20. Oktober 2008

Kusatsu-Onsen & Karuizawa - Onioshidashi Park

Gute 20 km nördlich von Karuizawa liegt Mount Asama und Onioshidashi Park.

Der Ausbruch des Vulkans im Jahre 1783 (oder Teimei 3 für die Japan-Freaks) hat diese eindrucksvolle Landschaft geschaffen, als 200 Millionen Kubikmeter Lava ans Tageslicht kamen.





Heute gibt es hier ein universitäres Forschungszentrum sowie einen netten Besucherpark. Eine gute dreiviertel Stunde kann man durch die Lavalandschaft laufen und begutachten, wie langsam die Natur ihren Weg durch das schwarze Gestein findet.







Und mittendrin steht der Kannondo Temple, gewidmet den damals zum Opfer gefallenen.





Am Aussichtspunkt...

sieht man nicht nur sowas...

sonder auch mal wieder typisch für Japan, ein absolutes Unding...



Da hat doch tatsächlich jemand mitten in der endlosen Ebene ein potthässliches Riesenrad hingestellt, welches die gesamte Landschaft verschandelt. Und das, obwohl der Naturpark als "famous spot of natural beauty" bzw. als "one of the world's top three beauty spots" angepriesen wird. Und in Deutschland startet die UNESCO endlose Diskussionen, ob eine schicke Brücke über die Dresdner Elbwiesen das Weltkulturerbe gefährden könnte. Hallo UNESCO, bitte mal nach Japan kommen und hier aufräumen!

Das Riesenrad ist natürlich nicht alleine, auch eine tolle Hotelruine steht mitten im Park und rottet vor sich hin - ob die Japaner die Abrisskosten scheuen und einfach auf den nächsten Vulkanausbruch hoffen, damit das Ding verschwindet?





Für 500 Yen Eintritt war es ganz nett, vor allem bei tollstem Herbstwetter in der Sonne herumzuspazieren - gibt wohl schlimmeres...

2008.10 Onioshidashi Park


Link zu google maps

Kusatsu-Onsen & Karuizawa - Shiraito Falls Video

kleiner visueller Nachtrag zum letzen Post:

Kusatsu-Onsen & Karuizawa - Karuizawa

Karuizawa is an upmarket mountain resort at the foot of the active volcano Mount Asama in Nagano Prefecture. It was first "discovered" and promoted as a mountain resort by Western residents of Japan in the late 1800s.


Damit ist eigentlich fast alles gesagt - hier ist alles etwas mehr upscale als sonst. Und das mitten im Wald bzw. in den Bergen.

Seit 1998 hält hier der Nagano-Shinkansen, die Station ist am südlichen Ende der Stadt gebaut worden. Im Norden befindet sich also weiterhin das kleine Städtchen, und südlich - das ist wohl aus städtebaulicher Sicht höchst interessant - ein 72-Lane Golf-Course sowie das Karuizawa Prince Shopping Plaza Outlet.



Karuizawa Prince Shopping Plaza

Das Outlet, welches wirklich um eine Golfanlage herum gebaut wurde - erfreut sich einer Erweiterung nach der anderen. Im grünen Zentrum wird heute allerdings kein Golf mehr gespielt, die Golfbahn wurde in einen großen Park umgewandelt.





Die ganze Sache ist irgendwie eine ziemlich seltsame Geschichte, da ist man mitten in den Bergen auf 1.000 Metern Höhe - fern von allem - und genau dort gedeiht ein riesiges Outlet. Das schöne ist, dass hier nicht versucht wird, eine klassische Innenstadt zu imitieren - hier geht es einfach nur um ein angenehmes Shopping-Erlebnis, mit ziemlich viel Grün und Platz zum Spielen für Kinder.





Von den Geschäften wird hier aller Ansicht nach auch sehr darauf Wert gelegt, dass es wirklich nur Outlets sind und keine Geschäfte des täglichen Bedarfs - somit funktioniert das Nebeneinander von Innenstadt und Outlet ganz gut.

Architektonisch kann man allerdings wirklich darüber streiten...



Karuizawa Ginza

Die Karuizawa Ginza ist Karuizawas Fußgängerzone. Hier promenieren sowohl im Winter als auch im Sommer die Reichen und Schönen - die Geschäfte sind deutlich auf Touristen ausgerichtet. Überall gibt es Marmelade und Honig, der in der weiteren Umgebung hergestellt wird. Aber es gibt auch westlich geprägte Cafes, wo man wunderbar draußen sitzen und den Fluss der Leute begutachten kann.







In der Fußgangerzone ist am Wochenende wirklich der Bär los. Da drängten sich dann die Massen hoch und runter.

Sommerhäuser

Wer es sich finanziell und organisatorisch erlauben kann, der hat hier in Karuizawa oder in der Umgebung irgendwo im Wald ein riesiges Sommerhaus stehen. Karuizawa ist voll davon, riesige Anwesen, versteckt in dichten Wäldern, mit Einfahrten und Toren, als würden hier nur Könige und Prinzen wohnen.

Wenn man sich das anschaut, weiß man auch, dass wohl jeder Architekt in Japan mindestens ein "einzigartiges" und "maßgeschneidertes" Sommerhaus entwerfen muss. Wo überall in Japan die gleichen fabrik-gefertigten Einfamilienhäuser rumstehen, ist das hier der krasse Gegensatz.



Im Sommer muss es hier allerdings wirklich ganz nett sein, keine 45° und 90% Luftfeuchtigkeit wie in Tokio, sondern angenehme Temperaturen auf 1.000 Metern Höhe. Und die Entfernung zu Tokio macht es sogar möglich, von Freitag abends bis Montag morgens hier zu verbringen.

(interne Notiz: Lotto spielen nicht vergessen!)

Deutschland in Karuizawa


In den Straßen von Karuizawa findet man eine Menge deutscher Fahnen - ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob schon wieder Weltmeisterschaft sei - und auch einige Läden haben deutsche Namen. Vor allem Metzgereien haben sich hier Deutschland als Qualitätssiegel ausgesucht.







Kumobaike
Woman attacked by bear in Karuizawa
Friday 07th November, 09:52 AM JST
NAGANO — A woman who came to see the autumn foliage in Kumobaike, a popular tourist spot in Karuizawa, Nagano prefecture, was attacked by a bear and injured around 1.30 p.m. on Thursday, police said.




Genau an diesem kleinen Teich waren wir auch unterwegs, und haben uns die herbstlichen Farben angeschaut. Scheint ein populärer Ort für Fotografen zu sein, bei Flickr gibt es unzählige Herbstbilder.





Shiraito Falls



Ein paar Kilometer außerhalb von Karuizawa kommt man auch nicht um den Besuch der gerade mal drei Meter hohen/tiefen Wasserfälle herum. Auf einer Länge von mehr als 70 Metern strömt hier das Wasser einfach so aus dem Berg, was wirklich ziemlich beeindruckend weil seltsam ist. Hier hat ein Erdbeben wohl in der Vergangenheit mal eine geologisch ziemlich interessante Formation freigelegt.







Und sonst

Die Straßen in und um Karuizawa sind im Herbst wirklich wunderschön - vor allem die vielen Ahornbäume mit ihren unzähligen Farbvariationen zwischen Grün und Braun sind beeindruckend. Da stellt sich für mich wirklich die Frage, was die Japaner an den relativ langweiligen Kirschblüten finden - wenn man so einen tollen Herbst hat.









2008.10 Karuizawa

19. Oktober 2008

Kusatsu-Onsen & Karuizawa - Einleitung

Nachdem ich mich in den vergangenen Wochen sowohl an Feiertagen als auch am Wochenende um die Projekte unserer Klienten aus den Gold Coast Countries gewidmet habe - habe ich ein paar Urlaubstage extra gesammelt.

So ist es möglich, dass ich den gesamten Oktober als 4-Tage-Wochen genießen konnte - da auch noch an zwei Montagen Feiertage waren. Mal eine ganz gute Abwechslung zum üblichen "Alles muss bis zur Cityscape fertig werden" - Stress.

An diesem drei-Tage Wochenende haben wir also einen Ausflug nach Karuizawa und Kusatsu-Onsen gemacht.

Die beiden Orte liegen nördlich von Tokio, und sind eigentlich ganz gut mit dem Zug zu erreichen, Karuizawa hat sogar einen Shinkansen-Stopp. Wir haben uns aber für die Variante Leihwagen entschieden, was am Ende deutlich günstiger war als den überteuerten Kugelzug zu nehmen.

Ein Leihwagen für 48 Stunden bekommt man in Tokio bereits ab 30 Euro, und wenn man sich für die kleinste Wagenklasse entscheidet - die mit den gelben Nummernschildern, bezahlt man auch weniger Autobahngebühren als üblich.

Also, die nächsten Posts über Kusatsu und Karuizawa!

15. Oktober 2008

Kishibojin Matsuri 2008 - Teil 2

Als kleiner Annex zu den Bildern vom Sommerfest - hier ein paar Eindrücke der "Parade" - die irgendwie parallel zum Feierabendverkehr abgewickelt werden musste...











oder auch als Video:





Japan zwischen Tradition und (post-fordistischer - in stadtplanerischen Sinne) Moderne.

Kishibojin Matsuri 2008

Ein paar Eindrücke vom Sommerfest:

Unterwegs in der Nachbarschaft - Kishimojin

Nach und nach erkunden wir unsere neue Nachbarschaft.

Map

Der Tempel ist der Göttin Kishimojin geweiht, und dahinter steckt eine ziemlich makabre Geschichte. Die Göttin der Kinder war wohl ursprünglich ein indischer Dämon und hat damals in der Nachbarschaft Kinder entführt und verspeist - bis der mächtige Buddha ihr das eigene Kind wegnahm und sie auf den richtigen Weg gebracht hat.

Soviel zu den Legenden, ich will ja nicht wissen, ob sich jemand traut, in der Gegend einen Keller ausheben zu lassen - da finden sich doch bestimmt noch einiges an Gebeinen....

Die Infos habe ich übrigens den Blog "Walking with Lee" entnommen.

Wenn man nix darüber weiß, ist ein Ausflug zum Tempel aber eine nette Sache. Von der Hauptstraße geht es einige Hundert Meter durch die (ehemalige) Haupteinkaufsstraße des Viertels. Hier finden sich auch heute noch Geschäfte aus längst vergangenen Zeiten - zwischendrin aber auch ganz nette Cafes nach europäischem Vorbild, wo man in loungiger Atmosphäre leckeren Kaffee trinken kann.



z.b. das Cafe Samushingu (さむしんぐ - die japanische Variante von "Something")
-> Blog-Post in japanischer Sprache

Ein wenig weiter entlang dieser Strasse trifft man dann bald auf die letzte in Tokio verbliebene Straßenbahn - den Toden. Sobald man die Gleise überquert hat, geht es Richtung Tempel. Einer der Hauptzugangswege ist auch heute noch ziemlich unverändert, jedenfalls was die Dimensionen und die Enge angeht. Hier stehen richtig majestätische, alte Bäume in der Strasse, die praktisch alles darunter in den Schatten stellen - im Sommer eine wirklich tolle Sache.





Hier habe ich ein Foto der Strasse aus dem Jahr 1911 gefunden!
http://www.ndl.go.jp/scenery/e/data/103/index.html

Ein Originalgebäude ist auch noch erhalten, und wird gerade aufwändig renoviert bzw. konserviert. Derzeit haben da ein paar junge Kreative ihr Büro eingerichtet.



Auf dem Schrein-Gelände gibt es dann die üblichen Dinge zu entdecken. Leider ist das Gelände abends abgesperrt, ansonsten wäre das nämlich ein wirklich toller Ort, um ein Feierabendbier trinken zu gehen.







Apropos, jedes Jahr zwischen dem 16.-18. Oktober findet hier das örtliche Matsuri (Sommerfest) statt - darüber mehr im nächsten post.