28. Februar 2007
Von Aufzügen und Rolltreppen
Die umgesetzte städtebauliche Lösung ist somit, in die Höhe zu bauen, was ja mit der Erfindung des Aufzuges durch den Amerikaner Elisha Graves Oti im Jahr 1852 möglich wurde. Gleichzeitig bauen die Japaner auch extrem in die Tiefe. Wenn man sich so einige U-Bahn-Linien anschaut, dann geht es zuerst einmal ganz schön tief in den Abgrund, bis man endlich die Plattform erreicht.
Nun, um zum Punkt zu kommen, Japan ist übersät mit Aufzügen und Rolltreppen. Und die Japaner lieben diese modernen "PeopleMover"; Treppen werden von der Mehrheit dezent verschmäht, wenn nicht sogar verachtet.
Beispiel 1: Wenn die Massen aus der U-Bahn strömen, rennen sie alle zielgerichtet zur natürlich hoffnungslos überfüllten Rolltreppe, warten dort aber geduldig, bis sie endlich befördert werden können. Die nebenan liegende, menschenleere Treppe benutzt kaum jemand. Haben sie dann in der U-Bahn-Station selbst die Wahl zwischen der barrierefreien Rampe oder zwei, drei Stufen, 90% nehmen die Rampe!
Beispiel 2: Natürlich sind alle Hochhäuser mit ausreichend Treppenhäusern ausgestattet; man rufe sich nur die ständigen Erdbeben in Erinnerung. Und diese Aufzüge werden ebenso präferiert wie es bei den Rolltreppen der Fall ist. Auch für eine kurze Fahrt vom siebten in den sechsten Stock oder vom ersten in den zweiten Stock, keine Wartezeit scheint den Japanern lang genug zu sein, als dass sie die Treppen als wirkliche Alternative zur Fortbewegung in Betracht ziehen würden. Also warten sie geduldig auf den nächsten Aufzug und verplempern ihre Zeit, die Zeit, die ihnen abends fehlt, um rechtzeitig nach Hause zu gehen, oder sie morgens zum Rennen zwingt.
Beispiel 3: Diverse japanischen Kulturdenkmäler sind in erhöhter Umgebung zu finden; in Kyoto sind zum Beispiel viele Tempelanlagen am Hang errichtet worden. Dennoch scheinen keine Weltkulturrichtlinien zu verbieten, überall einen barrierefreien, oftmals `geschmacklos` ausgeführten Zugang mittels Rolltreppe oder Aufzug anzubringen. . Man wird demnach bequem zum touristischen Gut befördert.
Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass sich das Leben eines gewöhnlichen Japaners zwischen Aufzug, Rolltreppen und Rampe abspielt. Entsprechende Studien wären sicherlich höchst interessant und vor allem unterhaltsam.
Warum die Japaner Treppen nicht mögen, ich weiß es auch nicht. Eventuell kommt ihnen ihr etwas eigener Körperbau in die Quere, denn trotz der bekanntlich generell etwas kleineren Körperstatur, werden Treppen auch hier nach den internationalen Standardmaßen gebaut (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Treppe). Oder die allgegenwärtigen Hinweisschilder “Bei Erdbeben und Feuer den Aufzug bitte nicht benutzen” implizieren, dass Treppen wirklich exklusiv in diesem Fall zu verwenden sind.
Ich erfreue mich somit ungewohnter Freiheit, während ich die Treppen hoch und runter laufe. Letztendlich kann man hierdurch ja auch sein sportliches Defizit etwas ausgleichen, dies wurde ja auch durch Sharon Stone im Film Basic Instinct unterschwellig erwähnt. Ob es den Film in Japan auch zu sehen gab?
25. Februar 2007
Tokyo Ubiquitous Technology Project
Also, nach der Einführung haben wir den relativ unhandlichen Handheld-Computer bekommen und sind dann zwei Stunden durch die Straßen von Ginza gezogen. Alle Informationsinhalte wurden sowohl auf Japanisch als auch in Englisch und Chinesisch angeboten. Was die mit "Tranceport-Information" sagen wollen, hab ich aber nicht verstanden, irgendwie spacig.
Die Informationen kommen dann auf drei verschiedene Arten auf Display. Zum einen kann man an jedem Laternenpfahl eine Routinginformation abfragen, als Ergebnis bekommt man eine Karte mit dem momentanen Standort. Dazu muss man lediglich das vorgehaltene ID-Tag (RFID) scannen. Alternativ kann man auch sein Handy verwenden, dann muss allerdings der QRcode gescannt werden.

Dann gibt es noch die Wireless-Stations, die an verschiedenen Stellen angebracht sind. Hier werden einem dann historische Informationen zugefunkt, entweder in Textform oder auch als Video. Und wenn man an einer Bank vorbei läuft, bekommt man halt die Öffnungszeiten aufs Display.

Auch im Untergrund hat man sich eine Lösung einfallen lassen, hier wird das Informationssignal von kamera-ähnlichen Geräten übertragen, die in der Decke verankert sind.

Zwei Stunden Testen war dann aber auch mehr als genug, irgendwann haben sich die integrierten Informationen wiederholt. Ganz nützlich ist die Standortbestimmung und auch die Möglichkeit, Fahrplaninformationen abzurufen. Letztlich werden sich wohl nur Touristen dazu bereit erklären, ein solches Gerät mit sich rumzuschleppen.

Die Möglichkeit, am Eingang eines Geschäftes das Label zu scannen, um zu erfahren, vor welchem Geschäft man gerade steht, ist doch etwas seltsam, wenn nicht sogar unnötig. Insgesamt war die Software nicht wirklich handlich, das hätte hochwert.net sicherlich besser gemacht. Aber da dieses Projekt immerhin von der öffentlichen Hand ausgerichtet wird, will ich mal nicht meckern (was ich aber dennoch in der anschließenden Befragung mittels Fragebogen gemacht habe...).
Mehr über das Projekt gibt es hier: link
23. Februar 2007
Mit geschlossenen Augen
Vergleichbares gibt es auch bei den fahrradfahrenden Japanern zu beobachten. Zuerst einmal fahren diese auf dem Gehweg und drängen sich ständig zwischen den lästigen Fußgängern hindurch, mit eingebauter Mercedes-Vorfahrtsregel. Und damit sie sich nicht schuldig machen, für den Fall dass sie doch mal jemanden anrempeln, schauen sie einfach weg, wenn sich jemand in den Weg stellt. Damit wollen sie natürlich erreichen, dass der hilflose Fußgänger ausweicht. So funktioniert das hier halt.
Ach ja, eine Sache ist auch sehr verdächtig. Viele Japaner bewegen sich nicht so, wie es die Natur für sie vorgesehen hat. Normalerweise bewegt sich der Mensch ja in die gleiche Richtung, in die er gerade schaut, nicht umsonst haben wir die Augen nach vorne gerichtet. Nicht so die Japaner. Die laufen auf einmal rückwärts, oder in all erdenkliche Richtungen, nur nicht dahin, wo man es erwarten würde. Da man in Tokio nicht gerade oft alleine unterwegs ist, kommt es doch sehr häufig vor, dass man 'freundlich' angerempelt wird.
Also, "Was ich nicht sehe, kann mir auch nicht zur Last gelegt werden" - dieses Motto ist allgegenwärtig.
22. Februar 2007
Und täglich grüßt das Murmeltier
Warum rennen die denn jeden morgen? Haben die keinen Wecker? Oder schaffen sie es einfach nicht, diesen richtig einzustellen? Oder verlaufen sie sich jeden morgen auf dem Weg zur U-Bahn? Hmmm, sehr seltsam....
Dass Sie dann aber noch die Treppen zum Bahnsteig hasten, versteht kein Mensch. Es ist ja nicht so, dass hier alle halbe Stunde eine Bahn fahren würde, nein, morgens steht alle 3-4 Minuten eine Bahn zur Abfahrt bereit.
In der Bahn selbst schlafen die Leute dann gleich wieder, morgens vor allem, und auch spät abends. Tagsüber ist das sinnlose Starren aufs Mobiltelefondisplay (entweder spielen die Kartenspiele oder lesen ihre emails von vor drei Wochen zum x-ten Mal...), beliebt; Mädels, die sich in der U-Bahn schöner zu machen versuchen (schminken), gibt es auch zahlreich. Aber schlafen ist hier der Renner. Wie wäre es mal mit einer sinnvollen U-Bahn-Beschäftigung, zum Beispiel Englisch-Lernen? Ich widme mich ja auch jeden morgen meinen japanischen Hieroglyphen....
Mir scheint es ja so, als wären die lieben Japaner 'leicht' desorientiert und unorganisiert unterwegs. Das fängt morgens mit dem rechtzeitigen Aufstehen an, setzt sich (wahrscheinlich) tagsüber im Büro fort und resultiert abends darin, erst spät nach Hause zurückkehren zu können. Was wiederum ein Defizit an Schlaf nach sich zieht.
Bin mal gespannt, was mir die Tage noch so alles auffallen wird :-)
21. Februar 2007
Hülle ist alles, Inhalt ist nichts
Hmm, wenn man sich diese genauer anschaut, dann sind diese wohl eher das Produkt einer strengen und eingängigen Erziehung (auf den Begriff 'Konditionieren' verzichte ich hier wohl besser, der ist ja eher negativ belegt....), man ist aus Prinzip freundlich und dankbar, zumindest lässt man es nach außen so aussehen. Beinhaltet Höflichkeit somit einen gewissen Anteil an 'Unwahrheit' bzw. unausgesprochener Wahrheit?
Ein weiterer Punkt, in Japan werden dermaßen viele Geschenke gemacht, aber nicht, weil man persönlich das Gefühl hat, jemandem eine Freude zu machen, vielmehr verbergen sich hinter diesem zwanghaften 'Schenken und Beschenkt werden' wiederum klar definierte Regeln. Es gibt eine Vielzahl von Anlässen, zu denen relativ wertlose Geschenke überreicht werden. Da man den Beschenkten nicht in die unglückliche Lage versetzen will, ihn/sie mit einem zu exklusiven Geschenk beim nächsten Mal dazu zu zwingen, ein mindestens ebenso wertvolles Geschenk zu machen. Darum beschränken sich die Geschenke auf allerlei Gebäck und Süßkram, Hauptsache die Verpackung stimmt! Die scheint tatsächlich am wichtigsten zu sein,
darum haben alle großen Kaufhäuser auch ganze Abteilungen mit Geschenkartikeln eingerichtet. Was man kauft ist uninteressant, das schicke Verpackungspapier des Kaufhauses und die dazugehörige Papiertragetasche sagen viel mehr aus als das eigentliche Geschenk.
Sowieso scheinen sich die Japaner über die Plastiktüte, die sie stets bei sich tragen, zu definieren. Neulich habe ich in Shinjuku (Tokio Zentrum) eine adrett und schick gekleidete junge Japanerin mit Plastiktüten der "edlen" Galeria Kaufhof gesehen - anscheinend hat sie diese von ihrer Deutschlandreise mitgebracht und läuft jetzt ganz stolz damit durch Tokio - zeig' mir welche Plastiktüte du trägst, und ich sage dir, wer du bist ;-)
17. Februar 2007
Kinder-geht-nach-Hause-Glocke
Irgendwie hat diese Tradition hier überlebt, gleiches sollte meiner Meinung auch in allen japanischen Firmen eingeführt werden. Vielleicht nicht um 16:30 Uhr, aber um 19:00 Uhr könnte man das arbeitende Volk doch mal daran erinnern, dass sie irgendwo ein zu Hause haben ,und dass es ein Leben nach der Arbeit gibt. Viele scheinen dies komplett vergessen zu haben, oder es wurde ihnen 'wegkonditioniert'. Vielleicht sollte man dann in zweiter Stufe um 20:00 Uhr einfach den Strom ausschalten, dann würden im Winter keine Heizungen und im Sommer keine Klimaanlagen mehr funktionieren, und so die Menschen nach Hause treiben.
15. Februar 2007
Blackfield 2
Also, bitte mal unter www.blackfield.org oder bei www.amazon.de probehören, bei myspace gibt es sie auch, es lohnt sich!
12. Februar 2007
Kamakura Reisebericht
Bilder und Impressionen gibt es hier, und zwar mittels state-of-the-art Technik. Google macht ja viele viele gute Dinge, also viel Spaß:
Tour und Bilder in GoogleMaps anschauenanschauen
Tour in GoogleEarth anschauen
Bilder im Picasa WebAlbum anschauen
9. Februar 2007
Reiseinformationen
Flug
Der Flug von Deutschland dauert um die 11 Stunden, entweder direkt von Frankfurt mit ANA oder JAL, oder mit BA über London. Preislich liegt der Flug je nach Saison bei ca. 650 Euro.
Wann
Die Beste Jahreszeit für Japan sind definitiv der Frühling und der Herbst. Mitte Juni bis Ende August ist es eine Qual, da wirklich sehr sehr heiß und feucht, das sollte sich niemand antun. Aufzupassen ist, dass ihr nicht über die japanischen Feiertage in Japan seid, da reisen nämlich alle im Land herum. Vor allem in der "Goldenen Woche" Anfang Mai geht gar nix. Silvester und Neujahr sind auch eher langweilig, da hier gar nicht gefeiert wird...
Wie lange
Tokyo ist gut für mindestens eine Woche oder 10 Tage, und dann habt ihr noch kein Museum betreten. Für Stadtplaner und Architekten gibt es eh genug zu sehen. Und wenn ihr schon mal da seid, ist auch ein kurzer Trip nach Kyoto unabdinglich, da reichen 2 bis 3 Tage um alles zu sehen. Von Tokyo kann man relativ günstig hinfliegen, der Shinkansan ist eher nicht bezahlbar. Um Tokyo herum gibt es auch noch einiges zu sehen, Yokohama, Kamakura etc.
Kosten
Entgegen aller Statistiken ist Tokyo für Touristen relativ günstig, wenn man keine Unterkunft bezahlen muss ;-) Der Yen ist im Verhältnis zum Euro sehr günstig geworden, vor einem Jahr hat man lediglich 135 Yen für einen Euro bekommen, zur Zeit sind es 158 Yen. Mittags kann man für 3-5 Euro, abends für 4-6 Euro ganz lecker essen. Und der ÖPNV ist auch sehr günstig, meistens zahlt man pro Fahrt zwischen 1-2 Euro. Alles deutlich günstiger als in den Europäischen Metropolen wie London, Paris, Barcelona etc..
Einkaufen
Kommt mit relativ leeren Koffern, wenn ihr euch neu einkleiden wollt. Kleidung ist relativ günstig, China ist ja gleich nebenan. Vor allem Business-Kleidung ist relativ günstig, also Hemden, Anzüge und so weiter. Die Qualität ist dennoch sehr gut. Die Schicki-Micki-Blender-Marken aus Italien kosten dementsprechend mehr. Elektronikartikel kann ich eher nicht empfehlen, die sind zwar etwas günstiger als in Deutschland, aber dann muss man eventuell Steuern bezahlen.
Anreise
Falls ihr zum ersten Mal nach Japan reisen solltet, versucht an einem Samstag oder Sonntag anzukommen, dann kann ich euch abholen. Ist doch schon alles etwas anders, niemand spricht Englisch und man geht leicht verloren. In unserer Wohnung können wir problemlos zwei weitere Leute unterbringen, alleine in Tokio rumzulaufen ist wohl eher anstrengend, zu zweit ist man doch sicherer...
Also, wir würden uns wirklich auf euren Besuch freuen. Falls ihr Interesse habt, schreibt mir mal per email, und wir arrangieren die Zeitplanung.
p.s.: Bitte beachtet bei all euren Planungen, in eurem Koffer muss mindestens Platz für ein 750g Nusspli-Glas sein.....
8. Februar 2007
Nachtrag Japan und Umweltschutz
So geht es ja nicht.....
7. Februar 2007
Lektorin
In Zukunft wird aber alles besser, da ich dann auf die Mithilfe einer Lektorin (!) zählen kann. Sollte es ihr tatsächlich gelingen, nur meine Fehler und nicht gleich die ganzen Blog-Einträge zu beseitigen (hihihi...), wird es wohl sehr viel einfacher für euch sein, meine zu LCD gebrachten wirren Gedankengänge nachvollziehen zu können.
4. Februar 2007
UN-Klimabericht
Auch in Japan hat es der Klimabericht so gut wie nicht in die Medien geschafft. Mal abgesehen davon, dass die Japanischen Nachrichtenprogramme im Fernsehen eh nur von Belanglosigkeiten berichten, haben es auch die Zeitungen kaum wahrgenommen. Wenigstens auf der Titelseite der englischsprachigen JapanTimes gab es einen Bericht - zu meiner Beruhigung. Allerdings will man das japanische Volk wohl nicht beunruhigen, und verzichtet einfach auf die Berichterstattung.
Da das Problem des Klimawandels allerdings sehr von den persönlichen Lebensstilen verursacht wird, ist die Nichterwähnung als kritischer Fauxpas anzusehen. Bitte haltet allen Leuten vor, was sie momentan falsch machen!
Gerade ein Land wie Japan, das durch das Klimaprotokoll von Kyoto ja zu Ruhm gekommen ist, hält es mit dem Umweltschutz sehr unterschiedlich. Von der Energieverschwendung aufgrund mittelalterlicher Bautechniken habe ich ja bereits zuvor berichtet. Mülltrennung gibt es hier, aber nur in 'Burnable' (Papier und Bio) und 'Non-Burnable' (Plastik). Dazu werden allerlei Verpackungen gesondert gesammelt, Dosen, Tetra-Paks, Styropor etc. Ein fortschrittliches System wie den Grünen Punkt gibt es allerdings nicht.
Die einfachen Lehren der Kreislaufwirtschaft lauten schließlich 1. Vermeidung, 2. Recycling, 3. stoffliche Verwertung, 4. sonstige Verwertung mit Verbrennung und 5. Beseitigung. In Japan wird Punkt 1 völlig ignoriert. Versucht doch mal, einen Japaner ohne Plastiktüte zu finden, unmöglich. Oder die wirklich übertriebenen Verpackungen, alles doppelt und dreifach, Hauptsache es sieht gut aus.
Würde sich Japan um die Mitgliedschaft in der EU bewerben, es würde wohl noch weniger Chancen haben als derzeit die Türkei...
Also dann, bitte alle schon mal Sonnencreme mit Faktor 500 und das Schlauchboot klar machen, nur für den Fall!
3. Februar 2007
Volles Programm
Gestern sind wir mit der gesamten Mannschaft zum Abendessen gegangen, also meine Willkommens-Party. Nachdem wir sehr sehr viel (mir zum Teil unbekannte Dinge) gegessen und getrunken haben, ging es in der zweiten Runde (die Japaner bezeichnen dies mit dem Wort Nijikai) dann ganz typisch in eine KaraokeBox. In einer kleinen Kabine ohne Fenster wird dann während weiterem Alkoholgenuss gesungen ,was das Zeug hält. Vorzugsweise japanische Popsongs, die sich meinem Verständnis für Musik und Melodie noch nicht erschlossen haben. Da jeder in Japan zu rauchen scheint, ist der Aufenthalt in einer solchen Box nicht gerade als "gesundheitlich-hilfreich" anzusehen;trotzdem macht es irgendwie Spaß. Ob meinen neuen Kollegen allerdings meine Version von Wanderwall gefallen hat,lasse ich mal dahingestellt...
Der Weg zurück nach Hause geht dann in der Nacht nur noch mit dem Taxi, die letzen U-Bahnen fahren je nach Linie schon kurz nach Mitternacht. Während der halben Stunde im Taxi habe ich mich dann ganz nett mit dem Taxifahrer unterhalten - und zwar auf Japanisch! Bin ganz stolz, dass ich so gut wie alles verstehen und sogar auf seine Fragen antworten konnte.
Gegen 2 Uhr morgens war ich dann endlich zu Hause, jetzt ist zuerst einmal Wochenende und relaxen angesagt :-)
1. Februar 2007
Urlaub vorbei, ab jetzt ist Arbeit...
Endlich, mehr als drei Jahre nach meinem Uniabschluss bekomme ich die Gelegenheit, Stadtplanung zu machen. Da mich in Deutschland ja niemand wollte halt jetzt für Nikken Sekkei in Tokyo, Japan (Hallo Deutsche Regierung, denkt mal nicht so sehr über irgendwelche Pseudo-Elite-Unis nach, sondern haltet eure besten Absolventen im eigenen Land, das wäre viel wichtiger...).
Heute morgen haben wir zuerst einmal eine kleine Vorstellungs-Tour gemacht. So viele fremde Namen und Gesichter, ich werde wohl Wochen brauchen, bis ich die alle richtig zuordnen kann. Scheinen alle ganz nett zu sein, einige sprechen sogar etwas Englisch. Aber ich habe auch meine rudimentären Japanischkenntnisse zum Besten gegeben.
Meinen Vertrag habe ich noch nicht unterschrieben (da ich klugerweise meinen Pass und mein Visum zu Hause vergessen habe), den werde ich mir wohl über das Wochenende erst einmal gründlich von meiner Lieblingsjapanerin checken lassen. Soviel weiß ich aber schon, werde vorerst mal als Teilzeitkraft eingestellt, so habe ich hoffentlich genügend Zeit, meine Japanischkenntnisse zu verbessern. In Punkto Bezahlung muss man sich in Japan leider an ganz andere Dimensionen gewöhnen als in Deutschland, ich schätze die Entlohnung eher als eine Art Aufwandsentschädigung ein. Da es aber irgendwie zum Überleben reichen sollte, muss ich eventuell nochmal Nachverhandeln, sonst bin ich trotz Arbeit (Teilzeit heißt hier max. 6 Stunden pro Tag, also 30 Stunden die Woche.) in einem halben Jahr bettelarm. Auch wegen der 20% Pauschal-Steuer, die mein Working-Holiday-Visum verursacht.
Ein wenig mehr als ich bei McDoof fürs Hamburgerverkaufen verdienen würde sollte schon drin sein, oder? Auch wenn ich die Sprache noch nicht wirklich kann.
Anders als in Deutschland gibt es in Japan keine 'Pendlerpauschale', die wird hier von den Firmen übernommen, den Mitarbeitern werden die Anreisekosten bis zu einem bestimmten Betrag (in meinem Fall bis zu 65 Euro im Monat) erstattet. Wenigstens das.
Zu den Projekten will ich mich noch nicht äußern, weiß auch gar nicht, ob ich das offiziell darf. Aber mit Dubai und Almaty stehen mir wohl zwei internationale Projekte ins Haus - zumindest war alles, was ich heute zu Lesen bekommen habe, in - wenn auch zum Teil gebrochenem - Englisch (irgendwie bekommen die Japaner das mit den Artikeln nicht auf die Reihe, sowohl im Deutschen als auch im Englischen nicht...).
Gut, morgen um 10 Uhr geht es weiter. Und morgen Abend steigt die erste Abteilungsparty, da bin ich mal gespannt :-)
30. Januar 2007
oh je, Japan...
Im Preface steht da:
Embarking into the global era, the foreign residents in Japan are increasing yearly. Foreigners in Japan are bursting in numbers, as we see them everywhere, such as in streets and transportations. We have come to a point where we can not imagine Japan without foreigners. ...
Geschrieben im September 2006 vom Direktor der TOP Language Co., Ltd., Herrn Teruko Furuichi.
Mal ganz ehrlich, in welchem Jahrtausend leben die Japaner eigentlich? Verkaufen ihre Gameboys in der ganzen Welt, stützen ihren Wohlstand - ebenso wie die Deutschen auch - auf den Export und Handel mit anderen Ländern. Aber tief im Inneren leben die doch noch sehr abgeschottet und für sich, da scheinen selbst im Jahr 2006 "Foreigner" noch etwas besonderes zu sein.
'Foreigners' - was erlaube Foreigners!? Sich einfach in japanische Straßen blicken zu lassen und japanische U-Bahnen zu benutzen. Ohne Worte...
Und dann auch noch die Verwendung des ja eher mit einer negativen Bedeutung assoziierten Begriffs 'bursting' - fühlt man sich wirklich durch solch eine Einleitung Willkommen im Land des Fuji? Motiviert eine solche Einleitung wirklich dazu, Japanisch zu lernen? Na ja, ich bin ein wenig irritiert, um nicht zu sagen geschockt über eine derart eingebildete Meinung. Immerhin will der Verlag doch Geld mit den 'Foreigners' verdienen, oder? Wie kann ein solcher Text überhaupt veröffentlicht werden...
Na ja, gefühlsmäßig sind die Japaner wohl noch nicht in der 'global era' angekommen, lediglich wirtschaftlich haben sie es schon verstanden. Ach, der Prozentsatz der 'Foreigners' liegt in Japan derzeit ungefähr 1%:
Ethnic groups laut CIA Factbook:
Japanese 99%,
others 1% (Korean 511,262, Chinese 244,241, Brazilian 182,232, Filipino 89,851, other 237,914)
In Deutschland liegt die 'Foreigners'-Quote derzeit bei ca. 9%, wobei im Zeitalter eines gemeinsamen Europas die Definition der 'Foreigners' nicht mehr ganz passend sein dürfte.
Japan, Willkommen in der Gegenwart! :-)
29. Januar 2007
ipod und Apple
Die Japaner sehen dies wohl etwas anders, denn hier zählt der weiße ipod zur Standardausstattung, ebenso wie mindestens ein Produkt aus der geschmacklosen Handtaschen- und Portemonnaieserie von Louis Vuitton (Link). Japan ist wirklich ein Land, in dem Markenhersteller glücklich werden können......
Süddeutsche Zeitung: Die Apple-Lüge
22. Januar 2007
Warme Häuser, kalte Häuser
Denn bis heute schaffen es die Japaner nicht, vernünftig isolierte Häuser und Wohnungen zu bauen. Auf jeden Fall im Wohnungsbau nicht. So kommt es, dass die Wohnungen und Häuser im Winter verdammt kalt sind, und im Sommer bei Temperaturen um die 40°C sehr, sehr warm. Um diesem entgegenzuwirken, wird aber nicht an der Isolierungstechnik gefeilt, sondern es werden im Sommer Klimaanlagen verwendet (das haben die wohl nach dem Krieg von den Amerikanern 'gelernt'), oder es wird die schon angesprochene Tradition mit dem beheizbaren Tisch in die Gegenwart gerettet.
Unsere Wohnung macht da keinen Unterschied, die Fenster sind alles andere als dicht. Von der simplen Einfachverglasung und fehlenden Gummierung an den Nahtstellen mal abgesehen, sehen die Fenster aus wie ein Relikt aus einer fernen Vergangenheit. Zum Beispiel, unser Schlafzimmerfenster haben wir mit drei (3!) Wolldecken abgedichtet - trotzdem zeigt das Thermometer nur den Wert von 12°C an. Wofür zahlen wir eigentlich Miete?!
Diese einfachen Fenster finden aber auch weiterhin in neuen Häusern Verwendung. Wollte man in Japan den in Deutschland gerade initiierten Energiepass für Häuser einführen, man müsste wohl mehr als die Hälfte aller Gebäude nachbessern.
Gerade hier sollte jedoch der Klimaschutz schleunigst Einzug halten; oder kann (darf) sich ein Land wie Japan ohne natürliche Rohstoffvorkommen diese maßlose Verschwendung an kostbarer Energie auch in Zukunft leisten? Hier ist also ein großer Unterschied im Vergleich zu Deutschland zu erkennen, wo im Bereich Bauen sehr viel mehr auf moderne Technik gesetzt wird. In Japan (und vielen anderen Ländern natürlich auch) scheint moderne Bau- und Isoliertechnik noch nicht selbstverständlich zu sein.
Dies steht im krassen Gegensatz zu den ganzen technischen Spielereien, die sonst so in einem japanischen Haushalt zu finden sind, wobei die Spitze des Eisberges natürlich die High-Tech Toiletten sind....Toiletten in Japan − Wikipedia
Wenigstens werden die Kinder bereits seit dem Schulalter auf diese missliche Situation vorbereitet. Die Schuluniformpflicht sieht es zu jeder Jahreszeit vor, dass die Mädchen in kurzen Röcken herumlaufen müssen. Auch ist es nicht selten, dass die Jungs in den Wintermonaten in kurzen Hosen herumlaufen.
Neuerdings gibt es auch eine staatliche Innovationen, die unter den Initiativen WarmBiz bzw. CoolBiz gestartet worden sind. Demnach werden japanische Büroarbeiter im Sommer dazu aufgefordert, im Büro nur leichte Kleidung zu tragen (also keine Krawatte!) und für den Winter gibt es in den Kaufhäusern speziell ausgeschildert, warme Kleidung. Dies ist wiedermal ein gutes Beispiel dafür, wie man bei der Lösung eines Problems nicht an dessen Ursache arbeitet, sondern vielmehr die Linderung der Auswirkungen in Angriff nimmt - Politik eben.
17. Januar 2007
Erdbeben der Stärke 5,7 in Japan
Tokio (AP) Ein Erdbeben der Stärke 5,7 hat am Montag Japan erschüttert. In der Hauptstadt Tokio gerieten mehrere Gebäude ins Schwanken, Berichte über Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht. Das Zentrum des Erdstoßes lag nach Angaben des staatlichen Wetterdienstes rund 150 Kilometer westlich von Tokio.
Hört sich irgendwie gefährlich an - ich hab es natürlich mal wieder verschlafen und erst heute davon erfahren.....
13. Januar 2007
Anleitungen und Schilder
Nun, in Japan gibt es ähnlich viele Hinweise und Anleitungen und Schilder. Überhaupt, die Japaner lieben Schilder, am besten mit ganz viel (unnötigem) Text und lustiger Bebilderung. Anscheinend will/muss man allen Japanern immer und überall bis ins Details erläutern, wie was zu funktionieren hat. Ohne diese bebilderten Anleitungen kommen sie wohl im Alltag nicht zurecht.
Beispiele gibt es genug, hier eine kleine Auswahl:
1. Auch wenn der Parkplatz noch so klein ist, ein verwirrendes Schild hat doch noch nie jemandem geschadet, oder? "Parkst du schon, oder versuchst du immer noch das Schild zu deuten?!"

2. Als ich meine neuen Adidas-Sportschuhe ausgepackt habe, ist mir ebenfalls ein kleines Anleitungsheft in die Hände gefallen. Da wird den lieben Japanern verdeutlicht, dass man doch ordnungsgemäß in die Schuhe "einsteigt" - ansonsten halten die Japaner ja nix von Schnürschuhen, die müssen ja fast überall das traditionelle Prozedere "Schuhe aus - Schuhe an" praktizieren.

Und weil dies noch nicht genug ist, werden auch noch diejenigen versorgt, die in der Grundschule gefehlt und die Schleife nicht gelernt haben....

3. Auch bei unserem Bügelbrett war eine Anleitung dabei. Zwei DIN A4 Seiten, die erklären, wie das Bügelbrett aufzustellen ist. Völlig belangloser Quatsch also.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele zeigen. Stellt sich die Frage, warum all das? Meiner Meinung nach sind dies die Folgen des aktuellen Bildungssystems in Japan. Hier scheint wirklich alles nach dem Muster "Vormachen-Nachmachen" zu funktionieren, der Schritt zum eigenen Denken und Kreativität fehlt komplett. (Immerhin hat es Toyota irgendwie geschafft, durch Abgucken und Nachmachen heute bessere Autos als Daimler zu bauen....)
Dies hat seit neuerdings auch die Regierung erkannt, und nun werden Maßnahmen ergriffen, wie den Schülern und Studenten mehr Kreativität und Eigenständigkeit vermittelt werden kann. Dies schein mehr als notwendig zu sein.
Bis es soweit ist, erfreue ich mich auch in Zukunft an den zahlreichen sinnlosen, aber durchaus amüsanten Schildern und Hinweisen :-)
P.S.:
Ok, es geht noch schlimmer, oder wie ist dieses Schild im Zhongshan Park in Shanghai zu deuten?! - "Es ist verboten, hier zu ertrinken." oder wie?
10. Januar 2007
Japanische Lebensmittel
Ich stelle mir nur vor, ein Abendessen in Deutschland mit internationalen Gästen, es wird ein "holländischer" Blattsalat mir "spanischen" Tomaten und "belgischen" Zwiebeln aufgetischt, dazu "italienisches" Olivenöl und "französische" Croutons aus "deutschem" Brot (das eventuell dann noch aus russischem Weizen, ukrainischem Zucker mit irischer Butter und Hefe in einem Ofen eines Schweitzer Herstellers durch einen Lehrling aus dem ehemaligen Jugoslawien gebacken wurde...) usw. - wäre ziemlich albern, oder? Ich denke, ich begrenze das Beispiel mal auf der Vorspeise....
Als lange isolierter Inselstaat mit kaum nennenswerter landwirtschaftlicher Produktion, lässt sich die extreme Hervorhebung des Nationalstolzes eventuell erklären. Aber vielleicht sollten die lieben Japaner lieber auf ihre innovativen, umweltfreundlichen Hybrid-Motoren oder aktuellen Spielkonsolen stolz sein als auf die Produktion von einfachem Gemüse...aber das wird hier als viel selbstverständlicher hingenommen.
Auf der anderen Seite werden ausländische Produkte ebenfalls als "italienische" Pasta oder "französischer Schokoladenkuchen" hervorgehoben. Dabei ist es vollkommen egal, ob das Produkt tatsächlich aus dem jeweiligen Land kommt, sobald der Name stimmt, kennen die hier keinen Skrupel. Kürzlich hat mich dann im Supermarkt ein Bier angelacht mit dem Namen "Brau Meister". Gut, die Japaner haben alles rund um das Bierbrauen von den Deutschen gelernt, also vermutete ich hinter dieser Offerte einen geschmacklichen Hochgenuss. Leider wurde ich enttäuscht, außer dem Namen waren keine deutschen Qualitäten zu erkennen. Schade eigentlich.
