20. Oktober 2008

Kusatsu-Onsen & Karuizawa - Karuizawa

Karuizawa is an upmarket mountain resort at the foot of the active volcano Mount Asama in Nagano Prefecture. It was first "discovered" and promoted as a mountain resort by Western residents of Japan in the late 1800s.


Damit ist eigentlich fast alles gesagt - hier ist alles etwas mehr upscale als sonst. Und das mitten im Wald bzw. in den Bergen.

Seit 1998 hält hier der Nagano-Shinkansen, die Station ist am südlichen Ende der Stadt gebaut worden. Im Norden befindet sich also weiterhin das kleine Städtchen, und südlich - das ist wohl aus städtebaulicher Sicht höchst interessant - ein 72-Lane Golf-Course sowie das Karuizawa Prince Shopping Plaza Outlet.



Karuizawa Prince Shopping Plaza

Das Outlet, welches wirklich um eine Golfanlage herum gebaut wurde - erfreut sich einer Erweiterung nach der anderen. Im grünen Zentrum wird heute allerdings kein Golf mehr gespielt, die Golfbahn wurde in einen großen Park umgewandelt.





Die ganze Sache ist irgendwie eine ziemlich seltsame Geschichte, da ist man mitten in den Bergen auf 1.000 Metern Höhe - fern von allem - und genau dort gedeiht ein riesiges Outlet. Das schöne ist, dass hier nicht versucht wird, eine klassische Innenstadt zu imitieren - hier geht es einfach nur um ein angenehmes Shopping-Erlebnis, mit ziemlich viel Grün und Platz zum Spielen für Kinder.





Von den Geschäften wird hier aller Ansicht nach auch sehr darauf Wert gelegt, dass es wirklich nur Outlets sind und keine Geschäfte des täglichen Bedarfs - somit funktioniert das Nebeneinander von Innenstadt und Outlet ganz gut.

Architektonisch kann man allerdings wirklich darüber streiten...



Karuizawa Ginza

Die Karuizawa Ginza ist Karuizawas Fußgängerzone. Hier promenieren sowohl im Winter als auch im Sommer die Reichen und Schönen - die Geschäfte sind deutlich auf Touristen ausgerichtet. Überall gibt es Marmelade und Honig, der in der weiteren Umgebung hergestellt wird. Aber es gibt auch westlich geprägte Cafes, wo man wunderbar draußen sitzen und den Fluss der Leute begutachten kann.







In der Fußgangerzone ist am Wochenende wirklich der Bär los. Da drängten sich dann die Massen hoch und runter.

Sommerhäuser

Wer es sich finanziell und organisatorisch erlauben kann, der hat hier in Karuizawa oder in der Umgebung irgendwo im Wald ein riesiges Sommerhaus stehen. Karuizawa ist voll davon, riesige Anwesen, versteckt in dichten Wäldern, mit Einfahrten und Toren, als würden hier nur Könige und Prinzen wohnen.

Wenn man sich das anschaut, weiß man auch, dass wohl jeder Architekt in Japan mindestens ein "einzigartiges" und "maßgeschneidertes" Sommerhaus entwerfen muss. Wo überall in Japan die gleichen fabrik-gefertigten Einfamilienhäuser rumstehen, ist das hier der krasse Gegensatz.



Im Sommer muss es hier allerdings wirklich ganz nett sein, keine 45° und 90% Luftfeuchtigkeit wie in Tokio, sondern angenehme Temperaturen auf 1.000 Metern Höhe. Und die Entfernung zu Tokio macht es sogar möglich, von Freitag abends bis Montag morgens hier zu verbringen.

(interne Notiz: Lotto spielen nicht vergessen!)

Deutschland in Karuizawa


In den Straßen von Karuizawa findet man eine Menge deutscher Fahnen - ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob schon wieder Weltmeisterschaft sei - und auch einige Läden haben deutsche Namen. Vor allem Metzgereien haben sich hier Deutschland als Qualitätssiegel ausgesucht.







Kumobaike
Woman attacked by bear in Karuizawa
Friday 07th November, 09:52 AM JST
NAGANO — A woman who came to see the autumn foliage in Kumobaike, a popular tourist spot in Karuizawa, Nagano prefecture, was attacked by a bear and injured around 1.30 p.m. on Thursday, police said.




Genau an diesem kleinen Teich waren wir auch unterwegs, und haben uns die herbstlichen Farben angeschaut. Scheint ein populärer Ort für Fotografen zu sein, bei Flickr gibt es unzählige Herbstbilder.





Shiraito Falls



Ein paar Kilometer außerhalb von Karuizawa kommt man auch nicht um den Besuch der gerade mal drei Meter hohen/tiefen Wasserfälle herum. Auf einer Länge von mehr als 70 Metern strömt hier das Wasser einfach so aus dem Berg, was wirklich ziemlich beeindruckend weil seltsam ist. Hier hat ein Erdbeben wohl in der Vergangenheit mal eine geologisch ziemlich interessante Formation freigelegt.







Und sonst

Die Straßen in und um Karuizawa sind im Herbst wirklich wunderschön - vor allem die vielen Ahornbäume mit ihren unzähligen Farbvariationen zwischen Grün und Braun sind beeindruckend. Da stellt sich für mich wirklich die Frage, was die Japaner an den relativ langweiligen Kirschblüten finden - wenn man so einen tollen Herbst hat.









2008.10 Karuizawa

19. Oktober 2008

Kusatsu-Onsen & Karuizawa - Einleitung

Nachdem ich mich in den vergangenen Wochen sowohl an Feiertagen als auch am Wochenende um die Projekte unserer Klienten aus den Gold Coast Countries gewidmet habe - habe ich ein paar Urlaubstage extra gesammelt.

So ist es möglich, dass ich den gesamten Oktober als 4-Tage-Wochen genießen konnte - da auch noch an zwei Montagen Feiertage waren. Mal eine ganz gute Abwechslung zum üblichen "Alles muss bis zur Cityscape fertig werden" - Stress.

An diesem drei-Tage Wochenende haben wir also einen Ausflug nach Karuizawa und Kusatsu-Onsen gemacht.

Die beiden Orte liegen nördlich von Tokio, und sind eigentlich ganz gut mit dem Zug zu erreichen, Karuizawa hat sogar einen Shinkansen-Stopp. Wir haben uns aber für die Variante Leihwagen entschieden, was am Ende deutlich günstiger war als den überteuerten Kugelzug zu nehmen.

Ein Leihwagen für 48 Stunden bekommt man in Tokio bereits ab 30 Euro, und wenn man sich für die kleinste Wagenklasse entscheidet - die mit den gelben Nummernschildern, bezahlt man auch weniger Autobahngebühren als üblich.

Also, die nächsten Posts über Kusatsu und Karuizawa!

15. Oktober 2008

Kishibojin Matsuri 2008 - Teil 2

Als kleiner Annex zu den Bildern vom Sommerfest - hier ein paar Eindrücke der "Parade" - die irgendwie parallel zum Feierabendverkehr abgewickelt werden musste...











oder auch als Video:





Japan zwischen Tradition und (post-fordistischer - in stadtplanerischen Sinne) Moderne.

Kishibojin Matsuri 2008

Ein paar Eindrücke vom Sommerfest:

Unterwegs in der Nachbarschaft - Kishimojin

Nach und nach erkunden wir unsere neue Nachbarschaft.

Map

Der Tempel ist der Göttin Kishimojin geweiht, und dahinter steckt eine ziemlich makabre Geschichte. Die Göttin der Kinder war wohl ursprünglich ein indischer Dämon und hat damals in der Nachbarschaft Kinder entführt und verspeist - bis der mächtige Buddha ihr das eigene Kind wegnahm und sie auf den richtigen Weg gebracht hat.

Soviel zu den Legenden, ich will ja nicht wissen, ob sich jemand traut, in der Gegend einen Keller ausheben zu lassen - da finden sich doch bestimmt noch einiges an Gebeinen....

Die Infos habe ich übrigens den Blog "Walking with Lee" entnommen.

Wenn man nix darüber weiß, ist ein Ausflug zum Tempel aber eine nette Sache. Von der Hauptstraße geht es einige Hundert Meter durch die (ehemalige) Haupteinkaufsstraße des Viertels. Hier finden sich auch heute noch Geschäfte aus längst vergangenen Zeiten - zwischendrin aber auch ganz nette Cafes nach europäischem Vorbild, wo man in loungiger Atmosphäre leckeren Kaffee trinken kann.



z.b. das Cafe Samushingu (さむしんぐ - die japanische Variante von "Something")
-> Blog-Post in japanischer Sprache

Ein wenig weiter entlang dieser Strasse trifft man dann bald auf die letzte in Tokio verbliebene Straßenbahn - den Toden. Sobald man die Gleise überquert hat, geht es Richtung Tempel. Einer der Hauptzugangswege ist auch heute noch ziemlich unverändert, jedenfalls was die Dimensionen und die Enge angeht. Hier stehen richtig majestätische, alte Bäume in der Strasse, die praktisch alles darunter in den Schatten stellen - im Sommer eine wirklich tolle Sache.





Hier habe ich ein Foto der Strasse aus dem Jahr 1911 gefunden!
http://www.ndl.go.jp/scenery/e/data/103/index.html

Ein Originalgebäude ist auch noch erhalten, und wird gerade aufwändig renoviert bzw. konserviert. Derzeit haben da ein paar junge Kreative ihr Büro eingerichtet.



Auf dem Schrein-Gelände gibt es dann die üblichen Dinge zu entdecken. Leider ist das Gelände abends abgesperrt, ansonsten wäre das nämlich ein wirklich toller Ort, um ein Feierabendbier trinken zu gehen.







Apropos, jedes Jahr zwischen dem 16.-18. Oktober findet hier das örtliche Matsuri (Sommerfest) statt - darüber mehr im nächsten post.

13. Oktober 2008

Rikugien

Heute sind wir mit dem Rag zum Rikugien-Park gefahren.

Laut Japan-Guide:
Rikugien is one of Tokyo's most beautiful, Japanese style landscape gardens. Built around 1700 by Yanagisawa Yoshiyasu, Rikugien literally means "six poems garden" and reproduces in miniature 88 scenes from famous poems.

Rikugien is quite a spacious garden with a central pond, islands, forested areas, man made hills and several teahouses. It takes about an hour to cover the garden's whole network of walking paths at a leisurely speed.


Hier sind ein paar Bilder:
Von Rikugi-en


Von Rikugi-en


Von Rikugi-en


Wie in allen japanischen Gärten gedeihen hier vor allem Spinnen. Im Rikugi-en gibt es sogar einen Pfad, der "Sasakani-no-michi" genannt wird - was übersetzt soviel bedeutet wie Spinnen-Weg. Da dieser Weg sehr eng ist kommt man wohl oder übel mit den 8-Beinern in Berührung.

Von Rikugi-en


Aber auch die (wohl ausgesetzten) Schildkröten finden hier einen tollen Platz, um sich zu sonnen.

Von Rikugi-en


Und dann gibt es da noch einen Hügel, den Fujishiro-Toge - von dem man den schönsten Blick auf den Garten hat - bzw. irgendwann einmal hatte. Denn die feinfühligen Japaner haben es sich nicht nehmen lassen, genau gegenüber ein Exemplar ihrer berühmten hässlichen Wolkenkratzer zu bauen!

Von Rikugi-en


Von Rikugi-en


Da falle ich mal wieder aus allen Wolken und frage mich, warum es hier keine Volksaufstände gegen solche Entwicklungen gibt. Hier ist nix mehr mit "super-special-scenic-viewpoint". Und rundherum stehen nur kleine Häuser rum - da hätte man doch wirklich einen besseren Ort finden können für den Glaskasten....

Karte

Rikugi-en

10. Oktober 2008

Nur keine Ausländer....

"Japan's Ministry of Internal Affairs says over 70 percent of Japanese inns and hotels that didn't have foreign guests last year don't want any in the future either"

http://www.cnn.com/2008/WORLD/asiapcf/10/09/japan.inn.room.foreigners.ap/index.html?section=cnn_latest


Wenn man als Tourist kein Zimmer bekommt, ist es wenig verwunderlich, wenn einige Zeitgenossen dann dumm angeschaut werden - nur weil sie halt endlich mal ein Bad nehmen wollen, nachdem sie irgendwo im Park schlafen mussten....



www.spiegel.de/video/video-37944.html

7. Oktober 2008

Fahrradfahren in Tokio

Seit dieser Woche beginnt ein neues Kapitel für mich in Tokio. Seit einigen Tage bin ich stolzer Besitzer eines schicken (und sehr schnellen) Fahrrads! War gar nicht so einfach, ein Rad in Tokio zu kaufen, da sich der Fahrradmarkt hier erst seit den letzten Jahren entwickelt. Zwar gibt es überall die üblichen Citybikes sowie über-Sportbikes zu kaufen, aber ein vernünftiges Rad zum Pendeln war schon schwerer zu finden.



(Warum die mir zwei große Sticker mit der Aufschrift "CHAOS" auf den Rahmen geklebt haben, weiß ich allerdings nicht - die kennen mich doch gar nicht?!)

So habe ich alle Fahrradgeschäfte in meiner näheren Umgebung abgeklappert, aber nicht das Richtige gefunden. Am Ende habe ich das Rad dann im Internet bei einem Laden in Osaka bestellt. Was mich insgesamt so um die 40.000 Yen (ca. 250 Euro, inklusive Lieferung) gekostet hat - für japanische Verhältnisse eine ganze Stange Geld für ein Fahrrad. Einfache (extrem-schnell rostende) Citybikes gibt es schon ab ca. 8.000 Yen zu kaufen (ca. 50 Euro). Dies verleitet die lieben Japaner auch dazu, sich nicht wirklich um ihr Zweirad zu kümmern, und so enden die meisten nach einiger Zeit verrostet und vergessen an irgendeinem Straßengeländer und warten darauf, dass es von der Polizei eingesammelt und verschrottet wird.

Auch wenn ich jeden Morgen nur ganze sieben Minuten oder drei Stationen mit der U-Bahn fahren muss, geht mir die tägliche Drängelei und hektische Rennerei der japanischen Workaholics ziemlich auf die Nerven - daher will ich in Zukunft so oft wie möglich mit dem Rad zur Arbeit pendeln.

Dies ist allerdings laut Kundgebungen meiner Kollegen eigentlich nicht erlaubt, da Tokio nicht wirklich zu den fahrradfahrerfreundlichsten Orten auf diesem Planeten gehört (was schwer untertrieben ist, eigentlich ist Tokio der absolute Alptraum für Radfahrer). Unsere Kranken- und Unfallversicherer sehen es halt mal nicht gerne, wenn man mit dem Rad zur Arbeit fährt, weil sie wohl mit zu hohen Kosten rechnen, sollte mal was passieren.

Auch meine Firma ist nicht wirklich auf Fahrräder eingestellt - Parkplätze gibt es streng genommen nicht. Da seit einiger Zeit immer mehr Leute mit dem Rad ins Büro kommen, steht halt der ganze Vorgarten voll mit Fahrrädern. Bin mal gespannt, ob ich als Europäer es anleiern muss, dass endlich mal vernünftige Stellplätze eingerichtet werden oder ob dies einer meiner Kollegen in Angriff nimmt....

Am Sonntag Morgen habe ich mich dann mal probeweise auf den Weg gemacht - ausgestattet mit Ausdrucken von google maps und einer ungefähren Vorstellung, wie ich zu meiner Firma kommen wollte. Da die Japaner Sonntag morgens bis in die Puppen schlafen, war relativ wenig bis gar kein Verkehr - das größte Hindernis waren einige ältere Damen, die es tatsächlich schafften, zu zweit eine 5 Meter breite Straße komplett zu blockieren - (interne Notiz: irgendwann mal versuchen, das mathematisch nachzuweisen). Und heute Morgen dann der Ernstfall - mit dem Rad zur Firma pendeln!

View Larger Map

Der erste Teil der Strecke führt entlang einer engen Einbahnstraße durch ein Wohngebiet mit vornehmlich Einfamilienhäusern. Da wird man morgens von diversen Autofahrern angehubt, weil man nach deren Auffassung den Weg versperrt - unglaublich, wie viel Geduld die sonst also so "feinfühlig" und "rücksichtsvollen" Japaner hier an den Tag legen. In einer 20er-Zone mit maximaler Breite von 4-5 Metern zwischen Hauswand und Hauswand...Vor allem sind das wohl (völlig überforderte) Mütter, die noch kurz ihren Nachwuchs in der Tagesbetreuung abliefern und dann schnell ins Büro wollen.

Der zweite Teil geht entlang des Kandagawa-Flusses, wo es eine autofreie Promenade gibt. Nach der Hälfte der Strecke muss ich erneut auf die Straße, wiederum durch ein Wohngebiet mit relativ wenig Verkehrsaufkommen, aber breiteren Straßen. Und dann kommt wieder ein Stück entlang des Flusses.

Bis dahin ist alles ganz easy, bis auf die alten Damen, die glauben, sie sind alleine auf dieser Welt unterwegs, eine einfach zu bewältigende Strecke. Die folgenden, wenigen Meter entlang einer Hauptstraße sind auch gar nicht so schlimm, da man alternativ auch eben auf den Gehweg ausweichen kann (was in Japan Gang und Gebe ist, um sich vor den völlig rücksichtslosen, verrückten und untalentierten Taxifahrern zu schützen.

Nach einem weiteren kleinen Stück durch ein Wohngebiet in der Nähe von Tokyo Dome komme ich dann zur Sotobori Dori-Straße, wo es einen geteilten Geh- und Radweg nach europäischem Vorbild gibt. Selbst das in Deutschland bekannte blaue Schild hat man hier etabliert - nur verstehen die Japaner es nicht. Auch wenn die beiden Bereiche für Fußgänger und Radfahrer farblich deutlich unterschieden sind, laufen die Anzugträger morgens - Blick streng auf das Mobiltelefon gerichtet - kreuz und quer in der Gegend rum - an Radfahren ist da nicht mehr zu denken. Aber auch diese wenigen hundert Meter sind zu überstehen, und nach gut 25 Minuten sitze ich an meinem Schreibtisch im Büro - nachdem ich mein Rad im Vorgarten abgestellt habe ;-)

Die Strecke zum Büro ist laut google maps 4,91 km lang, der Rückweg ist aufgrund einer etwas veränderten Wegführung (Einbahnstraßen) wohl etwas länger.

Allgemein muss man wohl erwähnen, dass die Japaner in der Grundschule anscheinend alle durch die Fahrradprüfung gefallen sind - oder dass diese grundlegenden Verhaltensregeln gar nicht auf dem Lehrplan stehen. Sie verhalten sich im Straßenverkehr nämlich wie die absoluten Rowdies, nehmen jede rote Ampel locker mit und drängeln selbst durch eine Fußgängergruppe, die gerade bei grün die Straße überquert.

Auch fahren sie mal links und mal rechts auf der Straße, als ob dies überhaupt keinen Unterschied machen würde. Da wird mir langsam klar, warum meine Versicherung es nicht mag, wenn wir mit dem Rad unterwegs sind. Vielleicht sollte man den Grundschülern (und dem gemeinen japanischen Angestellten) mal ein paar Stunden Unterricht im Fahrradfahren spendieren - schaden würde dies sicherlich nicht.

Am Ende beißt es sich halt doch, wenn man 9 Jahre braucht, um Lesen und Schreiben zu lernen - da fehlt halt die Kapazität, um anderes zu lernen......

22. September 2008

Kumejima

Dieses Wochenende haben wir uns eine 4-tägige Auszeit gegönnt. Ich
konnte Freitag und Montag meine Kompensationstage nehmen, und Dienstag
war dann gleich noch ein Feiertag.

Freitag morgens sind wir vom Haneda-Flughfen gestartet und knapp 2,5
Stunden später auf der größten Nebeninsel Okinawas - Kumejima gelandet.

Auf Kumejima gibt es neben dem kleinen Flughafen eigentlich nicht
viel, ca. 9000 Einwohner gehen hier einem sehr ruhigen Leben nach,
produzieren hauptsächlich Salz und Zucker, und einige Leben halt vom
Tourismus.


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Auf der Insel gibt es eine Handvoll größerer Hotels, die alle an
irgendeinem der vielen Sandstrände liegen. Wir waren im "Kume Island
Resort Hotel" untergebracht - wobei der Name nach sehr viel mehr
klingt als das Hotel tatsächlich hergibt. Wenn ein kleiner Pool und
eine Putter-Golf-Anlage (das japanische Pendant zum Minigolf) es von
einem Hotel zu einem "Resort" anheben - na ja. Unser Zimmer war sauber
und relativ geräumig, und der Strand weniger als 100 Meter weg.

Von 2008.09 Kumejima


Da wir mal wieder abseits der Hauptreisesaison unterwegs waren, war
auch nicht wirklich viel los. Vom Flughafen im Westen der Insel sind
wir mit einem uralten Bus einmal quer über die Insel, an allen Hotels
vorbei, bis zu unserer Herberge getuckert - Reisezeit knappe 20
Minuten.

Von 2008.09 Kumejima


Am ersten Abend haben wir dann nach dem Einchecken nur noch einen
kleinen Spaziergang entlang des Strands gemacht. Hier waren wir auf
knapp 2km Länge fast alleine, nur die Krabben und Krebse haben um die
Wette gebuddelt, überall flog aus kleinen, röhrenförmigen Löchern im
Boden Sand. Fleißige Tiere.

Von 2008.09 Kumejima


Der Rückweg zum Hotel ging durch den wohl am ehesten touristisch
geprägten Straßenzug, wo es auch 5-6 ganz leckere Restaurants gab. In
einem haben wir zu Abend gegessen, neben der lokalen Spezialität
"Taco-Reis" haben wir auch sehr interessant-schmeckenden Papayasalat
geschlemmt.

Von 2008.09 Kumejima


Am nächsten Morgen mussten wir früh raus, da um kurz vor 9 Uhr schon das Anprobieren unseres Schnorchel-Equipments anstand. In unserem Reisepackage war nämlich eine halbtägige Exkursion zu einer Sandbank knapp 30 Minuten von unserem Hotel entfernt enthalten.

Von 2008.09 Kumejima


Dorthin sind wir also mit einem kleinen Boot gefahren, das Meer wurde von Minute zu Minute Kobalt-blauer und dann waren wir endlich da. Eine ewig lange Sandbank, umgeben und geschützt durch ein Riff. Das einzige Bauwerk war hier die schon etwas im Sand versunkene Toilette. Und dann gab es Strand ohne Ende.

Von 2008.09 Kumejima


Von 2008.09 Kumejima


Von 2008.09 Kumejima


Nach einem Crashkurs am Ufer ging es dann wieder mit dem kleinen Boot bis zum Riff, und da durften wir dann 30 Minuten schnorcheln und all die bunten Fische bestaunen, die um einen herum geschwommen sind.

Das Schnorcheln war eigentlich ganz nett, bis ich irgendwann eine ca. 2 Meter lange Seeschlange auf Nahrungssuche unter mir bemerkt habe - von da an war es für mich vorbei, ich habe einfach eingesehen, dass ich mich da in fremdem Revier aufhalte.

Von 2008.09 Kumejima


Von 2008.09 Kumejima


Die Zeit auf der Sandbank war richtig nett, und sogar Mittagessen haben die Tour-Organisatoren für uns mitgebracht.

Am zweiten Tag haben wir uns ein Auto gemietet um den Rest der Insel zu erkunden. Ursprünglich wollten wir das ja per Rad machen, aber aus mir nicht erklärlichen Gründen war es günstiger ein Auto als 2 Fahrräder zu mieten!

Unser erster Stopp war ein ehemaliges Palastgebäude, welches 1754 gebaut wurde. Von hier aus hatte der damalige Herrscher einen ganz netten Blick über die halbe Insel. Das besondere an dem Anwesen sind seine vier unterschiedlichen Eingänge - einer war Königen und dergleichen vorbehalten, dann gab es einen Eingang für Herren und einen für Damen, und dann noch einen, den mal im Idealfall höchsten zwei Mal im Leben benutzen durfte - zur Hochzeit und wenn man das Zeitliche gesegnet hatte.

Von 2008.09 Kumejima


Von 2008.09 Kumejima


Von 2008.09 Kumejima


An der Küste im Nord-Osten gab es die Überreste einer alten Befestigung zu bestaunen, und ein wenig weiter im Norden wies uns ein Schild auf den "Tropical Fish Pool" hin. Dabei handelte es sich um einen natürlichen, zerklüfteten Küstenabschnitt, mit diversen kleinen Teichen, in denen allerlei bunte Fische rumschwammen.

Von 2008.09 Kumejima


Von 2008.09 Kumejima


Von 2008.09 Kumejima


Im Zentrum der Insel gib es dann am höchsten Punkt noch eine weitere Ruine, von der man wirklich die gesamte Insel sehen konnte - und auch die Sandbank samt Riff vom Vortag.

Von 2008.09 Kumejima


Von 2008.09 Kumejima


Von 2008.09 Kumejima


Der nächste Stopp ergab sich sehr spontan, als uns ein Schild zu einem Wasserfall von der Hauptstraße lockte. Die angegebenen 300 Meter mussten wir zu Fuß zurücklegen, es ging eine Steintreppe hinunter, links und rechts und über uns war Urwald. Der Ausflug Richtung Wasserfall war für mich nach wenigen Metern schon vorbei - genau dann, als ich links und rechts von mir Spinnen in urzeitlichen Größen in ihren Netzen sitzen sah! Die fiesen Dinger waren echt Hand-groß - und das schließt die geschätzten 25 Beine dieser evolutionstechnisch völlig zu Unrecht noch nicht ausgerotteten Spezies nicht aus.

Am Ende haben wir am "Bade-Haus" Halt gemacht und haben die angenehmen Temperaturen nach dem Sonnenuntergang genossen. Das Bade-Haus, welches wirklich den deutschen Namen trägt, ist nichts Anderes als ein modernes Spa - da war wohl mal wieder ein studierter Marketing-Mensch am Werk. Was sonst soll Deutschland und der Begriff auf dieser Insel zu suchen haben - hier waren schließlich immer nur die Chinesen zu Gange.

Von 2008.09 Kumejima


Weitere Bilder:

21. August 2008

Olympia

Japanisches Fernsehn ist ja im Allgemeinen schon eine ziemlich anstrengende Sache. Da flimmern eigentlich nur bunte Schriftzeichen über den Bildschirm, ohne jeden Inhalt. Und dann soll das ganze auch noch unterhaltsam sein.

Und wenn dann doch mal ein internationaler Film auf den öffentlichen Kanälen läuft, wird meistens derart geschnitten, dass zum einen alles zwischen die Werbeblöcke passt und zum anderen so, dass man sich regelmäßig verarscht vorkommt, weil zentrale Szenen einfach fehlen.

Auch ganz toll sind die Zusammenfassungen, die in den Pausen am Ende der Werbeblöcke im Hintergrund laufen, während die Hauptsponsoren genannt werden. Der TV-Zuschauer in Japan scheint hier einen einstelligen IQ zu haben.

Jetzt ist aber Olympia, und alles ist noch viel schlimmer!

Die Berichterstattung läuft auf 4-5 frei-empfangbaren Kanälen gleichzeitig, alles in HD, und auf allen Kanälen das gleiche Programm.

Es kommen eigentlich nur Sportarten, bei denen Japaner auch wirklich mitmachen. Also Sportarten wie Softball und Baseball (die Gott sei Dank ja ihren letzten Auftritt bei Olympia haben) und JUDO!. In den ersten Tagen gab es nichts anderes zu sehen als die Damen und Herren in ihren Bademänteln. Da konnte ich nicht umhin als auch mal bei meinen Kollegen meine tiefe Enttäuschung über die Berichterstattung auszudrücken – Judo ist seitdem bei mir noch mehr unten durch als es vorher war.

Die Japanischen Zuschauer scheinen im Allgemeinen eh viel mehr Interesse an den persönlichen Schicksalen ihrer Athleten zu haben als an dem eigentlichen sportlichen Wettkampf. Vor ein paar Tagen wurde zum Beispiel NACH dem Ende des Hammerwurfwettbewerbs nicht etwa auf die aktuellen Entscheidungen umgeschaltet, sondern in aller Ruhe der etwas verwirrte Abgang ihres Athleten (der rein gar nix gewonnen hat) aus dem Stadion gezeigt, heftig kommentiert von zwei Kommentatoren.

Derweil konnte man im Hintergrund die Zuschauer jubeln hören und ab und zu einen Blick auf die Anzeigetafeln erhaschen, die dann doch die aktuellen Wettkämpfe gezeigt haben.

Auch scheuen sich die TV-Macher nicht, lieber eine Wiederholung mehr zu zeigen als eine zu wenig. Selbst der Marathon-Lauf der Damen wurde in zahlreichen Wiederholungen gezeigt – sehr spannend...

Ich bin mittlerweile so weit, dass ich die Fernbedienung Richtung TV werfen will, wenn mal wieder die x-te Wiederholung vom Aufwärmen der japanischen Softball-Ersatzspielerinnen gezeigt wird, anstelle der aktuellen Leichtathletik-Entscheidungen.

Olympia im japanischen Fernsehn ist eine SEHR SEHR anstregende Sache, am liebsten würde ich ganz abschalten, aber das geht dann ja auch nicht.

5. August 2008

Streetview Japan

Seit gestern hat Google Maps die Option Streetview für ausgewählte japanische Städte integriert!

Hier ist z.B. meine Firma:


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