8. Februar 2007

Nachtrag Japan und Umweltschutz

Im meiner Mittagspause ist mir gerade mal wieder eine Unsitte der Japaner aufgefallen. Die scheuen sich wirklich nicht, ihr Auto in der Mittagspause einfach am Strassenrand zu parken, um dann bei laufendem Motor ein Nickerchen zu machen!
So geht es ja nicht.....

7. Februar 2007

Lektorin

Bisher habe ich mir ja alle erdenkliche Mühe gegeben, meine Blog-Einträge mit wohlüberlegten und -platzierten Tippfehlern, völlig neuen und innovativen grammatikalischen Abwandlungen, vorweggenommenen Beispielen zukünftiger Rechtschreibreformen sowie Auslassungen und abrupten Satzendungen auszuschmücken. Dies scheint nicht allen zu gefallen...und ich bin einfach zu faul zum Korrekturlesen (vielleicht sollte ich gleich auf Postcast und/oder YouTube umsteigen).

In Zukunft wird aber alles besser, da ich dann auf die Mithilfe einer Lektorin (!) zählen kann. Sollte es ihr tatsächlich gelingen, nur meine Fehler und nicht gleich die ganzen Blog-Einträge zu beseitigen (hihihi...), wird es wohl sehr viel einfacher für euch sein, meine zu LCD gebrachten wirren Gedankengänge nachvollziehen zu können.

4. Februar 2007

UN-Klimabericht

Seit Tagen ist der besorgniserregende UN Klimabericht zentrales Thema in den Medien. Zumindest in Deutschland scheint das so zu sein. Laut den Tagesthemen wurde die Studie z.B. in China gar nicht erst in den Nachrichten erwähnt, und die Amerikaner machen Aussagen wie 'Wir sind ja nicht der schlimmste Produzent von Kohlendioxid' oder 'Wenn nur wir etwas machen, reicht es ja eh nicht'.

Auch in Japan hat es der Klimabericht so gut wie nicht in die Medien geschafft. Mal abgesehen davon, dass die Japanischen Nachrichtenprogramme im Fernsehen eh nur von Belanglosigkeiten berichten, haben es auch die Zeitungen kaum wahrgenommen. Wenigstens auf der Titelseite der englischsprachigen JapanTimes gab es einen Bericht - zu meiner Beruhigung. Allerdings will man das japanische Volk wohl nicht beunruhigen, und verzichtet einfach auf die Berichterstattung.

Da das Problem des Klimawandels allerdings sehr von den persönlichen Lebensstilen verursacht wird, ist die Nichterwähnung als kritischer Fauxpas anzusehen. Bitte haltet allen Leuten vor, was sie momentan falsch machen!

Gerade ein Land wie Japan, das durch das Klimaprotokoll von Kyoto ja zu Ruhm gekommen ist, hält es mit dem Umweltschutz sehr unterschiedlich. Von der Energieverschwendung aufgrund mittelalterlicher Bautechniken habe ich ja bereits zuvor berichtet. Mülltrennung gibt es hier, aber nur in 'Burnable' (Papier und Bio) und 'Non-Burnable' (Plastik). Dazu werden allerlei Verpackungen gesondert gesammelt, Dosen, Tetra-Paks, Styropor etc. Ein fortschrittliches System wie den Grünen Punkt gibt es allerdings nicht.

Die einfachen Lehren der Kreislaufwirtschaft lauten schließlich 1. Vermeidung, 2. Recycling, 3. stoffliche Verwertung, 4. sonstige Verwertung mit Verbrennung und 5. Beseitigung. In Japan wird Punkt 1 völlig ignoriert. Versucht doch mal, einen Japaner ohne Plastiktüte zu finden, unmöglich. Oder die wirklich übertriebenen Verpackungen, alles doppelt und dreifach, Hauptsache es sieht gut aus.

Würde sich Japan um die Mitgliedschaft in der EU bewerben, es würde wohl noch weniger Chancen haben als derzeit die Türkei...

Also dann, bitte alle schon mal Sonnencreme mit Faktor 500 und das Schlauchboot klar machen, nur für den Fall!

3. Februar 2007

Volles Programm

An meinem zweiten Tag bei Nikken Sekkei habe ich gleich das volle Programm serviert bekommen. Soll heißen, Arbeiten bis spät am Abend - Freitag Abend 19 Uhr, das Büro ist proppenvoll - allerdings hat sich die "Arbeit" in Richtung "Kommunikation" verschoben.

Gestern sind wir mit der gesamten Mannschaft zum Abendessen gegangen, also meine Willkommens-Party. Nachdem wir sehr sehr viel (mir zum Teil unbekannte Dinge) gegessen und getrunken haben, ging es in der zweiten Runde (die Japaner bezeichnen dies mit dem Wort Nijikai) dann ganz typisch in eine KaraokeBox. In einer kleinen Kabine ohne Fenster wird dann während weiterem Alkoholgenuss gesungen ,was das Zeug hält. Vorzugsweise japanische Popsongs, die sich meinem Verständnis für Musik und Melodie noch nicht erschlossen haben. Da jeder in Japan zu rauchen scheint, ist der Aufenthalt in einer solchen Box nicht gerade als "gesundheitlich-hilfreich" anzusehen;trotzdem macht es irgendwie Spaß. Ob meinen neuen Kollegen allerdings meine Version von Wanderwall gefallen hat,lasse ich mal dahingestellt...

Der Weg zurück nach Hause geht dann in der Nacht nur noch mit dem Taxi, die letzen U-Bahnen fahren je nach Linie schon kurz nach Mitternacht. Während der halben Stunde im Taxi habe ich mich dann ganz nett mit dem Taxifahrer unterhalten - und zwar auf Japanisch! Bin ganz stolz, dass ich so gut wie alles verstehen und sogar auf seine Fragen antworten konnte.

Gegen 2 Uhr morgens war ich dann endlich zu Hause, jetzt ist zuerst einmal Wochenende und relaxen angesagt :-)

1. Februar 2007

Urlaub vorbei, ab jetzt ist Arbeit...

Heute hatte ich meinen ersten Tag bei Nikken Sekkei Ltd. (WEB).
Endlich, mehr als drei Jahre nach meinem Uniabschluss bekomme ich die Gelegenheit, Stadtplanung zu machen. Da mich in Deutschland ja niemand wollte halt jetzt für Nikken Sekkei in Tokyo, Japan (Hallo Deutsche Regierung, denkt mal nicht so sehr über irgendwelche Pseudo-Elite-Unis nach, sondern haltet eure besten Absolventen im eigenen Land, das wäre viel wichtiger...).

Heute morgen haben wir zuerst einmal eine kleine Vorstellungs-Tour gemacht. So viele fremde Namen und Gesichter, ich werde wohl Wochen brauchen, bis ich die alle richtig zuordnen kann. Scheinen alle ganz nett zu sein, einige sprechen sogar etwas Englisch. Aber ich habe auch meine rudimentären Japanischkenntnisse zum Besten gegeben.

Meinen Vertrag habe ich noch nicht unterschrieben (da ich klugerweise meinen Pass und mein Visum zu Hause vergessen habe), den werde ich mir wohl über das Wochenende erst einmal gründlich von meiner Lieblingsjapanerin checken lassen. Soviel weiß ich aber schon, werde vorerst mal als Teilzeitkraft eingestellt, so habe ich hoffentlich genügend Zeit, meine Japanischkenntnisse zu verbessern. In Punkto Bezahlung muss man sich in Japan leider an ganz andere Dimensionen gewöhnen als in Deutschland, ich schätze die Entlohnung eher als eine Art Aufwandsentschädigung ein. Da es aber irgendwie zum Überleben reichen sollte, muss ich eventuell nochmal Nachverhandeln, sonst bin ich trotz Arbeit (Teilzeit heißt hier max. 6 Stunden pro Tag, also 30 Stunden die Woche.) in einem halben Jahr bettelarm. Auch wegen der 20% Pauschal-Steuer, die mein Working-Holiday-Visum verursacht.

Ein wenig mehr als ich bei McDoof fürs Hamburgerverkaufen verdienen würde sollte schon drin sein, oder? Auch wenn ich die Sprache noch nicht wirklich kann.

Anders als in Deutschland gibt es in Japan keine 'Pendlerpauschale', die wird hier von den Firmen übernommen, den Mitarbeitern werden die Anreisekosten bis zu einem bestimmten Betrag (in meinem Fall bis zu 65 Euro im Monat) erstattet. Wenigstens das.

Zu den Projekten will ich mich noch nicht äußern, weiß auch gar nicht, ob ich das offiziell darf. Aber mit Dubai und Almaty stehen mir wohl zwei internationale Projekte ins Haus - zumindest war alles, was ich heute zu Lesen bekommen habe, in - wenn auch zum Teil gebrochenem - Englisch (irgendwie bekommen die Japaner das mit den Artikeln nicht auf die Reihe, sowohl im Deutschen als auch im Englischen nicht...).

Gut, morgen um 10 Uhr geht es weiter. Und morgen Abend steigt die erste Abteilungsparty, da bin ich mal gespannt :-)

30. Januar 2007

oh je, Japan...

Vor einigen Tagen habe ich mir ein neues Buch zum Japanisch-Lernen gekauft - "Practical Business Japanese".

Im Preface steht da:

Embarking into the global era, the foreign residents in Japan are increasing yearly. Foreigners in Japan are bursting in numbers, as we see them everywhere, such as in streets and transportations. We have come to a point where we can not imagine Japan without foreigners. ...

Geschrieben im September 2006 vom Direktor der TOP Language Co., Ltd., Herrn Teruko Furuichi.

Mal ganz ehrlich, in welchem Jahrtausend leben die Japaner eigentlich? Verkaufen ihre Gameboys in der ganzen Welt, stützen ihren Wohlstand - ebenso wie die Deutschen auch - auf den Export und Handel mit anderen Ländern. Aber tief im Inneren leben die doch noch sehr abgeschottet und für sich, da scheinen selbst im Jahr 2006 "Foreigner" noch etwas besonderes zu sein.

'Foreigners' - was erlaube Foreigners!? Sich einfach in japanische Straßen blicken zu lassen und japanische U-Bahnen zu benutzen. Ohne Worte...

Und dann auch noch die Verwendung des ja eher mit einer negativen Bedeutung assoziierten Begriffs 'bursting' - fühlt man sich wirklich durch solch eine Einleitung Willkommen im Land des Fuji? Motiviert eine solche Einleitung wirklich dazu, Japanisch zu lernen? Na ja, ich bin ein wenig irritiert, um nicht zu sagen geschockt über eine derart eingebildete Meinung. Immerhin will der Verlag doch Geld mit den 'Foreigners' verdienen, oder? Wie kann ein solcher Text überhaupt veröffentlicht werden...

Na ja, gefühlsmäßig sind die Japaner wohl noch nicht in der 'global era' angekommen, lediglich wirtschaftlich haben sie es schon verstanden. Ach, der Prozentsatz der 'Foreigners' liegt in Japan derzeit ungefähr 1%:

Ethnic groups laut CIA Factbook:
Japanese 99%,
others 1% (Korean 511,262, Chinese 244,241, Brazilian 182,232, Filipino 89,851, other 237,914)

In Deutschland liegt die 'Foreigners'-Quote derzeit bei ca. 9%, wobei im Zeitalter eines gemeinsamen Europas die Definition der 'Foreigners' nicht mehr ganz passend sein dürfte.

Japan, Willkommen in der Gegenwart! :-)

29. Januar 2007

ipod und Apple

Heute gibt es lediglich einen Link zur Süddeutschen Zeitung. Der Artikel von Christian Kortmann ist wirklich sehr sehr nett geschrieben...genau darum habe ich mich vor einigen Wochen gegen den ipod und für den ebenso schicken Zen Neeon 2 von Creative als mp3-Player entschieden.

Die Japaner sehen dies wohl etwas anders, denn hier zählt der weiße ipod zur Standardausstattung, ebenso wie mindestens ein Produkt aus der geschmacklosen Handtaschen- und Portemonnaieserie von Louis Vuitton (Link). Japan ist wirklich ein Land, in dem Markenhersteller glücklich werden können......

Süddeutsche Zeitung: Die Apple-Lüge

22. Januar 2007

Warme Häuser, kalte Häuser

Eine Tradition, die in Japan bis zum heutigen Tage überlebt, ist es anscheinend, im Winter in einer 'freezing damn cold' Wohnung zu verbringen. Der einzige warme Ort ist hier im Wohnzimmer ein kleiner, flacher Tisch (“Kotatsu”). Dieser ist von einer Decke ummantelt, unter der Tischplatte gibt es Heizstäbe, die das 'Innere' des Tisches erwärmen. Also verbringt man, sowie man zu Hause ist, die meiste Zeit um bzw. unter diesem Tisch.

Denn bis heute schaffen es die Japaner nicht, vernünftig isolierte Häuser und Wohnungen zu bauen. Auf jeden Fall im Wohnungsbau nicht. So kommt es, dass die Wohnungen und Häuser im Winter verdammt kalt sind, und im Sommer bei Temperaturen um die 40°C sehr, sehr warm. Um diesem entgegenzuwirken, wird aber nicht an der Isolierungstechnik gefeilt, sondern es werden im Sommer Klimaanlagen verwendet (das haben die wohl nach dem Krieg von den Amerikanern 'gelernt'), oder es wird die schon angesprochene Tradition mit dem beheizbaren Tisch in die Gegenwart gerettet.

Unsere Wohnung macht da keinen Unterschied, die Fenster sind alles andere als dicht. Von der simplen Einfachverglasung und fehlenden Gummierung an den Nahtstellen mal abgesehen, sehen die Fenster aus wie ein Relikt aus einer fernen Vergangenheit. Zum Beispiel, unser Schlafzimmerfenster haben wir mit drei (3!) Wolldecken abgedichtet - trotzdem zeigt das Thermometer nur den Wert von 12°C an. Wofür zahlen wir eigentlich Miete?!
Diese einfachen Fenster finden aber auch weiterhin in neuen Häusern Verwendung. Wollte man in Japan den in Deutschland gerade initiierten Energiepass für Häuser einführen, man müsste wohl mehr als die Hälfte aller Gebäude nachbessern.

Gerade hier sollte jedoch der Klimaschutz schleunigst Einzug halten; oder kann (darf) sich ein Land wie Japan ohne natürliche Rohstoffvorkommen diese maßlose Verschwendung an kostbarer Energie auch in Zukunft leisten? Hier ist also ein großer Unterschied im Vergleich zu Deutschland zu erkennen, wo im Bereich Bauen sehr viel mehr auf moderne Technik gesetzt wird. In Japan (und vielen anderen Ländern natürlich auch) scheint moderne Bau- und Isoliertechnik noch nicht selbstverständlich zu sein.

Dies steht im krassen Gegensatz zu den ganzen technischen Spielereien, die sonst so in einem japanischen Haushalt zu finden sind, wobei die Spitze des Eisberges natürlich die High-Tech Toiletten sind....Toiletten in Japan − Wikipedia

Wenigstens werden die Kinder bereits seit dem Schulalter auf diese missliche Situation vorbereitet. Die Schuluniformpflicht sieht es zu jeder Jahreszeit vor, dass die Mädchen in kurzen Röcken herumlaufen müssen. Auch ist es nicht selten, dass die Jungs in den Wintermonaten in kurzen Hosen herumlaufen.

Neuerdings gibt es auch eine staatliche Innovationen, die unter den Initiativen WarmBiz bzw. CoolBiz gestartet worden sind. Demnach werden japanische Büroarbeiter im Sommer dazu aufgefordert, im Büro nur leichte Kleidung zu tragen (also keine Krawatte!) und für den Winter gibt es in den Kaufhäusern speziell ausgeschildert, warme Kleidung. Dies ist wiedermal ein gutes Beispiel dafür, wie man bei der Lösung eines Problems nicht an dessen Ursache arbeitet, sondern vielmehr die Linderung der Auswirkungen in Angriff nimmt - Politik eben.

17. Januar 2007

Erdbeben der Stärke 5,7 in Japan

Montag 15. Januar 2007, 20:29 Uhr
Tokio (AP) Ein Erdbeben der Stärke 5,7 hat am Montag Japan erschüttert. In der Hauptstadt Tokio gerieten mehrere Gebäude ins Schwanken, Berichte über Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht. Das Zentrum des Erdstoßes lag nach Angaben des staatlichen Wetterdienstes rund 150 Kilometer westlich von Tokio.

Hört sich irgendwie gefährlich an - ich hab es natürlich mal wieder verschlafen und erst heute davon erfahren.....

13. Januar 2007

Anleitungen und Schilder

Da machen wir uns seit Jahren in Deutschland über die Warnhinweise auf amerikanischen Produkten lustig. Wenn da auf der Farbdose steht ' Don't drink' oder der Aufkleber auf der Kettensäge sagt 'This is not a toy, don't give it to infants and children' - sind diese eigentlich doch nur der Auswuchs eines bizarren Rechtssystems, welches jedem erlaubt, jeden wegen jeglicher Bagatellen auf Unsummen zu verklagen.

Nun, in Japan gibt es ähnlich viele Hinweise und Anleitungen und Schilder. Überhaupt, die Japaner lieben Schilder, am besten mit ganz viel (unnötigem) Text und lustiger Bebilderung. Anscheinend will/muss man allen Japanern immer und überall bis ins Details erläutern, wie was zu funktionieren hat. Ohne diese bebilderten Anleitungen kommen sie wohl im Alltag nicht zurecht.

Beispiele gibt es genug, hier eine kleine Auswahl:

1. Auch wenn der Parkplatz noch so klein ist, ein verwirrendes Schild hat doch noch nie jemandem geschadet, oder? "Parkst du schon, oder versuchst du immer noch das Schild zu deuten?!"


2. Als ich meine neuen Adidas-Sportschuhe ausgepackt habe, ist mir ebenfalls ein kleines Anleitungsheft in die Hände gefallen. Da wird den lieben Japanern verdeutlicht, dass man doch ordnungsgemäß in die Schuhe "einsteigt" - ansonsten halten die Japaner ja nix von Schnürschuhen, die müssen ja fast überall das traditionelle Prozedere "Schuhe aus - Schuhe an" praktizieren.


Und weil dies noch nicht genug ist, werden auch noch diejenigen versorgt, die in der Grundschule gefehlt und die Schleife nicht gelernt haben....


3. Auch bei unserem Bügelbrett war eine Anleitung dabei. Zwei DIN A4 Seiten, die erklären, wie das Bügelbrett aufzustellen ist. Völlig belangloser Quatsch also.


Ich könnte noch viele weitere Beispiele zeigen. Stellt sich die Frage, warum all das? Meiner Meinung nach sind dies die Folgen des aktuellen Bildungssystems in Japan. Hier scheint wirklich alles nach dem Muster "Vormachen-Nachmachen" zu funktionieren, der Schritt zum eigenen Denken und Kreativität fehlt komplett. (Immerhin hat es Toyota irgendwie geschafft, durch Abgucken und Nachmachen heute bessere Autos als Daimler zu bauen....)

Dies hat seit neuerdings auch die Regierung erkannt, und nun werden Maßnahmen ergriffen, wie den Schülern und Studenten mehr Kreativität und Eigenständigkeit vermittelt werden kann. Dies schein mehr als notwendig zu sein.

Bis es soweit ist, erfreue ich mich auch in Zukunft an den zahlreichen sinnlosen, aber durchaus amüsanten Schildern und Hinweisen :-)

P.S.:
Ok, es geht noch schlimmer, oder wie ist dieses Schild im Zhongshan Park in Shanghai zu deuten?! - "Es ist verboten, hier zu ertrinken." oder wie?

10. Januar 2007

Japanische Lebensmittel

Unterhält man sich mit Japanern über Lebensmittel, wird man als Ausländer sehr schnell mit den "Besonderheiten" japanischer Produkte konfrontiert. Eine handelsübliche Gurke zum Beispiel ist nicht nur eine Gurke, nein, da sie aus Japan zu kommen scheint, ist es eine "japanische Gurke". Auch eine Kartoffel oder ein Rettich ist hier eine "japanische Kartoffel" bzw. ein "japanischer Rettich". Nun gut, wenn es mal abgesehen von der Größe - die Gurken sehen hier sehr "verhungert" aus... - wirkliche Unterschiede geben würde, wäre mir der ganze Zirkus ja recht, aber letztendlich ist eine Gurke eine Gurke und bleibt Gurke.

Ich stelle mir nur vor, ein Abendessen in Deutschland mit internationalen Gästen, es wird ein "holländischer" Blattsalat mir "spanischen" Tomaten und "belgischen" Zwiebeln aufgetischt, dazu "italienisches" Olivenöl und "französische" Croutons aus "deutschem" Brot (das eventuell dann noch aus russischem Weizen, ukrainischem Zucker mit irischer Butter und Hefe in einem Ofen eines Schweitzer Herstellers durch einen Lehrling aus dem ehemaligen Jugoslawien gebacken wurde...) usw. - wäre ziemlich albern, oder? Ich denke, ich begrenze das Beispiel mal auf der Vorspeise....

Als lange isolierter Inselstaat mit kaum nennenswerter landwirtschaftlicher Produktion, lässt sich die extreme Hervorhebung des Nationalstolzes eventuell erklären. Aber vielleicht sollten die lieben Japaner lieber auf ihre innovativen, umweltfreundlichen Hybrid-Motoren oder aktuellen Spielkonsolen stolz sein als auf die Produktion von einfachem Gemüse...aber das wird hier als viel selbstverständlicher hingenommen.

Auf der anderen Seite werden ausländische Produkte ebenfalls als "italienische" Pasta oder "französischer Schokoladenkuchen" hervorgehoben. Dabei ist es vollkommen egal, ob das Produkt tatsächlich aus dem jeweiligen Land kommt, sobald der Name stimmt, kennen die hier keinen Skrupel. Kürzlich hat mich dann im Supermarkt ein Bier angelacht mit dem Namen "Brau Meister". Gut, die Japaner haben alles rund um das Bierbrauen von den Deutschen gelernt, also vermutete ich hinter dieser Offerte einen geschmacklichen Hochgenuss. Leider wurde ich enttäuscht, außer dem Namen waren keine deutschen Qualitäten zu erkennen. Schade eigentlich.

7. Januar 2007

Sapporo

In dieser Woche haben wir uns in den hohen Norden Japans gewagt - nach Hokkaido.
In der Hauptstadt Sapporo, mit ca. 1.8 Mio. Einwohnern nicht gerade klein geraten, war es dann auch ziemlich kalt, tagsüber höchstens um die 5°C.

Die Stadt ist im Gegensatz zu fast allen anderen japanischen Städten sehr übersichtlich, da im Raster angelegt. In Ost-West-Richtung verläuft dazu mitten durch die Stadt ein länglicher Park. Orientierung ist also immer gegeben.

Interessant an Sapporo sind natürlich vor allem die Wintersportanlagen, allen voran die Olympiaschanze, die über der Stadt thront. Von dort aus hat man einen fantastischen Blick auf Sapporo - wie können sich die Athleten da nur auf das Skispringen konzentrieren...?

Und dann gibt es hier natürlich noch die (zumindest in Japan) berühmte Sapporo-Brauerei. In den alten Backsteingebäuden befinden sich heute ein nettes Museum sowie diverse Restaurants. Ein weiteres ehemaliges Produktionsgebäude wurde sogar in eine neue ShoppingMall integriert.

Ein Großteil der Innenstadt ist komplett untertunnelt, ähnlich wie Toronto in Kanada. Hier spielt sich wohl in langen und kalten Wintern das gesamte städtische Leben ab. Ewig lange Gänge verbinden hier ein Kaufhaus mit dem anderen.

Mit den Temperaturen hatten wir eigentlich Glück, denn Dank der weiterhin unnachsichtigen Energiepolitik der Amerikaner, spielt auch hier das Wetter verrückt, und laut Wettervorhersage waren die Temperaturen vergleichbar mit denen von Anfang März. Dies hat dann auch viele einheimische junge Frauen dazu verleitet, Ihre Frühlingskleidung zu tragen. Die sind doch tatsächlich bei Schnee und 5°C in kurzen Röcken und Stiefeln rumspaziert. Wenigstens den Männern wird bei diesem Anblick wohl warm....;-)


1. Januar 2007

Silvester / Neujahr

Nachdem Weihnachten hier ganz unspektakulär vorüber gegangen ist, wird der Jahreswechsel hier auch nur begrenzt gefeiert. Feuerwerke gibt es hier eh nur im Sommer, wenn jeder Stadtteil dann sein eigenes Spektakel veranstaltet und alle anderen zu übertrumpfen versucht.

Am Silvesterabend trifft sich traditionell die Familie. Die Mutter war bis hierhin schon fleißig und hat für die folgenden drei Tage allerlei Speisen vorgekocht - und in verschiedene Lunchboxen gepackt. Dies ist wohl noch eine Tradition aus Zeiten, als die Geschäfte um Neujahr herum geschlossen und niemand sonst arbeiten wollte. Dies ist heute natürlich anders, unser Einkaufszentrum nebenan hat zum Beispiel an allen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr geöffnet, jeweils zwischen 10 und 21 Uhr.



Dann gibt es im TV eine Musikschau zu sehen, irgendwas zwischen dem Musikantenstadl und dem Eurovision Song Contest, der sich großer Beliebtheit erfreut.

Um Mitternacht pilgert man dann zum nächsten Tempel. Hier wird das neue Jahr traditionell mit 108 Glockenschlägen von den buddhistischen Mönchen begrüßt. Die Glockenschläge sollen die Menschen angeblich von den irdischen Begierden befreien, um so reinen Gewissens in das neue Jahr zu gehen. Warum es gerade 108 Glockenschläge sind weiß niemand so genau, viele Japaner wissen wohl auch gar nicht was es überhaupt damit auf sich hat.





Es geht also mehr um das event, denn als Besucher dieser Zeremonie kann man selbst einen Glockenschlag ausführen. Dazu bekommt man bei der Ankunft am Tempel eine Nummer zugewiesen, steigt dann den Glockenturm hinauf, dort warten die traditionell gekleideten Mönche und lassen einen dann mit einem Holzpfahl einen Glockenschlag machen.

Dieses Jahr waren wir leider zu spät, um 23:45 Uhr waren schon alle Tickets vergeben :-( Dennoch konnten wir einen Mönch bei einem Mitternachtsgebet beobachten, im Hintergrund ist auch ein Glockenschlag zu hören:



Nach dem Glockenschlag geht es dann nach Hause, und Silvester ist vorbei. Auf dem nach Hause-Weg haben wird dann noch die jüngere Generation beim Feiern getroffen. Diese versammeln sich vor den unzähligen 24-Stunden-ComBiNi'S (Convenience Stores), schreiben hastig emails mit Ihren Mobiltelefonen usw. Wenigstens ein Ansatz einer Feier ;-)

Am 1. Januar geht es dann zu einem Schrein, um die Wünsche und Hoffnungen für das neue Jahr zu machen. Hier kann es ganz schön voll werden, aber die Japaner lieben es ja, sich in Reihen aufzustellen und zu warten.

27. Dezember 2006

Internet und Santa

Endlich, endlich funktioniert der Internetanschluss - hat nun doch 24 Tage gedauert seit der Beantragung. Und das, obwohl bereits das gesamte Haus von KDDI (Internet-Provider) verkabelt ist und unser Vormieter wahrscheinlich auch einen Internetanschluss hatte. Na ja, die 'Entwöhnungsphase' war hart, aber ich habe sie überstanden. Ab jetzt bin ich wieder 'connected', und zwar mit 16MBit.

In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland zur Weihnachtszeit ja schon die moderne Version des berüchtigten Gartenzwerges breit gemacht - ich meine die Weihnachtsmänner aus Plastik/Stoff, die an deutschen Hauswänden und Schornsteinen hängen. Ein Unding für mich, nahe an der Geschmackslosigkeit. Aber in Deutschland ist ja alles erlaubt was der Baumarkt so hergibt.



Jetzt musste ich in Tokyo feststellen, dass es dieser weißbärtige Genosse irgendwie über das Wasser geschafft hat und auch in Japan die Häuser verunstaltet. Das kommt davon, wenn man zu Weihnachten in Deutschland mit schlechtem Beispiel voran geht, und die japanischen Touristen diese Erfahrung dann mit nach Hause importieren.



Dieses nun auch japanische Phänomen wurde dann auch gleich von der lokalen Zeitung wahrgenommen und veröffentlicht - und ich befürchte, dass im nächsten Jahr noch sehr viel mehr Weihnachtsmänner an Hausfronten zu sehen sein werden...

21. Dezember 2006

Weihnachten in Japan

Japan ist ja nicht gerade als christlich-orientiertes Land bekannt, was es aber nicht davon abhält, die westlichen Weihnachtstraditionen kommerziell auszuschlachten (wir machen das in Deutschland ja auch nicht anders, oder woher kommt auf einmal das ursprünglich aus Irland kommende amerikanische Halloween?).

Gut, vergangenen Freitag war ich dann zum ersten Mal im Goethe-Institut in Tokyo, da diese ein Weihnachtscafé ausgeschrieben hatten mit deutschen Weihnachtsliedern, deutschem Stollen und weiteren deutschen Köstlichkeiten. Klang sehr "kuschelig", also nix wie hin. Im Foyer des Goethe-Instituts und in der Veranstaltungshalle, die beide auf gefühlte 30 Grad aufgeheizt waren - tummelten sich dann schätzungsweise 300-400 Leute, wobei die Japaner klar in der Überzahl waren. Hier gab es dann deutsches Bier, Glühwein, deutsche Currywurst (!) und Stollen bis zum Abwinken. Dazu wurden über einen Beamer Bilder des Nürnberger Christkindlesmarkt an die Wand geworfen.

Im Veranstaltungsraum sangen dann japanische Deutsch-Schüler deutsche Weihnachtslieder, danach wurde noch Klavier und Geige gespielt. Und ein Mitarbeiter des Institutes hatte die undankbare Aufgabe, als Weihnachtsmann verkleidet Geschenke an die Besucher zu verteilen.

So wird also unsere "Kultur" im Ausland gezeigt; den Japanern hat es wohl schon gefallen. Ob sich die Japaner über die Darbietungen während des Japan-Tages in Düsseldorf auch so fremd vor ihrer eigenen Kultur fühlen wie ich mich an diesem Abend? Eigentlich ist Weihnachten hier ja so etwas wie der Tag der Verliebten, zumindest der 24., an dem man mit seinem Partner / seiner Partnerin ausgeht.

Abschließend noch ein sich mir nicht erschließender Kommentar einer amerikanischen Austauschstudentin, gelesen in der Hiragana-Times, einem japanisch-englischen Magazin (mehr hierzu an anderer Stelle in der Zukunft). Diese äußerte sich in einem Leserbrief zu tiefst enttäuscht über das japanische Weihnachten, es sei viel zu kommerziell, und sie freue sich schon darauf, Weihnachten zu Hause in den USA zu verbringen, wo ja alles ganz anders sei - aha, hätte ich nicht so vermutet ;-)

18. Dezember 2006

30 und ein Tag

Kann man wohl wirklich einen Unterschied fühlen, wenn man ein neues Lebensjahrzehnt beginnt? Gestern habe ich noch keinen großen Unterschied gefühlt, vielleicht hängt das aber auch mit dem Zeitunterschied zusammen. Schließlich müsste ich meinen Geburtstag nach der aktuellen Zeit in Deutschland bestimmen.

Heute morgen nach dem Frühstück hat mir die Post mein selbst gemachtes Geschenk gebracht - super Martin, selbst du schaffst es nicht, dir rechtzeitig zu gratulieren... Na ja, für eine kleine japanische Wohnung habe ich mir einen noch kleineren schicken mp3-Player samt kleinen 2.1 Boxen angeschafft. Nach dem Auspacken bin ich dann unter meinen Schreibtisch gekrabbelt, um die ganzen Kabel zu verstecken und die Boxen auszurichten. Dabei hab' ich mir dann ganz böse meinen Rücken verrenkt, so dass ich die nächsten zwei Stunden leidend und regungslos auf den Tatamimatten unseres Wohnzimmers verbringen musste. 'Konnte mich wirklich überhaupt nicht mehr bewegen - das schlimmste war jedoch, dass ich dermaßen über mich und diese Situation lachen musste, dass mir alles noch mehr weh tat.

Als ich nun da lag, auf dem Boden vor dem Fenster, schaute ich zu meinem alten Kumpel "Fuji San" 'rüber und fragte mich, wer von uns beiden wohl der ältere sei, der Berg oder ich... Glücklicherweise hat es mich gleich neben der in der hiesigen Bibliothek ausgeliehenen Ausgabe des Spiegels dahin gerafft, sodass ich mich während der bewegungslosen Phase über die Geschichte der Kremel-Protokolle informieren konnte.

Jetzt, am Abend, kann ich mich wenigstens wieder bewegen, auch wenn das wohl eher nach einem 90-jährigen Mann aussieht - Respekt vor dem Alter! Wenigstens mein mp3-Player funktioniert fantastisch, und ich genieße die Klänge von Mogwai's 'Zidane'-Album.

Nun, zurück zu der zu Beginn gestellten Frage - fühle ich mich irgendwie anders? Momentan habe ich schon die Vermutung, dass mir jemand genau dies weismachen will. Oder es ist einfach eine kuriose Verkettung unglücklicher Umstände. Freue mich schon auf meinen 40. Geburtstag, mal schaun', was da passiert ;-)

17. Dezember 2006

30

Der 30. Geburtstag gibt ja an sich nicht viel Anlass zu feiern, verabschiedet sich man doch aus den noch als jugendlich-anzusehenden 20ern, in eine mehr oder weniger ereignisreiche Zeit als "Thirty-Something". Ab jetzt werden die bis dato zweifelhaften Ü30-Parties traurige Realität, und bald wird mir in der U-Bahn von jüngeren Zeitgenossen ein Sitzplatz angeboten.....

Aber ich will ja nicht klagen, und darum habe ich meinen 30. Geburtstag auch in aller Ruhe verbracht. Nach einem sonnigen Mittagessen in den Yokohama-Docks (renovierten Backstein-Speicherhallen, die heute Heimat von Boutiquen und Restaurants sind, wirklich sehr schön!) und einem Spaziergang am Hafen haben wir uns das Abendessen in Yokohamas berühmter ChinaTown schmecken lassen.

Während des Mittagessens kam dann auch gleich die erste Prüfung auf mich zu. Um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, sollte ich auf einer Karte meinen Namen und Anschrift eintragen - auf japanisch natürlich, als ob das nicht schon schwierig genug sei. Aber dann wollten die auch noch mein Alter wissen - so eine Frechheit! Zuerst habe ich in einem Reflex "23" eingetragen, mein Lieblingsalter. 23 Jahre klingt doch nach der totalen Freiheit, oder geht das nur mir so?

Dann habe ich aus der "23" geschickt eine "29" gemacht, da ich mich aber bei der Adresse schon mit den japanischen Schriftzeichen verhaspelt hatte, habe ich das ganze nochmal auf einer neuen Karte gemacht, und da dann auch den Mut gefasst, beim Alter die von jetzt an aktuelle "30" einzutragen.

11. Dezember 2006

Nachbarn




Von unserer Wohnungsgesellschaft sind wir bei der Schlüsselübergabe unter anderem darauf hingewiesen worden, dass wir uns doch möglichst bald bei den Nachbarn links und rechts sowie unter uns vorstellen sollen. Dies ist in Japan eine Art Brauch, da man aber sehr eindringlich und mit einem extra Informationsblatt mit lustiger Illustration des Vorgangs dazu verpflichtet wird, ist es wohl mehr als nur ein Brauch.

Bei dieser Gelegenheit wird es dann auch nicht versäumt, ein kleines Geschenk bei den Nachbarn abzuliefern. Quasi als Entschädigung und Entschuldigung für den Einzug und die damit einhergehenden Komplikationen, schließlich müssen sich die lieben Leute an neue Nachbarn gewöhnen. Das Geschenk selbst ist irgendwas relativ Wertloses in Richtung Gebäck, Hauptsache es ist nett verpackt und wird in einer edlen Papiertüte übergeben.

Bei der Übergabe wird sich dann auch gleich für alles Zukünftige entschuldigt und um Nachsicht gebeten (ich glaube wir haben die Verantwortung für alles schlechte in dieser Welt übernommen, mit Ausnahme der Klimaveränderung, die haben wir uns aufgespart, oder ich habe nicht alles verstanden...). Dabei übt man sich im Extrem-Verbeugen; für den Betrachter sieht das bestimmt sehr lustig aus, und viele viele Ärzte in Japan leben wohl von den daraus folgenden Bandscheibenvorfällen - so funktioniert das System hier halt.

7. Dezember 2006

Umzug bzw. Einzug

Am Dienstag war es soweit, wir sind in unsere kleine 51,70m² Wohnung eingezogen. In Japan werden die Quadratmeter immer mit zwei Nachkommastellen angegeben, da zählt jeder Zentimeter. Gleiches ist auch bei Größenangaben von Menschen zu bestaunen - wenn jemand zwei oder drei Zentimeter größer ist, dann wird auf Teufel komm raus auch auf diesen Unterschied bestanden, man/frau ist dann also nicht in etwa gleich groß. 'Size does matter'. Lustiges Volk.

Da der Umzug für uns eher ein Einzug war, ging eigentlich alles ganz einfach. Um 9:30 Uhr den Schlüssel abgeholt und die erste Autoladung Kisten in den 14. Stock geschleppt. Um 11:00 Uhr schnell mal bei Muji nebenan 'reigeschaut und die am Tag vorher bestellten Sachen (Vorhänge usw.) abgeholt. Auf dem nach Hause-Weg noch schnell O-Bento (Lunch-Box) mitgenommen - um 12:00 klingelt Ikea und bringt unsere schwedischen Freunde vorbei. Zum Teil mit falschen Anleitungen (Schreibtisch 'Jonas' hatte die falsche Geburtsurkunde dabei), aber die Dinger funktionieren zum Glück ja immer gleich.

Um 13:00 Uhr kamen die Leute von Yodobashi (Saturn auf Japanisch) und bringen unsere Elektrogeräte vorbei - und schließen sie auch gleich für uns an und nehmen den ganzen Verpackungskrempel wieder mit. Gegen 14:00 Uhr wird dann auch unser Gas freigeschaltet bzw. installiert. Um 16 Uhr schleppen wir die zweite und letzte Ladung Kisten in die Wohnung, bis 18:00 Uhr waren wir dann noch mit Auspacken und Einräumen beschäftigt, dann war eigentlich alles fertig. Bis auf die diversen Kleinigkeiten, die erst auffallen, dass sie fehlen, wenn man sie tatsächlich braucht. Und natürlich die Schlafcouch (kommt Sonntag) und der Internetanschluß (hoffentlich nächste Woche).

Also alles ohne viel Stress - und vor allem musste man keine Freunde und Bekannte davon überzeugen, doch beim Umzug zu helfen. Hätte in Japan eh nicht funktioniert, schließlich müssen die acht Tage die Woche arbeiten oder so...

p.s. Von unserem Wohnzimmer aus können wir den Fuji-San (niemand nennt diesen Berg hier Fuji-Yama (Fuji-Berg) wie wir Deutschen, das wäre abgrundtief respektlos, immer 'Herr Fuji' ) sehen, teilweise jedenfalls :-)

4. Dezember 2006

Jokkmokk, Jonas & Kullen - Ikea Japan


Seit April 2006 gibt es in Japan zwei Ikea-Filialen. Natürlich ein Muss für einen richtigen Europäer, sich zwecks Wohnungseinrichtung genau dorthin zu begeben! Ikea ist etwas ausserhalb von Tokyo gelegen - natürlich, denn wo soll es denn in Tokyo auch Platz für eine riesige gelb-blaue-Kiste geben? Nach Funabashi fährt man dann von Shinjuku (Zentrum) ca. 1 Stunde mit der U-Bahn.

Angekommen, zeigt sich tatsächlich ein vertrautes Bild. Die Ikea-Kiste sieht genau so aus wie zu Hause. War ja auch nicht anders zu erwarten. Nach einem traditionellen 'Meatball'-Snack ging dann die Sucherei los. Da sich das Sortiment nicht wirklich an den japanischen Markt angepasst hat, wird die Möbelsuche nicht einfacher - schließlich sind die Wohnungen hier sehr viel kleiner und meistens bereits mit großzügigen Wandschränken ausgestattet. Will man zum Beispiel einen kleinen Schreibtisch kaufen, geht das hier schlicht und einfach nicht, da die kleinste 'westliche' Größe für japanische Verhältnisse schon relativ groß ausfällt.

Zur Nachmittagszeit wurde es dann richtig voll. Da der Großteil der "Besucher" mit der Bahn anreist, bilden sich immer wieder Menschentrauben, die sich durch die Ikea-Prommenaden schieben.

Der Transport der gewählten Ware ist sehr praktisch organisiert, man muss Billy also nicht mit in die U-Bahn nehmen. Ein 50x50x50cm Paket wird für 6 Euro nach Hause geliefert, größere Gegenstände sind etwas teurer, kommen dann aber zum Wunschdatum und zur Wunschzeit ins Haus.

Auf Grund des zur Zeit sehr günstigen Wechselkurses empfand ich die Preise überraschend angenehm. Jokkmokk - ein Küchentisch plus 4 Stühle für 14.900 Yen, umgerechnet ca. 100 Euro ist durchaus akzeptabel, für japanische Verhältnisse geradezu sensationell. :-)