30. April 2007

Neue Mitarbeiter - Shin-Nin

Jedes Jahr im April stellen die Firmen in Japan neues Personal ein, und zwar nur zu diesem Zeitpunkt. Wenn man also sein Studium beendet hat und sich durch den endlosen Bewerbungsmarathon (mit hunderten von wahllosen Bewerbungen), der hier veranstaltet wird, gekämpft hat, beginnt pünktlich zum 1. April die "Sklaverei" in der Firma.

Da die Japaner recht "dumm" und unvorbereitet von der Universität kommen (praxisnahe Ausbildung scheinen die Japaner eher weniger zu kennen), durchlaufen sie in der Firma zuerst einmal eine mehrmonatige Eingewöhnungsphase; man könnte dies wohl auch "betriebsinterne Schulung" nennen. So ist es nicht wirklich von Bedeutung, welches Fach man studiert hat; wichtiger ist eher, von welcher Uni man kommt, welche Kontakte man hat usw.. So bekommt man schließlich einen Job. Und die Firma sorgt dann dafür, dass man für die anfallenden Aufgaben qualifiziert wird.

Auch meine Abteilung hat dieses Jahr fünf neue Leute eingestellt und vergangene Woche Freitag war die Willkommensveranstaltung. Zu der Party, die ab 19:30 Uhr in der Firma steigen sollte, wurde unser gesamtes Stockwerk eingeladen (was bei uns gleichbedeutend mit einem großen Arbeitsraum ist und ca. 100 Leute (?) umfasst). Dazu kommen dann noch die Firmenbosse und Vize usw..

Ach ja, "Einladung" ist wohl der falsche Ausdruck, schließlich wurde jeder gebeten, für die anfallenden Unkosten selbst zu löhnen - immerhin gestaffelt nach Position und Einkommen.

Der Ablauf dieser Willkommensveranstaltung war dann für mich doch schon ein wenig überraschend, weil sehr japanisch. Zuerst einmal greifen alle zur Dose aka (zum Alkohol), der in rauhen Mengen und allen Facetten bereitgestellt wurde. Nachdem dann alle bereits ein wenig angetrunken waren, wurde mit kurzen Worten vom Firmenchef das Büffet eröffnet. Sogleich stürzten sich alle auf die Köstlichkeiten, ganz ohne Hemmungen , und häuften so viel auf ihre Teller wie nur möglich.

Wirklich, sobald die Japaner mit Nahrungsmitteln konfrontiert werden, verlieren sie alle guten Manieren! Gleiches ist auch im Supermarkt zu beobachten. Irgendwie wird da der Raubtier-Instinkt reaktiviert - und schon fängt das unkoordinierte Gedränge an.

Nach der kurzen Essenspause und weiterem Genuss alkoholischer Getränke, war es dann an den Neulingen, in einer kurzen Powerpoint-Präsentation eine kurze Selbstvorstellung zu geben. Da zu diesem Zeitpunkt die Mehrheit der anwesenden Gäste bereits in einen berauschenden Zustand verfallen war und niemand den Neulingen wirklich Beachtung geschenkt hatte, hatten die einen wirklich schweren Stand. Persönlich finde ich dies ein Ding der Unmöglichkeit. Da kommen die neuen Leutchen, bereiten eine Präsentation vor und keiner fühlt sich verpflichtet, mal für ein paar Minuten die Luft anzuhalten, um der Vorstellung zu lauschen. Ich war wirklich knapp davor, mich zu Wort zu melden, um für etwas mehr Anstand zu appellieren. - Leider habe ich aber auch gleich erkannt, dass ich da mehr falsch machen kann als richtig und meine Sprachkenntnisse eh nicht ausgereicht hätten...

Die Neulinge haben dann in durchweg ziemlich schlecht gemachten Powerpoint-Präsentationen von ihren bestimmt interessanten Studienarbeiten berichtet, und am Ende sogar von ihren zahlreichen Hobbies erzählt - ob die bereits wussten, dass sie ab sofort das Thema Hobby ad acta legen können?

Die Party zog sich dann noch bis 22:30 Uhr hin, es floss weiterhin Alkohol in rauhen Mengen, und die Diskussionen wurden lebhafter und lauter. Zum guten Schluss haben die mich dann mit einigen anderen, die ebenfalls in den vergangenen Monaten eingestellt wurden, auf die Bühne gestellt - zwecks kurzer Vorstellung. Alle anderen haben natürlich die japanischen Floskel von sich gegeben, ich musste da schon etwas mehr improvisieren. - Zum Glück hat mich mein Abteilungsleiter mit seiner etwas "vorlauten" und "unpassenden" Frage nach der Nationalität meiner Freundin vor versammelter Abteilung unterbrochen. Ob er dies absichtlich oder auf Grund seines gestiegenen Alkoholpegels getan hat - ist mir eigentlich egal. Der folgende Wortwechsel war allerdings ganz lustig und alle haben sich amüsiert. :-)

Und, was bleibt übrig vom Fest? Als ich meine Sachen vom Arbeitsplatz geholt habe, um mich ins Wochenende zu stürzen, fand ich doch tatsächlich knapp 20% meiner Abteilung hinter ihren Computern beim Arbeiten - nach der Party, Freitag Abend, kurz vor 23 Uhr. Traurig, traurig, traurig.....

19. April 2007

Demokratie

Demokratie spiegelt sich im alltäglichen Leben in verschiedenen Ländern der Erde sehr unterschiedlich wider. In den Vereinigten Staaten darf jeder eine Waffe seiner Wahl besitzen, in Deutschland darf man (noch) ungestraft unsinnige Geländewagen durch die historischen (und vom Gelände sicherlich sehr fordernden) Ortskerne kutschieren. In Italien ist es erlaubt, zu jeder Tageszeit und Witterung eine Sonnenbrille zu tragen, an den brasilianischen Stränden darf man jeden noch so kleinen Stofffetzen als Bikini titulieren.

Und in Japan darf anscheinend jeder ein Megaphon besitzen und damit seine (meistens völlig sinnfreien) Weltansichten kundtun.

Jetzt haben wir hier in Tokio gerade die Bürgermeisterwahlen mit all den Wahlwerbungen auf der Straße hinter uns gebracht, da steht auch schon die nächste Wahl an, diesmal irgendetwas in den Stadtbezirken. Mal ganz abgesehen davon, dass es doch relativ unsinnig ist, diese Wahlen im Zeitraum von drei Wochen an zwei unterschiedlichen Wochenenden zu veranstalten.

Auf jeden Fall werde ich jetzt wieder jeden Morgen an der U-Bahn-Haltestelle von irgendwelchen Partei-Anhängern per Megaphone begrüßt. Hört sich alles nicht so dramatisch an, aber:

Nachdem ich morgens sanft von den ersten Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne geweckt werde (was aufgrund der fehlenden Sommerzeit hier schon um 5 Uhr morgens! passiert...) stelle ich während meines gemütlichen Frühstücks mit der Tagesschau des vergangenen Abends aus Deutschland fest, dass sich die guten Politiker in Deutschland immer noch mehr um sich selbst als um ihr Land kümmern. Wenn ich dann meinen Blick aus dem Fenster schweifen lasse und die ganzen Workaholics auf ihrem allmorgendlichen Jogging-Lauf zum Büro beobachte, bin ich dann auch bald bereit die Wohnung in freudiger Erwartung auf meinen interessanten Job zu verlassen.

Wenn mir dann aber schon nach weniger als 3 Minuten vor der U-Bahn-Haltestelle jemand mit einem Megaphon in entsprechender Lautstärke aus weniger als 2 Metern Entfernung einen "Guten Morgen" wünscht - dann ist das doch schon jetzt des Guten zu viel; immerhin ist es da gerade mal 8 Uhr in der Früh. Und heute morgen haben sich zwei dieser Krachmacher duelliert. Würde so etwas in den USA passieren? Ich bin mir nicht sicher, welche Folgen dies nach sich ziehen würde.

(Bildqualität ist miserabel, ich weiß, aber es geht mir vor allem um das Sound-Erlebnis...)

Wie können diese Wahlwerber denken, dass sich irgendjemand morgens kurz nach dem Aufstehen davon angesprochen fühlt? Ich würde sofort jemanden wählen, der sich morgens an den Eingang der U-Bahn-Haltestelle stellt und demonstrativ NICHTS von sich gibt.

Nun gut, genug gemeckert ... zum Selbstschutz hilft da nur ein mp3-Player mit lauter Musik, auch nicht so das Wahre für den frühen Morgen, aber immerhin besser als diese Töne aus den Megaphonen.

18. April 2007

Im Supermarkt (3)

nein, es ist noch nicht vorbei, hier der dritte Teil der Supermarkt-Trilogie:

Sobald man seine Körbchen gut gefüllt hat, geht es zur Kasse. Dort bilden sich nicht nur zu den Stoßzeiten lange Schlangen. Warum? Weil die Japaner gerade hier auf Fließbänder verzichten! Man stellt also sein Körbchen auf die linke Seite der Kasse/ des Scanners. Die guten Kassierer und Kassiererinnen heben dann jedes einzelne Produkt aus dem Körbchen, vergewissern sich dabei, dass damit auch alles in Ordnung ist und halten es anschließend unter den Scanner. Dann lesen sie dem Kunden den Preis vor, so dass hier ja keine Missverständnisse passieren. Ist dies geschafft, kommt es rechts von der Kasse in ein vorher hier aufgestelltes, leeres Körbchen, und das ganze Prozedere wird für den nächsten Artikel veranstaltet. Und dies dauert und dauert und dauert. Man könnte meinen, dass es sich hier nicht um Lebensmittel, sondern vielmehr um wertvolle Diamanten oder Gold-Nuggets handeln würde.

Hat man am Anfang vergessen, eine hierfür vorgehaltene Karte mit in sein Körbchen zu legen, wird man am Ende mit Unmengen von Plastiktüten zugeschüttet, ungefähr eine pro Produkt. Und wenn man irgendetwas Tiefgefrorenes gekauft hat, gibt es nochmal eine extra, damit hier ja nichts feucht wird.

In Sachen Bezahlung sind die Japaner dann wieder besser aufgestellt. Nachdem man der Kassiererin den Geldbetrag übergeben hat, werden die Geldscheine und Münzen automatisch in die Kasse eingezogen, gezählt und das entsprechende Wechselgeld berechnet. Dieses sprudelt dann aus der Kasse, als hätte man den Jackpot gewonnen. Zuerst werden dann vor den Augen des Kunden die Scheine gezählt, anschließend gibt es die Münzen fein säuberlich angeordnet samt der Rechnung. Fertig.

Warum gerade hier keine Fließbänder zum Einsatz kommen. Entweder aus Platzgründen, oder die Japaner stehen einfach sehr gerne in der Schlange, oder man will es dem Kunden nicht abverlangen, seine vorher mühsam zusammen-gesammelten Waren an der Kasse aus dem Körbchen auf ein Band zu hieven. Schlussendlich wäre damit aber vor allem den Kunden geholfen, weil alles viel schneller und effizienter funktionieren würde.

17. April 2007

Im Supermarkt (2)

Also gut, während man sich so seinen Weg durch die engen Supermarktgänge erkämpft, wird man nicht wie in Deutschland mit einschläfernder Musik betäubt, nein, an jeder Ecke scheint ein billiges CD-Radio zu stehen, aufgedreht bis zum Anschlag. Aus dessen Lautsprecher werden dann die neusten Angebote ausgerufen, in einer Endlosschleife. Ich bin froh, dass ich nichts verstehen kann und somit auch nicht intellektuell verarbeiten muss.

Am Wochenende werden dann an allen bis dato noch nicht besetzten Ecken Gratisproben vieler Waren ausgegeben, zum Mittagessen kann man eigentlich in den Supermarkt gehen und sich durchfressen. Danach ist man garantiert satt.

Dass in Japan Lebensmittel sehr viel teurer sind als in Deutschland muss ich ja nicht extra erwähnen. Die Japaner müssen schließlich alles importieren. Nur Sushi ist sehr günstig, und nach 19 Uhr wird der Preis nochmals halbiert. Man kann also acht große Maki-Rolls für weniger als einen Euro erstehen.

Sehr lästig ist, dass sich die Preise jeden Tag ändern. Unser Brot scheint sich entweder an den aktuellen Weltmarktpreisen für Weizen zu orientieren, oder man hat hier einfach Langeweile und ändert darum jeden Tag den Preis. Gleiches ist bei Äpfeln und Bananen zu verfolgen.

16. April 2007

Im Supermarkt (1)

Auch nach vier Monaten will ich meinen, dass ich höchstens 20% aller Produkte im Supermarkt irgendwie erkennen und einem Namen bzw. einer Herkunft zuordnen kann. Alles andere bleibt mir verschlossen. Was ich allerdings nicht nur auf die Sprachbarriere schieben würde. Die Japaner scheinen hier wirklich alles aus dem Meer zu holen, was sich irgendwie bewegt (oder sich jemals bewegt haben könnte) )und kochen lässt. Na ja, anderes Land, andere Sitten.

Ganz zu Anfang fallen einem dennoch die völlig anderen Einkaufswagen auf. Sie sind sehr viel kleiner und kürzer geraten und zudem als Doppeldecker konstruiert. Man kann also oben und unten einen Plastikkorb einhängen.


Da die Dinger sehr wenig Platz beanspruchen, können es sich die Japaner auch erlauben, die Supermarktgänge extrem eng auszulegen. So eng, dass genau zwei dieser kleinen Wagen aneinander vorbei kommen können. Natürlich nur, wenn beide Parteien entsprechende Fahrkünste aufweisen würden und während des Laufens (und Wagen-schiebens) nicht ihre Augen seitlich auf die Regale gerichtet hätten.

Ich verbinde den Anblick dieser Wagen immer noch mit den mobilen Gehhilfen für ältere Menschen, so dass ich im Supermarkt immer den Eindruck habe, mitten im Altersheim gelandet zu sein. Irgendwie bewegt man sich mit dem Wagen aber auch etwas seltsam, als würde man gleich umfallen und nicht weiter vom Fleck kommen. So dass ich jedesmal aus (Ehr-)Furcht einem dieser Wagenschieber ausweiche und Platz mache.

Hat schon Ähnlichkeit, oder?

Ich habe ja bereits schon einmal auf die etwas seltsame und eher rücksichtslose Fortbewegungsart der Japaner aufmerksam gemacht. Dies setzt sich im Supermarkt fort, nur ist es entsprechend gefährlicher, da man immer einen Einkaufswagen vor die Knie gefahren bekommt. Somit bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als nur zu den Nebenzeiten einkaufen zu gehen, in den Rushhours ist es wirklich kein Vergnügen.

15. April 2007

Oshima & Nijima (3)

Nijima

Sonntag morgen haben wir uns früh auf den Weg gemacht und um 6:20 Uhr (!) die Fähre von Oshima nach Nijima genommen. Nijima ist knapp 11km lang und 2,5km breit und lässt sich so sehr bequem per Leihfahrrad erkunden.

Hier wird vornehmlich das vulkanische Gestein Rhyolith abgebaut und in alle Welt exportiert. Auf Nijima selbst wird es für die kunstvolle Erstellung von Glas sowie für Skulpturen verwendet.

Auf der ganzen Insel stehen darum auch nachgemachte, historisch-anmutende Steinbauwerke, die mal an das römische, mal an das griechische Reich und mal an die Osterinseln erinnern. Im Nachmachen sind die Japaner halt ganz groß.



Bestes Beispiel ist das Yunohama Onsen (heißes Bad), welches im retro-griechischen Stil auf einem Felsgipfel gebaut ist und einen sehr schönen Blick auf das Meer bietet. Auch hier waren wir fast alleine und die Benutzung war für Umme. Nach einer ausgedehnten Fahrradtour genau das Richtige.



Auf der Ostseite der Insel erstreckt sich ein über 6km langer weißer Sandstrand, der wohl im Sommer von Surfern aller Nationen bevölkert wird. Und an diesem Sonntag war es unser Privatstrand - nur leider etwas zu kalt zum Baden.





Innerhalb von einem Tag hat man fast alles auf dem Stückchen Insel gesehen; ohne große Hotels und Tourismusindustrie (es gibt wohl genau eine Ampel auf der Insel) ist es wirklich ein schöner Fleck Erde.

14. April 2007

Oshima & Nijima (2)

Oshima

Oshima, was so viel heißt wie "große Insel" (nur um mal meine fantastischen Japanischkenntnisse unter Beweis zu stellen...), ist also vulkanischen Ursprungs. Der letzte große Ausbruch liegt gerade mal 20 Jahre zurück, damals mussten alle Bewohner die Insel für bis zu einen Monat verlassen.

Oshima lässt sich sehr schön an einem Tag erkunden, mit 14x9km Ausdehnung ist sie nämlich nicht wirklich groß. In der Mitte erhebt sich der Krater, an der Westküste befindet sich der Hauptort und Hafen. An der Süd- und Nordspitze gibt es noch weitere Häfen.

Die Insel hatten wir fast für uns alleine, da hier in der Nebensaison wirklich nichts los ist. Viele Tokioter haben wohl überhaupt keine Ahnung, dass sich in lediglich zwei Stunden Entfernung ein herrlicher Urlaubsort befindet. Die fliegen wohl lieber für einen vier-Tage-Trip nach Europa oder Amerika. Meine Kollegen wussten überraschenderweise sehr wenig über die Inseln.

Mit unserem Leihwagen sind wir dann einmal um die Insel herum gefahren, mit diversen Stopps. Einer dieser Stopps war in der Nähe des Kraters; wir sind auf einem Lava-Bergkamm entlang spaziert, mit Blick auf den Vulkan und die erkalteten Lavaströme. Da oben war wirklich einsame Stille, und die beeindruckende Landschaft mit den herumliegenden riesigen Felsbrocken hat uns einen guten Eindruck über die enorme Kraft des Vulkans vermittelt.



Die ganze Insel an sich ist mit einer grünen Baumschicht überzogen und ist touristisch kaum erschlossen. Es gibt also kaum störende hässliche Bauwerke, allerdings sind die Straßen alle brand-neu. Da macht es sich wohl bezahlt, dass die Inseln zu Tokio gehören und sich aus dem reichen Finanztopf bedienen dürfen.



Strände gibt es hier auch, allerdings mit schwarzem Sand.

Die Wanderung zum eigentlichen Krater macht man von einer Art Bergstation aus. Der "Hiking-Course" besteht hier aus einem geteerten Weg, der sich ca. 2km von der Station durch die Lavalandschaft zum Krater schlängelt. Oben angekommen kann man dann in den Krater hineinschauen, und überall dampft es. Beeindruckend.

Unsere Unterkunft war typisch japanisch, im Hotel hat sich wohl seit den letzten 30 Jahren nichts verändert, war wie eine Zeitreise. Da es aber wie gesagt nur eine Handvoll auf der Insel gibt, hat man nicht wirklich die Wahl...

Am nächsten Morgen sind wir dann zu einem Tagesausflug nach Nijima, weitere 50km südlich aufgebrochen. Details hierzu gibt es im nächsten Blog-Eintrag.

Ach ja, Bilder habe ich auch gemacht....
Izu Oshima und Nijima


google maps funktioniert leider nicht, die Datei ist wohl zu groß geworden, dabei habe ich doch lediglich 50 von 400 Bildern ausgewählt....

Bilder in GoogleEarth anschauen

13. April 2007

Freitag Abend

Hmmm, habe ich den Freitag Abend in der Firma schon mal zum Thema gehabt? Wahrscheinlich schon, aber jetzt sitze ich hier schon wieder um 19:30 Uhr, alle sind noch im Büro und gleich ist auch noch ein Meeting angesetzt.

Verstehen tue ich das Ganze aber immer noch nicht. Entweder die ganzen Leute haben kein zu Hause, kein privates Leben und Hobbies, oder keine Freunde oder was auch immer. Oder was wollen die hier noch? Wissen die Freitags noch nichts vom Wochenende?

Ist aber wirklich jede Woche das gleiche. Irgendeine sinnlose Veranstaltung finden die immer, die sie auf Freitag Abend legen können. Letzte Woche eine Schulung, diese Woche eine Besprechung, nächste Woche eine Welcome-Party für die neuen Mitarbeiter...

Ich glaube in einer Deutschen Umgebung würde ein Japaner nach gut zwei Wochen aufgeben, weil er mit der ganzen Freizeit völlig überfordert wäre.

Also gut, mache ich halt noch die Besprechung mit und dann ab ins Wochenende. Ab morgen gibt es dann Bilder aus Oshima, versprochen ;-)

12. April 2007

Pasmo

Bisher war es ziemlich umständlich, in Tokio mit Bus & Bahn zu fahren. Irgendwie hat hier die Privatisierung voll zugeschlagen, und für jede U-Bahn und jede Bahn musste man ein eigenes Ticket kaufen. Ganz zu schweigen von den Anstrengungen beim Umsteigen, da musste man die Maschinen immer mit verschiedenen Tickets füttern.

Vor einem Monat hat dann Metro Tokyo eine wiederaufladbare Chipkarte eingeführt - Pasmo. Die gab es bis dahin lediglich von JapanRail (Suica) und konnte auch nur in den JR-Zügen verwendet werden, aber immerhin im ganzen Lande. Mit der Einführung von Pasmo ist es jetzt möglich, alle Bahnen und Busse mit einem Ticket, eben dieser wiederaufladbaren Karte zu bezahlen. Was für ein Leistung!



Aber so weit wie wir in Deutschland mit den Verkehrsverbünden sind, sind die Japaner noch lange nicht. Der Fortschritt beschränkt sich lediglich auf das Bezahlen mit dem gleichen Ticket. Weiterhin kann man nicht einfach ein Ticket von A nach B kaufen, zumindest dann nicht, wenn man umsteigen und die Bahn-Gesellschaft wechselt. Dann bezahlt man immer noch den Preis für die Strecke A bis zum Umsteigen und dann wieder vom Umsteigen bis zu B.

Trotzdem erfreut sich das neue Pasmo-Ticket sehr großer Beliebtheit. Welch Überraschung. Die ist gar so enorm, dass es seit heute, einem Monat nach der offiziellen Einführung, keine neuen Plasikkarten-Chips mehr zu kaufen gibt. Es sind einfach keine mehr vorhanden. Auf jeden Fall wurde verkündet, dass es die nächsten vier Monate halt keine neuen Tickets mehr zu kaufen geben wird. 4 Monate.

10. April 2007

Oshima & Nijima (1)

Wochenend-Ausflug

Samstag bis Montag haben wir einen Ausflug nach Oshima & Nijima gemacht. Dies sind zwei Inseln des Izu-Archipel, das sich ca. 100km+ vor Tokio befindet und administrativ auch zu Tokio gehört.


(Bild-Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Izu-Archipel)

Die Anreise kann man entweder per Flugzeug machen, oder man nimmt ein Jet-Boot. Mit dem Schiff dauert es dann ca. zwei Stunden bis Oshima.

Luftbild Oshima: link

Luftbild Nijima: link

Soviel zur Einleitung, jetzt muss ich mich die Tage mal abends hinsetzen und meine knapp 400 Bilder sortieren, die ich binnen zwei Tagen gemacht habe.....

Mein Lieblingsbild kann ich aber schon mal posten:



Jaja, die wahre Schönheit erschließt sich vielleicht nicht direkt, aber wenn man es lange genug betrachtet...

5. April 2007

Borat

Heute geht es mal nicht um Japan, sondern um Almaty, Kasachstan. Seit Wochen arbeite ich an einem Projekt, aber erst heute ist mir so richtig klar geworden, was da zur Zeit abgeht. Alle sprechen von Dubai und China, dabei haben die in Kasachstan wohl in jedem Garten eine Ölquelle gefunden.

Hier sind einige wirklich beeindruckende (sowohl positiv als auch negativ) Links:

Die offizielle Website ist ja noch ganz lustig, bin mir nicht sicher, ob alles ernst gemeint ist....
http://www.almaty.kz/page.php?lang=2

Ein ganz interessanter Blog:
http://almatydev.blogspot.com/index.html

Und hier sind einige Projektseiten:
http://www.kuat.kz/808
http://www.landmarkk.kz/landmarkk/eng/index.html

Über Geschmack lässt sich ja streiten, aber was dieser Stadt gerade angetan wird...ich hoffe doch sehr, dass wir mit unserem Projekt etwas sensibler mit der Geschichte und dem lokalen genius loci umgehen werden...

4. April 2007

Banken

Endlich komme ich zu einem Thema, über das ich schon lange mal schreiben wollte - Banken.

Meine erste direkte Berührung hatte ich kurz vor meinem Arbeitsbeginn. Schließlich musste ich ein Konto eröffnen, um meine (sehr bescheidende) Entlohnung gutschreiben zu lassen. Ich habe mich für die Shinsei-Bank (Shin=Neu, Sei=Leben) entschieden, vor allem, weil es die einzige mit einer vernünftigen englischsprachigen Webseite war.

Die Shinsei-Bank ist vor einiger Zeit von den Branding-Spezialisten von "RTKL/ID8" von Grund auf renoviert und umgestaltet worden. Was man ihr heute ansieht. Alles ist sehr stylish, alles macht Sinn, es gibt keine Umwege mehr (zur Info: http://www.rebrand.com/page.php/id/205).

Die Kontoeröffnung hat dann nicht einmal 10 Minuten gedauert. In der Filiale - oder was davon übrig geblieben ist - setzt man sich vor einen Computer, eine junge nette Angestellte hilft einem beim Eintragen der persönlichen Informationen in ein Internetformular. Dann kommt die wichtigste Entscheidung: Welche Farbe soll meine Karte haben? Tja, völlig gleichgültig habe ich mich für eine bambusfarbene Karte entschieden, was auch immer. Dann noch schnell eine Kopie meiner Aufenthaltsgenehmigung, und nach 5 weiteren Minuten halte ich meine Bankkarte in der Hand. Fertig. Super :-)



Diese Bank ist allerdings die große Ausnahme, die anderen befinden sich noch im tiefsten Mittelalter. Zum einen gibt es da Bankautomaten, deren Baujahr ungefähr mit dem Jahr der Erfindung des Feuers übereinstimmt. Und dann - kaum zu glauben - scheinen diese Bankautomaten auch noch in der Gewerkschaft zu sein. Entgegen aller Regeln auf dem hiesigen Arbeitsmarkt, scheinen die Bankautomaten geregelte Arbeitszeiten zu haben! Zumindest haben sie Öffnungszeiten! Wer zu früh oder zu spät kommt, steht vor einer verschlossenen Glastür und kann lediglich den schlafenden Automaten sehen.



Zur Erinnerung, das hier ist ein Geldautomat!

Auch seltsam, Geldabhebungen kosten zu unterschiedlichen Tageszeiten unterschiedlich viel - als würde da ein kleiner Mann in der Maschine sitzen und entsprechend bezahlt werden. Als Arbeitnehmer hat man bei den meisten Banken fast keine Chance, gebührenfrei Geld abzuheben. Glücklicherweise entwickelt sich dies genau wie die Öffnungszeiten der Bankautomaten in Richtung Normalität und dem dritten Jahrtausend. Ich bekomme glücklicherweise dank der tollen Shinsei-Ginko überall die Gebühren zurückerstattet ;-)



Also gut, festzuhalten gilt, dass in Japan die Bankautomaten bessere Arbeitszeiten haben als der normale Angestellte, und dass Banken hier nicht wirklich fortschrittlich sind. Ach, und habe ich schon meinem fantastischen Zinssatz von 0,35% erwähnt? ...

3. April 2007

Zucker

Japaner müssen aus eben diesem zusammengesetzt sein – zu dieser Erkenntnis kommt man auf jeden Fall, wenn man sich bei Regen oder "Wetter-das-nach-Regen-aussieht" durch Tokio bewegt. Sobald der Himmel etwas dunkler wird, hat auf einmal jeder einen Schirm in der Hand. Und beim ersten Nieselregen findet dieser intensive Verwendung.

Irgendwie mögen die Japaner wohl keinen Regen. Oder sie mögen es nicht, nass zu werden. Dies würde aber ihrer Bade-Tradition irgendwie widersprechen. Und es sind auch nicht nur die Frauen, die Angst um ihre Kriegsbemalung haben, wirklich jeder versucht, sich gegen die "Naturgewalt" Regen zu wehren.

Nicht selten sieht man dann auch noch in der Zeit nach einem kleinen Schauer Leute, die weiterhin unter ihrem Schirm unterwegs sind, obwohl es schon lange aufgehört hat, zu regnen.

Ich vermute mal, dass dies eine Art Tradition ist, die ursprünglich aus den 1960er und 1970er Jahren zu stammen scheint. Damals haben die hier im Zuge des ungebremsten wirtschaftlichen Wachstums derart viele Schadstoffe in die Luft gepumpt, dass damals ein Schirm wohl als lebenserhaltende Maßnahme gegen den Sauren Regen anzusehen war. Und wenn ich mir dann überlege, dass sie in den Schulen bestimmt noch Schulbücher aus eben dieser Zeit verwenden - es hat sich wohl nichts an der Einstellung geändert.Dass die Schulbücher zum Teil noch sehr alte Weltansichten vermitteln kommt alle paar Jahre mal wieder in die Medien, genau dann, wenn wieder irgendwelche Kriegsgeschehnisse sehr subjektiv wiedergegeben werden).

Man trägt weiterhin Schirm, und niemand weiß so genau, warum. Und nicht nur bei Regen, im Sommer versuchen sie sich mit Schirmen gegen die grelle Sonneneinstrahlung zu schützen, oder gegen die Wassertropfen der unzähligen Klimaanlagen, die in den engen Strassen auf die Passanten herunterfallen. Man weiß es halt nicht so genau….

p.s.: Dies ist natürlich nur meine persönliche Erklärung dieses Mysteriums.

2. April 2007

Sakura Wallpaper

Heute gibt es was auf den Desktop:

Von Sakura Wallpaper


Von Sakura Wallpaper


Von Sakura Wallpaper


Von Sakura Wallpaper


Und noch eins im 16:10 Format ;-)

Von Sakura Wallpaper


Einfach auf das Bild klicken, auf der folgenden Seite "Foto herunterladen" wählen und als Hintergrundbild speichern - schon ist ein Stückchen Japan bei euch eingezogen. Viel Spaß.

1. April 2007

Februar - April

Wie sich ein Park doch in nur 5 Wochen verändert. Die linken Bilder habe ich am 25. Februar gemacht, die rechten heute, am 1. April.

Von Hikarigaoka K...


Von Hikarigaoka K...


Von Hikarigaoka K...


Von Hikarigaoka K...

Hanami Shinjuku Park

Shinjuku Park ist ein knapp 60ha großer Park mitten in Tokyo und berühmt für seine Kirschblüte. Gestern war dementsprechend viel los. Bewaffnet mit blauen Matten und Unmengen von Essen geht es in den Park zum Hanami.

Soweit ich es jetzt verstanden habe, geht es dabei um Folgendes: man sitzt mit der ganzen Familie auf einer hässlichen blauen Plastikmatte, isst, isst, isst und macht zwischendurch immer mal wieder Bilder von den Kirschblüten. Mehr passiert eigentlich nicht. Und es ist erlaubt, Plätze zu reservieren, also mit den blauen Matten abzustecken.

Das mit den blauen Matten ist meiner Ansicht nach ein Unding. Da erstrahlt der Park in seiner kompletten Kirschblüte, und was machen die Leute, sie bringen die wohl hässlichsten Matten (entweder die blauen Abdeckmatten oder "Hello-Kitty oder "Mickey Mouse") mit und "verunreinigen" das visuelle Erlebnis völlig. Völlig geschmackfrei. Alle sind beeindruckt von der Schönheit der Kirschblüte, aber für eine etwas geschmackvollere Matte reicht es dann nicht mehr. Sehr widersprüchlich für mein Empfinden. Na ja, wäre wohl eine "blühende" Business-Idee, entsprechende Hanami-Matten zu vermarkten.

Übrigens sieht man diese blauen Matten im Park das ganze Jahr, wenn gerade keine Kirschblüte ist, bauen sich hiermit die Obdachlosen ihr zuhause auf.

Hier einige Bilder von gestern. Und es soll sich noch einmal jemand beschweren, ich würde keine Menschen fotografieren...

Hanami Shinjuku Park