28. April 2008

Kobe - Stadt

Hier ein paar visuelle Eindrücke aus Kobe.

Es gibt in Kobe sehr eigenwillige Architektur aus der Bubble-Zeit:


Die überdachte Hauptstraße als Einkaufsparadies:





Parallel hierzuverläuft China-Town (ohne Dach, die Chinesen müssen im Regen sehen...):


Und am Hafen hat man geschickter Weise gleich mehrere hässliche Autobahnen übereinander gebaut. So kann man von der Stadt aus weder das Meer sehen, noch vom Ufer die Stadt und das dahinter liegende Gebirge - großes Kino ihr Straßenbauexperten!









Im Hafenviertel steht der Fernsehturm (halbwegs bekannt):





Kobe Maritime Museum (das Dach zumindest):



Von den Parks am Ufer aus gesehen eröffnet sich einem dann folgender Blick:







Dann doch lieber ins nix schauen:



Ach ja, ein paar historische Gebäude stehen hier auch (noch) rum:





Wenigstens die Blumenkörbe an der Straßenlaternen hatten 'was:





Meiner Meinung nach haben die Stadt- und Verkehrsplaner (bzw. Verkehrsbauer) der Stadt viel mehr geschadet als so manch anderes Ereignis in der Geschichte....


2008.04 Kobe

Kobe - Port Island

Laut Wikipedia:

"Port Island (jap. ポートアイランド , Pōto Airando, auch Kōbe Portpia) ist eine künstliche Insel in Kōbe, Japan. Der ältere nördliche Teil wurde zwischen 1966 und 1980 gebaut und mit der Ausstellung „Port Pier '81“ offiziell eröffnet. Der südliche Teil („2nd Stage“) war von 1986 bis 2005 im Bau und ist für Industrieanlagen und Business Parks gedacht.

In der Mitte der Insel befindet sich eine Wohnsiedlung, die aus mehreren großen Wohnblocks inklusive kompletter Infrastruktur zur Versorgung der hier ansässigen Bevölkerung besteht und auch mehrere Hotels, Museen und Ausstellungs-, Sport- und Messehallen bietet. Der äußere Teil wird dominiert durch Hafenanlagen, vor allem Lagern, Containerverladestationen und Schiffsanlegestellen. Mehrere Parks lassen die Insel grün erscheinen. Der neuere, südliche Teil der Insel ist noch weitgehend unbebaut. Neben weiteren Hafenanlagen und einem modernen Industriegebiet sollen hier ein großer medizinischer Technologie- und Fertigungspark, die Kobe International Multimedia Entertainment City und das Kobe International Business Center entstehen.

Ein "Portopia Land" genannter Vergnügungspark wurde im März 2006 nach 25-jährigem Bestehen geschlossen und abgebaut.
An dessen Stelle hat im April 2008 der zuvor erwähnte IKEA-Markt eröffnet.

Hier ein paar Bilder von der Masterplan-Insel nach japanischer Machart:



Ich verkneife mir dieses Mal jeden Kommentar....

25. April 2008

TV Werbung

Auch wenn ich nicht wirklich viel (japanisches) Fernsehen mitbekomme - zwei Werbespots laufen derzeit doch rauf und runter (bekomme ich mit, wenn ich meine tolle Xbox360 anschalte, um Assassin's Creed zu spielen....).

Zum einen ist das ein Spot von Lawson, der größten Convenience-Store-Kette. Aussage: wo immer du in Japan auch bist, der nächste Conbini ist gleich um die Ecke. Selbst auf einer verlassenen Insel. - Wie wahr, hätte man auch mit Getränkeautomaten drehen können. Aber Conbinis sind ja nun wirklich überall, und manchmal muss man sich schon fragen, wie diese wirtschaftlich überleben können. Die werden schließlich auch über das Franchise-Prinzip betrieben (glaube ich zumindest).



Der zweite, um Längen netter anzuschauen, ist von der Japanischen H&M-Variante Uniqlo. Dieser Spot für das neue "bura-toppu" zeigt insbesondere einen Einblick in die Japanischen Moralvorstellungen und Regeln. In einem Land, in dem die Schuluniformen höchstens bis zum Bauchnabel (unteres Ende) reichen, ist es nämlich nach wie vor unerwünscht, die Andeutungen der für Neugeborene und Säuglinge wichtigsten Bezugsobjekte in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Darum müssen sich die Modehersteller hier ganz besondere Techniken einfallen lassen, um diese möglichst gut zu "verstecken".



(Die junge Dame heißt übrigens Kazue Fukiishi (吹石一恵), nur der Vollständigkeit halber.)

Kobe - Ikea

Zur Eröffnung des neuen Ikea in Kobe wurde die Monorail, die zwischen der Innenstadt und Port-Island, dem neuen zu Hause von Ikea pendelt, im Ikea-Design ausgestattet.











Da konnte man sich dann schon mal die Vorhänge aussuchen.

Angekommen, mussten wir dann eine gute halbe Stunde warten, bis wir überhaupt reingelassen wurden!





Drinnen gab es dann schon keine Kataloge mehr, die Schweden waren wohl vom Andrang überrascht.

Von Außen sieht die Box aus wie wohl überall auf der Welt.





Es gibt die gleiche Speisekarte:



Und, zu meiner Überraschung, einen Fahrrad-Parkplatz! Mitten auf der Insel.





Als wir gegen 13 Uhr wieder draußen waren, hatte sich die Wartezeit auf 3 Stunden erhöht, was über Lautsprecherdurchsagen in der ganzen Nachbarschaft bekannt gemacht wurde.

Und überall auf dem Weg zu Ikea standen schon die Willkommensmenschen parat, um die Besucher über die Wartezeit zu informieren:



Hier gibt es noch ein paar mehr Bilder von der Ikea-Monorail.

16. April 2008

Motomachi Park

4/16
Motomachi Park

In der Mittagspause habe ich einen kurzen Ausflug in die Geschichte Tokios gemacht. Mein Spaziergang führte mich zum nahe-gelegenen Motomachi Park.



Mit dem großen Kanto-Erdbeben vom 1. September 1923 wurde den Stadtverwaltern sehr deutlich gemacht, dass sie es völlig versäumt hatten, Freiräume für den Katastrophenschutz vorzuhalten. Öffentliche Räume, Promenaden entlang von Flüssen oder große urbane Parkanlagen waren bis dato in Japan unbekannt.

Nach der Katastrophe wurden diverse Maßnahmen zum Katastrophenschutz in Angriff genommen, unter anderem wurden in Tokio 52 kleine Pocket-Parks installiert, jeweils in direkter Nachbarschaft von Schulen.

Von diesen Pocket-Parks hat es genau einer geschafft, sich ins Jahr 2008 zu retten, der Motomachi Park in der Nähe von Tokio Dome City.


View Larger Map

Auf den Bildern (gemacht mit meinem Mobiltelefon) kann man die Schule im Hintergrund vermuten. Früher war die trennende Mauer wohl so niedrig gehalten, dass sich die Kinder im Notfall in den Park retten konnten - heute muss man eher die Kinder vor den Parkbesuchern schützen - also ist die Mauer angepasst worden (Quelle: http://www.kitombo.com/e/kame/1015.html).

Heute Mittag war im Park nicht wirklich viel los, ein paar Obdachlose scheinen hier zu leben, es gibt ein paar lustlos in der Gegend platzierte Standard-Spielgeräte und auch ein paar Businessmen haben sich auch hierhin verirrt, um ihrem Tabakkonsum zu frönen.

Aufgrund der Geschichte sowie der Lage könnte dies ein wirklich toller urbaner Park sein, anscheinend fehlt aber der Gemeinde das Geld, um ihn entsprechend in Stand zu halten. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis hier Apartments oder ein weiteres Parkhaus gebaut werden....

3. April 2008

Sakura Cafe

In Tokyo Mid-Town gibt es eine ziemlich große Eventfläche. Zu Weihnachten war sie ja schon mit tausenden LEDs bedeckt, und auch zur Kirschblüte haben sich die Eigentümer etwas ausgedacht, um die Besucher (=Kunden) anzulocken.



Also wurde knapp einen Monat vor der Kirschblütensaison das ziemlich innovative Architekturbüro Klein Dytham architecture angefragt, um entsprechende Gartenmöbel zu entwerfen.



Die Über-pinken, aus Styropor gefertigten "Sitzmöbel" standen dann verteilt auf der großen grünen Wiese in Mid-Town. Das eigentliche Café verdeckt dabei geschickt die große Skulptur (die aus einem der Alien-Firme zu stammen scheint).





Klein Dytham architecture sind das Projekt bestimmt mit sehr viel Ironie angegangen. Wie sonst lässt sich erklären, dass ausgerechnet Plastikmöbel zur einem solchen Naturfest angefertigt werden. Aber da kennen sie wohl die contemporary culture der Japaner nur zu gut, eigentlich hätten es ein paar blaue Plastikmatten ja auch getan.

(so sieht es sonst überall aus)


Schön anzuschauen war es trotzdem:




Noch mehr Bilder:
http://www.dezeen.com/2008/04/04/sakura-cafe-by-klein-dytham-architecture/

30. März 2008

小塚原の首切地蔵 / Kozukappara Execution Ground

Im Stadtteil Sanya, am Ende der Toden-Linie befindet sich der ehemalige Hinrichtungsplatz Tokios - Kozukappara. Hier wurden ab 1651 zwischen 100.000 und 200.000 Menschen hingerichtet - das ist schon eine beachtliche Zahl, damals muss es entweder nur Verbrecher gegeben haben oder die Judikative ist irgendwie Amok gelaufen. (Statistische Zahlen sind in Japan generell mit Vorsicht zu genießen, da sie nicht unbedingt die Realität aus einer westlichen Sichtweise widerspiegeln, sondern mit äußerster Rücksicht auf das Wohlbefinden der Bevölkerung je nach dem "angepasst" werden - daher können es auch doppelt so viele oder nur halb so viele gewesen sein. )



Laut der Inschrift wurden die Hingerichteten lediglich notdürftig mit Erde beschüttet, sodass es bei starken Regenfällen immer wieder dazu gekommen ist, dass die ein oder andere Nase oder eine Hand sichtbar wurde. Und dann machten sich Hunde, Katzen und Vögel über die Überreste her. Lecker.



Heute liegt dieser Ort eingeengt zwischen zwei Bahngleisen, und niemand weiß wohl so richtig, welche große Vergangenheit dieser kleine Friedhof, der heute hier zu finden ist, hinter sich hat. (Was eventuell auch mit der sehr eigenen" Art und Weise der Japaner zusammenhängt, eher "unvorteilhafte" Ereignisse einfach totzuschweigen als sich mit ihnen auseinanderzusetzen).( Es ist völlig unerklärlich, dass in japanischen Schulbüchern heute noch Märchen über die Rolle der Japaner in den Kriegen der vergangenen zwei Jahrhunderten stehen und das Verhältnis mit China, einem von Japan stark in die Mangel genommenen Land, sich nicht wirklich weiterentwickelt hat - da sind wir gesellschaftlich gesehen in Europa schon etwas weiter....)

Hier ein paar Quellen zu Kozukappara:
http://metropolis.co.jp/tokyo/528/feature.asp
http://search.japantimes.co.jp/cgi-bin/fv20060901a1.html
http://www.uer.ca/locations/show.asp?locid=22897

Non-Tourist-Area

Entlang der Toden-Straßenbahnstrecke sind wir an einer Station ausgestiegen, um uns die Kirschblüten im Arakawa Amusement Park anzuschauen. Dieser war als Attraktion auf der Internetseite des TODEN vermerkt.

Link zur Karte

Ähnlich wie der Toden und seine alten Fahrgäste, sind auch die Wohngebiete, durch die sich die Tram ihren Weg bahnt, eher vom sonst allgegenwärtigen Fortschritt in Japan verschont geblieben - teilweise zumindest.







Die mit Kirschbäumen gesäumte Straße von der Tram-Station war wirklich nett, auch wenn die bunten Papier-Lampen wohl erst in der Dunkelheit ihren vollen Glanz verbreiten.



Am Park angekommen mussten wir jedoch etwas überrascht feststellen, dass sich hinter dem Begriff "Park" ein kleiner, extrem kitschiger Freizeitpark verbirgt, für den wir hätten Eintritt bezahlen müssen.

Bei der lokalen Bevölkerung war der Park allerdings wirklich eine Attraktion, auch wenn sich dort viele seltsame Dinge hinter dem Zaum verbargen. So stelle ich es mir eigentlich in Nord-Korea vor....







Auch zu bewundern gab es den stilvollen und sorgfältigen Umgang mit Natur und Landschaft, eine Eigenschaft, für die die Japaner überall in der Welt berühmt sind.







Diese Bilder machen wohl deutlich, dass dieses Japanbild völlig veraltet ist und heute lediglich von der nationalen Propaganda-Behörde Tourismusbehörde verbreitet wird.

Was hier mit dem Arakawa-Kanal gemacht wurde, ist wirklich ein Unding (ich wehre mich dagegen, die Gewässer in Tokio als Flüsse zu bezeichnen; zum einen sind sie komplett in Beton gebettet, und zum anderen fliessen sie nicht wirklich; Kanal trifft es wohl am ehesten). Japan ist wohl das einzige Land auf der Welt, dessen Städte sich nicht über ihre (in diesem Fall ehemaligen) Flüsse bzw. Flusslage definieren. Was wäre Köln ohne den Rhein, Paris ohne die Seine, London ohne die Themse....

Die Kirschblüten verdrehen aber zum Glück auch hier den Japanern den Kopf (und Blick), sodass sich auch hier die Leute auf hässlichen blauen Plastikmatten mit Sake vollschütten und die Saison genießen.





Auf dem Weg zurück zur Tram-Haltestelle sind wir dann durch enge Gassen gelaufen...



...und an einigen sehr "lokalen" Dingen vorbeispaziert.