25. November 2007

Takaosan

Im Herbst muss man als urbaner Tokioter mindestens einmal den nahe gelegenen Takaosan besteigen.

Nachdem ich meiner Freundin schon des längeren auf den Ohren gelegen bin, endlich mal einen echten Wald sehen zu wollen - den von den vielen Werbeplakaten - sind wir heute zum Takaosan gefahren. Dieser Berg liegt ca. 45 Minuten westlich von Tokio, aber immer noch im Regierungsbezirk.

Der Takaosan ist bekannt für sein farbenfrohes Herbstkleid; hier hat es die Verwaltung noch nicht geschafft, den Mischwald zu Gunsten pseudowirtschaftlicher monokulturierter Zedernhölzer abzuholzen. Der Berg wird von den Japanern als heiliger Berg angesehen, auf 3/4 des Anstieges findet man den idyllisch am Hang gebauten Yakuoin-Tempel.

Mit dem Zug fährt man dann wirklich bis an den Start der Wanderwege, die hoch zur Bergspitze führen. Dies ist einerseits ganz praktisch, andererseits kommt man in einem kleinen Ort an, den die touristische Entwicklung komplett aus der Bahn geworfen hat.

So ist die Bahnlinie völlig unnötig aufgeständert, der Dorfmittelpunkt ist ein betongrauer Parkplatz und der zierliche Bergbach wurde in ein hässliches Betonbett gezwängt.





Daneben gibt es noch zwei von den üblichen Architektursünden, mit denen jede kleine Stadt in Japan zu kämpfen hat, ein kitschiges Stundenhotel (Love-Hotel) mitten im Zentrum, und ein komplett aus Beton gebautes, überdimensioniertes Museum mit einer völlig gegenstandslosen und ohne Ortsbezug aufzeigenden Ausstellung. Im Falle von Takaosan ein Trickfilm-Museum?! Formvollendet wurde da auch gleich noch eine Tankstelle im Gebäudeklotz integriert. Na ja.....





Übrigens, das mit dem monumentalen Museum war in den 80ern und 90ern mal eine Art Regierungsprogramm; da haben die Japaner auf einmal bemerkt, dass sie den Bereich Tourismus voll verschlafen haben. Also wurden überall im Land überdimensionierte und überteuerte Museen und Kulturgebäude gebaut. So wurde die Bauwirtschaft angekurbelt, die Bürgermeister haben Geld in ihre eigenen Taschen gewirtschaftet und heute können sich die Gemeinden und Städte den Unterhalt nicht mehr leisten. Völlig daneben diese Strategie.

Trotz der heiligen Verehrung des Berges haben die Bausünden auch hier nicht halt gemacht. So führen heute sechs verschiedene Routen hoch zum 599m hohen Gipfel, Pfad 1 ist der populärste, vollständig asphaltiert, begleitet von oberirdischen Stromleitungen bis ganz hoch. Dann gibt es da noch eine Zahnradbahn, die bis auf die halbe Höhe fährt, und in einem kleinen Fressdorf endet. Hier gibt es Snacks aller Kategorien, und natürlich die von den Japanern geliebten Getränkeautomaten.



Bis hierhin haben wir ca. 45 Minuten gebraucht, alleine waren wir nicht wirklich unterwegs, zusammen mit Abertausenden haben wir uns den Weg hochgequält - alle hatten heute die gleiche Idee. War schon eine ziemlich bizarre Situation und kann wohl nur den richtigen Tokiotern Spaß gemacht haben.





10 Minuten später kommen wir zu einer Plattform, wo es einen sehr schönen Ahornhain zu sehen gab.





Nach weiteren 25 Minuten sind wir dann am Yakuoin-Tempel angekommen. Der ist wirklich sehr nett am Hang gebaut, mit toller Aussicht in die Umgebung. Und bunten Bäumen.





Von hier aus sind es dann nochmal gut 20 Minuten bis ganz hoch zum Gipfel. Komplett von Beton überzogen, gibt es hier oben wieder ein gutes Dutzend Fastfood-Restaurants , Getränkeautomaten und Souvenirläden. Und tausende Wochenendausflügler sitzen überall in der Gegend verstreut herum und machen sich über ihre Lunchbox her. Weniger Atmosphäre geht wohl kaum noch.....



Für den Rückweg haben wir uns dann Route Nr. 6 ausgesucht. Die hatte schon etwas mehr mit Wandern und Natur zu tun, ein Teil ging wirklich über und durch einen kleinen Bach hinunter. Und auch wenn man von hier keine wirklich tolle Aussicht mehr hatte, so hat dies doch viel mehr Spaß gemacht als in der Reihe den betonierten Weg hochzulaufen.



Bleibt festzuhalten - vielleicht war dies der schlechteste Zeitpunkt, den Berg zu erklimmen, als Tourist kann man sich sicherlich einen weniger hektischeren Wochentag aussuchen.

Hier gibt es noch mehr Bilder:


2007.11 Takaosan

Singende Straßen

Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, gibt es in Japan jetzt singende Straßen. Diese sollen den Autofahrer auf Gefahrensituationen vorbereiten.



Na ja, die Idee ist ja vielleicht ganz nett, die Ausführung ist allerdings auf Grundschulniveau....

via planetizen

24. November 2007

Herbst Shinjuku Gyoen

Nachdem ich den Park in Shinjuku ja schon in der Kirschblütenzeit vorgestellt habe (Hanami Shinjuku Gyoen), hier die passenden Bilder im Herbst:

23. November 2007

Illumination 2007

Weihnachtszeit ist Lichterzeit in Japan - ähnlich wie im Sommer, wenn sich die Stadtteile mit exzessiven Feuerwerken zu übertreffen versuchen, konkurrieren in den Monaten November und Dezember die Shopping-Locations mit Lichtinstallationen um die Gunst des Kunden.

Hier ein paar Impressionen aus Roppongi:

Roppongi Hills:


Tokyo Midtown:


Sieht im ersten Moment wie eine unvernünftige Verschwendung von Energie aus - sind aber alles LED-Lichter, womit das Gewissen der Japaner beruhigt wird.

Tag der Arbeit

Heute ist in Japan ein Feiertag - Kinro Kansha No Hi (勤労感謝の日, "Tag des Dankes der Arbeit").

Eigentlich also eine schöne vier-Tage-Woche und ein drei-Tage-Wochenende - na ja, eigentlich. Da wir einfach nicht genug Leute für unsere Projekte zugeteilt bekommen, versinken wir gerade in Arbeit, müssen Deadlines verstreichen lassen und arbeiten fast jeden Tag bis zur letzen U-Bahn. So wird aus einem Feiertag ein mehr oder weniger normaler Arbeitstag.

Als Nicht-Firmensklave hätte ich den Tag natürlich frei machen können, die Arbeit hätte ich dann aber in der nächsten Woche spät abends nachholen müssen. Und da meine liebe Freundin eh auf Reisen war, habe ich beschlossen, für ein paar Stunden in die Firma zu gehen.

Überraschender Weise war ich nicht alleine, ca. 20% der Belegschaft war ebenfalls anwesend! Die wenigsten davon hätten wohl wirklich kommen müssen, ich glaube kaum, dass die wirklich busy sind, eher, dass sie einfach nichts anderes zu tun haben...was sehr traurig ist....Alle sind casual-dressed in die Firma gekommen - also fern der sonst üblichen Anzugs-Kostümierung. Gekleidet im eigenen Stil, habe ich die meisten Leute kaum erkannt, hier wimmelte es von dunklen Sonnenbrillen, Baseballcaps etc. Jetzt verstehe ich so langsam, warum ein Dresscode hier wirklich Sinn macht!

22. November 2007

Feinschmecker


Tokio - Welthauptstadt der Feinschmecker
Erstmals bringt Michelin einen Restaurantführer für Tokio heraus - und vergibt auf Anhieb 191 Sterne. Das ist ein Rekord. Diese Entscheidung eine Sensation zu nennen, wäre beinah untertrieben: Tokio ist das neue Mekka für richtig gutes Essen.
(Financial Times Deutschland)

Die Japaner haben etwas zu feiern. Was sie schon lange wussten und auch bei jeder Gelegenheit mitteilen - ihr Essen ist das beste der Welt!

Hier die Liste der Drei-Sterne-Lokale in Tokio:

  • Sukiyabashi Jiro Sushi; Adresse: Ginza 4-2-15, Chuo-ku
  • Sushi Mizutani Sushi; Adresse: Ginza 8-2-10, Chuo-ku
  • Hamadaya Jap. Küche; Adresse: Ningyocho 3-13-5, Nihonbashi, Chuo-ku
  • Kanda Jap. Küche; Adresse: Moto-Azabu 3-6-34, Minato-ku
  • Quintessence Franz. Küche; Adresse: Shirokanedai 5-4-7, Minato-ku
  • Koju Jap. Küche; Adresse: Ginza 8-5-25, Chuo-ku
  • Joël Robuchon Franz. Küche; Adresse: Mita 1-13-1, Meguro-ku
  • L'osier Franz. Küche; Adresse: Ginza 7-5-5, Chuo-ku

    Da sich hier ja alles ums Essen dreht, eigentlich kein Wunder. Da allerdings die meisten Lebensmittel aus dem (fernen) Ausland ins Land gekarrt werden müssen, und Japan gerade mal wieder Jagd auf vom Aussterben bedrohte Wale macht ,frage ich mich, ob es auch eine Art Eco-Michelin-Kategorie gibt...

    Ach ja, das französische Restaurant Quintessence ist wohl von besonderem Interesse. Der japanische Chef ist gerade mal 32 Jahre alt, hat in Europa gelernt und ist der Sohn der Kusine der Mutter meiner Freundin - alles klar? Nah dann, guten Hunger!
  • 20. November 2007

    Blendernation Japan

    Japan set to unveil major plan to save climate in Asia
    ...
    Japanese Prime Minister Yasuo Fukuda will unveil a major initiative this week to help Asian countries -- in particular China and India -- cut back carbon emissions and combat climate change, officials said Monday.
    ....

    Fukuda's program envisages giving massive loans and aid to reduce emissions in polluting countries. The program will be based on three pillars: creating a greener society that emphasizes recycling and reducing pollution; promoting biodiversity by preserving nature; and promoting education about global warming.

    ...
    Nicht schlecht für ein Land, das in weniger als 50 Jahren seine gesamte Natur zerstört hat, sämtliche Flüsse in Betonschalen umgebettet hat, dessen Wälder mit tausenden nicht registrierter, weder versiegelter noch abgedeichteter Müllhalden gespickt sind und das auch sonst im Bereich Umwelttechnologie auf dem Stand der 1960er Jahre stehengeblieben ist.

    Die sollten lieber mal vor der eigenen Türe mit dem Kehren anfangen. Aber wahrscheinlich sehen die Japaner eher die finanziellen Investitionsmöglichkeiten. Japan hat allerdings noch nicht erkannt, dass alle anderen Länder längst viel erwachsener geworden sind, und so wird (hoffentlich) niemand auf den Gadanken kommen, auf den alten Greis Fukuda und seine Vorschläge zu hören.

    http://mdn.mainichi.jp/national/news/20071119p2a00m0na035000c.html

    18. November 2007

    Herbst #2

    Habe ich es mir neulich erlaubt zu sagen, es gäbe keine Bäume mehr in Japan? Was hat mich da nur geritten....natürlich gibt sie es noch.

    Und zwar in all den tollen Parks! Hier werden sie gehalten wie Tiere im Zoo. Und die Japaner kommen hier her, um Bilder von den künstlich gepflanzten Bäumen zu machen. Hier können sie sich einer Erinnerung vergangener Tage erfreuen, als Japan noch eines der schönsten Flecken Erde war. So circa bis vor 75 Jahren. Dem im folgenden begangenen Raubbau an der Natur und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung trauert hier niemand nach. Es sind allenfalls die Ausländer, die sich fragen, wo die Orte sind, die auf all den schönen Werbebotschaften über Japan zu sehen sind.

    Anyway, hier sind ein paar positive herbstliche Bilder aus unserem Hauspark, Hikarigaoka Koen:

    Im Park finden sich derzeit alle nur erdenklichen Farben, jede Baum- und Strauchart scheint irgendwie vorhanden zu sein:







    Auf dieses Landschaftselement stehen die Japaner besonders, eine Art Baum-Allee-Röhren-Weg:



    Die Kirschbäume zeigen sich in angenehmen Rot- und Brauntönen:





    Zwischendrin wird man im Park aber auch von der grauen Realität eingeholt. In unserem Falle sind es die überdimensionalen Betonmonster, die überall im Park gelandet sind und mit einem heftigen Getränkeautomatenbefall zu kämpfen haben:



    Oder diese seltsamen Exemplare der Natur, die mit Lautsprechern ausgestattet sind.



    Zu guter Letzt gab es auch mal wieder ein Fest im Park, dieses Mal eine Art Erntedank-Fest, soweit ich dies verstanden habe.



    Hierzu wurden wieder die dezent-gestylten Zelte aufgestellt, deren Hauptaufgabe es zu sein scheint, sich von den natürlichen Farben der Natur abzuheben:



    Und dann gab es noch einen Schönheitswettbewerb zu bestaunen - wer hat den schönsten Brokkoli im ganzen Land:







    Also, wenn ich mir nach einem Jahr die unzähligen Veranstaltungen und Feste vor Augen führe, dann kommt mir der Gedanke an lange vergangene Tage, als im römischen Reich die Ausrichtung von Festen hauptsächlich das Ziel verfolgte, das Volk ruhig zu stellen und von der Wirklichkeit abzulenken. Irgendwo gibt es da zum heutigen Japan sicherlich Parallelen...

    11. November 2007

    Daikanyama Installation 2007

    Public Art - in Amerika und Europa schon seit Jahrzehnten ein erfolgreiches Mittel, um den öffentlichen Raum zu bereichern. In Japan setzt sich dies erst in den letzten Jahren durch, hier wird Kunst doch noch sehr mit alten Bildern aus Europa verbunden. Vielleicht liegt es auch daran, dass es in Japan eigentlich keinen öffentlichen Raum (mehr) gibt, an dem es sich lohnt, zu verweilen. Plätze wie in Europa gab es hier noch nie wirklich, und die Straßen konzentrieren sich zu 100 Prozent auf den motorisierten Verkehr.

    Daikanyama ist da etwas anders, hier gibt es enge Gasen, hunderte kleiner Designer-Läden und Cafés, und öffentlichen Raum. Darum zieht es mich wohl öfter in diese Gegend von Tokio als irgendwo anders.

    Die Daikanyama Installation findet in diesem Jahr zum 5. Mal statt. Unter der Leitung von Fram Kitagawa haben die Organisatoren 13 aus 366 eingereichten Vorschlägen ausgewählt. Die sind im November im schicken Fashion-Viertel Daikanyama in Tokio zu sehen.







    Hier ein kleiner fotografischer Rundgang:

    Drop Ball - Murmeln durch Plastikrohre rollen lassen:





    Pop-Up:





    Mini-Basketball in einer architektonischen Nische:



    Versteckter Pfad um ein Teehaus - Spiegel an der Leine:





    ... je nach Blickwinkel mit schönen Frauen drin ;-)



    Käfer vor der dänischen Botschaft:





    Kleiderbügelwand:





    Construct
    - 18. Jahrhundert Sydney in Tokyo (ein Versuch, die Bedeutung von Architektur auf den angrenzenden Raum zu verdeutlichen (Hallo Japan - Notizbuch raus, aufschreiben, lernen!):



    Saigoyama Park - Jedermanns Schaukel:







    Leere @ Art Up Deco Gallerie, Hillside West








    Und hier noch zwei weitere Kunstwerke, die das Komitee nicht offiziell ins Programm aufgenommen zu haben scheint:

    Parkplatz für Autos vom anderen Ufer:



    Leuchtwerbung vor einem Fachgeschäft für Balletbekleidung:



    Link zur offiziellen Webpage

    Daikanyama Installation 2007