Bus wohl nicht losfahren...
Australien 3


Fortsetzung folgt.

12. Juni 2007

Grüne Japaner

So langsam begreifen es wohl auch die Japaner. Sie produzieren einfach zu viele unnütze Verpackungen. Was in Deutschland und Europa Dank der Verpackungsverordnung geregelt worden ist, kommt hier so langsam in Gang. So kann man in diversen Supermärkten wiederverwendbare Einkaufstaschen kaufen. Aus wenn diese aus Plastik sind, immerhin. An dieser Stelle wird auch bildlich erläutern, wie viel Müll in einem Jahr zusammenkommt und was dies für Auswirkungen hat – alles wie gehabt in Kindersprache verpackt.

Um die Erziehungsmaßnahme zu forcieren, kann man an der Kasse im Supermarkt für jeden One-Way-Plastiktüten-freien Einkauf einen Stempel auf seine Bonuskarte bekommen – bei 20 gesammelten Stempeln gibt es sagenhafte 100 Yen (60 Euro ct) geschenkt. Also für jedes Mal, wenn ich meine wiederverwendbare Einkaufstasche mitbringe (gute alte Jutetasche aus Deutschland, die anscheinend wieder ganz im Trend zu sein schein (link), unglaubliche 5 Yen (3 Euro ct). Wenn das mal kein Anreiz ist.

Also, nur weiter so Japan. Irgendwann kommt ihr dann auch im 21. Jahrhundert an, eventuell sogar noch vor den Amerikanern. Der nächste Schritt wäre aus meiner Sicht das absolute Halteverbot am Straßenrand mit laufendem Motor und Klimaanlage. Eine verhältnismäßige Strafe wären zwei Stunden Schulunterricht in der ersten oder zweiten Kasse einer beliebigen Grundschule, in der das Problem der Erderwärmung erläutert wird.

9. Juni 2007

In Australien, Tag drei: Surfers Paradise

Donnerstag war unserer freier Tag an der Gold Coast.





Frühstück im Sheraton Hotel war der Hammer, eine riesen Auswahl, sogar unterschiedliche Brotsorten, individuell zubereitetes Omelett usw. Hier hätte ich Stunden am Büffet verbringen können. Auf dem Tisch haben wir auch Vegemite entdeckt, eine wirkliche Besonderheit Australiens. Probiert haben wir es allerdings nicht, dazu hatten wir beide nicht den Mut.



Also, ein freier Tag. Wie könnte man den besser verbringen als einen ausgedehnten Spaziergang am Stand zu machen. Insgesamt erstreckt sich der Stand wohl über knapp 60 km Länge, und ist einfach wunderschön.



Dies haben wohl auch die Australier erkannt, so dass hier in den letzten Jahren ein unglaublicher Bauboom stattgefunden hat. Die Immobilienpreise haben sich innerhalb von 25 Jahren verzehnfacht, und mit dem Q1 steht hier das höchste Wohngebäude der Welt.



Während des Spaziergangs vom Hotel in Southport nach Surfers Paradise (ca. 4km) hat sich dann auch das Wetter sehr zum Guten gewendet, nach leichtem Nieselregen am Morgen. Surfers Paradise hat viele Eigenschaften eines typischen touristischen Strandbades, ist dabei aber sehr angenehm und relaxt. Jeder hat hier irgendwie ein Surfbrett unter dem Arm, und in der Innenstadt reiht sich ein Maklerbüro an das andere. Informationen werden hier nicht nur auf Englisch, sondern auch in Japanisch, Chinesisch und Russisch angeboten. Wir haben aber auch Gäste aus dem Mittleren Osten gesehen, die gleich mit dem gesamten Familienclan angereist sind.



Nach einem erstaunlicher Weise sehr günstigen Mittagessen in einem Restaurant an der Strandpromenade sind wir ein wenig durch die Geschäfte geschlendert, und haben uns an der durch die Klimaanlagen gekühlten Luft erfreut. Sehr nett war ein kurzer Besuch im Supermarkt - endlich mal wieder Produkte, die ich zuordnen kann. Dies fällt mir hier in Japan ja eher schwer. Habe mich dann auch gleich mit Nutella eingedeckt :-)

Den Rückweg zum Hotel haben wir ebenfalls wieder am Stand gemacht, mit der im Westen langsam untergehenden Sonne war der Stand (Ostseite) von langen Schatten überzogen. Der Bauboom hat wohl auch seine negativen Folgen. Allerdings stelle ich mir die Schatten im Hochsommer auch ganz angenehm vor.



Den Sonnenuntergang haben wir uns dann im Yachthafen von Southport, in der Nähe unseres Hotels angeschaut.



Am Abend stand dann doch noch ein offizieller Termin an. Die Award-Party der Firma meiner Freundin. Dazu hat die Firma gleich das ganze Restaurant im 77 Stockwert des Q1-Towers gemietet - nicht schlecht, nicht schlecht. Zuerst haben wir den Ausblick über die nächtliche Gold Coast genossen (der Aufzug ist angeblich auch einer der schnellsten der Welt, braucht lediglich 45 Sekunden bis nach ganz oben).



Auf der Award-Party gab es dann eine feste Sitzordnung, mich haben sie gleich mal neben den Area-Manager gesetzt. Anscheinend ist das der einzige, der der Englischen Sprache mächtig ist. War aber ganz nett, haben uns ganz gut über Deutschland und unsere Oberfrau Merkel unterhalten können. Und dann haben wir sogar herausgefunden, dass meine Firma schon für seine Firma gearbeitet hat.

Nach dem Hauptgang wurden dann alle Top-Salesleute auf die Bühne gerufen und erhielten neben den Glückwünschen des Area-Managers auf einen Gutschein für eine Uhr. Diese konnten die wohl aus zolltechnischen Gründen nicht mit nach Australien bringen.

Um 21 Uhr war aber auch diese Veranstaltung zu Ende, wer Lust und Laune hatte, konnte noch ins Casino gehen. Wir haben uns aber gleich in Richtung Bus begeben, um zurück ins Hotel zu fahren.

Eine Auswahl weiterer Bilder gibt es hier:
Australien 2


Fortsetzung folgt.

p.s. Die schönen Panorama-Bilder habe ich mit der freien Software Autostich erstellt, die auch von Industrial Light & Magic (ILM) (Lucasfilm Ltd) verwendet wird.

8. Juni 2007

"Alte" Gebäude in Tokio

Heute war mal wieder studieren am Freitag Abend angesagt. Es sollte um das Thema Umnutzung von Gebäuden gehen. Unsere junge Sprecherin kommt eine knappe halbe Stunde zu spät, aber um 19:30 Uhr geht es dann endlich los. Die junge Dame ist dermaßen nervös, dass sie ständig zwischen ihren PowerPoint-Folien hin und her springt. Aber nun gut, ich habe gelernt, dass im Kontext Tokio "alte" Gebäude so um die 30-40 Jahre alt sind.

Während der Präsentation ist ein junger Kollege eingenickt, und mit seinem Kopf mächtig gegen den Aluminiumschrank hinter ihm gerammt - sehr amüsante Einlage.

7. Juni 2007

In Australien, Tag zwei: Ankunft Hotel

Dann, gegen 17 Uhr kommen wir endlich im Hotel an. Wunderschön gelegen im Ort Southport. Das Gepäck ist schon auf dem Zimmer, fehlt nur noch der Schlüssel. Die Übergabe wird begleitet von erneuten sinnlosen Erläuterungen. Beispiel gefällig? Wir erfahren, dass die Lobby im 1. Stockwerk ist, die Zimmer im 2. Stockwerk, es allerdings keine direkte Verbindung gibt, und wir per Treppe zuerst ins Erdgeschoss müssen, dann in Richtung Südflügel und dort den Aufzug vom Erdgeschoss in den ersten Stock. Als nächstes wird demonstriert, wie wir mit der Chipkarte die Zimmertüre öffnen. Geht's noch, bin ich von totalen Idioten umgeben? Zur Sicherheit gehen wir den Weg zum Zimmer noch gemeinsam ab, so dass sich auch wirklich niemand verläuft. Und auch den Fußweg um abendlichen Poolside-Empfang wird vorsorglich gemeinsam abgelaufen (15 Meter in die andere Richtung, überraschenderweise am Pool...). Dann ist aber gut und wir flüchten über die Treppe (!) zu unserem Zimmer, während alle anderen geduldig auf den Aufzug in den 1. Stock warten...

Um 18:30 Uhr versammeln wir uns am Pool, es gibt alkoholhaltige Erfrischungsgetränke – so sehr habe ich mich selten auf ein Bierchen gefreut. Um 19 Uhr wird das Fest in einen Saal verlagert, wo es dann auch etwas zu Essen gibt. Drei Gänge, Hauptgang ist der für Australien typische Snapper-Fisch. Lecker. Vor dem Dessert kommt eine Tanz-und Musikkapelle der Aborigines und spielt traditionelle Didgeridoo Songs. Zwischendurch dürfen sich auch die Japaner daran versuchen, scheitern aber mit einer Ausnahme alle kläglich. Zum Abschluss wird dann an jedem Tisch ein Bild mit den angemalten Musikern gemacht. An unserem Tisch hat niemand eine Kamera mitgebracht – was einen unverständigen Blick auf dem Gesicht unserer Reiseleiterin zur Folge hat.

Gegen 21 Uhr ist das offizielle Ende des ersten Tages. Der Area-Manager lädt zum anschließenden (mehr oder weniger) freiwilligen Saufgelage ein, was wir uns allerdings nicht geben wollen und so verabschieden wir uns schleunigst in Richtung Hotelzimmer.

Ach ja, unser Hotel. Das lässt sich die Firma wirklich nicht lumpen. Im schönen Sheraton Mirage Resort and Spa Gold Coast ist wirklich alles Luxus. Wie das ein Normalsterblicher bezahlen kann, ich mir schleierhaft, die müssen doch alle etwas ausgefressen haben, um an so viel Kohle gekommen zu sein...

Fortsetzung folgt.

Filme über Tokio

Während ich mich immer noch durch meine Fotos kämpfe, gibt es heute zwei sehr nette Filme über Tokio. Gefilmt und editiert von YouToube-User "MylesInLondon".

Stop Go Tokyo


I Love New Tokyo

5. Juni 2007

In Australien, Tag zwei: Koala und Batman

Und jetzt beginnt der blanke Horror – sobald wir den Bus betreten, labert eine der netten Reisebegleiterinnen wild drauf los – unsinniges Zeug, Hauptsache Reden, und nix Sagen. Ob sich die Japaner unwohl fühlen, wenn sie nicht unter Dauerbeschallung stehen?

Auf dem Weg durch Brisbane, von dem wir nichts weiteres sehen werden, wird den Japanern das Wesen der Australier beigebracht. Wir erfahren, dass die Schule erst um 9 Uhr morgens beginnt, und um 3 Uhr nachmittags endet. Und dass die Australier keine Krawatten tragen und keine Überstunden machen – WAS ERLAUBE AUSTRALIER?!?. Spätestens hier haben alle im Bus sämtlichen Respekt für die Einheimischen verloren. Die Aussage der Reiseleiterin hat sogar Gelächter hervorgerufen, ohne Worte.

Von Brisbane selbst sehen wir eigentlich gar nix, denn die erste Busfahrt geht hoch auf den Berg Coot-Tha. Hier hat man normalerweise wohl einen super Ausblick auf Brisbane, nur halt nicht an diesem Tag. Oben angekommen treffen wir das Newsteam von 7NEWS, die gerade davon berichten, dass es wohl noch nie so nebelig gewesen ist wie heute – na super!





Nach 15 Minuten Wolken schauen geht es zurück in den Bus, und weiter Richtung Koalapark. Da haben wir dann die Möglichkeit, Kängurus zu füttern, exotische Vögel zu betrachten und Bilder mit Koalas auf dem Arm zu machen – den Japanern scheint dies zu gefallen. Gleichzeitig mit uns ist auch eine Schulklasse in den Park gekommen, vielleicht erste Klasse, die amüsieren sich ebenfalls.







Nach einer guten Stunde geht es zurück zum Bus, und weiter Richtung Warner-Brothers-Movie-Park. Hier gibt es gegen 11:15 Uhr endlich etwas zu Essen. Wir werden in eines dieser typischen Pseudo-Restaurants geleitet, da ist auch schon alles vorbereitet. Es gibt chinesisches Essen, sogar Stäbchen sind am Start. Den Japanern schmeckt es nicht, und alle scheinen todunglücklich zu sein und wissen nicht recht, was sie machen sollen.



Dann haben wir bis 16 Uhr Zeit, uns im Moviepark mehr oder weniger zu vergnügen. Was für eine Zeitverschwendung. Da fliegt man für eine Woche nach Australien, und wird dann in den Moviepark geschickt. Der Area-Manager macht fast alles mit, und gewinnt dadurch die Anerkennung seiner wesentlich jüngeren Kollegen.



Etwas müde von der Reise und den Strapazen des Movieparks versammeln wir uns wieder im Bus, in froher Hoffnung, jetzt endlich das Hotel anzusteuern. In diese Richtung geht es auch, allerdings wird den Japaner zuerst noch einmal gezeigt, wo sie am Tag darauf Ihre Geschenke kaufen können. Mit dem Bus cruisen wir durch das Stadtzentrum von Surfers Paradise, vorbei an den ganzen Designer-Schuppen, die wohl extra und nur für die Besucher aus Japan und Korea hier zu finden sind. Als würde es die gleichen hässlichen Gucci- und Prada-Handtaschen nicht überall zu kaufen geben. Natürlich mit Dauerbeschallung seitens der Reiseleiterin.

Australien 1


Fortsetzung folgt.

In Australien, Tag eins: Anreise

Unsere Koffer wurden bereits am Sonntag Abend abgeholt und zum Flughafen gebracht Schließlich zahlt die Firma. Und Tickets für den Skyliner Express zum Flughafen haben sie uns auch spendiert. Der Skyliner Express braucht übrigens für die gut 70 km zum Flughafen gute 70 Minuten. Der nicht-Express dahingegen gute 90 Minuten – der 200%ige Aufschlag auf den Ticketpreis ist also gerechtfertigt...

Die Reiseagentur schickt uns schon drei Stunden vor Abflug an den Flughafen. Anscheinend verlaufen sich die Japaner des öfteren auf dem Weg zum Terminal, oder sie Shoppen lediglich ausgiebig im überteuerten Duty-Free-Bereich. Ich weiß auch nicht. Gute 2,5 Stunden vor dem Boarding treffen wir zum ersten Mal auf unsere Reiseleitung. Die zwei jungen Damen werden sich von nun an um jede Kleinigkeit kümmern. Dies wird gleich nach der Antrittsansprache deutlich – 20 Minuten sinnlose und nutzlose Informationen, die ich natürlich nur teilweise verstehen kann. So wird z.B. darauf hingewiesen, doch möglichst Zigaretten in Japan zu kaufen, da diese in Australien teurer sind. Sucht-Versorgung. Aber zum Ausfüllen des Einreiseformulars verlieren sie keine Worte, da muss man erst selbst nachfragen.

Nachdem wir in der Vorwoche schon Post von der Reiseleitung bekommen hatten (knapp 10cm gestapelter Papiermüll, darunter drei fette Kataloge zum sofortigen Souvenirkauf. Warum auch nach Australien fliegen und die da kaufen, wenn man sie bequem von zu Hause bestellen kann?!) gibt es nochmal eine Mappe mit unnützen Infos, die wir gleich fachgerecht entsorgen.

Der Flug mit JAL dauert dann von Narita nach Brisbane 7,5 Stunden, da es ein Übernachtflug war konnte ich das Fehlen eines persönlichen TV-Screens gerade noch so akzeptieren.

Gegen 7 Uhr morgens sind wir dann gelandet, nach den Custums hat sich die gesamte Gruppe wieder getroffen, und niemand hatte einen genauen Plan, wie und vor allem wann es weitergehen würde. Zuerst einmal wurden alle Süchtigen zum Rauchen geschickt, und irgendwann ging es dann weiter Richtung Bus.

Fortsetzung folgt.

4. Juni 2007

In Australien (Incentive Trip)

Genau, letzte Woche waren wir in Australien. Und das für umme...

Die Firma meiner Freundin schein nämlich wirklich fett Kohle zu verdienen mit ihren Eye-Care-Solutions oder was immer die genau vertickern. Auf jeden Fall schicken die jedes Jahr die besten 15 Salesleute für eine Woche mit Begleitung in der Urlaub - dieses Jahr war es Australien und meine Freundin hast es unter die ersten 15 geschafft.

Der "Incentive Trip" ist dann aber nicht wirklich umsonst. Zum einen muss mein Mädel den Reisepreis versteuern - also Geld bezahlen für Geld, dass sie so nie gesehen hat. Des weiteren ist eine Woche Urlaub im Salesbereich natürlich eine verlorene Woche, in der man keinen Umsatz machen kann und somit seine Jahresbilanz eventuell im nächsten Jahr nicht verbessern kann. Und dann erwarten alle daheim gebliebenen Mitarbeiter Mitbringsel, die auch nicht gerade umsonst sind.

Na ja, ich habe auf jeden Fall (unbezahlten) Urlaub genommen und bin mitgekommen. Warum auch nicht :-) Insgesamt waren es so um die 40 Leute aus ganz Japan, ein paar Leute aus dem Management eingeschlossen. War ganz interessant zu sehen, wer wen als Begleitung mitgebracht hat. Eine Fraktion hat ganz klassisch seinen/ihren Partner mitgebracht. Viele jüngere Leute haben dann aber auch ihre Mutter mitgebracht - entweder weil sie zu viel arbeiten und keine Freunde haben, oder weil ihre Freunde alle nicht so einfach mal eine Woche freimachen können (typisch Japan). Manche sind gleich ganz ohne Begleitung gekommen und haben so die Hälfte ihrer Prämie verfallen lassen.

Der Reiseplan sah den Abflug für Dienstag Abend vor (so konnten die meisten noch den ganzen Tag arbeiten). Zuerst ging es für zwei Tage nach Brisbane und an die Gold Coast, anschließend zwei weitere Tage nach Sydney und Sonntag morgens wieder zurück. Ein ganz schöner Aufwand für fünf Tage, schließlich dauert der Flug Tokio-Sydney gute 8,5 Stunden...

Die ganze Reise war von vorne bis hinten organisiert, wie man es von den Japanern kennt. Die treten im Ausland ja immer vorzüglich in Reisegruppen auf. Fünf Tage mit bzw. in einer japanischen Reisegruppe - das war dann auch für mich wirklich nicht ohne.



So, und jetzt muss ich mich zuerst mal um meine 895 Bilder kümmern, dann gibt es weitere Geschichten aus Japan.

27. Mai 2007

German Fest

Zufällig habe ich in der letzten Woche in einem Newsletter gelesen, dass im Stadtteil Hibiya für eine Woche das German Fest stattfindet. Nach einem Besuch der angegebenen Internetseite (link) konnte ich nicht umhin, mir das ganze aus der Nähe anschauen zu müssen.



Zu aller erst will ich mal auf das rhetorische Meisterwerk "German Fest" eingehen. Da findet in Japan ein Fest deutscher Prägung statt. Und was machen die? Die nehmen ein englisches Wort, kombinieren es mit einem Deutschen, und am Ende sollen die Japaner verstehen?! Was hat hier überhaupt ein englischer Begriff zu suchen? Verstehe das wer will...Mit dem Begriff "Oktoberfest" können übrigens ALLE Japaner etwas anfangen.

So sind wir heute, Ende Mai, zum Oktoberfest gegangen. Hibiya Park, der Veranstaltungsort, wird auf einer japanischen Internetseite wie folgt beschieben:

The parkland verwendete, der Palastbereich des Feudallords, Matusdaira Bizennokami zu sein, herauf bis das Ende der Edo Periode. Dann diente er als Militarparade, die wahrend der Meiji Periode gerieben wurde. Spater wurde dieser Park entworfen und konstruiert, wahrend das erste Stadtischart Park in Japan westernized. Die grose im Freienmusikhalle, die kleine im Freienmusikhalle und die allgemeine Halle Erscheinenbegeisterung des Park-Entwerfers als Vorlaufer der Kultur.


Aha, alles klar! Es lebe das gediegene Halbwissen und Online-Übersetzungsprogramme. Was es festzuhalten gibt, der Park ist der erste westlicher Prägung in Japan. Und diese Woche findet dort halt das Oktoberfest statt. Ist eigentlich eine sehr schöne Location (Ort), die Bierbänke waren rund um eine kreisförmige Wasserfläche aufgestellt.

Und überall gab es deutsche "Köstlichkeiten", wie etwa Maultaschen (als "Deutsche Ravioli" angepriesen), Schupfnudeln (mit Ketchup), Spießbraten usw. Auf einer Bühne gab es ein musikalisches Begleitprogramm, welches sich während unseres Besuches auf junge japanische Rap-Bands begrenzte.

Wichtig, es gab DEUTSCHES BIER VOM FASS, sowohl Spaten als auch Franziskaner, Köstritzer, Bitburger und Erdinger! Hier bin ich doch zu Hause. Auch wenn mich der aus Mainz stammende "Barkeeper" vom Spatenzelt zu sich locken wollte, musste ich ihm doch sagen, dass ich schon von Geburt wegen eher zum Erdinger greifen müsste. Was er auch anstandslos verstanden hat.

Mein wohlgeformtes Erdinger vom Fass hat dann zwar ein kleines Vermögen gekostet - umgerechnet gut 7 Euro - aber es war jeden Yen wert. Als ich es in Empfang genommen habe, habe ich mich wahrscheinlich gefreut wie ein Kind über seine erste Playstation.

Übrigens, ganz am Rande des Festbereichs gab es auch ein paar Stände, wo man Japanisches Essen kaufen konnte. Man will die Japaner wohl nicht überfordern, beim Bier ist das wohl in Ordnung, da sind die Deutschen auch nach ihrer Ansicht besser als sie, aber im Bereich Nahrungsmittelaufnahme... Ich musste meine Maultaschen dann auch mit Stäbchen essen, was für eine Erfahrung.

Hibiya Koen Oktoberfest

Martin im Wald (Tour 26)

Gestern waren wir wieder im Oku-Musashi-Gebirge unterwegs. Dieses Mal ging es vom Bahnhof Musashiyokote hinauf zum Hiwadasan und zurück zum Bahnhof Koma.

Hiwadasan Hiking Track 26


Informationen auf Japanisch gibt es hier: Link

Am Ende ging es ziemlich steil bergauf, dafür gab es oben einen tollen Ausblick. Und auf dem Weg zum Bahnhof sind wir noch an einer kleinen Flussaue (Karte) vorbeigekommen, die sich perfekt zum Grillen eignen würde - da werden wir bestimmt mal wieder hinfahren.

26. Mai 2007

Gummistiefel

Gestern hat es in Tokio geregnet, nicht sonderlich stark, aber irgendwie den ganzen Tag lang. Diese Unverschämtheit des Wetters wurde den lieben Japanern bestimmt am Abend vorher in den Nachrichten ausführlich mitgeteilt, so dass sie sich am nächsten Tag auch ja auf diese prekäre Situation vorbereiten und einstellen konnten.

Nun habe ich ja bereits von der engen Verbundenheit der Japaner mit ihren Schirmen berichtet, gestern sind sie aber dann zum Level 2 der Regenabwehrmaßnahmen übergegangen. Was passiert ist? Nun, für die paar Meter, die sie täglich überirdisch und somit der Laune des Wetters ausgesetzt zurücklegen müssen, haben sie mehr oder weniger passend zu ihren Armani-Anzügen und Gucci-Kostümen Gummistiefel getragen. Richtig gehört, GUMMISTIEFEL. Und zwar ganz handelsübliche, mir kam es so vor, als wollten die in der Mittagspause mal eben zu ihrem Reisfeld,um die Saat zu prüfen. Aber nein, sie wollen einfach nur nicht nass werden. Eins sei angemerkt, auch in Tokio sind die Straßen geteert und die Gehwege gepflastert.

Von meiner Freundin habe ich dann erfahren, dass Gummistiefel derzeit auch ohne Regen ganz im Trend liegen bei den Japanern. Na ja, jedem das seine.

Jetzt bin ich aber dann doch noch mal gespannt, was die Jungs und Mädels machen, wenn die Taifun-Saison losgeht und es endlich mal zu richtigen Regenfällen kommt. Wahrscheinlich stülpen sie sich dann einen Raumanzug über oder so.

23. Mai 2007

Frosch

In meiner Firma finden ab und zu sehr seltsam anmutende Emails ihren Weg in mein Postfach. Glücklicherweise muss ich mich im Normalfall nicht weiter damit aufhalten, weil ich ja eh nix verstehe ;-) Aber diese hier zeigt mal wieder das wahre Wesen der Japaner:



Nicht nur, dass dieses kindische Ding überhaupt bei uns aufgestellt wird - schließlich ist es doch das größte Architekturbüro der Welt, da kann man doch etwas mehr Geschmack erwarten. Nein, besonders kritisch ist die Erläuterung seitens unserer Sekretärin zu sehen, die nochmal für alle Minderbemittelten erklärt, wo denn die 100 Yen einzuwerfen sind - als ob es nicht ausreichen würde, dass genau dies schon in der großen roten Sprechblase Erwähnung findet.

So geht das hier aber mit allem, ohne Beschreibung geht nix, auch für die einfachsten Dinge. Habe ja schon einige Male ein paar Anleitungen gepostet - hier also ein weiterer Beleg für die mangelnde Auffassungsgabe der Japaner...

17. Mai 2007

Kabuki

Am Montag habe ich mir die volle Dröhnung japanischer Kultur gegeben und bin mit meiner Tandempartnerin (Hallo Ayako ;-)) zum Kabuki gegangen.

Kabuki ist das traditionelle japanische Theater aus der Edo-Zeit. Die Vorstellungen dauern den ganzen Tag an, man kann also zum Beispiel ein Ticket für den Zeitraum von 11 Uhr morgens bis 21 Uhr abends erstehen. Die Akte und Geschichten sind allerdings schön in kleine Abschnitte eingeteilt, was den Japanern erlaubt, sich zwischendurch ihrer liebsten Beschäftigung, dem Essen, zu widmen.

Im Kabuki-Theater in Ginza kann man allerdings auch relativ bezahlbare Tickets für einen Akt kaufen. Dies haben wir dann auch gemacht.

Kabukitheater in Ginza, Quelle Wikipedia

Zum Glück gibt es eine englischsprachige Übersetzung, die nicht nur den Inhalt des Stückes, sondern auch geschichtliche und begleitende Informationen vermittelt.

Die Geschichte, die wir gesehen haben in Kurzform: Die Gruppe der Feuerwehr und die Gruppe der Sumoringer bekommen sich in einer Kneipe in die Haare. Sie bereiten dann einen großen Showdown mit massig Action vor, doch kurz bevor es zu einer Entscheidung in den Kampfhandlungen kommt, taucht jemand mit Symbolen beider Gruppen auf. Dies stellt den Frieden zwischen beiden Gruppen wieder her.

Die Langform: Hmm, eigentlich ist alles gesagt, viel mehr ist in den knapp zwei Stunden nicht passiert (also genau wie in den meisten japanischen Filmen, deren Kunstform das "Nichtssagen" zu sein scheint, oder den japanischen Nachrichten im Fernsehn, die sich nur mit lokalen Belanglosigkeiten beschäftigen.).

Natürlich gibt es auch historisch-geprägte Kabuki-Aufführungen mit tieferen Aussagen und Zusammenhängen...


Zwischendurch wird es ganz lustig, nämlich dann, wenn die Zuschauer die Namen der Schausteller lauthals in Richtung Bühne brüllen. Als wären sie völlig in das Spiel und die Geschichte vertieft. Ist wohl eine Art Tradition, die hier aufrecht erhalten wird.

Letztendlich war der Besuch sicherlich ganz interessant, aber ähnlich der Erfahrung, die ich schon beim Ballett gemacht habe - einmal und nie wieder ;-)

16. Mai 2007

Gut arbeiten: Unsinn Überstunde

Gut arbeiten: Unsinn Überstunde
Extralang am Abend, Sonderschichten am Wochenende, Einsatz von zu Hause: Wer so arbeitet, arbeitet sich kaputt. Den Schaden hat der Arbeitgeber.

Den vollständigen Artikel können Sie sich unter dieser Adresse anschauen:
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/339/113226/

Hmm, wie soll ich das nur den Japanern beibringen, die glauben mir doch kein Wort!

11. Mai 2007

Essen, Essen, Essen

Die Goldene Woche Anfang Mai, in der die lieben Angestellten in Japan mindestens fünf Tage am Stück nicht in ihren Büros Unterschlupf finden konnten, haben viele genutzt, um zu verreisen. Denn mit zwei weiteren Urlaubstagen (Montag und Dienstag) konnte man die freie Zeit sogar auf 9 Tage ausweiten. Einige Firmen machen in dieser Zeit gleich ganz zu, wie die meiner Freundin…

Reisen findet in Japan aus etwas anderen Motiven statt. Hauptsächlich geht es dabei um die gepflegte Nahrungsaufnahme. So beschäftigen sich einschlägige Reiseführer ausgiebig mit den lokalen (und somit einzigartigen…) Speisen. Ich würde behaupten, dass ein japanischer Reiseführer zu 60%-70% aus Beschreibungen von Restaurants und Speisen besteht. Dies ist ausnahmsweise mal KEINE Übertreibung, sondern entspricht den Tatsachen! Der Rest sind dann die sonst im Zentrum stehenden Themen “Point-of-Interests” sowie Informationen zum Transport, der lokalen Kultur, Karten etc..

Auf jeden Fall ist es in den Reiseführern üblich, alle Speisen mit umfangreichen Bildmaterial darzustellen. Hier wird wirklich alles und jedes gezeigt, selbst ein Bild eines stinknormalen Softeises fehlt in keinem Travelguide. Und daneben wird in etwa gleicher Ausführlichkeit ein kulturell-wichtiges Bauwerk beschrieben.

Aber dass sich beim Thema Reisen tatsächlich alles NUR ums Essen dreht, ist mir diese Woche klar geworden. In Japan ist es nämlich üblich, von Reisen kleine Geschenke mitzubringen –für Freunde und Verwandte, hauptsächlich aber für die lieben Kollegen in der Firma. Nach der Goldenen Woche kommt es in der Firma also zu intensiven Austauschprozessen. Wichtig dabei, der lokale Kontext der Geschenke, zumeist ein in massig Plastik eingeschweißter Snack oder Süßigkeit, Hauptsache der Reiseort ist namentlich auf der Verpackung erwähnt.

Kleinste Unterschiede in der Zubereitung werden hier als lokale Spezialitäten verehrt. Werden zum Beispiel von Region zu Region unterschiedliche Zutaten in die Nudelsuppe gegeben (also zum Beispiel Zwiebeln anstelle von Lauch), ist dies in Japan eine Einzigartigkeit ohne Gleichen und wird mit der gleichen Intensität erlebt wie der Besuch einer vielleicht 500 Jahre alten Burgruine.

Wenn man bei der Übergabe der Mitbringsel (“O-Miyage”) die Chance nutzt, mit dem entsprechenden Mitarbeiter einen kleinen Plausch über die gemachten Reiseerlebnisse zu führen (also die Standardfrage stellt: “Wie war die Reise?”), bekommt man mit 90%-iger Sicherheit zu allererst Ausführungen zu den verspeisten, lokalen Köstlichkeiten zu hören, mehr aber auch nicht!

Ähnliches erlebe ich auch immer wieder, wenn ich neue Japaner kennen lerne und diese dann ganz ungezwungen mit meiner Deutschen Herkunft (NEIN – ich bin kein Amerikaner..) konfrontiere. Nach kurzer Zeit wird dann gefragt und überlegt, ob und welche Leckereien denn aus Deutschland kommen. Hier wird jedoch weiterhin die Meinung vertreten, dass Deutsche sich ausschließlich von Sausages ernähren. Diese gibt es hier überall im Supermarkt zu kaufen, wobei das einzig Deutsche daran die kleine Flagge auf der Verpackung ist – alles andere ist leider…..

Na ja, es gibt wohl kein anderes Volk auf diesem Planeten, welches sich derart intensiv über die Nahrungsaufnahme identifiziert. Verstehen kann ich dies nicht, aber jedem das seine, also guten Appetit liebe Japaner.

p.s. Bei den langen Arbeitszeiten und einem Leben ohne Urlaub läuft es wohl darauf hinaus, dass der Nahrungsaufnahme die grösste Bedeutung zukommt – und schließlich zum zentralen Hobby wird. Für anderes hat man hier ja keine Zeit.

Capsule Tower


"Nakagin Capsule Tower to be Demolished
Kisho Kurokawa's iconic Nakagin Capsule Tower is scheduled to be demolished and replaced by a new 14-story tower. The Metabolist capsule building consists of 140 units attached to a central core, articulating the ideology behind the Metabolist movement of the 1960s and 1970s, which envisioned cities formed of modular components."

Hallo?! Geht's noch? In Deutschland werden ganze Schlösser rekonstruiert, und was macht Japan; die reißen auch noch das letzte Stückchen gebaute Geschichte ab - um ein paar Yen mehr zu verdienen. Ohne Worte. Dieses Bauwerk ist eine der wenigen damals realisierten Ideen des Metabolismus, das kann man doch nicht so einfach einstampfen!

Im Internet gibt es schon einen kleinen Aufschrei der Verzweiflung, nur die Japaner verstehen es nicht. Kein Wunder, dass die Städte hier alle gleich aussehen, keine Spur von Historie und/oder Klasse.

Ein Kommentar hat mir sehr gut gefallen. Jemand regte an, ob nicht irgendein Chinese das Ding kaufen, zerlegen und in Shanghai wieder aufbauen wolle. China - Retter der Japanischen Geschichte, das wäre mal ein Coup!

Bilder und Links zur Tragödie:
http://www.inhabitat.com/2007/05/04/modern-prefab-nakagin-capsule-towers/
http://archrecord.construction.com/news/daily/archives/070430kurokawa.asp
http://www.treehugger.com/files/2007/05/icon_of_modern.php
http://www.arcspace.com/architects/kurokawa/nakagin/nakagin.html

9. Mai 2007

8. Mai 2007

Wakura Onsen und Nanao

Nach einer günstigen Übernachtung in der Hotelkette Apa-Hotel (Doppelzimmer umgerechnet 30 Euro) ging es für uns weiter Richtung Nanao und Wakura Onsen (link).

Die Region selbst wurde in der nahen Vergangenheit von einem ziemlich starken Erdbeben heimgesucht, so dass es in den vergangenen Wochen zu erheblichen Rückgängen in Sachen Besucher und Tourismus gekommen ist. Mit einer umfangreichen Werbekampagne versucht man allerdings die Japaner davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung sei – was es eigentlich ja auch ist.

Nun gut, kurz vor der Ankunft wurde im Zug bereits eine Durchsage gemacht, dass sich die Besucher am Bahnhof auf einen lächelnden Empfang freuen können. Da diese Meldung dann noch mehrmals wiederholt wurde, war ich voller Vorfreude auf nette, lächelnde Junge Damen, die mich in Empfang nehmen würden. Meine Kamera schussbereit, durchschreite ich also das Bahnhofstor und sehe mich, nicht wie erwartet einem jungen, lächelnden Begrüßungskommando gegenüber, sondern vielmehr einer Ansammlung älterer Damen im Kimono. Gelächelt haben sie aber.

Wakura Onsen zählt zu den ältesten Badeorten in Japan. Die vielen Hotels im japanischen Stil (ryokan) sind unmittelbar an die Küste gebaut. So ist es möglich, ein warmes Bad zu nehmen und gleichzeitig den Blick aufs Meer zu genießen.

Die Gebäude an sich sind eher unschön, die werden wohl durch das Salzwasser sehr beansprucht und sehen von außen dementsprechend aus. Und dann schließt sich ein Anbau an den nächsten, so dass man innerhalb endlos unterwegs ist und sich nicht wirklich orientieren kann.
Wakura Onsen

Die Übernachtung in einem Ryokan beinhaltet immer ein ausgiebiges Abendessen. Wenn ich mich recht erinnere, waren es bei uns gut 12 Gänge! Nach dem 3. Gang hatte ich eigentlich schon keinen Hunger mehr, und das, obwohl ich eh nicht alles gegessen habe, was mir da von der Servicelady aufgetischt wurde.

Im Ryokan läuft man gewöhnlich in sehr unbequemen Slippern herum, ist halt Tradition in Japan. Geschlafen wird auf dem Boden, ganz klassisch auf ausgerollten Futonbetten.

Obwohl das von uns besuchte Ryokan (link) zu den besseren Etablissements gehört, hat man es nur mit Mühe geschafft, mir zum Frühstück zwei Scheiben Brot und etwas Marmelade zu servieren – das japanische Frühstück sieht nämlich nicht viel anders aus als das Abendessen, also mit Reis, rohem Fisch usw. Daran kann ich mich einfach nicht gewöhnen…Zum Glück gab es in der Lobby Kaffee, so dass sich das Frühstück doch langsam vervollständigt hat.

Nach einem Ausflug in den nächsten Ort Nanao und den Besuch des Straßenfestes haben wir gegen 3 Uhr nachmittags die 5-stündige Rückreise angetreten.

Zum Straßenfest – es war hier “Tag des Kindes”, demnach wurden überall Feste ausgerichtet. Die Art und Weise, wie dies in Nanao organisiert wurde – naja. Irgendwie schlecht. Zum einen schafften sie es nicht, die Strasse für die Fußgänger zu schließen, also drängten sich alle auf den sowieso nicht sehr breiten Gehwegen.
Weiterhin kam man nicht auf die Idee, den schönen Kanal mit in das Fest einzubeziehen – andere Städte würden für das Vorhandensein eines solchen Elementes wohl ihren Bürgermeister verkaufen.

Nanao

Ok, genug “urban criticism” – aber bei solchen Dingen kann ich einfach meinen Mund nicht halten.

7. Mai 2007

Kanazawa

Mi/Do/Fr vergangener Woche haben wir uns in die Präfektur Ishikawa begeben. (Karte)

Mit dem Zug hat es knapp vier Stunden gedauert, bis wir endlich in Kanazawa angekommen sind. Unterwegs wird schnell klar, dass diese Region erheblich zur Reisversorgung in Japan beiträgt - Reisfelder so weit das Auge reicht.

Kanazawa (mehr Infos)hat knapp 450.000 Einwohner und ist im 2. Weltkrieg weitgehend verschont geblieben. Daher findet man hier auch noch einige typische historische Bereiche in der Stadt. Zum einen sind dies die ehemaligen Samurai-Nachbarschaften, die heute zumindest noch in der Form der Erschließung (Straßenverlauf) und der Haustypen vorhanden sind (Die Häuser selbst sind natürlich 'historisierende Nachbauten', schließlich wird hier seit je her mit Holz gebaut, somit irgendwann einem Feuer zum Opfer gefallen...).

Kanazawa - City


Stadtbild-prägend in diesen Stadtbereichen sind vor allem die vielen kleinen Kanäle, die sich entlang der mäandrierenden Straßen schlängeln und die vielen kleinen Brücken zu den Hauseingängen.

Im Teehaus-Viertel gibt es dann auch noch diverse Restaurants, die an das ehemalige Geisha-Viertel erinnern. Auch heute wird man hier nur auf persönliche Einladung als Gast akzeptiert.

Kanazawa Samurai District


Kenrakuen zählt zu den “3 perfekten Gärten” (link) in Japan. Ursprünglich ausserhalb der Befestigungsanlage gelegen, liegt es heute mitten in der Stadt, die sich radial um die ehemalige Burg entwickelt hat. Der Park ist wunderschön mit sehr vielen Wasserläufen, Wasserfällen und natürlichen Springbrunnen . Und an einem so schönen Frühlingstag mit Sonnenschein ohne Ende hat der Besuch gleich doppelt so viel Spaß gemacht.

Gegenüber dem Park befinden sich die Überreste der ehemaligen Befestigungsanlage. Zum Teil hat man die ursprünglichen Gebäude wieder aufgebaut, lediglich das Tor und das ehemalige Munitionslager (ein wunderschöner Holzbau) sind noch Originale.

Kanazawa - Kenrokuen Garden and Castle


Ansonsten besticht Kanazawa durch den breiten Flusslauf und durch ein relativ dörfliches Flair. Wenn man durch die kleinen engen Gassen abseits des Zentrums spaziert, findet man noch Bereiche mit kleinen Geschäften und Läden (was in einem Land der Shopping-Mall-Fanatiker eine echte Besonderheit darstellt…). Und im Stadtzentrum steht mit dem Museum für moderne Literatur, welches im alten Backsteinbau einer ehemaligen Schule untergebracht ist, eines der schönsten Gebäude, was ich bislang in Japan zu Gesicht bekommen habe. Nebenan steht das nicht minder interessante, verlassene ehemalige städtische Verwaltungsgebäude. Ich bin mal gespannt, ob sie es schaffen, dies irgendwie umzunutzen oder ob sie es sich einfach machen und es abreißen…

Der futuristisch anmutende Bahnhof mit seinem imposanten Glasvorbau liegt etwa zwei Kilometer vom Zentrum entfernt, bietet aber einen tollen Empfang für Besucher.

Das 21. Jahrhundert Art-Space in Sichtweite des Parks ist ebenfalls futuristisch geprägt, auch wenn hier der öffentliche Nahverkehr etwas unterschätzt und in der Dimensionierung zu klein geraten scheint...



Nicht zuletzt scheint der historische Flair, der über der Stadt liegt, ausschlaggebend für die diversen Partnerschaften mit ausländischen Universitäten. Zumindest trifft man hier doch schon etwas öfter auf ein westliches Gesicht als sonstwo in Japan.

Negativ ist lediglich der Bau eines riesigen Elevated Highways mitten durch die Stadt. Da zeigt sich mal wieder, dass die Japaner stadtentwicklungstechnisch in den frühen 1960er Jahren steckengeblieben sind. Oder wo in aller Welt werden heute noch solche stadtbildfeindlichen Monster gebaut?

1. Mai 2007

Geschmack

Nach drei Monaten im Büro und somit drei Monaten Anschauungsmaterial in Sachen japanischem Büroalltag, fallen mir insbesondere zwei Dinge auf. Erstens, die Japaner sind gefangen in ihren ach so speziellen und einzigartig-verschriebenen business manners, und zweitens, sie sind völlig geschmacksfrei.

Auch wenn ich meine Firma eher als progressives Beispiel in der japanischen Business-Szene ansehen würde, gibt es auch hier etliche Japan-eigene Regelungen in Sachen Business Manners. Beispiel Telefonat. Im Großraumbüro kommt man nicht umhin, ungewollt das eine oder andere Gespräch belauschen zu müssen/zu dürfen. Es fängt immer mit dem gleichen Paket aus Höflichkeiten und Begrüßung an; und natürlich Entschuldigungen dafür, dass man überhaupt anruft. Dann, nach einiger Zeit, geht es wohl um den eigentlichen Grund des Anrufs, gefolgt von einer der Begrüßung in nichts nachstehenden Verabschiedung. Würde man den ganzen formellen Kram weglassen, das eigentliche Telefonat würde wohl auf 30% der Zeit zusammenschrumpfen. Kein Wunder, dass die Japaner bis spät in die Nacht arbeiten müssen.

Im Büro wird natürlich Pinguin-Tracht getragen, ohne Krawatte geht hier gar nix. Verwunderlich ist, dass es im Büro lediglich bei der Fußbekleidung eine Lockerung zu geben scheint. Auf jeden Fall laufen hier alle Angestellten in den hässlichsten und billigsten Adiletten rum, die die Welt je gesehen hat! Was schon bei den Herren der Schöpfung in ihren maßgeschneiderten Anzügen lustig aussieht, erreicht seinen Höhepunkt bei den jungen Damen, deren Kombi aus Designerkostüm und Slipper zum Schreien komisch ist. Und geschmacklich an der Grenze des Erlaubten. Die Krönung des Ganzen wird durch den Blick auf die Sockenwahl erreicht, hier wird jede (Un-)Farbe mit jeder Farbe kombiniert - als ob wirklich alle farbenblind wären.

Weg zur Arbeit

Diese kuriose Szene hier kann man jeden morgen überall in Tokio beobachten:


Aufgenommen: Freitag, 13. April 2007, 07:28:54


Nur zur Information, die Laufen nicht etwa vor King Kong davon, und trainieren auch nicht für den nächsten Marathon (obwohl, wer weiß das schon...) - die gehen einfach nur zur Arbeit...