28. September 2007

Das Problem der japanischen Sprache

Day Seven: A jackbooted force of “English Commissars” is set up. Their duties include forcing people to read what’s written on their T-shirts and conducting random “L” and “R” tests at the point of a machine-gun.

Ein bitterböser Artikel, der wunderschön das Problem der japanischen Sprache thematisiert - den hätte ich auch schreiben können...

The best way to reform japan is by eradicating its hideous language
http://metropolis.co.jp/tokyo/702/lastword.asp

27. September 2007

zurück

Nach 14 Tagen bin ich zurück in meiner Wahlheimat. Die ganzen Verrückten sind auch noch da, also die, die morgens wie die Sprintweltmeister den im 3-Minutentakt fahrenden U-Bahnen nachrennen, beim Mittagessen alles geben, um in Rekordzeit ihre Schüssel leer zu machen, und schließlich abends keinen Grund zu finden scheinen, mal pünktlich nach Hause zu gehen. Und natürlich meine absoluten Lieblingsjapaner, erwachsene Männer, die schon bei der kleinsten theoretischen Chance auf Niederschlag wie von der Tarantel gestochen ihren Regenschirm provisorisch schon mal aufspannen und in Postion bringen.

Ach...

Im Büro hat man mich auch schon wieder erwartet. Eigentlich kann ich mich ja freuen, dass sie mich nicht vergessen haben, war ja für die meisten doch schon eine ganze Zeit. Aber wenn man eh nur im Büro lebt, verliert man wahrscheinlich bald das Zeitgefühl.

Am ersten Tag haben die mich auch gleich gefordert, nach 9,5 Stunden Schufterei durfte ich dann wieder nach Hause. Keine Zeit, mir Gedanken um meinen Jetlag zu machen.

Auf der Arbeit gab es aber auch eine schöne Überraschung, meine erste offizielle Gehaltsabrechnung im Rahmen meines neuen Vertrages! Im ersten Jahr muss ich anscheinend nicht wirklich Einkommenssteuer zahlen, es gehen lediglich knapp 2% vom Einkommen weg. Für die Krankenversicherung werden knapp 5% fällig, in den Rententopf zahle ich 8% meines Einkommens und für die Arbeitslosenversicherung weniger als 0,5%. Ab sofort erstattet mir meine Firma dann auch noch die gesamten Kosten fürs Pendeln, immerhin 70 Euro im Monat. Ob das alles richtig ist - na ja, verstehen tue ich das alles nicht wirklich, aber was solls. Die werden schon wissen, was sie machen!

8. September 2007

Kreativpause

Nach 147 (!) Posts und Berichten aus dem fernen Japan gönne ich mir eine Kreativpause - und kehre für 10 Tage nach Deutschland zurück.

Die nächsten Posts sind demnach in der Woche vom 24. September an dieser Stelle zu erwarten. Da ich ja voraussichtlich 2 x 12 Stunden mit Japanern im Flugzeug eingesperrt sein werde, wird es bestimmt die ein oder andere lustige Geschichte zu berichten geben.

Tokyo Summerland Video

In der letzten Ausgabe des Metropolis-Magazins gab es ein Bild des Wellenbades im Tokyo Summerland, und auf Youtube (user terrorific) gibt es das entsprechende Video dazu:



Ohne Worte....

7. September 2007

Taifun #9

So ein Taifun ist ja schon eine lustige Sache. Gestern Abend ist der Taifun "Fitow" in Tokio vorbeigekommen (die Japaner selbst zählen die einfach durch, dies war also Taifun Nr. 9 in diesem Jahr). Auf meinem nach-Hause-Weg kam mir der Regen waagerecht entgegen, so dass ich innerhalb von 5 Sekunden völlig nass war - da half dann auch kein Schirm mehr.

Und selbst in unserem Betonblock im 14 Stockwerk prasste der Regen wie verrückt gegen die Fensterscheiben. Heute morgen musste ich mich durch Unmengen von herabgestürztem Laub und Ästen kämpfen, um zur U-Bahn zu kommen.

Nun, die Japan scheinen ihre Taifune auch irgendwie zu lieben, auf jeden Fall wird in den Hauptnachrichten von nix anderem berichtet. Es sind immer die gleichen Bilder, die gleichen Berichte und die gleichen Kommentare von Augenzeugen bzw. Opfern. Als ob es nichts Wichtigeres geben würde als der überschwemmte Keller von Herrn Takagi oder der eingestürzten Holzhütte von Herrn Kimura.

Da die Japaner zu Taifunzeiten alle Ihre Playstations und Gameboys koppeln und zur Berechnung des möglichen Kurses nutzen, erläutert in den Nachrichten ein sehr lustiger Mensch mit einem Zeigestab, der einem Feenstab aus dem Kinderfernsehen der 70er Jahre ähnelt, den Verlauf auf der Landkarte. Klassische "Wetterfee" halt. Durch die Animation sieht es fast so aus, als würde ER die Richtung mit seinem Zeigestab bestimmen - sehr amüsant. Ob er wohl oft von verärgerten Bürgern verklagt wird....

Na ja, die Firma meiner Freundin passt sich auch der Taifunsituation an und ließ ihre Außendienstmitarbeiter heute erst ab 11 Uhr arbeiten, dann sollte der Taifun Tokio verlassen haben (tatsächlich hat sich die Wetterfee etwas vertan, den bereits um 7 Uhr heute morgen war nix mehr vom Taifun zu sehen).

6. September 2007

Off-Topic

Die Amerikaner entdecken das Fahrradfahren - und werden gleichzeitig auf die bizarre Autofixierung in ihrem Land aufmerksam:

Re-Entry #2

Und es sollte ganz anders kommen als erwartet....

Um 9 Uhr war ich heute morgen im Rathaus, und um 9:10 Uhr wieder draußen, mit meiner aktualisierten Alien-Registration-Card. Obwohl hier alles noch old-style mit Pen-and-Paper funktioniert, ging alles sehr schnell und ohne Umwege. Die Verwaltung im Stadtteil Nerima scheint zu funktionieren.

Also, gleich weiter zur Einwanderungsbehörde. Vom Bahnhof Shinagawa habe ich den speziellen Bus genommen, der zwischen der Behörde und dem Bahnhof pendelt. Wollte mich nicht den Launen des aktuellen Taifunsaussetzen.

Um 10:20 Uhr hatte ich bereits meine Briefmarke im Convenience-Store erworben und mich in den 2. Stock zum Schalter begeben. Hier zieht man normalerweise eine Nummer und stellt dann deprimiert fest, dass ca. 100 Leute vor einem dran sind. Aber heute, nix da Nummer ziehen. Als die junge Mitarbeiterin mich anlächelte und mir auf japanisch mitteilte, dass derzeit NIEMAND warten würde, konnte ich meinen Ohren nicht trauen. Hatte ich mich im Gebäude geirrt? Oder waren die schlechten Erinnerungen nur geträumt? Auf jeden Fall habe ich ihr dann völlig überrascht all meine Unterlagen in die Hand gedrückt, die sie dann gleich persönlich bearbeitete. Und eine gute Minute später hatte ich meinen Reisepass samt Re-Entry Stempel zurück - fertig! Um 10:30 Uhr. Und ich hatte den ganzen Tag dafür eingeplant!

Stellt sich mir die Frage, ob dies heute einfach Glück und eine Art Lottogewinn war? Wahrscheinlich haben sich aber einfach nicht sehr viele Leute aus dem Haus getraut, aus Respekt vor dem Taifun.

Am Ende war ich VOR der Mittagspause im Büro und kann mich doch noch meiner Arbeit widmen. Wer hätte das gedacht....

5. September 2007

Re-Entry

Hipppyyyy,
so wie es im Moment aussieht, muss ich erneut einen Tag frei machen um mich um meine Visumsangelegenheiten zu kümmern.

Seit Juli bin ich ja in Besitz eines Arbeitsvisums - also ein Ein-Jahres-Ingenieur-Visum. Damit ist es grundsätzlich schon erlaubt, aus Japan auszureisen und wieder einzureisen, ohne dass das Visum verfällt oder sogar neu beantragt werden müsste.

Aber, man benötigt hierzu einen separaten Stempel, der wohl extra gekauft werden muss. Dies hat mir damals aber mal wieder niemand gesagt, die Frage, ob es damit möglich sei, ein-und auszureisen, wurde einfach nur bejaht.

Wenn ich also nächste Woche Japan für 10 Tage Richtung Deutschland verlasse, würden die Uniform-Jungs mir am Flughafen wohl meine Alien-Registration-Card abnehmen.

Apropos Alien-Registration-Card.

Jeder Ausländer muss sich aber nicht nur bei dem Quarantäne-Immigrations-Bunker im Königreich Farfaraway melden und sein Visum beantragen, zusätzlich muss man auch noch diesen Alien-Registration-Pass ausstellen lassen. Den gibt es in der Bezirksverwaltung, also im nahe gelegenen Rathaus.

Da sich mein Visum und somit mein Status geändert hat, muss ich dies auf meiner Alien-Registration-Card eintragen lassen - logisch, also ein Ausflug zum Rathaus. Wenn ich dies erfolgreich geschafft habe, darf ich erneut den langen und beschwerlichen Weg zur Immigrationsbehörde antreten, um mir den Wiedereinreisestempel in den Pass setzen zu lassen, mit Unterstützung meiner dann aktualisierten Alien-Registration-Card.

Um all dies zu tun, wird wohl inklusive Anreise und Wartezeiten der ganze Tag draufgehen. Ich kann also WIEDER nicht arbeiten und verdiene WIEDER kein Geld. Ganz zu Schweigen von den 6.000 Yen, die mich der dumme Stempel kostet. Vielen Dank liebe Behörden in Japan - ihr macht es mir und vielen anderen Ausländern wirklich nicht leicht hier zu leben. Entweder ihr könnt oder wollt es nicht besser organisieren, dies lasse ich mal dahingestellt. Warum kann das alles nicht alles einfach und kompakt an einem Ort angeboten werden, ist doch organisatorisch wirklich nicht so schwer.

Ich frage mich zuweilen wirklich, wie dieses Land funktioniert und was hinter den Kulissen alles passiert...

4. September 2007

Japanisch lernen mit dem Nintendo DS #2

Nachdem ich im vorigen Post das "Richtig Kanji Schreiben" Nintendo DS Programm vorgestellt habe, will ich gleich ein weiteres nachschieben. Es heißt 漢字そのまま楽引辞典 - "Kanji Sono Mama Rakibiki Jiten" und ist ein umfangreiches Wörterbuch Japanisch-Englisch. Durch die Schrifterkennung ist es möglich, die komplizierten Kanji einzugeben und deren Aussprache zu erfahren. Zudem gibt es ein Trainingsprogramm, mit dem man selbst zusammengestellte Sets von Vokabeln lernen und trainieren kann.

Weitere Informationen (auf japanisch) hat folgende Internetseite zu bieten:
http://www.nintendo.co.jp/ds/arjj/

Eine How-to Slideshow gibt es hier:
http://www.nintendo.co.jp/ds/arjj/howto/index.html

TV-Werbung:


Kurze Vorführung (in Englisch):


Also eigentlich ist das eine ganze Programmsammlung, die im Alltag wirklich sehr, sehr hilfreich ist.

Kostenpunkt: 4.000 Yen (ca. 25 Euro)

Japanisch lernen mit dem Nintendo DS #1

Am Wochenende hat mich mal wieder das Gewissen gepackt - also mein schlechtes Gewissen, einfach nicht genug Japanisch zu lernen. Da in der Firma mehr oder weniger alles auf Englisch funktioniert, muss ich mich wirklich motivieren, selbst was für meine Sprachkenntnisse zu tun.

Also habe ich mir ein Kanji-Trainingsprogramm für meinen Nintendo DS gekauft. Das "Spiel" ist für Grundschüler in Japan gedacht, also für die ersten sechs Klassen. Dort lernen sie wohl ca. 1.000 der japanischen Symbole, denn genau so viele enthält das Programm.



正しい 漢字 かきとり くん ("Tadashii Kanji Kakitori Kun" - "Richtig Kanji schreiben") heißt es, und es gibt hier die Möglichkeit, sowohl die richtige Schreibweise zu lernen (Abfolge und Richtung der einzelnen Striche sind wichtig...) sowie deren Anwendung und Übersetzung mittels Lückentexten.

Mit dem Touchpad und Texterkennung macht die Schreibübung wirklich viel mehr Spaß als mit einem Buch, und ist auch praktischer, da ich das DS einfach morgens in der U-Bahn zum Üben verwenden kann.

Leider fokussiert die Software wirklich nur auf die korrekte Schreibweise, ich hätte mir zur Vervollständigung auch noch Übungen zu den verschiedenen Lesarten der Kanji gewünscht. Aber man kann ja nicht alles haben. Und es gibt ja mittlerweile eine ganze Produktserie für das Nintendo DS, vielleicht finde ich da ja noch eine entsprechende Software.

Hier gibt es eine kleine Slideshow zum Programm.

Die Fernsehwerbung sieht so aus:


Und bevor es jetzt dumme Kommentare gibt - nein, ich springe nicht wie die Kinder auf Speed im Werbeclip in der U-Bahn rum.

Nun ja, mal schauen, wie lange meine Motivationsphase dieses Mal anhält...

Kostenpunkt: 3.000 Yen (ca. 20 Euro)

2. September 2007

Krispy Kreme

Japaner sind SEHR geduldig. Und die Nahrungsmittelaufnahme steht im Zentrum ihres Schaffens. Also, was macht man am Sonntag nachmittag in Tokio? Mann geht nach Shinjuku und stellt sich in die 1,5 Stunden lange Schlange vor der ersten und einzigen Dependance von Krispy Kreme Doughnuts!

Seitdem der Laden im Dezember 2006 eröffnet hat, gibt es hier immer elend lange Schlangen zu sehen, und ein bis zwei Mitarbeiter sind damit beschäftigt, diese zu ordnen und organisieren.

Solche Schlangen vor einem Lebensmittelladen kenne ich eigentlich nur aus den Berichten der Nachkriegsjahre. Die Japaner tun allerdings alles, um an die amerikanischen Doughnuts zu kommen. Sie stellen sich wirklich 1,5 Stunden in die Schlange und warten, bis sie ihre Box mit 12 Doughnuts bekommen. Da soll mir noch mal jemand erzählen, die hätten nie Zeit und sind ständig in Eile. Natürlich, wenn ich so meine Zeit verplempern würde, müsste ich natürlich sonst überall hektisch durch die Gegend rennen. Ohne Worte, aber das verstehe ich wirklich nicht. Und man muss es wirklich mit eigenen Augen erlebt haben. Selbst im Regen zieht sich die Schlange entlang und über die Brücke hinter dem Laden.

Diese zwei Bilder sind von heute, die Wartezeit lag bei 1 Stunde 15 Minuten. Tolle Sonntagsbeschäftigung.



29. August 2007

Off-topic

Schon verdammt lustig die Amis.....20% können ihr Land nicht auf einer Weltkarte finden.

26. August 2007

Im Museum

Heute haben wir eine neue Variante ausprobiert, um der Sommerhitze in Tokio zu entkommen.

Im National Museum of Nature and Science im Stadtteil Ueno gibt es derzeit eine Ausstellung mit dem Thema "Maya, Inka, Azteken" zu sehen.



Das ist natürlich genau mein Thema, also haben wir uns schon im Vorverkauf die Tickets gesichert und sind morgens Richtung Museum aufgebrochen.

Im Museum war es ziemlich kühl, meine Freundin hat sogar richtig gefroren...

Die Ausstellung war streng nach den drei Hochkulturen gegliedert, zu sehen gab es allerlei alten Schmuck und Porzellan. Die Ausstellungstücke müssen in Japan natürlich speziell gesichert werden, für den Fall eines stärkeren Erdbebens. Darum waren alle kleineren Ausstellungsstücke mit durchsichtigen Fäden extra gesichert.

Einen englisch-sprachigen Audioguide gab es leider nicht, dafür waren fast alle Informationstafeln in japanisch und englischer Sprache verfasst.

Die einzelnen Abschnitte haben leider nur einen sehr groben Überblick über die Kulturen gegeben, ins Details ging es so gut wie nie, nur die Mumifizierungstechniken wurden näher erläutert. So konnte ich leider kein wirkliches Konzept feststellen, da bin ich aus Deutschland doch Weitergehenderes gewohnt.

Nun ist ein Museumsbesuch in Japan schon etwas anders als in Deutschland. Zu aller erst darf man wirklich alles mit in die Ausstellung nehmen, man muss weder Jacken noch Taschen abgeben. Was sich als Nachteil herausstellen sollte, da die lieben Japaner im Museum ihre guten Manieren mal wieder völlig vergessen. Hier wird gedrängelt, als wäre man in der U-Bahn (die lieben Rentner sind am penetrantesten). Und man bekommt so ständig eine Tasche in die Rippen gepresst - und ich dachte, die Chinesen sind in dieser Hinsicht anstrengend...

Wirklich jeder hat die Nase direkt an der Glasvitrine, so dass niemand sonst einen Blick auf das Ausstellungsstück erhaschen kann. Auch haben sie keine Scheu, sich direkt vor die Informationstafeln zu stellen, so dass auch hier niemand etwas lesen kann.

Überhaupt, der japanische Text war auf den Tafeln im oberen Teil abgebildet, der englische im Unteren. Hätten sie es umgekehrt gemacht, hätten sowohl die eher kleiner gewachsenen Japaner und die englisch-sprachige Besucher-Fraktion gleichzeitig lesen können - aber nein, die Japaner verdeckten immer den englischen Text.

Es scheinen in Japan wohl keine allgemeingültigen Regeln für das Benehmen im Museum zu geben. Aus diesem Grund wimmelt es auch von Aufsehern, die ständig versuchen, durch lautstarke Ansagen die Besucherströme in die richtige Richtung zu lenken. (Ich würde fast behaupten, dass in Deutschland eine Kindergartengruppe mit weniger Ansagen geordnet durchs Museum kommen würde.)

Und dann gab es da noch den 2. Teil der Ausstellung, ein riesen Souvenirladen, wo es wirklich jeden noch so erdenklichen Krimskrams mit Ausstellungsbezug käuflich zu erwerben gab. Dies gefällt den Japanern natürlich wieder und ist wohl mindestens so wichtig wie die eigentliche Ausstellung.

Nach der Ausstellung ist mir ein Gedanke im Kopf herum gegangen - aus heutiger Sicht sehen die Menschenopfer früherer Hochkulturen sehr bestialisch aus. In Hoffnung auf eine bessere Ernte oder einen friedlichen Vulkan wurden Menschen geopfert. Heutzutage werden Menschenopfer in Form von Entlassungen durchgeführt, sodass die Ernte der Aktionäre besser ausfällt. - Haben wir eigentlich gar nicht hinzugelernt?!

Fernsehen!

Aus bekannten Gründen haben wir bislang auf einen Fernseher verzichtet - es lohnt sich einfach nicht für das abgrundtief-schlechte öffentlich-rechtliche Programm.

Aber derzeit finden in Osaka ja die Leichtathletikweltmeisterschaften statt, und die wollen wir dann doch gerne irgendwie sehen.

Also, was machen? Glücklicherweise hat meine Freundin erst vor wenigen Monaten ein neues Mobiltelefon bekommen, und dieses kann Fernsehen! Und zwar nutzen die Japaner ein spezielles Format des digitalen Antennenfernsehens DVB-T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial).

In Deutschland hängt die Entwicklung ja etwas zurück, da lange versucht wurde, Fernsehen über UMTS zu promoten, um damit zusätzliche Einnahmen zu gewinnen. In Japan ist das öffentliche Fernsehen umsonst, also gibt es auch kein Hindernis, das Signal per Mobiltelefon abzugreifen.



Gleich gibt es das 100 Meter Finale, mal schau'n, wie das auf unserem 2-Zoll-Super-Mini-Screen wirken wird...

23. August 2007

Der japanischen Regierung...

...hat doch wirklich einen kräftigen Sprung in der Schüssel. Mal wieder versuchen sie, das Problem der Einweg-Stäbchen anzugehen. Es sieht so aus, als hätte eine Consultingfirma (oder ein Praktikant) eine einfache Beispielrechung aufgestellt:

127 Millionen Einwohner konsumieren pro Jahr je 200 Essstäbchen, was am Ende 90,000 Tonnen Holz ergibt.

Jetzt wollen sie Sammelstellen einrichten, um dann aus dem gesammelten Holz Biokraftstoff zu gewinnen.

Der Artikel hierzu: Chopsticks - The new Biofuel? Japan Thinks So

oder Süddeutsche Zeitung

Anstatt mal an der Vermeidung des eigentlichen Problems zu arbeiten, versuchen sie, ihre Landsleute nicht in ihren (nachweislich eher nicht-mehr-zeitgemässen) Angewohnheiten zu beeinträchtigen.

Werfen wir in Europa täglich unsere Essutensilien weg? Kann mich nicht daran erinnern. Die Meldung klingt für mich auf jeden Fall wie ein schlechter Scherz...

16. August 2007

Erdbebenserie

Heute morgen hat unser Gebäude wirklich ständig gewackelt, bin sogar nachts aufgewacht, war aber anscheinend zu müde, um mir Sorgen und Gedanken zu machen. Das Epizentrum lag jedesmal in der Pref. Chiba, gleich östlich von Tokio.

23:16 JST 18 Aug 2007 CHIBA KEN HOKUTOBU M4.0
16:55 JST 18 Aug 2007 E OFF CHIBA PREF M5.1
13:36 JST 18 Aug 2007 E OFF CHIBA PREF M4.6
04:52 JST 18 Aug 2007 CHIBA KEN NANBU M3.4
04:14 JST 18 Aug 2007 E OFF CHIBA PREF M4.8
00:22 JST 17 Aug 2007 E OFF CHIBA PREF M4.3
09:22 JST 16 Aug 2007 E OFF CHIBA PREF M4.7
08:20 JST 16 Aug 2007 E OFF CHIBA PREF M5.0
07:47 JST 16 Aug 2007 E OFF CHIBA PREF M4.5
04:15 JST 16 Aug 2007 E OFF CHIBA PREF M5.3

13. August 2007

oBon - Nagano Teil 2

Unser erstes Ziel am Montag morgen war der buddhistische Zenkoji-Tempel. Seine Ursprünge gehen zurück ins 7. Jahrhundert, und die Stadt Nagano hat sich um diesen Tempel herum entwickelt.



Wie bei allen Tempeln geht man zuerst durch das große Eingangstor, und wird dort auch immer von zwei Wach-Statuen empfangen. Im Innenhof waren aufgrund der Festlichkeiten Laternen installiert.



Im Hauptgebäude gibt es einen unterirdischen Gang, in dem es wirklich komplett dunkel ist. Hier kann man gegen einen kleinen Obolus hindurchstolpern (die Hand immer an der Person vor einem). Und wenn man Glück hat, findet man irgendwo einen eisernen Schlüssel an der Wand hängen. Dieser repräsentiert den Schlüssel zum Paradies, und wenn man ihn berührt, soll einem Erleuchtung erfahren. – Ich habe diese Chance auf meiner Stolperei durch den engen, dunklen Gang verpasst und muss somit weiter auf Eingebung warten...



Während wir geduldig in der Schlange gewartet haben, ist uns aufgefallen, dass wir im Hotel unsere Sachen im Kühlschrank vergessen haben, und so hat sich meine Freundin hastig IM TEMPEL um diese Angelegenheit gekümmert – immerhin ging es um mein in Takayama erworbenes Weizenbier aus einer kleinen Privatbrauerei und ihre Blaubeeren aus Nagano – hierfür darf man die gesellschaftlichen Regeln doch schon mal außer Gefecht setzen, oder?



Auf dem Tempelgelände gibt es dann noch eine Pagode mit unterirdischem Museum sowie ein Gebäude mit einer riesigen, drehbaren Lade in der Mitte. Eingeschlossen sind wohl die schriftlich niedergelegten buddhistischen Weisheiten. Mit Leibeskraft kann man die Lade einmal im Kreis drehen, und soll so das darin eingeschlossene Wissen in sich aufsaugen. – Typisch Japan, schon damals chronisch busy@work und keine Zeit zu lesen gehabt, was?!



Auf dem Rückweg zu unserem Leihwagen sind wir dann relative Zufällig in die Patio Daimon Kuraniwa-Anlage gestolpert.



Ein wunderschöner Innenhof, um den Geschäfte und Handwerksläden gruppiert sind. Wenn ich mir vor vorstelle, dass die japanischen Städte irgendwann alle mal so aussahen – mir kommen die Tränen.

Aber weiter im Text, ich kann natürlich nicht nach Nagano fahren, ohne ein paar Überbleibsel der Olympischen Winterspiele 1998 anzuschauen. Neben dem offiziellen Logo, das immer noch diverse Straßenlampen und Uhren in der Stadt verschönt, sind wir zuerst einmal am olympischen Parkplatz vorbeispaziert. Dies war 1998 der Ort, an dem die Medallien vergeben wurden. Das Treppchen, ein paar verblichene Bilder sowie die Olympische Fackel waren noch da, aber den Japanern fällt wohl nix besseres ein, als aus diesem Geschichtsträchtigen Ort einen Parkplatz zu machen. Wirklich OHNE WORTE dieses Volk!





Das Olympiamuseum in der damals gebauten M-Wave Arena war dann ein sehr positives Erlebnis. Neben sehr vielen Ausstellungsstücken gab es filmische Rückblicke sowie die Möglichkeit, die Halle und interessante Dachkonstruktion zu besichtigen.



In einer der Vitrinen haben wir dann auch vom damaligen One-Shop-One-Flag-Projekt erfahren, wobei jedes Geschäft auf der Hauptstraße eine Nationalflagge als Fassadenschmuck installiert hatte. Auf dem Bild war als Beispiel ein Fotogeschäft zu sehen, mit Deutscher und Schwedischer Fahne – und genau diese Fahnen haben wir vorher an der Geschäft gesehen und uns gefragt. Was das denn soll....Zufälle gibt es.



Nach einer virtuellen Fahrt im Bob und einer (unnötigen sowie schmerzhaften) viertelstündigen Video-Dokumentation der Skisprung-Mannschaftswettbewerbes von 1998 (Japan gegen Deutschland, Japan gewinnt Gold) haben wir uns auf den Rückweg nach Tokio gemacht.

Nagano


Hier nochmal des gesamten Trips in der kartographischen Übersicht:


Größere Kartenansicht

12. August 2007

oBon - Nagano Teil 1

Letzter Ort auf unserer Rundreise war dann Sonntag und Montag Nagano.

Von Shirakawa-go aus hat uns unser Navigationsgerät zuerst einmal mitten durch bzw. über die Berge geschickt. Eine Serpentine nach der anderen, zuerst rauf, dann wieder runter, auf Straßen, die wirklich sehr eng aussahen.





In Nagana sind wir gegen 17 Uhr angekommen und wurden gleich von einem weiteren Sommerfest begrüßt. Diesmal war es etwas Besonderes, ein Oiran-Matsuri. Oiran waren in der Edo-Zeit die höchsten Kurtisanen, die abseits der Städte in den Freudenhäusern lebten bzw, gehalten wurden. Mehr zu diesem Thema gibt es hier bei Wikipedia, wer es genauer wissen will, soll sich den Film Sakuran anschauen. Der ist zwar (wie fast alle japanischen Filme) furchtbar langweilig, gibt aber einen halbwegs guten Einblick in die damalige Zeit.





Also, bei der besagten Prozession spaziert diese Oiran auf ca. 20cm hohen Schuhen durch die Stadt. Mit dabei der gesamte Klan von Untergebenen und Nachwuchskurtisanen. Um überhaupt laufen zu können, stützt sie sich an der Schulter ihres Begleiters. Das Tempo geht gegen Null, und so kommt es, dass die Angelegenheit wohl den ganzen Tag dauert. Abends haben wir sie auf jeden Fall immer noch durch die Straße "prozessieren" sehen.



Am Abend haben wir dann eigentlich nur noch ein Hotel gesucht (Smile-Hotel, 35 Euro die Nacht im Doppelzimmer inklusive Frühstück) und uns ums Abendessen gekümmert. Und da hat uns ein Dachgarten angesprochen, den wir abseits der Hauptstraße gesehen haben. Über einem Indisch-Pakistanischen-Krims-Krams-Laden gab es eine Dachterrasse, indisches Essen und belgisches Bier - was für eine Kombination.



Abends sah der wirklich nett aus, mit all den Lampen und Lichtern. Leider war die Bedienung nicht wirklich fähig, und so haben wir nach einer guten Stunde Wartezeit völlig gefrustet und weiterhin hungrig das Restaurant verlassen. Gut für MOS-Burger, eine japanische McDoof Variante, denn hier haben wir unser Abendessen einnehmen müssen....

Fortsetzung folgt...

oBon - Shirakawa-go

Früh am Sonntag morgen sind wir dann Richtung Shirakawa-go gefahren.
Der Ort liegt mitten in den Bergen, umgeben von den Japanischen Alpen (kein Witz, die heißen wirklich so). Für die 65 km haben wir trotz mehrerer Zwischenstopps nur knapp 1,5 Stunden gebraucht, also gar nicht so schlecht.

Auf dem Weg nach Shirakawa-go sind wir am wunderschönen Miboro-See vorbeigekommen und wieder durch zahlreiche Tunnels gefahren.





Der Miboro-Damm war seinerzeit der erste Gerölldamm in Japan.



Shirakawa-go steht seit 1995 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO. Zu sehen gibt es hier die historischen Gebäude im Gasshō-zukuri-Stil ("der zum Gebet gefalteten Hände"). Die stroh-bedeckten Dächer neigen sich 60°, ähneln also mit viel Wohlwollen den zum Gebet gefalteten Händen. Die Gebäude müssen im Winter mit sehr viel Schnee umgehen können, die Bilder, die wird dort gesehen haben, sahen schon fast beängstigend aus.





Die Konstruktion der Häuser an sich ist wirklich beeindruckend, vor allem die Dachkonstruktionen. Die oberen zwei der meist vier-geschossigen Häuser wurden zur Seidenraupenzucht verwendet. Hier war es selbst im Winter durch die aus dem Erdgeschoss aufsteigende Wärme angenehm warm.



Einige der Gebäude können heute besichtigt werden, in anderen wiederum leben auch heute noch Menschen. Das ganze Dorf ist durchzogen von kleinen Kanälen und Bachläufen, in denen mal Forellen, und mal große Kois planschen.





Der größte Parkplatz für die Besucherströme ist auf der anderen Seite des angrenzenden Flusses gelegen und wird durch eine schöne Hängebrücke mit dem Hauptdorf verbunden. Hier könnte sich Dresden doch was abgucken, oder?



Weitere Informationsquellen:
http://www.de.emb-japan.go.jp/NaJ/NaJ0610/shirakawago.htm
http://whc.unesco.org/en/list/734
http://shirakawa-go.org/english/e_world.html


Ein wenig hat mich das Dorf an die Vogtsbauernhöfe im Schwarzwald erinnert. Anscheinend gab es damals schon eine Art "Internationalen Stil", nur wusste niemand was davon.

Und seitdem wir das authentische Dorf verlassen haben, stellt sich mir die Frage, was mit der Japanischen Architektur und dem Stil-Bewusstsein passiert ist. Oder kann mir bitte jemand erklären, was in den wenigen Jahrhunderten zwischen diesen beiden Bildern passiert ist?





Zeugt nicht wirklich von einer Weiterentwicklung....

11. August 2007

oBon - Takayama

Nach dem Mittagessen haben wir uns also wieder in Bewegung gesetzt. Das nächste Ziel unserer kleinen Rundreise war Hida-Takayama. Um dort hinzukommen, mussten wir gut 100 km durchs Gebirge fahren, was dann auch gute drei Stunden gedauert hat.



Takayama ist berühmt für seine historische Altstadt. Die Struktur geht auf die Bauperiode im 16. Jahrhundert zurück. Durch die relativ abgeschiedene Lage im Zentrum Japans hat es die Stadt geschafft, sich seine kulturellen Einflüsse zu bewahren und seine eigene Kultur zu entwickeln.





Durch die Altstadt fließt überall Wasser in kleinen Rinnen, und die Gebäude sind alle mit dunklem Holz verziert. Hier gibt es wohl strenge Auflagen für "neue" Gebäude, sowohl der 24-Stunden-Shop FamilyMart musste sich an die vorherrschenden Farben halten als auch das Nachrüsten von modernen Klimaanlagen (ansonsten im tristen Grau gehalten) müssen angepasst werden.





Heute ist die Altstadt voll von Touristen, um ehrlich zu sein, ich habe noch nie so viele Ausländer in einer Japanischen Stadt gesehen. Hier waren ganze Reisegruppen aus Spanien und Deutschland unterwegs.

Die Altstadt zollt diesem Tribut und ist voll auf die Touristen ausgerichtet. Man kann also allerlei "traditionelle" Dinge käuflich erwerben. Dies ist ja vor allem für die Japaner wichtig, müssen sie doch immer und überall Souvenirs kaufen und mitbringen.



Essenstechnisch hat die Stadt anscheinend wirklich seinen eigenen Charakter behalten, außer diversen Ramen-Lokalen konnten wir nicht viel Diversität finden.

Am Abend fand zufälligerweise auch noch ein kleines Tempelfest statt. Wirklich klein, fast familiär. Auch wenn mir die Performances nicht wirklich zusagen konnten, haben wir den Spaziergang zum und vom Tempel sehr genossen.





Übernachtet haben wir in einem familiär-geführten japanischen Ryokan. Also mit Futonbetten auf dem Boden. Ist uns irgendwie passender vorgekommen als in eine 0815-Hotelkette zu gehen.