15. Juli 2007

Gyoza und Steine

Am Samstag haben wir einen Tagesausflug in die Präfektur Tochigi (100 km nördlich von Tokio) gemacht. Unser Ziel war die Stadt Utsunomiya.

Utsunomiya ist bekannt für die aus China stammende, in Japan aber ebenfalls sehr beliebte Speise Gyoza. Zusammen mit zwei netten Arbeits-Kolleginnen meiner Freundin haben wir uns mit dem Auto früh morgens auf den Weg gemacht, trotz Dauerregen.

Am Abend vorher hatten die drei Mädels schon ausgiebig über den Dress-Code und das Maß der Kriegsbemalung diskutiert. Nur mir hatte man mal wieder nix gesagt, so dass ich aus der Reihe getanzt und völlig ungeschminkt aufgetaucht bin ;-))))

Seit ich hier in Japan angekommen bin frage ich mich, warum die hier alle mit Mini-Vans rumfahren. In Deutschland ist Japan doch eher für seine Kleinwagen bekannt. Heute habe ich gelernt, warum. In Japan mit dem Auto unterwegs zu sein, bedeutet nämlich endloser Stau und eine Reisegeschwindigkeit, die sich trotz des technischen Fortschritts im Vergleich zu den letzten beiden Jahrhunderten kaum verändert zu haben scheint. Hier kommt das Motto "Der Weg ist das Ziel" ins Spiel. Alle Autos sind hier mit den neuesten Navigationsanlagen ausgestattet. Diese zeigen nicht nur den Weg an, sondern spielen gleichzeitig Musik, Videos, sind Telefonbuch und generelles Unterhaltungsmedium. So haben sich die drei Mädels während der knapp 2,5-stündigen Fahrt (für gut 100 km) auch prächtig mit dem Ding amüsiert. Besonders zur Unterhaltung beigetragen haben die Ansagen im Osaka-Dialekt (Osaka-Ben), aber auch die Umschaltung auf englische Kommentare war interessant, vor allem, weil unsere Fahrerin die Kommandos nicht wirklich verstehen konnte.

Auf jeden Fall sind wir gegen 12:30 Uhr angekommen, den genauen Weg zum Restaurant hat uns das Navi verraten. Warum die Stadt so bekannt für Gyoza ist, hat sich mir noch nicht erschlossen. Schließlich gibt es die Dinger überall in Japan zu kaufen. Ach ja, Gyoza sind mit Fleisch oder Gemüse gefüllte japanische Teigtaschen. Und schmecken vorzüglich. Warum man hierfür aber 100 km fahren muss - dies ist wohl eine sehr japanische Eigenart.



Nach dem Mittagessen (wir haben gerade mal 12 Euro für 4 Personen bezahlt, sehr günstig) sind wir weiter Richtung Oya, einem Ort ganz in der Nähe von Utsunomiya. Hier gibt es ein berühmtes Steinabbaugebiet, mit dessen Steinen das berühmte Imperial Hotel in Tokio sowie das Bahnhofsgebäude in Nikko (beide entworfen von Frank Lloyd Wright) gebaut worden sind (habe in weiser Vorbereitung einfach mal "Architektur" und "Tochigi" gegoogelt, so dass wir dem Ausflug auch noch einen kleinen kulturellen Touch verleihen konnten).

Unser Navi hat uns zuerst zweimal mitten in den Wald gelotst. Mit etwas Glück haben wir es aber dann doch noch gefunden.

Den unterirdischen Abbaustollen zu besichtigen bedeutet einen Abstieg in gut 35 Meter Tiefe, wo es dann auch sehr kühl wurde. Wohl so um die 5-7 Grad, die Mädels haben alle fürchterlich gefroren, wir waren aber alle zutiefst von der Anlage angetan. Vor allem die Atmosphäre aufgrund der spärlichen Beleuchtung, aber auch die Ausmaße der Tunnel waren beeindruckend. Hier finden von Zeit zu Zeit auch spezielle Konzerte statt, Hochzeiten kann man hier unten ebenfalls abhalten. Und während des 2. Weltkrieges haben die Japaner hier unten heimlich Flugzeuge zusammengebaut.






An die Rückfahrt erinnere ich mich kaum noch (obwohl es gerade erst einen Tag her ist), er war aber dominiert von Frauengesprächen (die zudem ja noch in japanisch stattgefunden haben). Also eher uninteressant für mich.

Noch mehr dunkle Bilder gibt es hier:
Oya Stone Museum


Etwas schickere Bilder hier:
http://kengaku.org/photo/ooya/

13. Juli 2007

89%

Heute haben wir hier 89% Luftfeuchtigkeit. Zum Glück scheint die Sonne nicht, trotzdem werde ich mir morgen überlegen, mit Schwimmflügeln aus dem Haus zu gehen - man kann ja nie wissen. Für Sonntag hat sich dann auch noch ein Taifun angekündigt, wir sind schon alle ganz nervös. Im 14. Stockwerk sollten wir davor aber sicher sein.

12. Juli 2007

Mittagspause

Was macht der gemeine japanische Workaholic eigentlich in seiner (betrieblich mehr oder weniger festgeschriebenen) Mittagspause?

Nun, zuerst einmal scheint hier die Gleitzeit-Regelung noch nicht erfunden. So kommt es, dass wirklich alle Punkt 12 Uhr die Büros verlassen. An den Restaurants bilden sich somit lange Schlangen, aber hier warten die Leute ganz geduldig. Dies wird offensichtlich nicht als “Zeitverschwendung” angesehen.

Hat es der Businessman dann in die Essensstube seiner Wahl geschafft, wird meistens in der Aktion des Hinsetzens bestellt (die Karte konnte er ja schon während seiner Wartezeit studieren). Sobald das Mittagsmenü dann eintrifft, geht die Veranstaltung erst richtig los! Jetzt realisiert der arme Arbeiter, dass er durch die dumme Warterei draußen in Zeitnot ist, und verschlingt so sein Mittagessen innerhalb weniger Minuten. Dass muss man echt selbst erlebt haben! Während ich noch meine Stäbchen auspacke und voneinander trenne, ist die Schüssel neben mir schon halb leer. Begleitet wird dies alles von “Lauten”, die jedes Kind in Europa einen Klaps auf den Hinterkopf einfangen lassen würden. Nach drei Minuten ist das Schauspiel dann vorbei, den letzten Bissen noch zwischen den Backenzähnen, wird hektisch nach der Bedienung und der Rechnung gerufen. Ein Vergleich mit einer Raubtierfütterung wäre gar nicht mal so unangebracht…

So, jetzt hat der gute Arbeiter aber immer noch etwas von seiner Mittagspause übrig. Ist er alleine unterwegs, wird sein nächstes Ziel der 24-Stunden Convenience-Store sein. Hier stehen die Pinguine dann dicht gedrängt vor dem Zeitschriftenregal und lesen Comics. Japanische Mangas. Auf dem Cover räkeln sich japanische Schönheiten im Bikini, im Innern sind einfache Comics zu lesen. Dass sollten die mal in einem beliebigen Zeitungskiosk an einem deutschen Bahnhof versuchen, da gibt von der 50-jährigen kettenrauchenden Eigentümerin aber mächtig was zu hören.

Is(s)t man mit Kollegen unterwegs, geht es anschließend noch zu einer der üblichen Kaffeehaus-Ketten. Hier wird dann kalter Kaffee (“Iced”) getrunken (im Sommer und Winter) und geraucht was das Zeug hält. Gestern sind wir vor unserem lokalen Starbucks wirklich in eine Rauchwolke gelaufen, unbeschreiblich.

Es geht aber auch anders. Ist man den ganzen Tag mit dem Auto unterwegs (der Lieferverkehr ist hier unglaublich hoch), stellt man sich einfach bei laufendem Motor und Klimaanlage an den Straßenrand und schläft eine Stunde. Die Hauptverkehrsstraßen halten hierzu überall einen seitlichen Haltestreifen vor, der dann nur dazu einlädt, noch mehr CO2 in die Luft zu blasen.

Ich mache allerdings weiterhin meine Mittagspause nach deutschem Muster, wann und wo es mir gefällt, sehr geruhsam. Und bin trotzdem nach einer Stunde wieder zurück im Büro ;-)

11. Juli 2007

New Town Houses in Tokyo

Heute mal was in englischer Sprache :-)

Nakai is part of Tokyo's Shinjuku ward, one of the major hubs in the city. Even though being just a ten minute train-ride away from the center of business activity in Tokyo, it still manages to preserve a rather human-scale building structure, mainly dominated by detached single family houses (zoning and building restrictions might play a role in this game). Typically, these are 2-3 level high wooden houses, newer ones pre-fabricated “plastic homes”, some modern concrete blocks, all close to the street and rarely including gardens.

Walking though the neighborhood’s winding streets these days, it is easy to notice that things are changing. New developments start every day, one “old” house – something like 30 years is considered “old” in Tokyo - is replaced by a handful of new ones. Building plots with a size of 300 or 400sqm are populated by as many as six new houses, including ground level parking.




Try to zoom-in and use the aerial-picture to experience what I mean.

Normally, everywhere in Tokyo and Japan, single family houses are nothing to become excited about. IMHO, most of them are really boring. No money seems to be spent on façade design - all houses look similar, especially as they all inherit one of maybe ten basic facade designs available amongst money-focused housing developers. (hey, everybody carries around the very same ipod, wears the same sneakers and handbags, so why not live in identical-looking houses, who cares?).

Typical examples of contemporary single-family houses Tokyo/Japan-Style:






From time to time, better and more interesting projects can be found in Tokyo. One of them is for sure the New Town-Houses Project in Nakai (the official title is “Court Décor Yonnosaka”). The site is a fair five minutes’ walk away from Nakai Seibu-Shinjuku-Commuter-Line Station, and seven minutes to the nearest subway station. The size of the site is just over 2,100 square meters, (0.2 hectares), nevertheless does the master plan schedule as many as 28 houses to be realized here!


The design of local mastermind architect Itsuko Hasegawa was chosen out of a design competition. The “New Town Houses” – whatever the advertisement slogan wants to tell us by this, are somehow connected to each other, somehow not connected, and some houses have up to six direct neighbors (and you thought two neighbors are already tough…).


The overall layout and elevation tributes to the slope-alike site, and make it look like a terrace. All houses feature a roof terrace, and are laid out over three levels (5x5m-ground-floor plus several annexes, mainly 2LDK & 3LDK, sized between 73 and 117 sqm). The new homes seem to pay tribute to the aging society, as they are all equipped with a small personal elevator.






Constructed out of concrete, the closely arranged building cubes will create many shaded spots, something essential for the hot and humid Tokyo climate. In addition to the 28 buildings, a “cultur room” is shared by the future inhabitants, included in a monthly fee for facility management (between 18.700 and 30.000 Yen, relative to the floor size).

The development is advertised as ecological community. All homes are equipped with a Japanese system called Ecocute (a high efficiency heat pump water heater using a natural refrigerant (CO2)). Another important fact is that some trees located on the site had to be preserved and had to be included in the overall design.

It looks like every unit will use its very own air conditioning, and gas has been abandoned from use in the kitchen in favor of electrical ovens. Even though the roofs could easily deal with some panels, I cannot find any clues for solar energy use. Taking a look inside the building, everything is nicely arranged around last-century air-condition machines.

The elevated wall towards the street, a result caused by the underground (street level) parking, really puts out the question why these buildings are called town houses. Isn’t it the direct interaction with the (public) street that makes up the main character of a classical Town House, along with the terraced layout? Frankly speaking, this set of houses looks more like a closed service complex for elderly people. One entrance on the left, one on the right, the only interaction with the street is the entrance to the parking floor. Welcome to the new private-city (I should mention that it is highly unpopular with the Japanese people to live on ground floor, for whatever reasons, they feel it is unsafe.). The “Culture Room” might be a nice idea, though it will probably be empty during five days a week.

Personally, I have to admit that the idea and the overall design looks interesting, especially in a rather unspectacular housing-surrounding like Tokyo. Fitting 28 houses on 2,100 square meters is something very “tokyoesque”, a design with 22 or 24 houses would have been even more appealing to me. But maybe this is where the development company comes in and asks for the bit of extra profit to make out of the site. A 102.12 square meter Town House will sell for 129,000,000 Yen, approx. 750,000 Euro equiv., so there is a reasonable explanation for squeezing some more cubes in.


A great thing is the consequent use of the roof as accessible green terrace, especially in a place like Tokyo (btw, schools have been utilizing the roof as playground area for ages already, it’s about time other buildings learn their lesson from it). Sadly, for the site does not make any efforts to form a (semi-)public outdoor space to meet and rest, talking from one roof terrace to the other might turn out as a new way of communicating.

There are no information available about the estimated, anticipated energy consumption of the buildings, and no information about state-of-the-art insulation techniques (as far as I can understand the Japanese explanations). This is what I would be interested in, especially with the eco-movement being in full bloom at the moment.

It seem quite a generous waste of space to layout the structure over three levels and adding both stairways and an elevator to every single cube (and the stairways are far to narrow as if they could be considered of living space in any kind). So I would be curious about how much percentage of the overall development is devoted to the inner access of the buildings.



After all, I am looking forward to visit this project again from time to time just to see how it will develop. For I am sure this development and architect Hasegawa-Sama will receive great honors, respect and a good reputation.

* All project images are snapshots taken from http://www.yonnosaka.com. Please visit this webpage for information about copyrights and further usage.

Regenzeit


Endlich ist es soweit, die traditionelle Regenzeit hat begonnen. Etwas spät, normalerweise spielt sich das ganze wohl zwischen Anfang Juni und Anfang Juli ab. Seit gut zwei Wochen sieht die Wettervorhersage allerdings immer so aus wie im Bild oben.

Die Japaner sind bestimmt ganz glücklich darüber. Nicht nur, dass sich jetzt endlich wieder die nationalen Wasserreserven auffüllen, sondern auch weil sie jetzt täglich ihren geliebten Regenschirm durch die Gegend tragen können.

8. Juli 2007

High Dynamic Range

Dramtische Szenen, knallige Farben, perfekte Ausleuchtung: Wenn Fotos der Realität Konkurrenz machen, ist meistens HDR im Spiel. Die Abkürzung für "High Dynamic Range" macht aus kontrastarmen Digitalbildchen Fotokunst.

Seit einiger Zeit scheint das Verfremden von digitalen Bildern mittels HDR ziemlich in Mode zu sein. Ist eine wirklich interessante Sache, Bilder unserer unmittelbaren, eigentlich eher langweiligen Nachbarschaft wird auf jeden Fall zu einem wirklich dramatischen Erlebnis:







Hier sind ein paar links, die beschreiben, wie das ganze funktioniert:

How-To @ Chip.de
Freeware qtpfsgui
Beispiele und Tutorials

1. Juli 2007

Australien: Erkenntnisse

Also, was soll ich sagen. Australien schein ein wirklich netter Ort zu sein. Sowohl die Gold Coast, insbesondere aber Sydney. Hier lässt es sich aushalten, auch wenn es im Sommer wohl wirklich unangenehm warm wird. Schließlich müssen die sich nicht mir einer hohen Luftfeuchtigkeit rumplagen, wie wir sie hier in Tokio haben.

Mit einer japanischen Reisegruppe unterwegs zu sein, war ganz schön anstrengend. Bisher kannte ich dies ja nur aus dem indirekten Kontakt in diversen touristischen Zielen in Europa. Dort fallen diese "Rennen-wir-mal-der-netten-Dame-mit-der-Fahne-hinterher"-Gruppen unangenehm auf. Selbst ein Teil dieses Pulks zu sein, ist dann aber noch mal ein großes Stück schlimmer.

Zum einen wird man von der Reiseleiterin wie ein Kindergartenkind behandelt. Als wäre man völlig minderbemittelt, und unfähig, auf sich selbst aufzupassen. Die Japaner in meiner Reisegruppe haben sich davon allerdings nicht beeindrucken lassen, daher hege ich die schlimmsten Befürchtungen...wenn man dies als "normal" ansieht, dann ist in diesem Bereich doch wirklich was schlief gelaufen im Land der aufgehenden Sonne.

Zum anderen dreht sich wirklich alles nur um das Thema Einkaufen und Essen dreht, zeugt auch nicht gerade von kultureller Kompetenz und Hingebung. Aber Hauptsache wir haben ein Bild vor der Oper gemacht und ein Känguru gefüttert. Damit sind wohl die australischen Besonderheiten abgearbeitet, erlebt, und im Kalender abgestrichen.

Mal ehrlich, während der fünf Tage in Australien haben die meisten meiner Reisekollegen nicht vom Land und den Städten mitbekommen! Innerlich habe ich während der Reise wirklich gelitten und mit mir kämpfen müssen, vor allem mit der "Gleichgültigkeit", mit der die Reise stattgefunden hat. Wenn ich in ein anderes Land gehe, interessiere ich mich doch für dessen Kultur und Eigenheiten, und nicht nur für die Dependancen japanischer Kaufhäuser?! Daher haben die zwei freien Tage wirklich gut getan, insbesondere, weil wir uns nicht an die Vorschläge der Reiseleitung gehalten haben und auf eigene Faust losgezogen sind.

Leider durften wir nicht wie üblich einen Fragebogen über die Reiseleitung ausfüllen, ich habe mich schon gefreut, meiner Kritik freien Lauf zu lassen...

Neulich habe ich in einen Reisebüro eine Werbung gesehen, für Gruppenreisen. Mit dem Slogan "We are no tourists - we are travellers". Pure Blasphemie! Natürlich müsste dieser Slogen wie folgt lauten "We are no tourists - we are a japanese travel group, the worlds worst nightmare".

30. Juni 2007

Australien, Tag fünf: Farwell Dinner

Samstag Abend stand dann der letzte offizielle Termin unserer Reise auf dem Programm, das Farwell Dinner. Fein säuberlich geordnet und in Zweierreihen folgen wir unserer Reiseleiterin in Richtung Circular Quay. Am Hafen haben sie für uns ein chinesisches Restaurant reserviert. Jetzt muss man wissen, dass sich die Japaner und Chinesen nicht ganz grün sind, was sich im Restaurant auch irgendwie bemerkbar gemacht hat. Die Japaner haben alle ihre Höflichkeiten über Bord geworfen und gehen sehr "ungehobelt" mit den nicht gerade motiviert und freundlich gestimmten chinesischen Personal um. Ich habe mich der weilen gefragt, warum wir eigentlich kein einziges Restaurant mit australischer Küche aufgesucht haben - uns das, obwohl die Japaner ja so verrück auf Essen sind. Ich hätte wirklich gerne ein Känguru-Steak, eine Straussen-Keule, ein Stück Koala oder was auch immer probiert.

Während das Essen schrittweise serviert wird, trinken die Japaner alles durcheinander. Australisches Bier ohne jeglichen Geschmack (wohl irgendeine Billigmarke), Wein, chinesischen Schnaps. Da kennen die kein Pardon, lässt aber auch irgendwie auf einen seltsam ausgeprägten Geschmackssinn deuten.

Die Abschlussrede ist relativ kurz, anschließend dürfen wir den fünf-minütigen Heimweg in Eigenverantwortung antreten. Denn am nächsten morgen müssen wir wieder um 6 Uhr morgens raus, um den Rückflug anzutreten.

Fortsetzung folgt (eine noch!).

27. Juni 2007

Australien, Tag fünf: Zu Fuß durch Sydney

Um 14 Uhr treffen wir meinen Bekannten Jim im Hotel. Er ist in Sydney geboren und aufgewachsen, zudem Architekt und Stadtplaner. Mit ihm werden wir die nächsten drei Stunden durch Sydney laufen, viel sehen und viel über die Stadt und ihre Geschichte lernen.

Wir starten im Viertel The Rocks, unweit von unserem Hotel. Das Gebiet The Rocks ist das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Europäer, die 1788 nach Australien kamen. Zum Bau der Harbour-Bridge (Fertigstellung 1957) wurde bereits ein Teil der Bebauung, die vornehmlich aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt, abgerissen. In den 1960er Jahren wollte die Stadtregierung das Viertel dann komplett vernichten, um Platz für eine verdichtete Wohnbebauung zu machen. Dies wurde glücklicherweise von Bürgerinitiativen verhindert. Heute ist der Stadtteil wunderbar restauriert, es gibt viktorianische Fassaden zu bewundern, Durch die unzähligen Kneipen, Restaurants, Künstler und Museen ist es ein lebhaftes Viertel, welches kaum etwas von seinem ursprünglichen Charme verloren hat (auch wenn es früher wohl eher einen zweifelhaften Ruf hatte, speziell durch die ganzen Vergnügungsstätten und Arbeiterwohnungen).





Unser Spaziergang führt uns vorbei an der Circular Quay, wo heute eine Vielzahl von Passagierschiffen anlegen. Früher wurden hier die Rohstoffe angeliefert. Im Hintergrund hat sich das Geschäftszentrum entwickelt, mit seinen Wolkenkratzern nicht jedermanns Sache, vor allem die relative dunklen Straßenzüge wirken teilweise trist und traurig. Die Stadt hat über die Jahre der wirtschaftlichen Entwicklung Tribut zollen müssen und die maximale Bauhöhe nach und nach angepasst. Heute stehen hier Gebäude von Foster+Partner, Renzo Piano und den anderen üblichen Verdächtigen. Highlight ist wohl unbestritten das erste Projekt von Renzo Piano in Australien - "Aurora Place" (Info: http://www.auroraplace.com.au, http://en.wikipedia.org/wiki/Aurora_Place
http://www.sydneyarchitecture.org)





Am anderen Ende der Cirular Quay, am Beginn der Royal Botanic Gardens, sind in einem Open-Air-Park Relikte vergangener Bauperioden gesammelt und ausgestellt – nun ja, sie liegen halt auf einer grünen Wiese herum. Hier können wir uns von der excellenten Qualität des Sandsteins überzeugen, aus dem Sydney vornehmlich gebaut wurde. Durch den Park geht es zum ehemaligen königlichen Gestüt, ein schönes Gebäude, welches heute zusammen mit seinem Anbau das Konservatorium für Musik beinhaltet.





Entlang der MacQuarie Street finden sich die Sydney Library und das Sydney Hospital, die ersten öffentlichen Gebäude Australiens. Das Krankenhaus kann mit einem wunderschönen Innenhof aufwarten.





Die Straße wurde von einem britischen-Gefangenen geplant, einem Architekt, der in England des unerlaubten Gelddrucks beschuldigt und exportiert wurde.

Wir kommen am südlichen Ende des Hydepark a. Hier gibt es die Hyde Park Barracks (Info) zu sehen, ebenso die St. Marys Cathedral.



Weiter geht es in Richtung Einkaufszentrum. Hier steigen wir in die Monorail, die uns in einer ca. 30-minütigen Fahrt durch das Stadtzentrum, vorbei am Darling Harbour (Info)und Chinatown bringt.



Darling Harbour ist in den letzten Jahren hervorragend umgestaltet worden. Hier gibt es einen tollen Walk entlang der Bucht, mit Restaurant und Kneipen. Ehemalige Docks und Lagerhallen sind in Wohnkomplexe umgestaltet worden. Neu dazu gekommen sind das Exhibition Centre und das Convention Centre. Hier lässt es sich wirklich sehr gut aushalten, was wir auch zu einer Kaffeepause in einem der Restaurants nutzen.





Der Weg zurück zum Hotel führt über die “Hungry-Mile”. Diese an den Schiffs-Anlegestellen verlaufende Straße hat ihren Namen aus der Zeit der Wirtschaftsrezession erlangt, als sich hier täglich Menschenmengen versammelten, in der Hoffnung, auf einem der Schiffe einen Tagesjob zu ergattern.

Das letzte Stück unseres Spaziergang führt uns vorbei an den ursprünglichen Wohnhäuser der Hafenarbeiter zu der wohl ältesten Kneipe in Sydney.





Jim ist hier schon als kleines Kind ein und ausgegangen. Und wir haben Glück, denn während wir ein kühles Bier genießen, können wir zu der wöchentlich stattfindenden Live-Performance einer Band (deren Name ich leider vergessen habe) lauschen. Alle Bandmitglieder sind weit über 80 Jahre, überzeugen allerdings durch Spielfreude an der Gitarre, am Klavier, der Trompete und den Percussions. Und der Stimme der mit viel wohlwollen geschätzten 85-jährigen Sängerin verleit dem soeben gespielten Édith Piaf Song sehr viel Seele.





Dies war der krönende Abschluss eines fantastischen drei-Stunden-Ausflugs mit Jim. Wir haben hier mehr Informationen über Sydney und Australien erhalten als in den vergangenen vier Tagen. Ich würde fast behaupten, dass die Reise ohne diese Tour völlig für die Katz gewesen wäre. Glücklicherweise hatten wir Jim an unserer Seite!

Fortsetzung folgt.

P.S. Ich hoffe, dass ich alles halbwegs richtig in Erinnerung behalten habe, ist schließlich schon wieder fast einen Monat her...

26. Juni 2007

Australien, Tag fünf: Sydney aus der Luft und zu Fuß

Samstag morgen, 6 Uhr, mein Wecker klingelt.

Am Abend vorher habe ich beschlossen, mich am heutigen morgen etwas zu quälen. Schließlich kann es ja nicht sein, dass man neun Stunden nach Australien fliegt und dann nichts vom Land mitbekommt.

Zum Sonnenaufgang stehe ich unter der Harbour Bridge, die ersten Sonnenstrahlen treffen auf die Stahlkonstruktion und bilden wunderschöne Schattenspiele. Auch der warme Ton, in den die Gebäude an der Circular Quay sowie im Viertel The Rocks erleuchten, ist einfach umwerfend.



Ich mache also ein Foto nach dem Anderen, wohl wissen, dass ich mich meiner 2 Gigabyte Speichergrenze nähere. Anschließend ziehe ich durch die noch relative menschenleere Innenstadt Richtung Hydepark. Der CBD ist relativ dunkel, durch die ganzen Hochhäuser dringt fast kein List in die Straßen. Dies ist im Sommer wohl ganz angenehm, im Winter wohl eher sub-optimal.



Auf meinem Weg zurück zum Hotel passiere ich auch den länglichen Martins Square, der sich über einige Block hinzieht. Auch hier bin ich fast alleine unterwegs, die Australier haben wohl am Vorabend doch etwas zu sehr gefeiert, oder lassen den Samstag einfach langsam angehen - was sicherlich nicht verkehrt ist.

Um 9:45 Uhr erwartet mich dann mein nächster Termin. Ich werde eine gute halbe Stunden lang mit einem Hubschrauber über Sydney cruisen. Dies war eine Option, die uns von der Reiseleitung zur Verfügung gestellt wurde. Alternativ hätte ich auch den ganzen Tag golfen gehen könne, in die Blue Mountains fahren oder zur Wellness-Stunde gehen können.

Am Hotel werden wir vom Chef der HeliTours mit einem Kleinbus abgeholt. Ich bin nicht alleine, mit mir sechs Japaner, die sich ebenfalls für den Hubschrauberflug entschieden haben. Am Flughafen (der wirklich nur 15 Minuten vom Zentrum entfernt liegt) bekommen wir unsere Sicherheitseinweisung und dann kann es auch schon losgehen. Die Japaner werden in den größeren Heli gepackt, ich fliege zusammen mit einem Studi aus Sydney, der den Flug als Geschenk bekommen hat.







Der Flug ist unglaublich, vor der Harbourbridge und der Oper bringt uns unser Pilot in Stellung, um Bilder zu schießen. Währenddessen winken uns die Bridge-Climber zu. Weiter geht es über die Bucht von Sydney, zu den bekannten Stränden und zurück zum Flughafen. Ist natürlich für einen Stadtplaner genau der richtige Weg, eine Stadt kennen zu lernen.

Fortsetzung folgt.

24. Juni 2007

Brücken

Vergangenen Donnerstag hat mich meine Firma mit einer Videokamera nach Ginza geschickt, um einen knapp 3 km langen Straßenzug filmisch festzuhalten. In diesen Momenten mag ich meinen Beruf dann doch schon besonders...aber zum Thema. Ich bin heute auch an Nihonbashi vorbeigekommen - ganz einfach übersetzt "Japan-Brücke". Dies ist nicht nur einer der wohl berühmtesten Brücken in Japan, Nihonbashi ist auch der Name des ursprünglichen Stadtviertels, um das sich Tokio entwickelt hat.

Dies hält die Japaner aber nicht davon ab, grässliche und absurde Dinge mit diesem historischen Monument zu tun. Im Rahmen der Olympischen Spiele von 1964 wurde eine Schnellstraße mitten durch die Stadt gebaut, und auch über die Nihonbashi. So sieht dies heute aus:



Typisch Tokyo, die Schnellstraße über den Kanälen, und irgendwo zwischendrin verleibt die Nihonbashi. Man müsste sich nur mal vorstellen, in Deutschland hätte man nach der Wiedervereinigung eine neue Autobahn mitten durch oder über den Reichstag gebaut, undenkbar. Nicht so hier. Irgendwie fehlt den Japanern der Sinn oder auch der Respekt für die gebaute Vergangenheit, und somit auch für die eigene Identität. Statt mit der Vergangenheit zu leben, versuchen sie ständige, alles zu verändern und neu zu machen. Nur besser werden sie irgendwie nicht, auf jeden Fall nicht im Bereich Stadtplanung.

22. Juni 2007

Nr. 4

Na bitte, ich lebe also nur in der viertteuersten Stadt der Welt...

World's most expensive cities 2007

1. Moscow
2. London
3. Seoul
4. Tokyo
5. Hong Kong
6. Copenhagen
7. Geneva
8. Osaka
9. Zurich
10. Oslo
11. Milan
12. St. Petersburg
13. Paris
14. Singapore
15. New York City
16. Dublin
17. Tel Aviv
18. Rome
19. Vienna
20. Beijing

Sources:
Mercer @ http://www.mercerhr.com/costofliving#top50
CNN @ http://money.cnn.com/2007/06/15/pf/most_expensive_cities/index.htm

21. Juni 2007

Sinnlose Jobs

Die Wirtschaft in Japan brummt zur Zeit, und die Arbeislosenquote, do ist du lesen, sei irgendwo unter 4%. Hört sich soweit ganz gut an, wenn man sich das ganze dann aber näher betrachtet….in Japan gibt es eine grosse Anzahl von Jobs, die eigentlich völlig überflüssig sind, Beispiele gefällig? Gerne!

Wie wäre es mit dem Abgestellte-Fahrräder-Umsteller? Diese wichtigen Leute machen vor den Shoppingmalls nix anderes, als die eigentlich ordentlich abgestellten Fahrräder umzuräumen und noch dichter und ordentlicher zusammenzustellen. So ist es an der Tagesordnung, dass man sein Fahrrad nie dort findet, wo man es abgestellt hat. Überflüssig.

Oder der Beruf des Parkhaus-Einfahrt-Ausfahrt-Winkers? Diese Aufgabe beinhaltet, dass jeweilige Auto erst dann über den Bordstein in Richtung Fahrbahn bzw. Richtung Parkhaus fahren zu lassen, wenn auch wirklich keine Fußgänger oder Radfahrer mehr in Reichweite sind. Als würde dies ohne diese fachgerechte Einweisung nicht funktionieren. Sinnlos.

Ähnlich ist der Aufgabenbereich eines Baustellen-Einfahrt-Bewachers. Dieser steht den ganzen Tag vor der Baustellenausfahrt, um in den zwei oder drei Fällen am Tag, an denen der Betonmixer rausfahren will, wild mit seinem Weisungsknüppel zu winken. Ebenfalls unnötig.

Auch die mit dieser Spezies verwanden Baustellen-Absicherungs-Fachkräfte findet man überall. Wenn sich die Stadt einer lockeren Gehwegplatte annimmt, stehen mindestens zwei Aufpasser da und winken die passierenden Leute um die bereits vorhandene Absperrung herum – als ob die ohne diesen Hinweis mitten durch laufen würden.

Ein letztes Beispiel, der Beruf des Geldautomaten-Bewachers. In Japan scheint es ein Volkssport zu sein, die Geldautomaten aus den Bankfilialen zu klauen. Auf jeden Fall trifft man immer wieder auf einen Sicherheitsbeamten, der hier für Recht und Ordnung sorgt.

Die beste Situation hierzu kann man im Stadtteil Roppongi erleben. Hier gibt es eine Zweigstelle der Citibank. Zweigstelle ist wohl etws viel gesagt, eigentlich handelt es sich um zwei Bankterminals. Um zu diesen zu gelangen, muss man zuerst in ein Gebäude rein (Überwachungskamera Nr. 1), dann mit dem Aufzug in den ersten Stock (Überwachungskamera Nr. 2) um dann in den Bankterminalbereich zu gelangen Überwachungskamera Nr. 3+). Aber zu aller Sicherheit steht hier, in dem knapp 8m² großen Raum auch noch ein Sicherheitsbeamter rum...

Gleichzeitig entwickeln die Japaner dafür Roboter, die sich um die Altenpflege kümmern oder Roboter, die aussehen wie eine Kopie von R2D2, in ihrem Bauch einen Kühlschrank für Bierdosen eingebaut haben und diese von selbst öffnen und einschenken können – na dann Prost.

Bild-Quelle: Chip.de

19. Juni 2007

Australien, Tag vier: DFS

Und jetzt wird es wirklich japanisch.

Nach weiteren fünf Minuten per Bus machen wir vor dem DFS halt. Endlich, so kann ich den glänzenden Augen meiner Mitreisenden entnehmen. Nachdem uns unsere Reiseleiterin ja schon stundenlang darauf vorbereitet hat, ist es also soweit, DFS.

DFS ist wohl eines der schlimmsten Geschwüre, das im Rahmen der Globalisierung entstanden ist. So ist dies ein amerikanisches Unternehmen, der vorzüglich europäische Luxusmarken unter einem Dach im asiatischen Raum vertickert. DFS (Duty Free Shoppers) hat es bis dato auf gut 150 Zweigstellen im Asiatisch-Pazifischen Raum geschafft.

DFS Galleria is the world's leading destination for international travelers seeking the world's finest brands. Located in cosmopolitan and resort locations throughout Asia-Pacific, DFS Galleria offers a luxurious shopping experience and incomparable services. Shop with confidence and enjoy the value, convenience and quality that only DFS Galleria can provide.

Bevor das Rudel auf freien Fuß gesetzt wird, bekommen wir jeweils einen Duty-Free-Shopping-Ausweis, und erneute Erläuterungen, wie alles funktioniert.

Das Geschäft selbst ist mir unheimlich, mitten in Sydney bin ich umgeben von chinesischen und japanischen Verkäuferinnen, und um mich herum wühlen sich eine koreanischen Reisegruppen, bestehend aus älterer Damen, sowie ein Chinesischer Familienclan vorbei an den Duftwässerchen von Channel und den Handtaschen von Prada.

Ich komme mir vor, wie in einem ägyptischen Teppichgeschäft, nur auf einem etwas anderem Level. Den Japanern scheint es aber zu gefallen, alle laufen brav durch das klinisch sterile Gebäude und kaufen innerhalb einer knappen halben Stunde hässliche Dinge, die es in Japan ebenfalls und wahrscheinlich sogar zu einem vergleichbaren Preis zu kaufen gibt, und sind glücklich. Dies muss wohl der Höhepunkt der Reise sein, denke ich mir im Stillen. Und grüble über die Eigenarten dieser Post-Kultur nach, während ich am Eingang auf die Rückkehr der Gruppe warte.

Als unser Bus uns dann endlich wieder aufsammelt, fahren wir nochmals fünf Minuten um den Block, um dann endlich vor unserem Hotel anzukommen (am nächsten Tag finden wir heraus, dass DFS genau zwei Gehminuten vom Hotel entfernt liegt...).

Das Shangri-La Hotel in Sydney ist dann mal wieder ganz nett, im Bad wimmelt es von Marmor. Lediglich haben wir Pech, und unser Ausblick beschränkt sich auf die Zollstation der Harbour-Bridge. Andere haben wahrscheinlich mehr Glück, und können auf die Brücke und die Oper schauen.

Zwecks Abendessen haben wir schon einen Gutschein erhalten, wir haben uns für das rotierende Restaurant Sydney Summit entschieden.

Da wir aber noch etwas Zeit haben, spazieren wir durch die Downtown von Sydney. Gegen 18 Uhr wird es auf einmal ziemlich voll - alle stürzen sich in den Feierabend, und suchen sich eine Kneipe, um den Abend zu genießen. In Sydney gibt es darüber hinaus zahlreiche Open-Air-Kneipen, die ganze Downtown scheint zu freien. Eine sehr angenehme Atmosphäre, fast so wie in England, nur ohne die Briten.

Innerhalb von 1,5 Stunden speisen wir mit herrlicher Aussicht über ganz Sydney. Unser Menü war auch schon im Vorhinein vereinbart - anscheinend will man die Japaner nicht nötigen, selbst wählen und dann auch noch auf Englisch kommunizieren zu müssen.

Vorspeise, geschätzte 150g geräucherter Lachs am Stück, mit Salat. Danach bin ich satt. Aber da kommt ja noch ein 300g Steak samt Kartoffeln und Beilage! Wir kämpfen mit den australischen Portionen. Das Dessert schenke ich mir, auch wenn mir der Kellner dies nicht so wirklich abnehmen will. Überhaupt. Die Australier stehen den Amis in nichts nach, die sind auch alle etwas "supersized". Bei den Portionen ist dies auch nachzuvollziehen.

Gegen 22 Uhr fallen wir erschöpft in den wohlverdienten Schlaf...

Fortsetzung folgt.

17. Juni 2007

Beauty Clinic

Was nicht passt wir passend gemacht.

In Japan haben die Menschen anscheinend ein völlig ungezwungenes Verhältnis zum Thema Schönheitsoperationen.



Diese Werbung habe ich gestern in Ginza gesehen, sie hängt am Hauptgeschäft von Sony, mitten in Tokios Designer-Luxus-Viertel. Die spärlich bekleidete Werbeträgerin ist eine in Japan nicht unbekannt Schauspielerin und Ex-Model, Ryoko Yonekura.

15. Juni 2007

Wetterumschwung

Heute morgen haben wir mit großer Verwunderung auf das Wetter geschaut. Nachdem die Vorhersage eigentlich Regen, Regen, Regen prognostiziert hat, hat sich alles schlagartig zum besseren gewendet. Heute morgen konnten wir dann eine herrliche Atmosphäre genießen, und auch Abend war der Himmel über Tokio farbenfroh.

Hier einige Belege, die Bilder habe ich von unserem Balkon gemacht.







Die Panoramabilder sind wirklich schön geworden, oder?

14. Juni 2007

Australien, Tag vier: Transfer nach Sydney

Freitag morgen geht es weiter Richtung Sydney. Um 9 Uhr morgens treffen wir uns alle im Foyer. Leider stellen wir fest, dass das Hotel unsere Koffer nicht aus unseren Zimmern geholt hat, also müssen wir einige Minuten warten, bis sie dies nachgeholt haben.

Im Bus geht es dann Richtung Brisbane Flughafen, die ca. 60-minütige Fahrt soll recht ruhig verlaufen, die obligatorischen, sinnlosen Ansagen der Reiseleiterin beschränken sich auf die letzten 15 Minuten. Dann aber wieder nach dem alten Muster, wir bekommen erklärt, welche Rolltreppe zu nehmen ist, wo die Duty-free Shops zu finden sind und so weiter. Sinnlos und unnötig. Vor allem, weil wir am Flughafen eh der Reiseleiterin hinterherlaufen werden.

Der Flug dauert knapp 90 Minuten, dann sind wir in Sydney. Der Flughafen von Sydney liegt erfreulicherweise nur knapp 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, für eine 4-Millionen-Metropole nicht selbstverständlich. Und im Vergleich mit Tokios "Quarantäne"-Flughafen...



Um 13:30 Uhr setzt sich unser Reisebus in Bewegung, zur Einstimmung labert die Reiseleiterin mal wieder munter drauf los. Alles geht um die "HAABAA-BRIJI" und die "OOPARA", etwas anderes scheint Sydney nicht zu bieten. Oder man will die Japaner nicht verwirren mit zu vielen Sehenswürdigkeiten. Ach ja, weiterer zentraler Inhalt der Ansagen sind die Einkaufsmöglichkeiten in Sydney, vor allem das Procedere zum zollfreien Einkauf wird detailliert erläutert.

Unser erster Halt mit dem Bus soll in den Rocks sein (mehr hierzu später), zwecks Mittagessen. Völlig Überrascht muss ich feststellen, dass wir ohne Umwege ins Löwenbräu gelost werden. Deutsches, oder zumindest süd-deutsches Essen, deutsches Bier und Bedienungen im Oktoberfestoutfit. Die Menüs sind natürlich alle auf Japanisch vorbereitet, und die Reiseleiterinnen helfen bei der Bedienung unserer Gruppe mächtig mit, bringen zusätzliches Besteck an den Tisch und kümmern sich um die Getränkebestellung.



Es gibt Spätzle mit Rahmsoße, Schweinshaxe, Kartoffelpüree und die anderen üblichen Verdächtigen. Schmeckt aber ganz ordentlich, nur die Spätzle kann ich besser. Ein kleiner Skandal bricht aus, als es keine Kartoffelsuppe mehr gibt und zu Tomatensuppe gewechselt wird. Ich sehe in tief betroffene japanische Gesichter.

Die Mittagspause ist recht kurz, dann geht es wieder in den Bus, Weiterfahrt zum Guppenphoto. Dies machen wir an der Spitze der Royal Botanic Gardens. Hier warten schon eine Gruppe halbprofessioneller junger Japaner, die uns vor dem Hintergrund der Oper und der Harbour-Bridge arrangieren. Zwei Tage später sollen wir dann das Produkt erhalten, ein sehr künstlich wirkendes Gruppenbild, in dem der Hintergrund von einem anderen Bild hineinmontiert worden sein wird. Gleiches gilt für die Gesichter eines jeden Einzelnen, hier soll auch jeweils das beste verschiedener Varianten genommen werden. Am Ende lächeln alle, aber alles sieht nach Volkshochschule-Anfängerkurs-Photoshop aus. Was auch immer, das Bild verschwindet eh irgendwo in der Nirwana-Ablagen.





15 Minuten später sitzen wir schon wieder im Bus, die Sonne ist mittlerweile fast untergegangen, und wir Steuern die Oper an. Hier haben wir dann wieder knapp 20 Minuten Zeit, uns das Gebäude (von außen) anzuschauen.





Ich entferne mich unbemerkt von der Gruppe, denen wohl gerade etwas über die Entstehung und die Architektur erzählt wird, und schieße meine Bilder. Immer im Blick ist stehts der Area-Manager, denn ich denke, ohne den wird der Bus wohl nicht losfahren...
Australien 3


Fortsetzung folgt.

12. Juni 2007

Grüne Japaner

So langsam begreifen es wohl auch die Japaner. Sie produzieren einfach zu viele unnütze Verpackungen. Was in Deutschland und Europa Dank der Verpackungsverordnung geregelt worden ist, kommt hier so langsam in Gang. So kann man in diversen Supermärkten wiederverwendbare Einkaufstaschen kaufen. Aus wenn diese aus Plastik sind, immerhin. An dieser Stelle wird auch bildlich erläutern, wie viel Müll in einem Jahr zusammenkommt und was dies für Auswirkungen hat – alles wie gehabt in Kindersprache verpackt.

Um die Erziehungsmaßnahme zu forcieren, kann man an der Kasse im Supermarkt für jeden One-Way-Plastiktüten-freien Einkauf einen Stempel auf seine Bonuskarte bekommen – bei 20 gesammelten Stempeln gibt es sagenhafte 100 Yen (60 Euro ct) geschenkt. Also für jedes Mal, wenn ich meine wiederverwendbare Einkaufstasche mitbringe (gute alte Jutetasche aus Deutschland, die anscheinend wieder ganz im Trend zu sein schein (link), unglaubliche 5 Yen (3 Euro ct). Wenn das mal kein Anreiz ist.

Also, nur weiter so Japan. Irgendwann kommt ihr dann auch im 21. Jahrhundert an, eventuell sogar noch vor den Amerikanern. Der nächste Schritt wäre aus meiner Sicht das absolute Halteverbot am Straßenrand mit laufendem Motor und Klimaanlage. Eine verhältnismäßige Strafe wären zwei Stunden Schulunterricht in der ersten oder zweiten Kasse einer beliebigen Grundschule, in der das Problem der Erderwärmung erläutert wird.