27. Mai 2007

German Fest

Zufällig habe ich in der letzten Woche in einem Newsletter gelesen, dass im Stadtteil Hibiya für eine Woche das German Fest stattfindet. Nach einem Besuch der angegebenen Internetseite (link) konnte ich nicht umhin, mir das ganze aus der Nähe anschauen zu müssen.



Zu aller erst will ich mal auf das rhetorische Meisterwerk "German Fest" eingehen. Da findet in Japan ein Fest deutscher Prägung statt. Und was machen die? Die nehmen ein englisches Wort, kombinieren es mit einem Deutschen, und am Ende sollen die Japaner verstehen?! Was hat hier überhaupt ein englischer Begriff zu suchen? Verstehe das wer will...Mit dem Begriff "Oktoberfest" können übrigens ALLE Japaner etwas anfangen.

So sind wir heute, Ende Mai, zum Oktoberfest gegangen. Hibiya Park, der Veranstaltungsort, wird auf einer japanischen Internetseite wie folgt beschieben:

The parkland verwendete, der Palastbereich des Feudallords, Matusdaira Bizennokami zu sein, herauf bis das Ende der Edo Periode. Dann diente er als Militarparade, die wahrend der Meiji Periode gerieben wurde. Spater wurde dieser Park entworfen und konstruiert, wahrend das erste Stadtischart Park in Japan westernized. Die grose im Freienmusikhalle, die kleine im Freienmusikhalle und die allgemeine Halle Erscheinenbegeisterung des Park-Entwerfers als Vorlaufer der Kultur.


Aha, alles klar! Es lebe das gediegene Halbwissen und Online-Übersetzungsprogramme. Was es festzuhalten gibt, der Park ist der erste westlicher Prägung in Japan. Und diese Woche findet dort halt das Oktoberfest statt. Ist eigentlich eine sehr schöne Location (Ort), die Bierbänke waren rund um eine kreisförmige Wasserfläche aufgestellt.

Und überall gab es deutsche "Köstlichkeiten", wie etwa Maultaschen (als "Deutsche Ravioli" angepriesen), Schupfnudeln (mit Ketchup), Spießbraten usw. Auf einer Bühne gab es ein musikalisches Begleitprogramm, welches sich während unseres Besuches auf junge japanische Rap-Bands begrenzte.

Wichtig, es gab DEUTSCHES BIER VOM FASS, sowohl Spaten als auch Franziskaner, Köstritzer, Bitburger und Erdinger! Hier bin ich doch zu Hause. Auch wenn mich der aus Mainz stammende "Barkeeper" vom Spatenzelt zu sich locken wollte, musste ich ihm doch sagen, dass ich schon von Geburt wegen eher zum Erdinger greifen müsste. Was er auch anstandslos verstanden hat.

Mein wohlgeformtes Erdinger vom Fass hat dann zwar ein kleines Vermögen gekostet - umgerechnet gut 7 Euro - aber es war jeden Yen wert. Als ich es in Empfang genommen habe, habe ich mich wahrscheinlich gefreut wie ein Kind über seine erste Playstation.

Übrigens, ganz am Rande des Festbereichs gab es auch ein paar Stände, wo man Japanisches Essen kaufen konnte. Man will die Japaner wohl nicht überfordern, beim Bier ist das wohl in Ordnung, da sind die Deutschen auch nach ihrer Ansicht besser als sie, aber im Bereich Nahrungsmittelaufnahme... Ich musste meine Maultaschen dann auch mit Stäbchen essen, was für eine Erfahrung.

Hibiya Koen Oktoberfest

Martin im Wald (Tour 26)

Gestern waren wir wieder im Oku-Musashi-Gebirge unterwegs. Dieses Mal ging es vom Bahnhof Musashiyokote hinauf zum Hiwadasan und zurück zum Bahnhof Koma.

Hiwadasan Hiking Track 26


Informationen auf Japanisch gibt es hier: Link

Am Ende ging es ziemlich steil bergauf, dafür gab es oben einen tollen Ausblick. Und auf dem Weg zum Bahnhof sind wir noch an einer kleinen Flussaue (Karte) vorbeigekommen, die sich perfekt zum Grillen eignen würde - da werden wir bestimmt mal wieder hinfahren.

26. Mai 2007

Gummistiefel

Gestern hat es in Tokio geregnet, nicht sonderlich stark, aber irgendwie den ganzen Tag lang. Diese Unverschämtheit des Wetters wurde den lieben Japanern bestimmt am Abend vorher in den Nachrichten ausführlich mitgeteilt, so dass sie sich am nächsten Tag auch ja auf diese prekäre Situation vorbereiten und einstellen konnten.

Nun habe ich ja bereits von der engen Verbundenheit der Japaner mit ihren Schirmen berichtet, gestern sind sie aber dann zum Level 2 der Regenabwehrmaßnahmen übergegangen. Was passiert ist? Nun, für die paar Meter, die sie täglich überirdisch und somit der Laune des Wetters ausgesetzt zurücklegen müssen, haben sie mehr oder weniger passend zu ihren Armani-Anzügen und Gucci-Kostümen Gummistiefel getragen. Richtig gehört, GUMMISTIEFEL. Und zwar ganz handelsübliche, mir kam es so vor, als wollten die in der Mittagspause mal eben zu ihrem Reisfeld,um die Saat zu prüfen. Aber nein, sie wollen einfach nur nicht nass werden. Eins sei angemerkt, auch in Tokio sind die Straßen geteert und die Gehwege gepflastert.

Von meiner Freundin habe ich dann erfahren, dass Gummistiefel derzeit auch ohne Regen ganz im Trend liegen bei den Japanern. Na ja, jedem das seine.

Jetzt bin ich aber dann doch noch mal gespannt, was die Jungs und Mädels machen, wenn die Taifun-Saison losgeht und es endlich mal zu richtigen Regenfällen kommt. Wahrscheinlich stülpen sie sich dann einen Raumanzug über oder so.

23. Mai 2007

Frosch

In meiner Firma finden ab und zu sehr seltsam anmutende Emails ihren Weg in mein Postfach. Glücklicherweise muss ich mich im Normalfall nicht weiter damit aufhalten, weil ich ja eh nix verstehe ;-) Aber diese hier zeigt mal wieder das wahre Wesen der Japaner:



Nicht nur, dass dieses kindische Ding überhaupt bei uns aufgestellt wird - schließlich ist es doch das größte Architekturbüro der Welt, da kann man doch etwas mehr Geschmack erwarten. Nein, besonders kritisch ist die Erläuterung seitens unserer Sekretärin zu sehen, die nochmal für alle Minderbemittelten erklärt, wo denn die 100 Yen einzuwerfen sind - als ob es nicht ausreichen würde, dass genau dies schon in der großen roten Sprechblase Erwähnung findet.

So geht das hier aber mit allem, ohne Beschreibung geht nix, auch für die einfachsten Dinge. Habe ja schon einige Male ein paar Anleitungen gepostet - hier also ein weiterer Beleg für die mangelnde Auffassungsgabe der Japaner...

17. Mai 2007

Kabuki

Am Montag habe ich mir die volle Dröhnung japanischer Kultur gegeben und bin mit meiner Tandempartnerin (Hallo Ayako ;-)) zum Kabuki gegangen.

Kabuki ist das traditionelle japanische Theater aus der Edo-Zeit. Die Vorstellungen dauern den ganzen Tag an, man kann also zum Beispiel ein Ticket für den Zeitraum von 11 Uhr morgens bis 21 Uhr abends erstehen. Die Akte und Geschichten sind allerdings schön in kleine Abschnitte eingeteilt, was den Japanern erlaubt, sich zwischendurch ihrer liebsten Beschäftigung, dem Essen, zu widmen.

Im Kabuki-Theater in Ginza kann man allerdings auch relativ bezahlbare Tickets für einen Akt kaufen. Dies haben wir dann auch gemacht.

Kabukitheater in Ginza, Quelle Wikipedia

Zum Glück gibt es eine englischsprachige Übersetzung, die nicht nur den Inhalt des Stückes, sondern auch geschichtliche und begleitende Informationen vermittelt.

Die Geschichte, die wir gesehen haben in Kurzform: Die Gruppe der Feuerwehr und die Gruppe der Sumoringer bekommen sich in einer Kneipe in die Haare. Sie bereiten dann einen großen Showdown mit massig Action vor, doch kurz bevor es zu einer Entscheidung in den Kampfhandlungen kommt, taucht jemand mit Symbolen beider Gruppen auf. Dies stellt den Frieden zwischen beiden Gruppen wieder her.

Die Langform: Hmm, eigentlich ist alles gesagt, viel mehr ist in den knapp zwei Stunden nicht passiert (also genau wie in den meisten japanischen Filmen, deren Kunstform das "Nichtssagen" zu sein scheint, oder den japanischen Nachrichten im Fernsehn, die sich nur mit lokalen Belanglosigkeiten beschäftigen.).

Natürlich gibt es auch historisch-geprägte Kabuki-Aufführungen mit tieferen Aussagen und Zusammenhängen...


Zwischendurch wird es ganz lustig, nämlich dann, wenn die Zuschauer die Namen der Schausteller lauthals in Richtung Bühne brüllen. Als wären sie völlig in das Spiel und die Geschichte vertieft. Ist wohl eine Art Tradition, die hier aufrecht erhalten wird.

Letztendlich war der Besuch sicherlich ganz interessant, aber ähnlich der Erfahrung, die ich schon beim Ballett gemacht habe - einmal und nie wieder ;-)

16. Mai 2007

Gut arbeiten: Unsinn Überstunde

Gut arbeiten: Unsinn Überstunde
Extralang am Abend, Sonderschichten am Wochenende, Einsatz von zu Hause: Wer so arbeitet, arbeitet sich kaputt. Den Schaden hat der Arbeitgeber.

Den vollständigen Artikel können Sie sich unter dieser Adresse anschauen:
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/339/113226/

Hmm, wie soll ich das nur den Japanern beibringen, die glauben mir doch kein Wort!

11. Mai 2007

Essen, Essen, Essen

Die Goldene Woche Anfang Mai, in der die lieben Angestellten in Japan mindestens fünf Tage am Stück nicht in ihren Büros Unterschlupf finden konnten, haben viele genutzt, um zu verreisen. Denn mit zwei weiteren Urlaubstagen (Montag und Dienstag) konnte man die freie Zeit sogar auf 9 Tage ausweiten. Einige Firmen machen in dieser Zeit gleich ganz zu, wie die meiner Freundin…

Reisen findet in Japan aus etwas anderen Motiven statt. Hauptsächlich geht es dabei um die gepflegte Nahrungsaufnahme. So beschäftigen sich einschlägige Reiseführer ausgiebig mit den lokalen (und somit einzigartigen…) Speisen. Ich würde behaupten, dass ein japanischer Reiseführer zu 60%-70% aus Beschreibungen von Restaurants und Speisen besteht. Dies ist ausnahmsweise mal KEINE Übertreibung, sondern entspricht den Tatsachen! Der Rest sind dann die sonst im Zentrum stehenden Themen “Point-of-Interests” sowie Informationen zum Transport, der lokalen Kultur, Karten etc..

Auf jeden Fall ist es in den Reiseführern üblich, alle Speisen mit umfangreichen Bildmaterial darzustellen. Hier wird wirklich alles und jedes gezeigt, selbst ein Bild eines stinknormalen Softeises fehlt in keinem Travelguide. Und daneben wird in etwa gleicher Ausführlichkeit ein kulturell-wichtiges Bauwerk beschrieben.

Aber dass sich beim Thema Reisen tatsächlich alles NUR ums Essen dreht, ist mir diese Woche klar geworden. In Japan ist es nämlich üblich, von Reisen kleine Geschenke mitzubringen –für Freunde und Verwandte, hauptsächlich aber für die lieben Kollegen in der Firma. Nach der Goldenen Woche kommt es in der Firma also zu intensiven Austauschprozessen. Wichtig dabei, der lokale Kontext der Geschenke, zumeist ein in massig Plastik eingeschweißter Snack oder Süßigkeit, Hauptsache der Reiseort ist namentlich auf der Verpackung erwähnt.

Kleinste Unterschiede in der Zubereitung werden hier als lokale Spezialitäten verehrt. Werden zum Beispiel von Region zu Region unterschiedliche Zutaten in die Nudelsuppe gegeben (also zum Beispiel Zwiebeln anstelle von Lauch), ist dies in Japan eine Einzigartigkeit ohne Gleichen und wird mit der gleichen Intensität erlebt wie der Besuch einer vielleicht 500 Jahre alten Burgruine.

Wenn man bei der Übergabe der Mitbringsel (“O-Miyage”) die Chance nutzt, mit dem entsprechenden Mitarbeiter einen kleinen Plausch über die gemachten Reiseerlebnisse zu führen (also die Standardfrage stellt: “Wie war die Reise?”), bekommt man mit 90%-iger Sicherheit zu allererst Ausführungen zu den verspeisten, lokalen Köstlichkeiten zu hören, mehr aber auch nicht!

Ähnliches erlebe ich auch immer wieder, wenn ich neue Japaner kennen lerne und diese dann ganz ungezwungen mit meiner Deutschen Herkunft (NEIN – ich bin kein Amerikaner..) konfrontiere. Nach kurzer Zeit wird dann gefragt und überlegt, ob und welche Leckereien denn aus Deutschland kommen. Hier wird jedoch weiterhin die Meinung vertreten, dass Deutsche sich ausschließlich von Sausages ernähren. Diese gibt es hier überall im Supermarkt zu kaufen, wobei das einzig Deutsche daran die kleine Flagge auf der Verpackung ist – alles andere ist leider…..

Na ja, es gibt wohl kein anderes Volk auf diesem Planeten, welches sich derart intensiv über die Nahrungsaufnahme identifiziert. Verstehen kann ich dies nicht, aber jedem das seine, also guten Appetit liebe Japaner.

p.s. Bei den langen Arbeitszeiten und einem Leben ohne Urlaub läuft es wohl darauf hinaus, dass der Nahrungsaufnahme die grösste Bedeutung zukommt – und schließlich zum zentralen Hobby wird. Für anderes hat man hier ja keine Zeit.

Capsule Tower


"Nakagin Capsule Tower to be Demolished
Kisho Kurokawa's iconic Nakagin Capsule Tower is scheduled to be demolished and replaced by a new 14-story tower. The Metabolist capsule building consists of 140 units attached to a central core, articulating the ideology behind the Metabolist movement of the 1960s and 1970s, which envisioned cities formed of modular components."

Hallo?! Geht's noch? In Deutschland werden ganze Schlösser rekonstruiert, und was macht Japan; die reißen auch noch das letzte Stückchen gebaute Geschichte ab - um ein paar Yen mehr zu verdienen. Ohne Worte. Dieses Bauwerk ist eine der wenigen damals realisierten Ideen des Metabolismus, das kann man doch nicht so einfach einstampfen!

Im Internet gibt es schon einen kleinen Aufschrei der Verzweiflung, nur die Japaner verstehen es nicht. Kein Wunder, dass die Städte hier alle gleich aussehen, keine Spur von Historie und/oder Klasse.

Ein Kommentar hat mir sehr gut gefallen. Jemand regte an, ob nicht irgendein Chinese das Ding kaufen, zerlegen und in Shanghai wieder aufbauen wolle. China - Retter der Japanischen Geschichte, das wäre mal ein Coup!

Bilder und Links zur Tragödie:
http://www.inhabitat.com/2007/05/04/modern-prefab-nakagin-capsule-towers/
http://archrecord.construction.com/news/daily/archives/070430kurokawa.asp
http://www.treehugger.com/files/2007/05/icon_of_modern.php
http://www.arcspace.com/architects/kurokawa/nakagin/nakagin.html

9. Mai 2007

8. Mai 2007

Wakura Onsen und Nanao

Nach einer günstigen Übernachtung in der Hotelkette Apa-Hotel (Doppelzimmer umgerechnet 30 Euro) ging es für uns weiter Richtung Nanao und Wakura Onsen (link).

Die Region selbst wurde in der nahen Vergangenheit von einem ziemlich starken Erdbeben heimgesucht, so dass es in den vergangenen Wochen zu erheblichen Rückgängen in Sachen Besucher und Tourismus gekommen ist. Mit einer umfangreichen Werbekampagne versucht man allerdings die Japaner davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung sei – was es eigentlich ja auch ist.

Nun gut, kurz vor der Ankunft wurde im Zug bereits eine Durchsage gemacht, dass sich die Besucher am Bahnhof auf einen lächelnden Empfang freuen können. Da diese Meldung dann noch mehrmals wiederholt wurde, war ich voller Vorfreude auf nette, lächelnde Junge Damen, die mich in Empfang nehmen würden. Meine Kamera schussbereit, durchschreite ich also das Bahnhofstor und sehe mich, nicht wie erwartet einem jungen, lächelnden Begrüßungskommando gegenüber, sondern vielmehr einer Ansammlung älterer Damen im Kimono. Gelächelt haben sie aber.

Wakura Onsen zählt zu den ältesten Badeorten in Japan. Die vielen Hotels im japanischen Stil (ryokan) sind unmittelbar an die Küste gebaut. So ist es möglich, ein warmes Bad zu nehmen und gleichzeitig den Blick aufs Meer zu genießen.

Die Gebäude an sich sind eher unschön, die werden wohl durch das Salzwasser sehr beansprucht und sehen von außen dementsprechend aus. Und dann schließt sich ein Anbau an den nächsten, so dass man innerhalb endlos unterwegs ist und sich nicht wirklich orientieren kann.
Wakura Onsen

Die Übernachtung in einem Ryokan beinhaltet immer ein ausgiebiges Abendessen. Wenn ich mich recht erinnere, waren es bei uns gut 12 Gänge! Nach dem 3. Gang hatte ich eigentlich schon keinen Hunger mehr, und das, obwohl ich eh nicht alles gegessen habe, was mir da von der Servicelady aufgetischt wurde.

Im Ryokan läuft man gewöhnlich in sehr unbequemen Slippern herum, ist halt Tradition in Japan. Geschlafen wird auf dem Boden, ganz klassisch auf ausgerollten Futonbetten.

Obwohl das von uns besuchte Ryokan (link) zu den besseren Etablissements gehört, hat man es nur mit Mühe geschafft, mir zum Frühstück zwei Scheiben Brot und etwas Marmelade zu servieren – das japanische Frühstück sieht nämlich nicht viel anders aus als das Abendessen, also mit Reis, rohem Fisch usw. Daran kann ich mich einfach nicht gewöhnen…Zum Glück gab es in der Lobby Kaffee, so dass sich das Frühstück doch langsam vervollständigt hat.

Nach einem Ausflug in den nächsten Ort Nanao und den Besuch des Straßenfestes haben wir gegen 3 Uhr nachmittags die 5-stündige Rückreise angetreten.

Zum Straßenfest – es war hier “Tag des Kindes”, demnach wurden überall Feste ausgerichtet. Die Art und Weise, wie dies in Nanao organisiert wurde – naja. Irgendwie schlecht. Zum einen schafften sie es nicht, die Strasse für die Fußgänger zu schließen, also drängten sich alle auf den sowieso nicht sehr breiten Gehwegen.
Weiterhin kam man nicht auf die Idee, den schönen Kanal mit in das Fest einzubeziehen – andere Städte würden für das Vorhandensein eines solchen Elementes wohl ihren Bürgermeister verkaufen.

Nanao

Ok, genug “urban criticism” – aber bei solchen Dingen kann ich einfach meinen Mund nicht halten.

7. Mai 2007

Kanazawa

Mi/Do/Fr vergangener Woche haben wir uns in die Präfektur Ishikawa begeben. (Karte)

Mit dem Zug hat es knapp vier Stunden gedauert, bis wir endlich in Kanazawa angekommen sind. Unterwegs wird schnell klar, dass diese Region erheblich zur Reisversorgung in Japan beiträgt - Reisfelder so weit das Auge reicht.

Kanazawa (mehr Infos)hat knapp 450.000 Einwohner und ist im 2. Weltkrieg weitgehend verschont geblieben. Daher findet man hier auch noch einige typische historische Bereiche in der Stadt. Zum einen sind dies die ehemaligen Samurai-Nachbarschaften, die heute zumindest noch in der Form der Erschließung (Straßenverlauf) und der Haustypen vorhanden sind (Die Häuser selbst sind natürlich 'historisierende Nachbauten', schließlich wird hier seit je her mit Holz gebaut, somit irgendwann einem Feuer zum Opfer gefallen...).

Kanazawa - City


Stadtbild-prägend in diesen Stadtbereichen sind vor allem die vielen kleinen Kanäle, die sich entlang der mäandrierenden Straßen schlängeln und die vielen kleinen Brücken zu den Hauseingängen.

Im Teehaus-Viertel gibt es dann auch noch diverse Restaurants, die an das ehemalige Geisha-Viertel erinnern. Auch heute wird man hier nur auf persönliche Einladung als Gast akzeptiert.

Kanazawa Samurai District


Kenrakuen zählt zu den “3 perfekten Gärten” (link) in Japan. Ursprünglich ausserhalb der Befestigungsanlage gelegen, liegt es heute mitten in der Stadt, die sich radial um die ehemalige Burg entwickelt hat. Der Park ist wunderschön mit sehr vielen Wasserläufen, Wasserfällen und natürlichen Springbrunnen . Und an einem so schönen Frühlingstag mit Sonnenschein ohne Ende hat der Besuch gleich doppelt so viel Spaß gemacht.

Gegenüber dem Park befinden sich die Überreste der ehemaligen Befestigungsanlage. Zum Teil hat man die ursprünglichen Gebäude wieder aufgebaut, lediglich das Tor und das ehemalige Munitionslager (ein wunderschöner Holzbau) sind noch Originale.

Kanazawa - Kenrokuen Garden and Castle


Ansonsten besticht Kanazawa durch den breiten Flusslauf und durch ein relativ dörfliches Flair. Wenn man durch die kleinen engen Gassen abseits des Zentrums spaziert, findet man noch Bereiche mit kleinen Geschäften und Läden (was in einem Land der Shopping-Mall-Fanatiker eine echte Besonderheit darstellt…). Und im Stadtzentrum steht mit dem Museum für moderne Literatur, welches im alten Backsteinbau einer ehemaligen Schule untergebracht ist, eines der schönsten Gebäude, was ich bislang in Japan zu Gesicht bekommen habe. Nebenan steht das nicht minder interessante, verlassene ehemalige städtische Verwaltungsgebäude. Ich bin mal gespannt, ob sie es schaffen, dies irgendwie umzunutzen oder ob sie es sich einfach machen und es abreißen…

Der futuristisch anmutende Bahnhof mit seinem imposanten Glasvorbau liegt etwa zwei Kilometer vom Zentrum entfernt, bietet aber einen tollen Empfang für Besucher.

Das 21. Jahrhundert Art-Space in Sichtweite des Parks ist ebenfalls futuristisch geprägt, auch wenn hier der öffentliche Nahverkehr etwas unterschätzt und in der Dimensionierung zu klein geraten scheint...



Nicht zuletzt scheint der historische Flair, der über der Stadt liegt, ausschlaggebend für die diversen Partnerschaften mit ausländischen Universitäten. Zumindest trifft man hier doch schon etwas öfter auf ein westliches Gesicht als sonstwo in Japan.

Negativ ist lediglich der Bau eines riesigen Elevated Highways mitten durch die Stadt. Da zeigt sich mal wieder, dass die Japaner stadtentwicklungstechnisch in den frühen 1960er Jahren steckengeblieben sind. Oder wo in aller Welt werden heute noch solche stadtbildfeindlichen Monster gebaut?

1. Mai 2007

Geschmack

Nach drei Monaten im Büro und somit drei Monaten Anschauungsmaterial in Sachen japanischem Büroalltag, fallen mir insbesondere zwei Dinge auf. Erstens, die Japaner sind gefangen in ihren ach so speziellen und einzigartig-verschriebenen business manners, und zweitens, sie sind völlig geschmacksfrei.

Auch wenn ich meine Firma eher als progressives Beispiel in der japanischen Business-Szene ansehen würde, gibt es auch hier etliche Japan-eigene Regelungen in Sachen Business Manners. Beispiel Telefonat. Im Großraumbüro kommt man nicht umhin, ungewollt das eine oder andere Gespräch belauschen zu müssen/zu dürfen. Es fängt immer mit dem gleichen Paket aus Höflichkeiten und Begrüßung an; und natürlich Entschuldigungen dafür, dass man überhaupt anruft. Dann, nach einiger Zeit, geht es wohl um den eigentlichen Grund des Anrufs, gefolgt von einer der Begrüßung in nichts nachstehenden Verabschiedung. Würde man den ganzen formellen Kram weglassen, das eigentliche Telefonat würde wohl auf 30% der Zeit zusammenschrumpfen. Kein Wunder, dass die Japaner bis spät in die Nacht arbeiten müssen.

Im Büro wird natürlich Pinguin-Tracht getragen, ohne Krawatte geht hier gar nix. Verwunderlich ist, dass es im Büro lediglich bei der Fußbekleidung eine Lockerung zu geben scheint. Auf jeden Fall laufen hier alle Angestellten in den hässlichsten und billigsten Adiletten rum, die die Welt je gesehen hat! Was schon bei den Herren der Schöpfung in ihren maßgeschneiderten Anzügen lustig aussieht, erreicht seinen Höhepunkt bei den jungen Damen, deren Kombi aus Designerkostüm und Slipper zum Schreien komisch ist. Und geschmacklich an der Grenze des Erlaubten. Die Krönung des Ganzen wird durch den Blick auf die Sockenwahl erreicht, hier wird jede (Un-)Farbe mit jeder Farbe kombiniert - als ob wirklich alle farbenblind wären.

Weg zur Arbeit

Diese kuriose Szene hier kann man jeden morgen überall in Tokio beobachten:


Aufgenommen: Freitag, 13. April 2007, 07:28:54


Nur zur Information, die Laufen nicht etwa vor King Kong davon, und trainieren auch nicht für den nächsten Marathon (obwohl, wer weiß das schon...) - die gehen einfach nur zur Arbeit...

30. April 2007

Neue Mitarbeiter - Shin-Nin

Jedes Jahr im April stellen die Firmen in Japan neues Personal ein, und zwar nur zu diesem Zeitpunkt. Wenn man also sein Studium beendet hat und sich durch den endlosen Bewerbungsmarathon (mit hunderten von wahllosen Bewerbungen), der hier veranstaltet wird, gekämpft hat, beginnt pünktlich zum 1. April die "Sklaverei" in der Firma.

Da die Japaner recht "dumm" und unvorbereitet von der Universität kommen (praxisnahe Ausbildung scheinen die Japaner eher weniger zu kennen), durchlaufen sie in der Firma zuerst einmal eine mehrmonatige Eingewöhnungsphase; man könnte dies wohl auch "betriebsinterne Schulung" nennen. So ist es nicht wirklich von Bedeutung, welches Fach man studiert hat; wichtiger ist eher, von welcher Uni man kommt, welche Kontakte man hat usw.. So bekommt man schließlich einen Job. Und die Firma sorgt dann dafür, dass man für die anfallenden Aufgaben qualifiziert wird.

Auch meine Abteilung hat dieses Jahr fünf neue Leute eingestellt und vergangene Woche Freitag war die Willkommensveranstaltung. Zu der Party, die ab 19:30 Uhr in der Firma steigen sollte, wurde unser gesamtes Stockwerk eingeladen (was bei uns gleichbedeutend mit einem großen Arbeitsraum ist und ca. 100 Leute (?) umfasst). Dazu kommen dann noch die Firmenbosse und Vize usw..

Ach ja, "Einladung" ist wohl der falsche Ausdruck, schließlich wurde jeder gebeten, für die anfallenden Unkosten selbst zu löhnen - immerhin gestaffelt nach Position und Einkommen.

Der Ablauf dieser Willkommensveranstaltung war dann für mich doch schon ein wenig überraschend, weil sehr japanisch. Zuerst einmal greifen alle zur Dose aka (zum Alkohol), der in rauhen Mengen und allen Facetten bereitgestellt wurde. Nachdem dann alle bereits ein wenig angetrunken waren, wurde mit kurzen Worten vom Firmenchef das Büffet eröffnet. Sogleich stürzten sich alle auf die Köstlichkeiten, ganz ohne Hemmungen , und häuften so viel auf ihre Teller wie nur möglich.

Wirklich, sobald die Japaner mit Nahrungsmitteln konfrontiert werden, verlieren sie alle guten Manieren! Gleiches ist auch im Supermarkt zu beobachten. Irgendwie wird da der Raubtier-Instinkt reaktiviert - und schon fängt das unkoordinierte Gedränge an.

Nach der kurzen Essenspause und weiterem Genuss alkoholischer Getränke, war es dann an den Neulingen, in einer kurzen Powerpoint-Präsentation eine kurze Selbstvorstellung zu geben. Da zu diesem Zeitpunkt die Mehrheit der anwesenden Gäste bereits in einen berauschenden Zustand verfallen war und niemand den Neulingen wirklich Beachtung geschenkt hatte, hatten die einen wirklich schweren Stand. Persönlich finde ich dies ein Ding der Unmöglichkeit. Da kommen die neuen Leutchen, bereiten eine Präsentation vor und keiner fühlt sich verpflichtet, mal für ein paar Minuten die Luft anzuhalten, um der Vorstellung zu lauschen. Ich war wirklich knapp davor, mich zu Wort zu melden, um für etwas mehr Anstand zu appellieren. - Leider habe ich aber auch gleich erkannt, dass ich da mehr falsch machen kann als richtig und meine Sprachkenntnisse eh nicht ausgereicht hätten...

Die Neulinge haben dann in durchweg ziemlich schlecht gemachten Powerpoint-Präsentationen von ihren bestimmt interessanten Studienarbeiten berichtet, und am Ende sogar von ihren zahlreichen Hobbies erzählt - ob die bereits wussten, dass sie ab sofort das Thema Hobby ad acta legen können?

Die Party zog sich dann noch bis 22:30 Uhr hin, es floss weiterhin Alkohol in rauhen Mengen, und die Diskussionen wurden lebhafter und lauter. Zum guten Schluss haben die mich dann mit einigen anderen, die ebenfalls in den vergangenen Monaten eingestellt wurden, auf die Bühne gestellt - zwecks kurzer Vorstellung. Alle anderen haben natürlich die japanischen Floskel von sich gegeben, ich musste da schon etwas mehr improvisieren. - Zum Glück hat mich mein Abteilungsleiter mit seiner etwas "vorlauten" und "unpassenden" Frage nach der Nationalität meiner Freundin vor versammelter Abteilung unterbrochen. Ob er dies absichtlich oder auf Grund seines gestiegenen Alkoholpegels getan hat - ist mir eigentlich egal. Der folgende Wortwechsel war allerdings ganz lustig und alle haben sich amüsiert. :-)

Und, was bleibt übrig vom Fest? Als ich meine Sachen vom Arbeitsplatz geholt habe, um mich ins Wochenende zu stürzen, fand ich doch tatsächlich knapp 20% meiner Abteilung hinter ihren Computern beim Arbeiten - nach der Party, Freitag Abend, kurz vor 23 Uhr. Traurig, traurig, traurig.....

19. April 2007

Demokratie

Demokratie spiegelt sich im alltäglichen Leben in verschiedenen Ländern der Erde sehr unterschiedlich wider. In den Vereinigten Staaten darf jeder eine Waffe seiner Wahl besitzen, in Deutschland darf man (noch) ungestraft unsinnige Geländewagen durch die historischen (und vom Gelände sicherlich sehr fordernden) Ortskerne kutschieren. In Italien ist es erlaubt, zu jeder Tageszeit und Witterung eine Sonnenbrille zu tragen, an den brasilianischen Stränden darf man jeden noch so kleinen Stofffetzen als Bikini titulieren.

Und in Japan darf anscheinend jeder ein Megaphon besitzen und damit seine (meistens völlig sinnfreien) Weltansichten kundtun.

Jetzt haben wir hier in Tokio gerade die Bürgermeisterwahlen mit all den Wahlwerbungen auf der Straße hinter uns gebracht, da steht auch schon die nächste Wahl an, diesmal irgendetwas in den Stadtbezirken. Mal ganz abgesehen davon, dass es doch relativ unsinnig ist, diese Wahlen im Zeitraum von drei Wochen an zwei unterschiedlichen Wochenenden zu veranstalten.

Auf jeden Fall werde ich jetzt wieder jeden Morgen an der U-Bahn-Haltestelle von irgendwelchen Partei-Anhängern per Megaphone begrüßt. Hört sich alles nicht so dramatisch an, aber:

Nachdem ich morgens sanft von den ersten Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne geweckt werde (was aufgrund der fehlenden Sommerzeit hier schon um 5 Uhr morgens! passiert...) stelle ich während meines gemütlichen Frühstücks mit der Tagesschau des vergangenen Abends aus Deutschland fest, dass sich die guten Politiker in Deutschland immer noch mehr um sich selbst als um ihr Land kümmern. Wenn ich dann meinen Blick aus dem Fenster schweifen lasse und die ganzen Workaholics auf ihrem allmorgendlichen Jogging-Lauf zum Büro beobachte, bin ich dann auch bald bereit die Wohnung in freudiger Erwartung auf meinen interessanten Job zu verlassen.

Wenn mir dann aber schon nach weniger als 3 Minuten vor der U-Bahn-Haltestelle jemand mit einem Megaphon in entsprechender Lautstärke aus weniger als 2 Metern Entfernung einen "Guten Morgen" wünscht - dann ist das doch schon jetzt des Guten zu viel; immerhin ist es da gerade mal 8 Uhr in der Früh. Und heute morgen haben sich zwei dieser Krachmacher duelliert. Würde so etwas in den USA passieren? Ich bin mir nicht sicher, welche Folgen dies nach sich ziehen würde.

(Bildqualität ist miserabel, ich weiß, aber es geht mir vor allem um das Sound-Erlebnis...)

Wie können diese Wahlwerber denken, dass sich irgendjemand morgens kurz nach dem Aufstehen davon angesprochen fühlt? Ich würde sofort jemanden wählen, der sich morgens an den Eingang der U-Bahn-Haltestelle stellt und demonstrativ NICHTS von sich gibt.

Nun gut, genug gemeckert ... zum Selbstschutz hilft da nur ein mp3-Player mit lauter Musik, auch nicht so das Wahre für den frühen Morgen, aber immerhin besser als diese Töne aus den Megaphonen.

18. April 2007

Im Supermarkt (3)

nein, es ist noch nicht vorbei, hier der dritte Teil der Supermarkt-Trilogie:

Sobald man seine Körbchen gut gefüllt hat, geht es zur Kasse. Dort bilden sich nicht nur zu den Stoßzeiten lange Schlangen. Warum? Weil die Japaner gerade hier auf Fließbänder verzichten! Man stellt also sein Körbchen auf die linke Seite der Kasse/ des Scanners. Die guten Kassierer und Kassiererinnen heben dann jedes einzelne Produkt aus dem Körbchen, vergewissern sich dabei, dass damit auch alles in Ordnung ist und halten es anschließend unter den Scanner. Dann lesen sie dem Kunden den Preis vor, so dass hier ja keine Missverständnisse passieren. Ist dies geschafft, kommt es rechts von der Kasse in ein vorher hier aufgestelltes, leeres Körbchen, und das ganze Prozedere wird für den nächsten Artikel veranstaltet. Und dies dauert und dauert und dauert. Man könnte meinen, dass es sich hier nicht um Lebensmittel, sondern vielmehr um wertvolle Diamanten oder Gold-Nuggets handeln würde.

Hat man am Anfang vergessen, eine hierfür vorgehaltene Karte mit in sein Körbchen zu legen, wird man am Ende mit Unmengen von Plastiktüten zugeschüttet, ungefähr eine pro Produkt. Und wenn man irgendetwas Tiefgefrorenes gekauft hat, gibt es nochmal eine extra, damit hier ja nichts feucht wird.

In Sachen Bezahlung sind die Japaner dann wieder besser aufgestellt. Nachdem man der Kassiererin den Geldbetrag übergeben hat, werden die Geldscheine und Münzen automatisch in die Kasse eingezogen, gezählt und das entsprechende Wechselgeld berechnet. Dieses sprudelt dann aus der Kasse, als hätte man den Jackpot gewonnen. Zuerst werden dann vor den Augen des Kunden die Scheine gezählt, anschließend gibt es die Münzen fein säuberlich angeordnet samt der Rechnung. Fertig.

Warum gerade hier keine Fließbänder zum Einsatz kommen. Entweder aus Platzgründen, oder die Japaner stehen einfach sehr gerne in der Schlange, oder man will es dem Kunden nicht abverlangen, seine vorher mühsam zusammen-gesammelten Waren an der Kasse aus dem Körbchen auf ein Band zu hieven. Schlussendlich wäre damit aber vor allem den Kunden geholfen, weil alles viel schneller und effizienter funktionieren würde.

17. April 2007

Im Supermarkt (2)

Also gut, während man sich so seinen Weg durch die engen Supermarktgänge erkämpft, wird man nicht wie in Deutschland mit einschläfernder Musik betäubt, nein, an jeder Ecke scheint ein billiges CD-Radio zu stehen, aufgedreht bis zum Anschlag. Aus dessen Lautsprecher werden dann die neusten Angebote ausgerufen, in einer Endlosschleife. Ich bin froh, dass ich nichts verstehen kann und somit auch nicht intellektuell verarbeiten muss.

Am Wochenende werden dann an allen bis dato noch nicht besetzten Ecken Gratisproben vieler Waren ausgegeben, zum Mittagessen kann man eigentlich in den Supermarkt gehen und sich durchfressen. Danach ist man garantiert satt.

Dass in Japan Lebensmittel sehr viel teurer sind als in Deutschland muss ich ja nicht extra erwähnen. Die Japaner müssen schließlich alles importieren. Nur Sushi ist sehr günstig, und nach 19 Uhr wird der Preis nochmals halbiert. Man kann also acht große Maki-Rolls für weniger als einen Euro erstehen.

Sehr lästig ist, dass sich die Preise jeden Tag ändern. Unser Brot scheint sich entweder an den aktuellen Weltmarktpreisen für Weizen zu orientieren, oder man hat hier einfach Langeweile und ändert darum jeden Tag den Preis. Gleiches ist bei Äpfeln und Bananen zu verfolgen.

16. April 2007

Im Supermarkt (1)

Auch nach vier Monaten will ich meinen, dass ich höchstens 20% aller Produkte im Supermarkt irgendwie erkennen und einem Namen bzw. einer Herkunft zuordnen kann. Alles andere bleibt mir verschlossen. Was ich allerdings nicht nur auf die Sprachbarriere schieben würde. Die Japaner scheinen hier wirklich alles aus dem Meer zu holen, was sich irgendwie bewegt (oder sich jemals bewegt haben könnte) )und kochen lässt. Na ja, anderes Land, andere Sitten.

Ganz zu Anfang fallen einem dennoch die völlig anderen Einkaufswagen auf. Sie sind sehr viel kleiner und kürzer geraten und zudem als Doppeldecker konstruiert. Man kann also oben und unten einen Plastikkorb einhängen.


Da die Dinger sehr wenig Platz beanspruchen, können es sich die Japaner auch erlauben, die Supermarktgänge extrem eng auszulegen. So eng, dass genau zwei dieser kleinen Wagen aneinander vorbei kommen können. Natürlich nur, wenn beide Parteien entsprechende Fahrkünste aufweisen würden und während des Laufens (und Wagen-schiebens) nicht ihre Augen seitlich auf die Regale gerichtet hätten.

Ich verbinde den Anblick dieser Wagen immer noch mit den mobilen Gehhilfen für ältere Menschen, so dass ich im Supermarkt immer den Eindruck habe, mitten im Altersheim gelandet zu sein. Irgendwie bewegt man sich mit dem Wagen aber auch etwas seltsam, als würde man gleich umfallen und nicht weiter vom Fleck kommen. So dass ich jedesmal aus (Ehr-)Furcht einem dieser Wagenschieber ausweiche und Platz mache.

Hat schon Ähnlichkeit, oder?

Ich habe ja bereits schon einmal auf die etwas seltsame und eher rücksichtslose Fortbewegungsart der Japaner aufmerksam gemacht. Dies setzt sich im Supermarkt fort, nur ist es entsprechend gefährlicher, da man immer einen Einkaufswagen vor die Knie gefahren bekommt. Somit bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als nur zu den Nebenzeiten einkaufen zu gehen, in den Rushhours ist es wirklich kein Vergnügen.

15. April 2007

Oshima & Nijima (3)

Nijima

Sonntag morgen haben wir uns früh auf den Weg gemacht und um 6:20 Uhr (!) die Fähre von Oshima nach Nijima genommen. Nijima ist knapp 11km lang und 2,5km breit und lässt sich so sehr bequem per Leihfahrrad erkunden.

Hier wird vornehmlich das vulkanische Gestein Rhyolith abgebaut und in alle Welt exportiert. Auf Nijima selbst wird es für die kunstvolle Erstellung von Glas sowie für Skulpturen verwendet.

Auf der ganzen Insel stehen darum auch nachgemachte, historisch-anmutende Steinbauwerke, die mal an das römische, mal an das griechische Reich und mal an die Osterinseln erinnern. Im Nachmachen sind die Japaner halt ganz groß.



Bestes Beispiel ist das Yunohama Onsen (heißes Bad), welches im retro-griechischen Stil auf einem Felsgipfel gebaut ist und einen sehr schönen Blick auf das Meer bietet. Auch hier waren wir fast alleine und die Benutzung war für Umme. Nach einer ausgedehnten Fahrradtour genau das Richtige.



Auf der Ostseite der Insel erstreckt sich ein über 6km langer weißer Sandstrand, der wohl im Sommer von Surfern aller Nationen bevölkert wird. Und an diesem Sonntag war es unser Privatstrand - nur leider etwas zu kalt zum Baden.





Innerhalb von einem Tag hat man fast alles auf dem Stückchen Insel gesehen; ohne große Hotels und Tourismusindustrie (es gibt wohl genau eine Ampel auf der Insel) ist es wirklich ein schöner Fleck Erde.

14. April 2007

Oshima & Nijima (2)

Oshima

Oshima, was so viel heißt wie "große Insel" (nur um mal meine fantastischen Japanischkenntnisse unter Beweis zu stellen...), ist also vulkanischen Ursprungs. Der letzte große Ausbruch liegt gerade mal 20 Jahre zurück, damals mussten alle Bewohner die Insel für bis zu einen Monat verlassen.

Oshima lässt sich sehr schön an einem Tag erkunden, mit 14x9km Ausdehnung ist sie nämlich nicht wirklich groß. In der Mitte erhebt sich der Krater, an der Westküste befindet sich der Hauptort und Hafen. An der Süd- und Nordspitze gibt es noch weitere Häfen.

Die Insel hatten wir fast für uns alleine, da hier in der Nebensaison wirklich nichts los ist. Viele Tokioter haben wohl überhaupt keine Ahnung, dass sich in lediglich zwei Stunden Entfernung ein herrlicher Urlaubsort befindet. Die fliegen wohl lieber für einen vier-Tage-Trip nach Europa oder Amerika. Meine Kollegen wussten überraschenderweise sehr wenig über die Inseln.

Mit unserem Leihwagen sind wir dann einmal um die Insel herum gefahren, mit diversen Stopps. Einer dieser Stopps war in der Nähe des Kraters; wir sind auf einem Lava-Bergkamm entlang spaziert, mit Blick auf den Vulkan und die erkalteten Lavaströme. Da oben war wirklich einsame Stille, und die beeindruckende Landschaft mit den herumliegenden riesigen Felsbrocken hat uns einen guten Eindruck über die enorme Kraft des Vulkans vermittelt.



Die ganze Insel an sich ist mit einer grünen Baumschicht überzogen und ist touristisch kaum erschlossen. Es gibt also kaum störende hässliche Bauwerke, allerdings sind die Straßen alle brand-neu. Da macht es sich wohl bezahlt, dass die Inseln zu Tokio gehören und sich aus dem reichen Finanztopf bedienen dürfen.



Strände gibt es hier auch, allerdings mit schwarzem Sand.

Die Wanderung zum eigentlichen Krater macht man von einer Art Bergstation aus. Der "Hiking-Course" besteht hier aus einem geteerten Weg, der sich ca. 2km von der Station durch die Lavalandschaft zum Krater schlängelt. Oben angekommen kann man dann in den Krater hineinschauen, und überall dampft es. Beeindruckend.

Unsere Unterkunft war typisch japanisch, im Hotel hat sich wohl seit den letzten 30 Jahren nichts verändert, war wie eine Zeitreise. Da es aber wie gesagt nur eine Handvoll auf der Insel gibt, hat man nicht wirklich die Wahl...

Am nächsten Morgen sind wir dann zu einem Tagesausflug nach Nijima, weitere 50km südlich aufgebrochen. Details hierzu gibt es im nächsten Blog-Eintrag.

Ach ja, Bilder habe ich auch gemacht....
Izu Oshima und Nijima


google maps funktioniert leider nicht, die Datei ist wohl zu groß geworden, dabei habe ich doch lediglich 50 von 400 Bildern ausgewählt....

Bilder in GoogleEarth anschauen